Erlösung

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Erlösung ist ein Zentralbegriff in einigen Religionen, der ihr jeweiliges letztgültiges Ziel bezeichnet, den einzelnen Menschen, die Menschheit und/oder die Welt von allem Negativen zu befreien. Er wird ohne einheitliche Bedeutung besonders im Judentum, Christentum und Gnostizismus verwendet. Der Begriff Erleuchtung im Buddhismus wird oft ebenfalls als Erlösung übersetzt. In der Religionsphilosophie und Religionswissenschaft fasst man diese Religionen daher oft als Erlösungsreligionen auf.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verb erlösen im Sinne von auslösen (hebr. g'l, griech. apoluo) bezog sich in der Antike auf den Freikauf und die folgende Freilassung von Sklaven, womit ihre Sklaverei beendet wurde.[1]

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage für das Selbstverständnis des späteren Volkes Israel ist folgendes: Neben der Verheißung an die Erzväter und dem Bund mit Abraham ist die ständig bereicherte und vertiefte Erinnerung an eine einstmals erfolgte Befreiung des Volkes aus der ägyptischen Knechtschaft grundlegend. Was immer daran historisch gewesen sein mag - Israel jedenfalls hat später seine Geburtsstunde so verstanden: als eine Erwählung, Errettung und Erlösung des Volkes, die dem einen Gott mit dem Namen »Jahwe« zugeschrieben wird.[2]

Was bedeutet dieser Name Gottes, der in der Hebräischen Bibel mehr als 6.800 mal vorkommt? Mose hat vor dem brennenden Dornbusch bei seiner Berufung eine rätselhafte Antwort auf diese Frage erhalten: »ehje ascher ehje«.[3] Die griechische Übersetzung der Hebräischen Bibel (Septuaginta genannt, weil sie nach der Legende von 70 Übersetzern erarbeitet wurde) übersetzt: »Ich bin der Seiende.« Es kann das Verb »hajah« in seltenen Fällen auch »sein« heißen. Meistens aber heißt es »dasein, sich ereignen, geschehen«. Und da sich im Hebräischen dieselbe Form für Gegenwart und Zukunft findet, kann man entweder übersetzen: »Ich bin da, als der ich da bin«, oder: »Ich bin da, als der ich dasein werde«, oder - wie der große jüdische Übersetzer der Hebräischen Bibel, Martin Buber übersetzt: »Ich werde dasein, als der ich dasein werde.« Hier wird Gottes Willenserklärung verheißend angekündigt: Gottes dynamisches Dasein, Gegenwärtigsein, Wirksamsein. »Jahwe« heißt also: »Ich werde da sein, präsent, leitend, helfend, stärkend, befreiend!«[4]

Im Achtzehnbittengebet wird – von orthodoxen Juden viermal täglich – für das Kommen eines goél, das heißt eines „Erlösers“ oder „Messias“ gebetet. Die Erwartung des Messias wird von den Juden mit der Erlösung Israels aus allem Unheil verbunden. Die griechische Bezeichnung „Messias“ steht für das hebräische Wort „Maschiach“ (hebräisch משיח), das übersetzt so viel bedeutet wie „der Gesalbte“ und ursprünglich den herrschenden König beschreibt. „Christus“ ist das lateinische Pendant zu „Maschiach“.[5] Einige Reformgemeinden verwenden stattdessen den Begriff geula, „Erlösung“. Der Prozess der Erlösung wird im Allgemeinen mit dem Ausdruck Tikkun oder Tikkun Olam, der Verbesserung der Welt, also der Verbesserung von Gottes Schöpfung durch Menschenhand, bezeichnet und bezieht sich stets auf das Diesseits. Die Idee des Tikkun spielt in der Kabbala eine bedeutende Rolle und wurde vor allem von Isaak Luria und seinen Schülern im 16. Jahrhundert weiter entwickelt und erhielt in modernen Strömungen des Judentums neue Bedeutungsbeilegungen.

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Soteriologie

Erlösung bezeichnet in christlicher Tradition primär ein Handeln Gottes zugunsten erlösungsbedürftiger Menschen. Dieses Thema wird in der christlichen Theologie von der Soteriologie, der Lehre von der Erlösung (oder Rettung), behandelt. Der Begriff wird dort meist als Gegenbegriff zu Sündhaftigkeit und Verlorenheit genannt; Erlösung steht in enger Verbindung mit anderen christlichen Zentralbegriffen wie Rettung, Errettung, Heil, Befreiung, Neuschöpfung, Gnade und Versöhnung.

Historische Debatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lehre von der Erlösung, die Soteriologie, ist seit jeher eines der bedeutsamsten theologischen Felder. So tauchte bereits in der Urkirche die Frage auf, ob Heiden zunächst zum Judentum konvertieren müssten, um Christen zu werden. Dies hatte das Apostelkonzil in Jerusalem abgelehnt (siehe Apostelgeschichte 15,1-29 EU). In den Briefen des Apostels Paulus ist das Heil von Heiden wie Juden durch die Nachfolge Jesu Christi eines der zentralen Themen. Paulus vertrat die Ansicht, dass Erlösung für alle, die an Christus glauben, möglich sein würde.

In den folgenden Jahrhunderten tauchten auch Lehren auf, die entweder das Angewiesensein der Menschen auf die Gnade Gottes ablehnten (Pelagianismus) oder aber bestimmte Menschengruppen vom Heil ausschließen wollten, wie beim Donatismus. Sie wurden mehrfach als Häresien (Irrlehren) verurteilt, ebenso wie die Lehre, dass letztendlich alle Menschen ohne Ausnahme und unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht, die göttliche Erlösung erfahren und in die paradiesische Gemeinschaft mit Gott eingehen (Allversöhnung).

Augustinus entwickelte im 4. und 5. Jahrhundert die für die Westkirche nachhaltige Erbsündenlehre. Jeder Mensch ist nach dieser Lehre seit dem Sündenfall von seiner Zeugung an mit einem Makel behaftet, der unter anderem zur Trennung von Gott im Leben und im Tod führt oder die Neigung zur Sünde (Konkupiszenz) bewirkt. Der Mensch wird nach dieser Lehre vom Makel der Erbsünde durch die Kraft der Taufe, die der Heilstat Jesu Christi am Kreuz entspringt, gereinigt und dadurch in die volle Gemeinschaft mit Gott aufgenommen. Augustinus nahm dabei an, dass ungetaufte Kinder wegen ihres Behaftetseins mit der Erbsünde auf keinen Fall in den Himmel – also in die Gemeinschaft mit Gott nach dem Tod – kommen könnten. Dieser Teil seiner Lehre wurde vom katholischen Lehramt jedoch wegen der vielerorts missverständlichen Verwendung des Begriffes Taufe nicht übernommen.

