Eberhard Christian Kindermann

Eberhard Christian Kindermann (* um 1715 in Weißenfels, damals Herzogtum Sachsen-Weißenfels, heute Sachsen-Anhalt; † 2. Hälfte des 18. Jh.) war ein weniger bekannter kursächsischer Hofastronom und Mathematiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs in Weißenfels auf, besuchte ab 1733[1] das dortige Gymnasium illustre Augusteum und war Schüler von Christian Ludewig Büttner und Heinrich Engelhard Poley, dem deutschen Übersetzer der Werke von John Locke. Er hielt sich nach Abschluss der Schulausbildung vermutlich Ende der 1730er und Anfang der 1740er Jahre in Leipzig auf und konnte aus pekunären Gründen kein richtiges Universitätsstudium aufnehmen, was man heute aus seinen legitimatorischen Äußerungen in den Vorreden seiner Schriften annimmt. Als Autodidakt sah er sich offensichtlich gezwungen seine Forschungen als Laie immer wieder zu verteidigen.Er schloss sich dem Kreis um Johann Christoph Gottsched an und nahm dann eine Stelle als Sekretär in Dresden an.[2]

Er ist nach Russland gegangen, war Schwiegervater von Georg Moritz Lowitz [3] und Deutschlehrer in Moskau.[4]

Erster deutschsprachiger Science-Fiction-Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1739 veröffentlichte er seine erste astronomische Arbeit, die Reise in Gedancken durch die eröffneten allgemeinen Himmels-Kugeln,.... Dem folgte 1744 eine vollständige Überarbeitung als Vollständige Astronomie,... und dann im gleichen Jahr in Berlin Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngstlich fünff Personen angestellt..., das erste und einzige literarische Werk von ihm. Diese Reise führte die Personen in den allegorischen Gestalten der fünf Sinne in einem Schiff aus Sandelholz auf den ersten Mars-Mond. Diese kurze Abhandlung, sein Hauptwerk, wird allgemein als erster Science-Fiction-Text in deutscher Sprache angesehen und ist repräsentativ für die Science-Fiction Literatur im 18ten Jahrhundert, welche schon vor 1744 in Frankreich und England begonnen hatte.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindermann legt besonderen Wert auf die technischen Aspekte der phantastischen Reise wie Beobachtung der Himmelskarte oder eine Berechnung der Entfernung der Erde vom Mars. Die Fahrt durch die verschiedenen Sphären, die vier Elemente sowie die Zonen der Apokalypse wird den Reisenden möglich gemacht durch sechs luftentleerte Kupferkugeln, die nach den Ideen des italienischen Jesuiten Francesco Lana Terzi gebaut wurden. Dessen Vorstellungen in einer 1670 veröffentlichten Darstellung beruhte auf den Entdeckungen von Otto von Guericke bezogen auf das Vakuum. Die Handlung ist voller Allegorien aus der griechisch-römischen Mythologie. Es kommt zum Beispiel zu Begegnungen mit Fama und der Göttin Bellona. Der Erzählstil ist typisch für den Barock und schildert eine religiöse Utopie in der die Marsianer direkt mit Gott verkehren und nicht über das vermittelnde Medium der Bibel. Diese engelsgleichen Wesen bewohnen neben Kentauren und Faunen die Monde des Mars sind jedoch nicht frei von Sünden.

Rezeption und Nachspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindermann wird als bedeutend für die autodidaktische Bildung von Johann George Palitzsch genannt.[5]

