Cottoidei

Cottoidei

Groppe (Cottus gobio)

Systematik
Ctenosquamata
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Cottoidei
Wissenschaftlicher Name
Cottoidei

Die Cottoidei sind eine Unterordnung der Barschartigen (Perciformes). Sie besteht aus sechs Teilordnungen und wurde in diesem Umfang erst in der Anfang 2013 veröffentlichten Revision der Knochenfischsystematik durch Betancur-R. und Kollegen aufgestellt.[1] Von den Teilordnungen wurden die Groppenverwandten (Cottales) in älteren Systematiken als Unterordnung Cottoidei (inklusive Skilfische (Anoplopomatidae), Grünlinge (Hexagrammidae) und heutige Zaniolepididae) der Ordnung der Drachenkopfartigen oder Panzerwangen (Scorpaeniformes) zugeordnet, die Aalmutterverwandten (Zoarcales) hatten unter der Bezeichnung Zoarcoidei den Rang einer Unterordnung in der Ordnung der Barschartigen und die Stichlingsartigen (Gasterosteales) waren als Gasterosteiformes eine eigenständige Ordnung.[2]

Die nahe Verwandtschaft von Groppen- und Aalmutterverwandten und die Polyphylie der Scorpaeniformes wurde schon vor etwa zehn Jahren durch vergleichende morphologische Untersuchungen festgestellt,[3][4] die Verwandtschaft der Stichlingsartigen mit den beiden anderen beiden Gruppen später durch molekulargenetische Vergleiche ermittelt.[1][5][6][7][8][4]

Der Lebensraum der Cottoidei sind vor allem die kühlen Meere der nördlichen Erdhalbkugel. Nur die meisten Stichlinge und fast alle Arten der Groppen (Cottidae) kommen in Süßgewässern vor.[9]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Cottoidei gehören vor allem langgestreckte Bodenbewohner. Insgesamt geben die japanischen Ichthyologen Imamura & Yabe 13 Synapomorphien für ein Taxon aus Groppen und Verwandte und Aalmutterverwandten an.[3] Dazu gehören:

Neunstachliger Stichling (Pungitius pungitius)
  • Parasphenoid und Pterosphenoid, zwei Schädelknochen, sind zusammengewachsen.
  • Sechs Branchiostegalstrahlen.
  • Das dritte Epibranchiale (Knochenstütze des oberen Astes des dritten Kiemenbogens) ist ohne Zahnplatte.
  • Das seitliche Extrascapulare (ein Schädelknochen) besteht aus zwei Einzelknochen.
  • Supraneuralia (Teile der Wirbel) fehlen.
  • Die Flossenstrahlenträger (Pterygiophor) der Rückenflosse stehen einzeln in den Zwischenräumen zwischen den Neuralfortsätzen der Wirbel.
  • In der Afterflosse fehlen Stachelstrahlen mit robusten Flossenträgern (Pterygiophoren).
  • Eine Schwimmblase fehlt.
  • Auf dem Scheitelbein (Parietale) ist das Sensorische System ohne Stacheln.

Die oben angegebenen morphologischen Merkmale gelten für ein Taxon aus Groppen- und Aalmutterverwandten, werden aber auch bei außerhalb stehenden Gruppen gefunden und könnten Synapomorphien eines höheren Taxons sein.[3] Die Zuordnung der Stichlingsartigen zu den Cottoidei gründet sich vor allem auf molekulargenetische Untersuchungen.[1][5][6][7][8][4]

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kladogramm zeigt die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Cottoidei (ohne Aalmutterverwandte und Stichlingsartige):[9]
  Cottoidei  

 Skilfische (Anoplopomatidae)


   

 Zaniolepididae (Oxylebius + Zaniolepis)


   

 Grünlinge (Hexagrammidae)


  Cottales  

 Trichodontidae


   
  Cyclopteroidea  

 Seehasen (Cyclopteridae)


   

 Scheibenbäuche (Liparidae)



 Cottoidea 

 Jordaniidae


   

 Rhamphocottidae


   

 Scorpaenichthyidae


   

 Panzergroppen (Agonidae)


   

 Groppen (Cottidae)


   

 Dickkopf-Groppen (Psychrolutidae)