In der Reformation gelangte die Soteriologie erneut ins Zentrum der theologischen Debatten. Martin Luther verkündete die Lehre, wonach der Mensch „allein durch den Glauben“ (sola fide) gerettet werde. Calvin lehrte wiederum die „doppelte Prädestination“, nach der Gott einen Teil der Menschen zum Heil, einen anderen Teil zur Verdammnis auserwähle, ohne dass diese selbst etwas dazu beitragen oder etwas dagegen tun könnten. Christus ist nach dieser Lehre nur für die Geretteten gestorben, nicht jedoch für alle Menschen. Eine von der Grundidee her ähnliche Lehre verkündete der Jansenismus im 17. Jahrhundert. Sie besagte, dass der Mensch deswegen sündigt, weil er nicht genug Gnade von Gott erhalten hat, um der Sünde zu widerstehen.

Heute herrscht vielerorts in der Lehre oder Interpretation Übereinstimmung darüber, dass Kinder nach dem Tod - wie im Neuen Testament angesprochen - auf jeden Fall in den Himmel kommen, und Erwachsene dann, wenn sie zu Lebzeiten gläubig waren oder verlorenen Glauben - der den Menschen, im übertragenen Sinn, schon seit dem Zeitpunkt ihrer Zeugung durch den Heiligen Geist inne wohnt - später, beispielsweise durch innere Umkehr, wieder gefunden haben.

Heutige konfessionelle Unterschiede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholisch und orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Lehre der nicht reformierten Kirchen (katholische Kirche, orthodoxe Kirche, orientalische Kirchen) dient die von Christus eingesetzte und daher heilige Kirche durch ihre Sakramente als Werkzeug der göttlichen Gnade, ohne welche der Mensch nichts Gutes im Sinne des Heiligen Geistes vollbringen kann. Der Empfang der Taufe oder der implizite oder explizite Wunsch danach („Wunschtaufe“) ist heilsnotwendig. Der Empfang der göttlichen Gnade in den Sakramenten ermöglicht es dem Menschen, gottgefällig zu leben und das ewige Heil zu erlangen. Gleichzeitig ist es dem Menschen aber immer möglich, sich aus freien Stücken von Gott abzuwenden und dadurch das Heil zu verfehlen.

Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen der östlichen und der westlichen kirchlichen Tradition, etwa in der Betrachtung der Erbsünde (die in der westlichen Tradition eher mit einem Makel, in der östlichen eher mit dem Tod assoziiert wird) oder in der Frage der menschlichen Natur (im Westen wird die menschliche Natur als mangelhaft, die Erlösung als übernatürlich betrachtet; im Osten dagegen gilt die menschliche Natur als gut, die Erlösung wird als Wiederherstellung des verlorenen Naturzustandes angesehen). Im Osten spielt zudem die Erlösung der gesamten Schöpfung durch Christus eine zentralere Rolle in der Spiritualität als im Westen. Zudem ist die Neigung, die Frage zu beantworten, wer zum Heil gelangen kann, in der katholischen Kirche deutlich ausgeprägter als in den Ostkirchen (siehe extra ecclesiam nulla salus).

Die Soteriologie der nichtreformatorischen Kirchen zieht generell immer auf der einen Seite die Freiheit des Menschen in Betracht, andererseits aber auch die Allmacht und die Freiheit Gottes in der Auserwählung jener, die gerettet werden. Dabei sind eine Reihe von Herangehensweisen möglich. Selbst innerhalb der katholischen Kirche existiert eine Anzahl soteriologischer Positionen nebeneinander (Thomismus, Molinismus, Augustinianismus).

Gemeinsam haben alle kirchlichen Traditionen die eindeutigen Angaben im Neuen Testament, wonach Taufe durch einen irdischen Kirchenvertreter oder direkt durch Gott im Heiligen Geist erfolgen kann.

Kirchen und Gemeinschaften der Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reformatoren (und in ihrem Gefolge die traditionellen protestantischen Kirchen) hielten die Taufe für heilsnotwendig. Aber Luthers „sola fide“-Lehre stellte die persönliche Beziehung zu Gott für die Erlangung des Heils in den Vordergrund. Der Anteil des Menschen besteht darin, Gottes Liebe im eigenen Leben zur Entfaltung kommen zu lassen. Dieser neue, persönliche Schwerpunkt führte in der Reformationszeit mit zur Entstehung der – von den magistralen Reformatoren abgelehnten und verfolgten – radikal-reformatorischen Täuferbewegung, die heute noch in Form der Mennoniten, Hutterer und Amischen besteht. Auch später entstandene Gemeinschaften wie Baptisten oder Adventisten praktizierten die Gläubigentaufe. Hier wird die Taufe meist nicht sakramental verstanden, sondern als äußeres Zeichen einer – zur Erlangung des Heils wesentlichen – inneren Umkehr zu Gott.

Die individuelle Erlösung oder „Rettung“ erfolgt bei der Bekehrung allerdings nicht im vollen Sinn, sondern es ist eine „Rettung in zwei Stufen“[6]: Die bei der Bekehrung eines Menschen beginnende Erneuerung wird beim Wiederkommen Jesu vollendet.

Eine Radikalisierung dieses Zugangs findet sich in der Lehre von der „Unverlierbarkeit des Heils“, wonach jemand, der sich einmal zu Jesus Christus bekehrt hat und „von neuem geboren“ wurde, das Heil nicht mehr verlieren kann.[7] Diese Lehre ist einer der „fünf Punkte“ im Calvinismus und ist etwa in der Brüderbewegung stark verbreitet; die Gegenposition heißt Arminianismus.