Im Jahre 1783 haben die Gebrüder Montgolfier zum ersten Mal eine Luftfahrt in einem Ballon mittels erhitzter Luft unternommen. Die Marsmonde wurden erst im Jahre 1877 entdeckt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt des Buches Vollständige Astronomie,...
  • Reise in Gedancken durch die eröffneten allgemeinen Himmels-Kugeln, auf welcher alle von Gott erschaffene Welt-Cörper, sowohl deren Namen, Natur und Eigenschafften nach gantz genau betrachtet, als auch wie alle diese Cörper in Cometen, und endlich in ein Nichts verwandelt werden, Rudolstadt, Verlag Wolffgang Deer 1739
  • Vollständige Astronomie, oder Sonderbare Betrachtungen derer vornehmsten an dem Firmament befindlichen Planeten und Sterne, Überarbeitete Neuauflage seines 1739 erschienenen Werkes, Verlag Wolffgang Deer, Rudolstadt 1744.
  • Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngstlich fünff Personen angestellt, Berlin 1744
  • Astronomische Beschreibung und Nachricht von dem Kometen 1746 und den noch kommenden, welche in denen innen besagten Jahren erscheinen werden., Dresden 1746
  • Physica sacra, oder die Lehre der ganzen Natur, nicht veröffentlichte Handschrift von 1748, codex germanicus fol. 132, Band I und IV der Preußischen Staatsbibliothek Berlin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • in Johannes Mittenzwei, Hg.: Phantastische Weltraumfahrten. Neues Leben, Berlin 1961, S. 23–36, sprachlich geglättet und mit Illustrationen von Heinz Bormann. Nachwort, Biographie, Glossar. Es fehlt die Vorrede Kindermanns, die bei Dejong S. 37–39 zu finden ist.
  • Die geschwinde reise auft dem luft-schiff nach der obern welt. Dr. Otto, Berlin 1923.
  • Hendrikus J. J. Dejong, Hg.: Die Geschwinde Reise. Science-Fiction aus dem Jahr 1744, Dejong, Zürich bzw. Books on Demand, Norderstedt 2006 ISBN 978-3-033-00703-1.[6]
  • Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngstlich fünff Personen angestellt.., neu ediert und kommentiert von Hania Siebenpfeiffer; Wehrhahn Verlag, Hannover 2010, ISBN 978-3-86525-139-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weißenfelser hilft russischem Reich Mitteldeutsche Zeitung, 22. April 2000
  2. Martin Mulsow: Freigeister im Gottsched-Kreis: Wolffianismus, studentische Aktivitäten und Religionskritik in Leipzig 1740-1745. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0202-0, S. 100 ff. (239 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. siehe Deutsches Museum , 2. St. Febr. 1776, S. 184f und Alexander Nicolaus Scherer: Worte der Erinnerung an das Leben und die Verdienste von Tobias Lowitz: gesprochen in der ... Hauptversammlung der pharmaceutischen Gesellschaft zu St. Petersburg am 12. Dez. 1819 Verlag Schnoor 1820, S. 10
  4. Kristine Koch: Deutsch als Fremdsprache im Rußland des 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte des Fremdsprachenlernens in Europa und zu den deutsch-russischen Beziehungen, Band 1 von Die Geschichte des Deutschen als Fremdsprache. Verlag Walter de Gruyter 2002, S. 200
  5. "... Indessen war ihm dieses Buch doch nach seinem eignen Geständnisse sehr willkommen ..", (anonym): Schattenrisse edler Teutschen. Band 3, Halle 1784, S. 202
  6. Enthält: Vorwort des Hg.: Was ist Sciencefiction; die Version von 1744 S. 37 - 88; Neuversion durch Hg. erstellt; Nacherzählung durch den Hg.- Im Internet-Handel online les- oder durchsuchbar

Eberhard Christian Kindermann (* um 1715 in Weißenfels, damals Herzogtum Sachsen-Weißenfels, heute Sachsen-Anhalt; † 2. Hälfte des 18. Jh.) war ein weniger bekannter kursächsischer Hofastronom und Mathematiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs in Weißenfels auf, besuchte ab 1733[1] das dortige Gymnasium illustre Augusteum und war Schüler von Christian Ludewig Büttner und Heinrich Engelhard Poley, dem deutschen Übersetzer der Werke von John Locke. Er hielt sich nach Abschluss der Schulausbildung vermutlich Ende der 1730er und Anfang der 1740er Jahre in Leipzig auf und konnte aus pekunären Gründen kein richtiges Universitätsstudium aufnehmen, was man heute aus seinen legitimatorischen Äußerungen in den Vorreden seiner Schriften annimmt. Als Autodidakt sah er sich offensichtlich gezwungen seine Forschungen als Laie immer wieder zu verteidigen.Er schloss sich dem Kreis um Johann Christoph Gottsched an und nahm dann eine Stelle als Sekretär in Dresden an.[2]

Er ist nach Russland gegangen, war Schwiegervater von Georg Moritz Lowitz [3] und Deutschlehrer in Moskau.[4]

Erster deutschsprachiger Science-Fiction-Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1739 veröffentlichte er seine erste astronomische Arbeit, die Reise in Gedancken durch die eröffneten allgemeinen Himmels-Kugeln,.... Dem folgte 1744 eine vollständige Überarbeitung als Vollständige Astronomie,... und dann im gleichen Jahr in Berlin Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngstlich fünff Personen angestellt..., das erste und einzige literarische Werk von ihm. Diese Reise führte die Personen in den allegorischen Gestalten der fünf Sinne in einem Schiff aus Sandelholz auf den ersten Mars-Mond. Diese kurze Abhandlung, sein Hauptwerk, wird allgemein als erster Science-Fiction-Text in deutscher Sprache angesehen und ist repräsentativ für die Science-Fiction Literatur im 18ten Jahrhundert, welche schon vor 1744 in Frankreich und England begonnen hatte.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindermann legt besonderen Wert auf die technischen Aspekte der phantastischen Reise wie Beobachtung der Himmelskarte oder eine Berechnung der Entfernung der Erde vom Mars. Die Fahrt durch die verschiedenen Sphären, die vier Elemente sowie die Zonen der Apokalypse wird den Reisenden möglich gemacht durch sechs luftentleerte Kupferkugeln, die nach den Ideen des italienischen Jesuiten Francesco Lana Terzi gebaut wurden. Dessen Vorstellungen in einer 1670 veröffentlichten Darstellung beruhte auf den Entdeckungen von Otto von Guericke bezogen auf das Vakuum. Die Handlung ist voller Allegorien aus der griechisch-römischen Mythologie. Es kommt zum Beispiel zu Begegnungen mit Fama und der Göttin Bellona. Der Erzählstil ist typisch für den Barock und schildert eine religiöse Utopie in der die Marsianer direkt mit Gott verkehren und nicht über das vermittelnde Medium der Bibel. Diese engelsgleichen Wesen bewohnen neben Kentauren und Faunen die Monde des Mars sind jedoch nicht frei von Sünden.

