Dakar-Konferenz

Die Dakar-Konferenz fand vom 9. bis zum 12. Juli 1987 in Dakar (Senegal) statt und hatte das Ziel, Möglichkeiten einer friedlichen Überwindung der Apartheid in Südafrika zu sondieren. Die Teilnehmer der Konferenz setzten sich einerseits aus 17 Vertretern des African National Congress (ANC) im Exil und andererseits aus 61 weißen oppositionellen Südafrikanern zusammen.[1] Die Dakar-Konferenz stellte nicht das erste, wohl aber das bis dato größte Zusammentreffen dieser Art dar. Der in Dakar begonnene politische Dialog zwischen schwarzen und weißen Südafrikanern schuf gegenseitiges Vertrauen und baute Ängste vor der jeweils anderen Seite ab.[2] So kam ein Prozess in Gang, der letztlich zur weitgehend friedlichen Überwindung der Apartheid in Südafrika führte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der 1980er Jahre nahm der Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika immer weiter zu. Es kam zu Aufruhr in den Townships und gewalttätigem Widerstand, beispielsweise durch den ANC. Auch wenn es eine wachsende Gruppe weißer Südafrikaner gab, die die Apartheid kritisch betrachteten, vertiefte sich der Graben zwischen Schwarzen und Weißen und beschwor die Gefahr eines Bürgerkriegs herauf.[3] Der ANC war in Südafrika verboten, seine Anführer waren inhaftiert oder lebten im Untergrund bzw. im Exil.

Im Januar 1986 legten Frederik van Zyl Slabbert und Alex Boraine, bis dahin Mitglieder der Progressive Federal Party und Abgeordnete des südafrikanischen Parlaments, ihre Parteimitgliedschaft und ihren Sitz im Parlament nieder und gründeten das Institute for Democratic Alternatives in South Africa (IDASA), um fortan in der außerparlamentarischen Opposition auf eine friedliche Überwindung der Apartheid hinzuarbeiten.[4] Das Institut knüpfte Kontakte zwischen der Afrikaaner-Intelligentsia und dem ANC und organisierte inoffizielle kleinere Treffen außerhalb Südafrikas zwischen Vertretern dieser Gruppen.[5] Dabei entstand der Wunsch, sich in größerem Rahmen zu treffen und Meinungen auszutauschen, was schließlich zur Organisation der Konferenz in Dakar führte.

Über das Vorhaben der Dakar-Konferenz, zeitgenössisch als Dakar Safari bezeichnet, wurde bereits im Vorfeld das NIS informiert. Ein landesweit bekannter Journalist und Kommentator aus dem Kreise der Afrikaaner hatte dem Vizechef des südafrikanischen Nachrichtendienstes, Mike Louw, die entsprechenden Informationen überbracht. Louw war gegen solche Gespräche und befürchtete einen negativen Einfluss auf die ersten vorsichtigen Annäherungen der Regierung an den ANC über Nelson Mandela.[6]

Verlauf der Konferenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konferenz fand vom 9. bis zum 12. Juli 1987 in Dakar statt, Schirmherren waren Abdou Diouf, der Präsident des Senegal, und Danielle Mitterrand, die Frau des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand.[7] Finanziert wurde die Konferenz unter anderem von der Stiftung France Libertés, der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie Personen, Institutionen, Firmen und Privatpersonen aus der Schweiz, den USA, Skandinavien und Westeuropa.[8]

Im offiziellen Teil der Konferenz diskutierten die Teilnehmer im Plenum die Themengebiete Entwerfen einer politischen Strategie,  nationale Einheit in einem künftigen Post-Apartheid Südafrika, Struktur der künftigen Regierung und Verwaltung sowie Struktur der Wirtschaft.[7] Der informelle Teil der Konferenz diente vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen, der Vertrauensbildung und der Diskussion über Themen wie beispielsweise den bewaffneten Widerstand, die Beendigung der Gewalt, die Zukunft des Afrikaans und der Afrikaaner und das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen im zukünftigen Südafrika.

Zwar waren sich die Teilnehmer der Konferenz bei all diesen Punkten keineswegs einig, Einigkeit bestand lediglich in der gemeinsamen Ablehnung der Apartheid und der derzeitigen Regierung. Dennoch wurden alle Diskussionen und Streitgespräche stets sachlich und konstruktiv geführt mit dem gemeinsamen Willen, Konflikte durch Dialog zu lösen.[2]

Nach der Konferenz in Dakar reisten Teilnehmer beider Delegationen nach Burkina Faso und Ghana weiter, wo sie die Gespräche in kleinerem Kreis fortsetzten und mit dortigen Politikern sprachen.

Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Dakar-Konferenz nahmen unter anderem teil:[1]

Auf Seiten des ANC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Seiten der IDASA-Delegation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Rückkehr nach Südafrika wurden die Teilnehmer der IDASA-Delegation in der Öffentlichkeit und den Medien teils massiv angegriffen und als „Verräter“ und „Terroristen“ bezeichnet, besonders heftig von Seiten der rechtsextremen südafrikanischen Burengruppierung Afrikaner Weerstandsbeweging um Eugène Terre’Blanche.[9] Dennoch hatte die Dakar-Konferenz einen Prozess des friedlichen Dialogs angestoßen, der nicht mehr aufzuhalten war. In den folgenden Monaten und Jahren kam es zu zahlreichen weiteren größeren und kleineren Treffen zwischen weißen Südafrikanern und dem ANC, unter anderem vom 24. bis 27. Oktober 1988 in Leverkusen.[10] Dieser in Dakar begonnene Dialog, das zunehmende gegenseitige Vertrauen zwischen weißen und schwarzen Südafrikanern waren ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer friedlichen Überwindung der Apartheid.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ab Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, S. 53–58.
  2. ab Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum 2018, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, Vorwort von Ian Liebenberg, S. 12–15.
  3. Stephan Kaussen: Von der Apartheid zur Demokratie. Die politische Transformation Südafrikas. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 978-3-531-14112-1, S. 88–93.
  4. John D. Battersby, Special to the New York Times: South Africa's Liberals: Divided and Dropping Out. In: The New York Times. 21. Februar 1988, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 23. Januar 2018]).
  5. Hermann Giliomee: The Last Afrikaner Leaders: A Supreme Test of Power. University of Virginia Press, 2013, ISBN 978-0-8139-3495-2 (com.au [abgerufen am 23. Januar 2018]).
  6. Maritz Spaarwater: A Spook’s Progress. From Making War to Making Peace. Zebra Press (Random House Struik), Cape Town 2012, ISBN 978-1-77022-437-7, S. 173
  7. ab Michael Savage: Dakar Dialogue. In: http://disa.ukzn.ac.za/. 1987, abgerufen am 23. Januar 2018 (englisch).
  8. Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, S. 61–62.
  9. John D. Battersby, Special to the New York Times: South African Delegation Is Met by Protests. In: The New York Times. 22. Juli 1987, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 23. Januar 2018]).
  10. Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, S. 93–107.

Die Dakar-Konferenz fand vom 9. bis zum 12. Juli 1987 in Dakar (Senegal) statt und hatte das Ziel, Möglichkeiten einer friedlichen Überwindung der Apartheid in Südafrika zu sondieren. Die Teilnehmer der Konferenz setzten sich einerseits aus 17 Vertretern des African National Congress (ANC) im Exil und andererseits aus 61 weißen oppositionellen Südafrikanern zusammen.[1] Die Dakar-Konferenz stellte nicht das erste, wohl aber das bis dato größte Zusammentreffen dieser Art dar. Der in Dakar begonnene politische Dialog zwischen schwarzen und weißen Südafrikanern schuf gegenseitiges Vertrauen und baute Ängste vor der jeweils anderen Seite ab.[2] So kam ein Prozess in Gang, der letztlich zur weitgehend friedlichen Überwindung der Apartheid in Südafrika führte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der 1980er Jahre nahm der Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika immer weiter zu. Es kam zu Aufruhr in den Townships und gewalttätigem Widerstand, beispielsweise durch den ANC. Auch wenn es eine wachsende Gruppe weißer Südafrikaner gab, die die Apartheid kritisch betrachteten, vertiefte sich der Graben zwischen Schwarzen und Weißen und beschwor die Gefahr eines Bürgerkriegs herauf.[3] Der ANC war in Südafrika verboten, seine Anführer waren inhaftiert oder lebten im Untergrund bzw. im Exil.

Im Januar 1986 legten Frederik van Zyl Slabbert und Alex Boraine, bis dahin Mitglieder der Progressive Federal Party und Abgeordnete des südafrikanischen Parlaments, ihre Parteimitgliedschaft und ihren Sitz im Parlament nieder und gründeten das Institute for Democratic Alternatives in South Africa (IDASA), um fortan in der außerparlamentarischen Opposition auf eine friedliche Überwindung der Apartheid hinzuarbeiten.[4] Das Institut knüpfte Kontakte zwischen der Afrikaaner-Intelligentsia und dem ANC und organisierte inoffizielle kleinere Treffen außerhalb Südafrikas zwischen Vertretern dieser Gruppen.[5] Dabei entstand der Wunsch, sich in größerem Rahmen zu treffen und Meinungen auszutauschen, was schließlich zur Organisation der Konferenz in Dakar führte.