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Islam bezieht sich „Erlösung“ auf den zukünftigen Eingang in das Paradies, der jenen Menschen verheißen ist, die an den einen Gott und seine Botschaft (Islam) glauben. Ausgeschlossen bleibt, wer nicht an Gott allein glaubt. Das Schicksal von an Gott glaubenden Nichtmuslimen ist das Höllenfeuer, dies ist die vorherrschende Meinung unter den Muslimen.[8]

Nach einer verbreiteten islamischen Jenseitsvorstellung führt eine schmale Brücke über das Höllenfeuer. Die gläubigen Muslime, die Gutes im Leben taten, laufen über sie hinweg und treten direkt in das Paradies ein. Diejenigen Muslime jedoch, die gesündigt haben, sowie alle Nichtmuslime fallen in die Hölle hinab. Ähnlich der christlichen Idee vom Fegefeuer bleiben die Muslime nur eine gewisse Zeit und ohne große Schmerzen in der Hölle; sie werden solange von ihren Sünden geläutert, bis Gott sich ihnen barmherzig zeigt und sie in das Paradies aufnimmt. Die Ungläubigen müssen jedoch ewig in der Hölle bleiben.[9]

Viele Moslems sind überzeugt davon, dass das Leben der Menschen von Beginn an von Allah festgelegt ist.[10] Demnach hat Allah auch den Todestag jedes Menschen vorher festgelegt. An diesem Tag ruft er ihn ins Jenseits, in den Paradiesgarten. Zwei Todesengel, Munkar und Nakir, geleiten den Verstorbenen dorthin. Auf dem Weg fragen die Engel den Toten über seinen Glauben aus. Kann er die richtigen Antworten geben und sich mit dem Glaubensbekenntnis zum Islam bekennen, darf er „über eine Brücke gehen, die dünner ist als ein Haar und schärfer als ein Schwert“, so sagt es die Überlieferung nach dem Propheten Mohammed. Die Seelen der gläubigen Muslime gelangen unbeschadet auf die andere Seite der Brücke ins Paradies. Die Seelen der Ungläubigen stürzen von der Brücke in die Tiefen der Hölle hinab.[11]

Gott ist nicht nur der Allmächtige, sondern auch der Allerbarmende. Schon in der Eingangssure wird Gott, »der Erbarmende, der Barmherzige« genannt, und die meisten Suren werden »im Namen des Erbarmenden, des Barmherzigen« verkündet.[12] Nach dem Koran ist der »Tag des Gerichts« jedoch ein »Tag der Abrechnung«. An diesem letzten Tag der Menschheitsgeschichte öffnen sich die Gräber und werden die Toten zum Leben erweckt.[12] Eingeleitet wird dies Gericht von Trompeten- und Hörnerklang und von kosmischen Katastrophen: überbordende Meere, einstürzende Berge, verfinsterte Sonne, vom Himmel fallende Sterne. Dann erscheint der gerechte Richter, der für jeden das Buch des Lebens öffnen lassen wird, in welchem alle guten und bösen Taten aufgezeichnet sind. Sein Urteil erfolge unbestechlich und genau: Niemand wird die Sünden eines anderen tragen. Die Guten (Gläubigen) werden aufgenommen in die ewige Seligkeit, ins Paradies; die Bösen (Ungläubigen) aber gehen ein in die ewige Verdammnis, in die Hölle. Dies ist ein Entweder-oder: Einen mittleren Zustand gibt es nicht.[12]

Die über lange Zeit in den Kreisen der Moderaten geführte Diskussion über das Verhältnis von göttlicher Allmacht und menschlicher Handlungsfreiheit stützte sich naturgemäß zunächst auf Aussagen des Korans, die jedoch keine eindeutige Stellungnahme enthalten: Einerseits wird im Koran die göttliche Allmacht betont andererseits dem Menschen Verantwortlichkeit für seine Handlungen zugeschrieben, für die er dereinst göttlichen Lohn im Paradies oder ewige Strafe in der Hölle ernten wird. Beide Standpunkte, der mehr die göttliche Allmacht betonende und der eher auf die menschliche Verantwortlichkeit blickende, konnten sich durch koranische Aussagen als legitimiert ausweisen. Der erste Standpunkt wird in der islamisch-theologischen Literatur als dschabritisch, der zweite als qadaritisch bezeichnet.[13]

Die Aussagen über Gottes Allmacht und des Menschen Verantwortung stehen im Koran unverbunden nebeneinander und werden nirgendwo miteinander ausgeglichen. So reden Interpreten denn von zwei Komplementärwahrheiten, die beide ernstgenommen werden sollen, die rational nirgendwo versöhnt werden und die in der späteren muslimischen Theologie Stoff für intensive und langwierige Auseinandersetzungen und Anlaß zu recht verschiedenen Lösungen fur die Problematik Vorherbestimmung Gottes — Selbstbestimmung des Menschen bieten.[12]

Buddhismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Buddhismus steht der Gedanke der Erleuchtung im Zentrum der Lehre (Dhamma). Die menschliche Existenz im nicht-erlösten Zustand wird als grundsätzlich leidhaft (Dukkha) angesehen, da alle glückbringenden Erfahrungen nicht dauerhaft sind, sondern ein Ende haben. Durch bestimmte Lebensweise und geistige Praxis kann Leiden überwunden werden. Dazu bedarf es keines äußeren Erlösers, sondern der Mensch ist durch sich selbst befähigt, die absolute Befreiung zu erlangen.

Theravada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Abgeschiedenheit und Askese lebende Mönch ist (im Unterschied zum Laien, der ein Familienleben führt) in diesem Leben zur Selbsterlösung befähigt. Wesentlich sind dabei drei Aspekte: Sittliches Handeln, Meditation und Einsicht. Wenn der Mönch im Zuge solcher Praxis jegliche „Unreinheit des Geistes“ (Gier, Hass, Verblendung) in sich ausgelöscht hat, geht er in das Nirvana (Sanskrit) oder Nibbana (Pali) ein. Das bedeutet, er ist vom Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) befreit und muss nicht mehr in einer der in der buddhistischen Kosmologie angenommenen Ebenen der Existenz wiedergeboren werden. Dabei darf die Vorstellung der Wiedergeburt nicht mit der Vorstellung der Seelenwanderung im Hinduismus verwechselt werden. Ins nächste Leben übertragen wird nämlich nicht eine individuelle Seele (als konstante Substanz), sondern lediglich ein durch Taten hervorgerufenes Potential, das sich in einer neuen Existenz manifestiert. Je positiver das Potential ist (infolge von guten, heilsamen Taten in der früheren Existenz), desto vorteilhafter wird die darauf folgende Existenz sein. Je günstiger die Existenzbedingungen, desto besser sind die Voraussetzungen für die Erlösung.

Die menschliche Existenz gilt als einzigartige Chance für die Erlösung, da einerseits das Leid so vorherrscht, dass die Dringlichkeit der Erlösung erkannt werden kann, andererseits auch genügend Annehmlichkeiten existieren, so dass der Mensch nicht apathisch im Leid versinkt. Als besonders wertvoll wird die Möglichkeit des Kontakts mit der buddhistischen Lehre betrachtet.