[[]]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abc Ricardo Betancur-R., Richard E. Broughton, Edward O. Wiley, Kent Carpenter, J. Andrés López, Chenhong Li, Nancy I. Holcroft, Dahiana Arcila, Millicent Sanciangco, James C Cureton II, Feifei Zhang, Thaddaeus Buser, Matthew A. Campbell, Jesus A Ballesteros, Adela Roa-Varon, Stuart Willis, W. Calvin Borden, Thaine Rowley, Paulette C. Reneau, Daniel J. Hough, Guoqing Lu, Terry Grande, Gloria Arratia, Guillermo Ortí: The Tree of Life and a New Classification of Bony Fishes. PLOS Currents Tree of Life. 2013 Apr 18. Edition 1. doi:10.1371/currents.tol.53ba26640df0ccaee75bb165c8c26288, PDF (Memento des Originals vom 13. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/currents.plos.org
  2. Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  3. abc H. Imamura & M. Yabe: Demise of the Scorpaeniformes (Actinopterygii: Percomorpha): An Alternative Phylogenetic Hypothesis. Bulletin of Fisheries Sciences, Hokkaido University, VOL.53, NO.3, PAGE.107-128(2002) Abstract (Memento des Originals vom 30. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sciencelinks.jp
  4. abc Wm.Leo Smith, Ward C Wheeler: Polyphyly of the mail-cheeked fishes (Teleostei: Scorpaeniformes): evidence from mitochondrial and nuclear sequence data. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 32, 2004, S. 627, doi:10.1016/j.ympev.2004.02.006.
  5. ab Chen W.-J., Bonillo, C. & Lecointre, G. (2003): Repeatability of clades as a criterion of reliability: a case study for molecular phylogeny of Acanthomorpha (Teleostei) with larger number of taxa. – Molec. Phylogenet. Evol. 26(2): 262-288.
  6. ab Agnès Dettai & Guillaume Lecointre: Further support for the clades obtained by multiple molecular phylogenies in the acanthomorph bush. Comptes Rendus Biologies, Volume 328, Issue 7, July 2005, Pages 674-689 doi:10.1016/j.crvi.2005.04.002
  7. ab Masaki Miya et al. (2003): Major patterns of higher teleostean phylogenies: a new perspective based on 100 complete mitochondrial DNA sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 26, Issue 1, January 2003, Pages 121-138 doi:10.1016/S1055-7903(02)00332-9
  8. ab Thomas J. Near, A. Dornburg, R.I. Eytan, B.P. Keck, W.L. Smith, K.L. Kuhn, J.A. Moore, S.A. Price, F.T. Burbrink, M. Friedman & P.C. Wainwright. 2013. Phylogeny and tempo of diversification in the superradiation of spiny-rayed fishes. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 101:12738-21743. doi: 10.1073/pnas.1304661110, PDF
  9. abc W. Leo Smith & Morgan S. Busby: Phylogeny and Taxonomy of Sculpins, Sandfishes, and Snailfishes (Perciformes: Cottoidei) with Comments on the Phylogenetic Significance of their Early-Life-History Specializations. Molecular Phylogenetics and Evolution, 8 Juli 2014, DOI: 10.1016/j.ympev.2014.06.028

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cottoidei

Groppe (Cottus gobio)

Systematik
Ctenosquamata
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Cottoidei
Wissenschaftlicher Name
Cottoidei

Die Cottoidei sind eine Unterordnung der Barschartigen (Perciformes). Sie besteht aus sechs Teilordnungen und wurde in diesem Umfang erst in der Anfang 2013 veröffentlichten Revision der Knochenfischsystematik durch Betancur-R. und Kollegen aufgestellt.[1] Von den Teilordnungen wurden die Groppenverwandten (Cottales) in älteren Systematiken als Unterordnung Cottoidei (inklusive Skilfische (Anoplopomatidae), Grünlinge (Hexagrammidae) und heutige Zaniolepididae) der Ordnung der Drachenkopfartigen oder Panzerwangen (Scorpaeniformes) zugeordnet, die Aalmutterverwandten (Zoarcales) hatten unter der Bezeichnung Zoarcoidei den Rang einer Unterordnung in der Ordnung der Barschartigen und die Stichlingsartigen (Gasterosteales) waren als Gasterosteiformes eine eigenständige Ordnung.[2]

Die nahe Verwandtschaft von Groppen- und Aalmutterverwandten und die Polyphylie der Scorpaeniformes wurde schon vor etwa zehn Jahren durch vergleichende morphologische Untersuchungen festgestellt,[3][4] die Verwandtschaft der Stichlingsartigen mit den beiden anderen beiden Gruppen später durch molekulargenetische Vergleiche ermittelt.[1][5][6][7][8][4]

Der Lebensraum der Cottoidei sind vor allem die kühlen Meere der nördlichen Erdhalbkugel. Nur die meisten Stichlinge und fast alle Arten der Groppen (Cottidae) kommen in Süßgewässern vor.[9]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Cottoidei gehören vor allem langgestreckte Bodenbewohner. Insgesamt geben die japanischen Ichthyologen Imamura & Yabe 13 Synapomorphien für ein Taxon aus Groppen und Verwandte und Aalmutterverwandten an.[3] Dazu gehören:

Neunstachliger Stichling (Pungitius pungitius)
  • Parasphenoid und Pterosphenoid, zwei Schädelknochen, sind zusammengewachsen.
  • Sechs Branchiostegalstrahlen.
  • Das dritte Epibranchiale (Knochenstütze des oberen Astes des dritten Kiemenbogens) ist ohne Zahnplatte.
  • Das seitliche Extrascapulare (ein Schädelknochen) besteht aus zwei Einzelknochen.
  • Supraneuralia (Teile der Wirbel) fehlen.
  • Die Flossenstrahlenträger (Pterygiophor) der Rückenflosse stehen einzeln in den Zwischenräumen zwischen den Neuralfortsätzen der Wirbel.
  • In der Afterflosse fehlen Stachelstrahlen mit robusten Flossenträgern (Pterygiophoren).
  • Eine Schwimmblase fehlt.
  • Auf dem Scheitelbein (Parietale) ist das Sensorische System ohne Stacheln.