Über das Vorhaben der Dakar-Konferenz, zeitgenössisch als Dakar Safari bezeichnet, wurde bereits im Vorfeld das NIS informiert. Ein landesweit bekannter Journalist und Kommentator aus dem Kreise der Afrikaaner hatte dem Vizechef des südafrikanischen Nachrichtendienstes, Mike Louw, die entsprechenden Informationen überbracht. Louw war gegen solche Gespräche und befürchtete einen negativen Einfluss auf die ersten vorsichtigen Annäherungen der Regierung an den ANC über Nelson Mandela.[6]

Verlauf der Konferenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konferenz fand vom 9. bis zum 12. Juli 1987 in Dakar statt, Schirmherren waren Abdou Diouf, der Präsident des Senegal, und Danielle Mitterrand, die Frau des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand.[7] Finanziert wurde die Konferenz unter anderem von der Stiftung France Libertés, der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie Personen, Institutionen, Firmen und Privatpersonen aus der Schweiz, den USA, Skandinavien und Westeuropa.[8]

Im offiziellen Teil der Konferenz diskutierten die Teilnehmer im Plenum die Themengebiete Entwerfen einer politischen Strategie,  nationale Einheit in einem künftigen Post-Apartheid Südafrika, Struktur der künftigen Regierung und Verwaltung sowie Struktur der Wirtschaft.[7] Der informelle Teil der Konferenz diente vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen, der Vertrauensbildung und der Diskussion über Themen wie beispielsweise den bewaffneten Widerstand, die Beendigung der Gewalt, die Zukunft des Afrikaans und der Afrikaaner und das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen im zukünftigen Südafrika.

Zwar waren sich die Teilnehmer der Konferenz bei all diesen Punkten keineswegs einig, Einigkeit bestand lediglich in der gemeinsamen Ablehnung der Apartheid und der derzeitigen Regierung. Dennoch wurden alle Diskussionen und Streitgespräche stets sachlich und konstruktiv geführt mit dem gemeinsamen Willen, Konflikte durch Dialog zu lösen.[2]

Nach der Konferenz in Dakar reisten Teilnehmer beider Delegationen nach Burkina Faso und Ghana weiter, wo sie die Gespräche in kleinerem Kreis fortsetzten und mit dortigen Politikern sprachen.

Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Dakar-Konferenz nahmen unter anderem teil:[1]

Auf Seiten des ANC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Seiten der IDASA-Delegation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Rückkehr nach Südafrika wurden die Teilnehmer der IDASA-Delegation in der Öffentlichkeit und den Medien teils massiv angegriffen und als „Verräter“ und „Terroristen“ bezeichnet, besonders heftig von Seiten der rechtsextremen südafrikanischen Burengruppierung Afrikaner Weerstandsbeweging um Eugène Terre’Blanche.[9] Dennoch hatte die Dakar-Konferenz einen Prozess des friedlichen Dialogs angestoßen, der nicht mehr aufzuhalten war. In den folgenden Monaten und Jahren kam es zu zahlreichen weiteren größeren und kleineren Treffen zwischen weißen Südafrikanern und dem ANC, unter anderem vom 24. bis 27. Oktober 1988 in Leverkusen.[10] Dieser in Dakar begonnene Dialog, das zunehmende gegenseitige Vertrauen zwischen weißen und schwarzen Südafrikanern waren ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer friedlichen Überwindung der Apartheid.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ab Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, S. 53–58.
  2. ab Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum 2018, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, Vorwort von Ian Liebenberg, S. 12–15.
  3. Stephan Kaussen: Von der Apartheid zur Demokratie. Die politische Transformation Südafrikas. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 978-3-531-14112-1, S. 88–93.
  4. John D. Battersby, Special to the New York Times: South Africa's Liberals: Divided and Dropping Out. In: The New York Times. 21. Februar 1988, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 23. Januar 2018]).
  5. Hermann Giliomee: The Last Afrikaner Leaders: A Supreme Test of Power. University of Virginia Press, 2013, ISBN 978-0-8139-3495-2 (com.au [abgerufen am 23. Januar 2018]).
  6. Maritz Spaarwater: A Spook’s Progress. From Making War to Making Peace. Zebra Press (Random House Struik), Cape Town 2012, ISBN 978-1-77022-437-7, S. 173
  7. ab Michael Savage: Dakar Dialogue. In: http://disa.ukzn.ac.za/. 1987, abgerufen am 23. Januar 2018 (englisch).
  8. Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, S. 61–62.
  9. John D. Battersby, Special to the New York Times: South African Delegation Is Met by Protests. In: The New York Times. 22. Juli 1987, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 23. Januar 2018]).
  10. Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus Praeteritum, Kiel 2018, ISBN 978-3-947064-01-4, S. 93–107.
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