Mahayana[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Mahayana liegt das Bodhisattva-Ideal zugrunde, wobei man seine eigene Erlösung (das Eingehen ins Nirvana) in den Hintergrund stellt und stattdessen die Verantwortung für die Erlösung aller anderen fühlenden Lebewesen auf sich nimmt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George C. Anawati: La notion de „péché originel“ existe-t-elle dans l'Islam? In: Studia Islamica. 31, 1970, ISSN 0585-5292, S. 29–40.
  • Adel Theodor Khoury, Peter Hünermann (Hrsg.): Was ist Erlösung? Die Antwort der Weltreligionen. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 1985, ISBN 3-451-08181-4 (Herderbücherei 1181).
  • Nyanatiloka Mahathera: Grundlagen des Buddhismus. Vier Vorträge des Ehrenwerten Nyāṇatiloka Mahāthera. Jhana-Verlag, Uttenbühl 1995, ISBN 3-928396-11-0.
  • Claus-Dieter Osthövener: Erlösung. Transformation einer Idee im 19. Jahrhundert. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148272-7 (Beiträge zur historischen Theologie 128), (Zugleich: Halle-Wittenberg, Univ., Habil.-Schr., 2000).
  • Peter Strasser: Theorie der Erlösung. Eine Einführung in die Religionsphilosophie. Wilhelm Fink, München 2006, ISBN 3-7705-4238-X.
  • Sabine A. Haring: Verheißung und Erlösung. Religion und ihre weltlichen Ersatzbildungen in Politik und Wissenschaft. Passagen-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85165-694-7 (Studien zur Moderne 24).
  • Friedrich Hermanni, Peter Koslowski (Hrsg.): Endangst und Erlösung. Band 1: Untergang, ewiges Leben und Vollendung der Geschichte in Philosophie und Theologie. Wilhelm Fink, Paderborn 2009, ISBN 978-3-7705-4757-9.
  • Gustav Mensching: Zur Metaphysik des Ich, Gotha 1934 (religionswissenschaftlicher Klassiker)
  • Thomas Marschler: Erlösung: Wovon - wie - wozu - wo? Vorträge beim Treffen des Priesterrats der Erzdiözese Köln am 16. Juni 2011 in Bad Honnef. Online-Publikation (PDF; 324 kB), 34 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Erlösung – Zitate
 Wiktionary: Erlösung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Rehkopf: Griechisch-deutsches Wörterbuch zum Neuen Testament, S. 15
  2. Hans Küng: Das Judentum. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1991, ISBN 3-492-03496-9, B. Zentrum - I. Die zentralen Strukturelemente - 1. Exodus: Volk und Erwählung, S. 66+67.
  3. Ex 3,14 ELB
  4. Hans Küng: Das Judentum. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1991, ISBN 3-492-03496-9, B. Zentrum - I. Die zentralen Strukturelemente - 1. Exodus: Volk und Erwählung, S. 67.
  5. Die messianische Erwartung im Judentum. In: Jüdische Geschichte und Kultur. Lessing-Gymnasium in Döbeln, abgerufen am 24. April 2018.
  6. Franz Graf-Stuhlhofer: Warum es gut ist, Christ zu werden: Was es bringt, und was es kostet. Nürnberg 2013, S. 11f.
  7. Siehe (Röm 8,28 LUT, Joh 6,39 LUT).
  8. Hannibal-Nur: Kommen Nichtmuslime nur in die Hölle? In: Blog. 23. Juni 2012, abgerufen am 13. April 2018. „Auch wenn es die vorherrschende Meinung unter Muslimen, dass nur sie das Paradies erlangen können...“
  9. Petra Grüne: Kommen Ungläubige in die Hölle? In: Noch Fragen FAQ. Bundeszentrale für politische Bildung, 10. September 2014, abgerufen am 14. April 2018.
  10. Mark A. Gabriel: Jesus und Mohammed. 1. Auflage. Dr. Ingo Resch GmbH, Gräfelfing 2006, ISBN 978-3-935197-52-6, S. 118: „Mohammeds Lehre über den Tag des Gerichts muss im Zusammenhang mit seiner Lehre über das Schicksal verstanden werden. Aus beidem ergibt sich eine große Ungewissheit für Muslime im Blick darauf, was sie nach dem Tod erwartet: Allahs Gesandter, der Wahre und wahrhaft Inspirierte, sagte: (Was eure Schöpfung betrifft), jeder von euch wird im Schoß seiner Mutter gesammelt während der ersten vierzig Tage, und dann wird er ein Blutgerinnsel für weitere vierzig Tage, und dann ein Stück Fleisch für weitere vierzig Tage. Dann sendet Allah einen Engel, der vier Worte schreibt: Er schreibt seine Taten, den Zeitpunkt seines Todes, die Art, wie er seinen Lebensunterhalt verdient, und ob er (in der Religion) unselig oder selig sein wird. Dann wird die Seele in den Leib eingehaucht. So kann ein Mensch Dinge tun, die typisch sind für die Menschen des (Höllen)-Feuers, so viele, dass er nur eine Elle weit davon entfernt ist, und dann setzt sich durch, was der Engel geschrieben hat, und er fängt an, Dinge zu tun, die typisch sind für die Menschen des Paradieses, und kommt ins Paradies. Genauso kann ein Mensch Dinge tun, die typisch sind für die Menschen des Paradieses, so viele, dass er nur eine Elle weit davon entfernt ist, und dann setzt sich durch, was der Engel geschrieben hat, und er fängt an, Dinge zu tun, die typisch sind für die Menschen des (Höllen)-Feuers, und kommt ins (Höllen)-Feuer. The Correct Books of Bukhari, Bd. 4, Buch 55, Nr. 549. Erzählt von Abdullah“
  11. Was kommt nach dem Tod?Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen. In: Was kommt nach dem Tod? Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen. Aktion Schulstunde zur ARD-Themenwoche, 2012, abgerufen am 14. April 2018.
  12. abcd Hans Küng: Der Islam - Geschichte, Gegenwart, Zukunft. 2. Auflage. Piper Verlag GmbH, München 2006, ISBN 978-3-492-24709-2, S. 121–122.
  13. Werner Ende und Udo Steinbach unter redaktioneller Mitarbeit von Renate Laut (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart. 5. Auflage. CH. Beck, 2005, ISBN 978-3-406-53447-8, S. 58.
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Erlösung ist ein Zentralbegriff in einigen Religionen, der ihr jeweiliges letztgültiges Ziel bezeichnet, den einzelnen Menschen, die Menschheit und/oder die Welt von allem Negativen zu befreien. Er wird ohne einheitliche Bedeutung besonders im Judentum, Christentum und Gnostizismus verwendet. Der Begriff Erleuchtung im Buddhismus wird oft ebenfalls als Erlösung übersetzt. In der Religionsphilosophie und Religionswissenschaft fasst man diese Religionen daher oft als Erlösungsreligionen auf.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verb erlösen im Sinne von auslösen (hebr. g'l, griech. apoluo) bezog sich in der Antike auf den Freikauf und die folgende Freilassung von Sklaven, womit ihre Sklaverei beendet wurde.[1]