Die oben angegebenen morphologischen Merkmale gelten für ein Taxon aus Groppen- und Aalmutterverwandten, werden aber auch bei außerhalb stehenden Gruppen gefunden und könnten Synapomorphien eines höheren Taxons sein.[3] Die Zuordnung der Stichlingsartigen zu den Cottoidei gründet sich vor allem auf molekulargenetische Untersuchungen.[1][5][6][7][8][4]

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kladogramm zeigt die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Cottoidei (ohne Aalmutterverwandte und Stichlingsartige):[9]
  Cottoidei  

 Skilfische (Anoplopomatidae)


   

 Zaniolepididae (Oxylebius + Zaniolepis)


   

 Grünlinge (Hexagrammidae)


  Cottales  

 Trichodontidae


   
  Cyclopteroidea  

 Seehasen (Cyclopteridae)


   

 Scheibenbäuche (Liparidae)



 Cottoidea 

 Jordaniidae


   

 Rhamphocottidae


   

 Scorpaenichthyidae


   

 Panzergroppen (Agonidae)


   

 Groppen (Cottidae)


   

 Dickkopf-Groppen (Psychrolutidae)











[[]]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abc Ricardo Betancur-R., Richard E. Broughton, Edward O. Wiley, Kent Carpenter, J. Andrés López, Chenhong Li, Nancy I. Holcroft, Dahiana Arcila, Millicent Sanciangco, James C Cureton II, Feifei Zhang, Thaddaeus Buser, Matthew A. Campbell, Jesus A Ballesteros, Adela Roa-Varon, Stuart Willis, W. Calvin Borden, Thaine Rowley, Paulette C. Reneau, Daniel J. Hough, Guoqing Lu, Terry Grande, Gloria Arratia, Guillermo Ortí: The Tree of Life and a New Classification of Bony Fishes. PLOS Currents Tree of Life. 2013 Apr 18. Edition 1. doi:10.1371/currents.tol.53ba26640df0ccaee75bb165c8c26288, PDF (Memento des Originals vom 13. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/currents.plos.org
  2. Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  3. abc H. Imamura & M. Yabe: Demise of the Scorpaeniformes (Actinopterygii: Percomorpha): An Alternative Phylogenetic Hypothesis. Bulletin of Fisheries Sciences, Hokkaido University, VOL.53, NO.3, PAGE.107-128(2002) Abstract (Memento des Originals vom 30. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sciencelinks.jp
  4. abc Wm.Leo Smith, Ward C Wheeler: Polyphyly of the mail-cheeked fishes (Teleostei: Scorpaeniformes): evidence from mitochondrial and nuclear sequence data. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 32, 2004, S. 627, doi:10.1016/j.ympev.2004.02.006.
  5. ab Chen W.-J., Bonillo, C. & Lecointre, G. (2003): Repeatability of clades as a criterion of reliability: a case study for molecular phylogeny of Acanthomorpha (Teleostei) with larger number of taxa. – Molec. Phylogenet. Evol. 26(2): 262-288.
  6. ab Agnès Dettai & Guillaume Lecointre: Further support for the clades obtained by multiple molecular phylogenies in the acanthomorph bush. Comptes Rendus Biologies, Volume 328, Issue 7, July 2005, Pages 674-689 doi:10.1016/j.crvi.2005.04.002
  7. ab Masaki Miya et al. (2003): Major patterns of higher teleostean phylogenies: a new perspective based on 100 complete mitochondrial DNA sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 26, Issue 1, January 2003, Pages 121-138 doi:10.1016/S1055-7903(02)00332-9
  8. ab Thomas J. Near, A. Dornburg, R.I. Eytan, B.P. Keck, W.L. Smith, K.L. Kuhn, J.A. Moore, S.A. Price, F.T. Burbrink, M. Friedman & P.C. Wainwright. 2013. Phylogeny and tempo of diversification in the superradiation of spiny-rayed fishes. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 101:12738-21743. doi: 10.1073/pnas.1304661110, PDF
  9. abc W. Leo Smith & Morgan S. Busby: Phylogeny and Taxonomy of Sculpins, Sandfishes, and Snailfishes (Perciformes: Cottoidei) with Comments on the Phylogenetic Significance of their Early-Life-History Specializations. Molecular Phylogenetics and Evolution, 8 Juli 2014, DOI: 10.1016/j.ympev.2014.06.028

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