Rezeption und Nachspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindermann wird als bedeutend für die autodidaktische Bildung von Johann George Palitzsch genannt.[5]

Im Jahre 1783 haben die Gebrüder Montgolfier zum ersten Mal eine Luftfahrt in einem Ballon mittels erhitzter Luft unternommen. Die Marsmonde wurden erst im Jahre 1877 entdeckt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt des Buches Vollständige Astronomie,...
  • Reise in Gedancken durch die eröffneten allgemeinen Himmels-Kugeln, auf welcher alle von Gott erschaffene Welt-Cörper, sowohl deren Namen, Natur und Eigenschafften nach gantz genau betrachtet, als auch wie alle diese Cörper in Cometen, und endlich in ein Nichts verwandelt werden, Rudolstadt, Verlag Wolffgang Deer 1739
  • Vollständige Astronomie, oder Sonderbare Betrachtungen derer vornehmsten an dem Firmament befindlichen Planeten und Sterne, Überarbeitete Neuauflage seines 1739 erschienenen Werkes, Verlag Wolffgang Deer, Rudolstadt 1744.
  • Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngstlich fünff Personen angestellt, Berlin 1744
  • Astronomische Beschreibung und Nachricht von dem Kometen 1746 und den noch kommenden, welche in denen innen besagten Jahren erscheinen werden., Dresden 1746
  • Physica sacra, oder die Lehre der ganzen Natur, nicht veröffentlichte Handschrift von 1748, codex germanicus fol. 132, Band I und IV der Preußischen Staatsbibliothek Berlin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • in Johannes Mittenzwei, Hg.: Phantastische Weltraumfahrten. Neues Leben, Berlin 1961, S. 23–36, sprachlich geglättet und mit Illustrationen von Heinz Bormann. Nachwort, Biographie, Glossar. Es fehlt die Vorrede Kindermanns, die bei Dejong S. 37–39 zu finden ist.
  • Die geschwinde reise auft dem luft-schiff nach der obern welt. Dr. Otto, Berlin 1923.
  • Hendrikus J. J. Dejong, Hg.: Die Geschwinde Reise. Science-Fiction aus dem Jahr 1744, Dejong, Zürich bzw. Books on Demand, Norderstedt 2006 ISBN 978-3-033-00703-1.[6]
  • Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngstlich fünff Personen angestellt.., neu ediert und kommentiert von Hania Siebenpfeiffer; Wehrhahn Verlag, Hannover 2010, ISBN 978-3-86525-139-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weißenfelser hilft russischem Reich Mitteldeutsche Zeitung, 22. April 2000
  2. Martin Mulsow: Freigeister im Gottsched-Kreis: Wolffianismus, studentische Aktivitäten und Religionskritik in Leipzig 1740-1745. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0202-0, S. 100 ff. (239 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. siehe Deutsches Museum , 2. St. Febr. 1776, S. 184f und Alexander Nicolaus Scherer: Worte der Erinnerung an das Leben und die Verdienste von Tobias Lowitz: gesprochen in der ... Hauptversammlung der pharmaceutischen Gesellschaft zu St. Petersburg am 12. Dez. 1819 Verlag Schnoor 1820, S. 10
  4. Kristine Koch: Deutsch als Fremdsprache im Rußland des 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte des Fremdsprachenlernens in Europa und zu den deutsch-russischen Beziehungen, Band 1 von Die Geschichte des Deutschen als Fremdsprache. Verlag Walter de Gruyter 2002, S. 200
  5. "... Indessen war ihm dieses Buch doch nach seinem eignen Geständnisse sehr willkommen ..", (anonym): Schattenrisse edler Teutschen. Band 3, Halle 1784, S. 202
  6. Enthält: Vorwort des Hg.: Was ist Sciencefiction; die Version von 1744 S. 37 - 88; Neuversion durch Hg. erstellt; Nacherzählung durch den Hg.- Im Internet-Handel online les- oder durchsuchbar
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