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage für das Selbstverständnis des späteren Volkes Israel ist folgendes: Neben der Verheißung an die Erzväter und dem Bund mit Abraham ist die ständig bereicherte und vertiefte Erinnerung an eine einstmals erfolgte Befreiung des Volkes aus der ägyptischen Knechtschaft grundlegend. Was immer daran historisch gewesen sein mag - Israel jedenfalls hat später seine Geburtsstunde so verstanden: als eine Erwählung, Errettung und Erlösung des Volkes, die dem einen Gott mit dem Namen »Jahwe« zugeschrieben wird.[2]

Was bedeutet dieser Name Gottes, der in der Hebräischen Bibel mehr als 6.800 mal vorkommt? Mose hat vor dem brennenden Dornbusch bei seiner Berufung eine rätselhafte Antwort auf diese Frage erhalten: »ehje ascher ehje«.[3] Die griechische Übersetzung der Hebräischen Bibel (Septuaginta genannt, weil sie nach der Legende von 70 Übersetzern erarbeitet wurde) übersetzt: »Ich bin der Seiende.« Es kann das Verb »hajah« in seltenen Fällen auch »sein« heißen. Meistens aber heißt es »dasein, sich ereignen, geschehen«. Und da sich im Hebräischen dieselbe Form für Gegenwart und Zukunft findet, kann man entweder übersetzen: »Ich bin da, als der ich da bin«, oder: »Ich bin da, als der ich dasein werde«, oder - wie der große jüdische Übersetzer der Hebräischen Bibel, Martin Buber übersetzt: »Ich werde dasein, als der ich dasein werde.« Hier wird Gottes Willenserklärung verheißend angekündigt: Gottes dynamisches Dasein, Gegenwärtigsein, Wirksamsein. »Jahwe« heißt also: »Ich werde da sein, präsent, leitend, helfend, stärkend, befreiend!«[4]

Im Achtzehnbittengebet wird – von orthodoxen Juden viermal täglich – für das Kommen eines goél, das heißt eines „Erlösers“ oder „Messias“ gebetet. Die Erwartung des Messias wird von den Juden mit der Erlösung Israels aus allem Unheil verbunden. Die griechische Bezeichnung „Messias“ steht für das hebräische Wort „Maschiach“ (hebräisch משיח), das übersetzt so viel bedeutet wie „der Gesalbte“ und ursprünglich den herrschenden König beschreibt. „Christus“ ist das lateinische Pendant zu „Maschiach“.[5] Einige Reformgemeinden verwenden stattdessen den Begriff geula, „Erlösung“. Der Prozess der Erlösung wird im Allgemeinen mit dem Ausdruck Tikkun oder Tikkun Olam, der Verbesserung der Welt, also der Verbesserung von Gottes Schöpfung durch Menschenhand, bezeichnet und bezieht sich stets auf das Diesseits. Die Idee des Tikkun spielt in der Kabbala eine bedeutende Rolle und wurde vor allem von Isaak Luria und seinen Schülern im 16. Jahrhundert weiter entwickelt und erhielt in modernen Strömungen des Judentums neue Bedeutungsbeilegungen.

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Soteriologie

Erlösung bezeichnet in christlicher Tradition primär ein Handeln Gottes zugunsten erlösungsbedürftiger Menschen. Dieses Thema wird in der christlichen Theologie von der Soteriologie, der Lehre von der Erlösung (oder Rettung), behandelt. Der Begriff wird dort meist als Gegenbegriff zu Sündhaftigkeit und Verlorenheit genannt; Erlösung steht in enger Verbindung mit anderen christlichen Zentralbegriffen wie Rettung, Errettung, Heil, Befreiung, Neuschöpfung, Gnade und Versöhnung.

Historische Debatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lehre von der Erlösung, die Soteriologie, ist seit jeher eines der bedeutsamsten theologischen Felder. So tauchte bereits in der Urkirche die Frage auf, ob Heiden zunächst zum Judentum konvertieren müssten, um Christen zu werden. Dies hatte das Apostelkonzil in Jerusalem abgelehnt (siehe Apostelgeschichte 15,1-29 EU). In den Briefen des Apostels Paulus ist das Heil von Heiden wie Juden durch die Nachfolge Jesu Christi eines der zentralen Themen. Paulus vertrat die Ansicht, dass Erlösung für alle, die an Christus glauben, möglich sein würde.

In den folgenden Jahrhunderten tauchten auch Lehren auf, die entweder das Angewiesensein der Menschen auf die Gnade Gottes ablehnten (Pelagianismus) oder aber bestimmte Menschengruppen vom Heil ausschließen wollten, wie beim Donatismus. Sie wurden mehrfach als Häresien (Irrlehren) verurteilt, ebenso wie die Lehre, dass letztendlich alle Menschen ohne Ausnahme und unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht, die göttliche Erlösung erfahren und in die paradiesische Gemeinschaft mit Gott eingehen (Allversöhnung).

Augustinus entwickelte im 4. und 5. Jahrhundert die für die Westkirche nachhaltige Erbsündenlehre. Jeder Mensch ist nach dieser Lehre seit dem Sündenfall von seiner Zeugung an mit einem Makel behaftet, der unter anderem zur Trennung von Gott im Leben und im Tod führt oder die Neigung zur Sünde (Konkupiszenz) bewirkt. Der Mensch wird nach dieser Lehre vom Makel der Erbsünde durch die Kraft der Taufe, die der Heilstat Jesu Christi am Kreuz entspringt, gereinigt und dadurch in die volle Gemeinschaft mit Gott aufgenommen. Augustinus nahm dabei an, dass ungetaufte Kinder wegen ihres Behaftetseins mit der Erbsünde auf keinen Fall in den Himmel – also in die Gemeinschaft mit Gott nach dem Tod – kommen könnten. Dieser Teil seiner Lehre wurde vom katholischen Lehramt jedoch wegen der vielerorts missverständlichen Verwendung des Begriffes Taufe nicht übernommen.

In der Reformation gelangte die Soteriologie erneut ins Zentrum der theologischen Debatten. Martin Luther verkündete die Lehre, wonach der Mensch „allein durch den Glauben“ (sola fide) gerettet werde. Calvin lehrte wiederum die „doppelte Prädestination“, nach der Gott einen Teil der Menschen zum Heil, einen anderen Teil zur Verdammnis auserwähle, ohne dass diese selbst etwas dazu beitragen oder etwas dagegen tun könnten. Christus ist nach dieser Lehre nur für die Geretteten gestorben, nicht jedoch für alle Menschen. Eine von der Grundidee her ähnliche Lehre verkündete der Jansenismus im 17. Jahrhundert. Sie besagte, dass der Mensch deswegen sündigt, weil er nicht genug Gnade von Gott erhalten hat, um der Sünde zu widerstehen.

Heute herrscht vielerorts in der Lehre oder Interpretation Übereinstimmung darüber, dass Kinder nach dem Tod - wie im Neuen Testament angesprochen - auf jeden Fall in den Himmel kommen, und Erwachsene dann, wenn sie zu Lebzeiten gläubig waren oder verlorenen Glauben - der den Menschen, im übertragenen Sinn, schon seit dem Zeitpunkt ihrer Zeugung durch den Heiligen Geist inne wohnt - später, beispielsweise durch innere Umkehr, wieder gefunden haben.

Heutige konfessionelle Unterschiede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholisch und orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Lehre der nicht reformierten Kirchen (katholische Kirche, orthodoxe Kirche, orientalische Kirchen) dient die von Christus eingesetzte und daher heilige Kirche durch ihre Sakramente als Werkzeug der göttlichen Gnade, ohne welche der Mensch nichts Gutes im Sinne des Heiligen Geistes vollbringen kann. Der Empfang der Taufe oder der implizite oder explizite Wunsch danach („Wunschtaufe“) ist heilsnotwendig. Der Empfang der göttlichen Gnade in den Sakramenten ermöglicht es dem Menschen, gottgefällig zu leben und das ewige Heil zu erlangen. Gleichzeitig ist es dem Menschen aber immer möglich, sich aus freien Stücken von Gott abzuwenden und dadurch das Heil zu verfehlen.

Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen der östlichen und der westlichen kirchlichen Tradition, etwa in der Betrachtung der Erbsünde (die in der westlichen Tradition eher mit einem Makel, in der östlichen eher mit dem Tod assoziiert wird) oder in der Frage der menschlichen Natur (im Westen wird die menschliche Natur als mangelhaft, die Erlösung als übernatürlich betrachtet; im Osten dagegen gilt die menschliche Natur als gut, die Erlösung wird als Wiederherstellung des verlorenen Naturzustandes angesehen). Im Osten spielt zudem die Erlösung der gesamten Schöpfung durch Christus eine zentralere Rolle in der Spiritualität als im Westen. Zudem ist die Neigung, die Frage zu beantworten, wer zum Heil gelangen kann, in der katholischen Kirche deutlich ausgeprägter als in den Ostkirchen (siehe extra ecclesiam nulla salus).

Die Soteriologie der nichtreformatorischen Kirchen zieht generell immer auf der einen Seite die Freiheit des Menschen in Betracht, andererseits aber auch die Allmacht und die Freiheit Gottes in der Auserwählung jener, die gerettet werden. Dabei sind eine Reihe von Herangehensweisen möglich. Selbst innerhalb der katholischen Kirche existiert eine Anzahl soteriologischer Positionen nebeneinander (Thomismus, Molinismus, Augustinianismus).

Gemeinsam haben alle kirchlichen Traditionen die eindeutigen Angaben im Neuen Testament, wonach Taufe durch einen irdischen Kirchenvertreter oder direkt durch Gott im Heiligen Geist erfolgen kann.

Kirchen und Gemeinschaften der Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reformatoren (und in ihrem Gefolge die traditionellen protestantischen Kirchen) hielten die Taufe für heilsnotwendig. Aber Luthers „sola fide“-Lehre stellte die persönliche Beziehung zu Gott für die Erlangung des Heils in den Vordergrund. Der Anteil des Menschen besteht darin, Gottes Liebe im eigenen Leben zur Entfaltung kommen zu lassen. Dieser neue, persönliche Schwerpunkt führte in der Reformationszeit mit zur Entstehung der – von den magistralen Reformatoren abgelehnten und verfolgten – radikal-reformatorischen Täuferbewegung, die heute noch in Form der Mennoniten, Hutterer und Amischen besteht. Auch später entstandene Gemeinschaften wie Baptisten oder Adventisten praktizierten die Gläubigentaufe. Hier wird die Taufe meist nicht sakramental verstanden, sondern als äußeres Zeichen einer – zur Erlangung des Heils wesentlichen – inneren Umkehr zu Gott.

Die individuelle Erlösung oder „Rettung“ erfolgt bei der Bekehrung allerdings nicht im vollen Sinn, sondern es ist eine „Rettung in zwei Stufen“[6]: Die bei der Bekehrung eines Menschen beginnende Erneuerung wird beim Wiederkommen Jesu vollendet.

Eine Radikalisierung dieses Zugangs findet sich in der Lehre von der „Unverlierbarkeit des Heils“, wonach jemand, der sich einmal zu Jesus Christus bekehrt hat und „von neuem geboren“ wurde, das Heil nicht mehr verlieren kann.[7] Diese Lehre ist einer der „fünf Punkte“ im Calvinismus und ist etwa in der Brüderbewegung stark verbreitet; die Gegenposition heißt Arminianismus.

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Islam bezieht sich „Erlösung“ auf den zukünftigen Eingang in das Paradies, der jenen Menschen verheißen ist, die an den einen Gott und seine Botschaft (Islam) glauben. Ausgeschlossen bleibt, wer nicht an Gott allein glaubt. Das Schicksal von an Gott glaubenden Nichtmuslimen ist das Höllenfeuer, dies ist die vorherrschende Meinung unter den Muslimen.[8]

Nach einer verbreiteten islamischen Jenseitsvorstellung führt eine schmale Brücke über das Höllenfeuer. Die gläubigen Muslime, die Gutes im Leben taten, laufen über sie hinweg und treten direkt in das Paradies ein. Diejenigen Muslime jedoch, die gesündigt haben, sowie alle Nichtmuslime fallen in die Hölle hinab. Ähnlich der christlichen Idee vom Fegefeuer bleiben die Muslime nur eine gewisse Zeit und ohne große Schmerzen in der Hölle; sie werden solange von ihren Sünden geläutert, bis Gott sich ihnen barmherzig zeigt und sie in das Paradies aufnimmt. Die Ungläubigen müssen jedoch ewig in der Hölle bleiben.[9]

Viele Moslems sind überzeugt davon, dass das Leben der Menschen von Beginn an von Allah festgelegt ist.[10] Demnach hat Allah auch den Todestag jedes Menschen vorher festgelegt. An diesem Tag ruft er ihn ins Jenseits, in den Paradiesgarten. Zwei Todesengel, Munkar und Nakir, geleiten den Verstorbenen dorthin. Auf dem Weg fragen die Engel den Toten über seinen Glauben aus. Kann er die richtigen Antworten geben und sich mit dem Glaubensbekenntnis zum Islam bekennen, darf er „über eine Brücke gehen, die dünner ist als ein Haar und schärfer als ein Schwert“, so sagt es die Überlieferung nach dem Propheten Mohammed. Die Seelen der gläubigen Muslime gelangen unbeschadet auf die andere Seite der Brücke ins Paradies. Die Seelen der Ungläubigen stürzen von der Brücke in die Tiefen der Hölle hinab.[11]

Gott ist nicht nur der Allmächtige, sondern auch der Allerbarmende. Schon in der Eingangssure wird Gott, »der Erbarmende, der Barmherzige« genannt, und die meisten Suren werden »im Namen des Erbarmenden, des Barmherzigen« verkündet.[12] Nach dem Koran ist der »Tag des Gerichts« jedoch ein »Tag der Abrechnung«. An diesem letzten Tag der Menschheitsgeschichte öffnen sich die Gräber und werden die Toten zum Leben erweckt.[12] Eingeleitet wird dies Gericht von Trompeten- und Hörnerklang und von kosmischen Katastrophen: überbordende Meere, einstürzende Berge, verfinsterte Sonne, vom Himmel fallende Sterne. Dann erscheint der gerechte Richter, der für jeden das Buch des Lebens öffnen lassen wird, in welchem alle guten und bösen Taten aufgezeichnet sind. Sein Urteil erfolge unbestechlich und genau: Niemand wird die Sünden eines anderen tragen. Die Guten (Gläubigen) werden aufgenommen in die ewige Seligkeit, ins Paradies; die Bösen (Ungläubigen) aber gehen ein in die ewige Verdammnis, in die Hölle. Dies ist ein Entweder-oder: Einen mittleren Zustand gibt es nicht.[12]

Die über lange Zeit in den Kreisen der Moderaten geführte Diskussion über das Verhältnis von göttlicher Allmacht und menschlicher Handlungsfreiheit stützte sich naturgemäß zunächst auf Aussagen des Korans, die jedoch keine eindeutige Stellungnahme enthalten: Einerseits wird im Koran die göttliche Allmacht betont andererseits dem Menschen Verantwortlichkeit für seine Handlungen zugeschrieben, für die er dereinst göttlichen Lohn im Paradies oder ewige Strafe in der Hölle ernten wird. Beide Standpunkte, der mehr die göttliche Allmacht betonende und der eher auf die menschliche Verantwortlichkeit blickende, konnten sich durch koranische Aussagen als legitimiert ausweisen. Der erste Standpunkt wird in der islamisch-theologischen Literatur als dschabritisch, der zweite als qadaritisch bezeichnet.[13]

Die Aussagen über Gottes Allmacht und des Menschen Verantwortung stehen im Koran unverbunden nebeneinander und werden nirgendwo miteinander ausgeglichen. So reden Interpreten denn von zwei Komplementärwahrheiten, die beide ernstgenommen werden sollen, die rational nirgendwo versöhnt werden und die in der späteren muslimischen Theologie Stoff für intensive und langwierige Auseinandersetzungen und Anlaß zu recht verschiedenen Lösungen fur die Problematik Vorherbestimmung Gottes — Selbstbestimmung des Menschen bieten.[12]

Buddhismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Buddhismus steht der Gedanke der Erleuchtung im Zentrum der Lehre (Dhamma). Die menschliche Existenz im nicht-erlösten Zustand wird als grundsätzlich leidhaft (Dukkha) angesehen, da alle glückbringenden Erfahrungen nicht dauerhaft sind, sondern ein Ende haben. Durch bestimmte Lebensweise und geistige Praxis kann Leiden überwunden werden. Dazu bedarf es keines äußeren Erlösers, sondern der Mensch ist durch sich selbst befähigt, die absolute Befreiung zu erlangen.

Theravada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Abgeschiedenheit und Askese lebende Mönch ist (im Unterschied zum Laien, der ein Familienleben führt) in diesem Leben zur Selbsterlösung befähigt. Wesentlich sind dabei drei Aspekte: Sittliches Handeln, Meditation und Einsicht. Wenn der Mönch im Zuge solcher Praxis jegliche „Unreinheit des Geistes“ (Gier, Hass, Verblendung) in sich ausgelöscht hat, geht er in das Nirvana (Sanskrit) oder Nibbana (Pali) ein. Das bedeutet, er ist vom Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) befreit und muss nicht mehr in einer der in der buddhistischen Kosmologie angenommenen Ebenen der Existenz wiedergeboren werden. Dabei darf die Vorstellung der Wiedergeburt nicht mit der Vorstellung der Seelenwanderung im Hinduismus verwechselt werden. Ins nächste Leben übertragen wird nämlich nicht eine individuelle Seele (als konstante Substanz), sondern lediglich ein durch Taten hervorgerufenes Potential, das sich in einer neuen Existenz manifestiert. Je positiver das Potential ist (infolge von guten, heilsamen Taten in der früheren Existenz), desto vorteilhafter wird die darauf folgende Existenz sein. Je günstiger die Existenzbedingungen, desto besser sind die Voraussetzungen für die Erlösung.

Die menschliche Existenz gilt als einzigartige Chance für die Erlösung, da einerseits das Leid so vorherrscht, dass die Dringlichkeit der Erlösung erkannt werden kann, andererseits auch genügend Annehmlichkeiten existieren, so dass der Mensch nicht apathisch im Leid versinkt. Als besonders wertvoll wird die Möglichkeit des Kontakts mit der buddhistischen Lehre betrachtet.

Mahayana[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Mahayana liegt das Bodhisattva-Ideal zugrunde, wobei man seine eigene Erlösung (das Eingehen ins Nirvana) in den Hintergrund stellt und stattdessen die Verantwortung für die Erlösung aller anderen fühlenden Lebewesen auf sich nimmt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George C. Anawati: La notion de „péché originel“ existe-t-elle dans l'Islam? In: Studia Islamica. 31, 1970, ISSN 0585-5292, S. 29–40.
  • Adel Theodor Khoury, Peter Hünermann (Hrsg.): Was ist Erlösung? Die Antwort der Weltreligionen. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 1985, ISBN 3-451-08181-4 (Herderbücherei 1181).
  • Nyanatiloka Mahathera: Grundlagen des Buddhismus. Vier Vorträge des Ehrenwerten Nyāṇatiloka Mahāthera. Jhana-Verlag, Uttenbühl 1995, ISBN 3-928396-11-0.
  • Claus-Dieter Osthövener: Erlösung. Transformation einer Idee im 19. Jahrhundert. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148272-7 (Beiträge zur historischen Theologie 128), (Zugleich: Halle-Wittenberg, Univ., Habil.-Schr., 2000).
  • Peter Strasser: Theorie der Erlösung. Eine Einführung in die Religionsphilosophie. Wilhelm Fink, München 2006, ISBN 3-7705-4238-X.
  • Sabine A. Haring: Verheißung und Erlösung. Religion und ihre weltlichen Ersatzbildungen in Politik und Wissenschaft. Passagen-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85165-694-7 (Studien zur Moderne 24).
  • Friedrich Hermanni, Peter Koslowski (Hrsg.): Endangst und Erlösung. Band 1: Untergang, ewiges Leben und Vollendung der Geschichte in Philosophie und Theologie. Wilhelm Fink, Paderborn 2009, ISBN 978-3-7705-4757-9.
  • Gustav Mensching: Zur Metaphysik des Ich, Gotha 1934 (religionswissenschaftlicher Klassiker)
  • Thomas Marschler: Erlösung: Wovon - wie - wozu - wo? Vorträge beim Treffen des Priesterrats der Erzdiözese Köln am 16. Juni 2011 in Bad Honnef. Online-Publikation (PDF; 324 kB), 34 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Erlösung – Zitate
 Wiktionary: Erlösung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Rehkopf: Griechisch-deutsches Wörterbuch zum Neuen Testament, S. 15
  2. Hans Küng: Das Judentum. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1991, ISBN 3-492-03496-9, B. Zentrum - I. Die zentralen Strukturelemente - 1. Exodus: Volk und Erwählung, S. 66+67.
  3. Ex 3,14 ELB
  4. Hans Küng: Das Judentum. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1991, ISBN 3-492-03496-9, B. Zentrum - I. Die zentralen Strukturelemente - 1. Exodus: Volk und Erwählung, S. 67.
  5. Die messianische Erwartung im Judentum. In: Jüdische Geschichte und Kultur. Lessing-Gymnasium in Döbeln, abgerufen am 24. April 2018.
  6. Franz Graf-Stuhlhofer: Warum es gut ist, Christ zu werden: Was es bringt, und was es kostet. Nürnberg 2013, S. 11f.
  7. Siehe (Röm 8,28 LUT, Joh 6,39 LUT).
  8. Hannibal-Nur: Kommen Nichtmuslime nur in die Hölle? In: Blog. 23. Juni 2012, abgerufen am 13. April 2018. „Auch wenn es die vorherrschende Meinung unter Muslimen, dass nur sie das Paradies erlangen können...“
  9. Petra Grüne: Kommen Ungläubige in die Hölle? In: Noch Fragen FAQ. Bundeszentrale für politische Bildung, 10. September 2014, abgerufen am 14. April 2018.
  10. Mark A. Gabriel: Jesus und Mohammed. 1. Auflage. Dr. Ingo Resch GmbH, Gräfelfing 2006, ISBN 978-3-935197-52-6, S. 118: „Mohammeds Lehre über den Tag des Gerichts muss im Zusammenhang mit seiner Lehre über das Schicksal verstanden werden. Aus beidem ergibt sich eine große Ungewissheit für Muslime im Blick darauf, was sie nach dem Tod erwartet: Allahs Gesandter, der Wahre und wahrhaft Inspirierte, sagte: (Was eure Schöpfung betrifft), jeder von euch wird im Schoß seiner Mutter gesammelt während der ersten vierzig Tage, und dann wird er ein Blutgerinnsel für weitere vierzig Tage, und dann ein Stück Fleisch für weitere vierzig Tage. Dann sendet Allah einen Engel, der vier Worte schreibt: Er schreibt seine Taten, den Zeitpunkt seines Todes, die Art, wie er seinen Lebensunterhalt verdient, und ob er (in der Religion) unselig oder selig sein wird. Dann wird die Seele in den Leib eingehaucht. So kann ein Mensch Dinge tun, die typisch sind für die Menschen des (Höllen)-Feuers, so viele, dass er nur eine Elle weit davon entfernt ist, und dann setzt sich durch, was der Engel geschrieben hat, und er fängt an, Dinge zu tun, die typisch sind für die Menschen des Paradieses, und kommt ins Paradies. Genauso kann ein Mensch Dinge tun, die typisch sind für die Menschen des Paradieses, so viele, dass er nur eine Elle weit davon entfernt ist, und dann setzt sich durch, was der Engel geschrieben hat, und er fängt an, Dinge zu tun, die typisch sind für die Menschen des (Höllen)-Feuers, und kommt ins (Höllen)-Feuer. The Correct Books of Bukhari, Bd. 4, Buch 55, Nr. 549. Erzählt von Abdullah“
  11. Was kommt nach dem Tod?Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen. In: Was kommt nach dem Tod? Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen. Aktion Schulstunde zur ARD-Themenwoche, 2012, abgerufen am 14. April 2018.
  12. abcd Hans Küng: Der Islam - Geschichte, Gegenwart, Zukunft. 2. Auflage. Piper Verlag GmbH, München 2006, ISBN 978-3-492-24709-2, S. 121–122.
  13. Werner Ende und Udo Steinbach unter redaktioneller Mitarbeit von Renate Laut (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart. 5. Auflage. CH. Beck, 2005, ISBN 978-3-406-53447-8, S. 58.
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