Evangelisches Johanneswerk

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Das Logo des Vereins

Das Evangelische Johanneswerk e.V. ist einer der großen diakonischen Träger Europas mit Sitz in Bielefeld. Rund 6.500 Mitarbeiter sind in mehr als 70 Einrichtungen tätig[1]. Die diakonischen Angebote richten sich an alte und kranke Menschen, Menschen mit Behinderung sowie Kinder und Jugendliche. Gegründet wurde das Werk 1951 durch Pastor Karl Pawlowski (1898–1964)[2]. Vorsitzender des Vorstands ist seit Anfang 2011 Pastor Ingo Habenicht. Weitere Vorstandsmitglieder sind der stellvertretende Vorsitzenden Bodo de Vries und Burkhard Bensiek.[3]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eingetragene Verein gliedert sich in räumlich und/oder inhaltlich zusammengefasste Regionen, die die Basis des Johanneswerks bilden. Hier werden – an über 30 Standorten in Nordrhein-Westfalen, in über 70 Einrichtungen und zahlreichen ambulanten Angeboten – Menschen unterstützt, betreut und gepflegt. Jeder Region steht ein Regionalgeschäftsführer, jeder Einrichtung eine Hausleitung vor.

An der Spitze stehen ein dreiköpfiger Vorstand und der Verwaltungsrat.[4]

Das Johanneswerk gliedert seine Altenarbeit geographisch in sechs Regionen: Die Regionen Bielefeld-Gütersloh, Herford, Lippe, Wittgenstein, Ruhrgebiet Nord-Münsterland und Ruhrgebiet Süd.[4] In allen Regionen findet stationäre Altenarbeit (vornehmlich durch stationäre Altenpflegeheime) aber auch ambulante Altenarbeit (durch Pflegedienste, Wohngemeinschaften oder Quartiersarbeit) statt. In der Region Bielefeld existiert zudem das Familienzentrum mit den Kindertagesstätten ‚Pappelhof‘ und ‚Sonnenblume.‘

Die Behindertenhilfe im Johanneswerk teilt sich in die Regionen Behindertenhilfe Arbeit mit zwei großen Werkstätten (Altenbochumer Werkstätten und Märkische Werkstätten) und Behindertenhilfe Wohnen mit sieben Wohnverbünden auf.[4]

Das Johanneswerk führt außerdem Kliniken in den Regionen Bad Honnef (Rhein-Klinik und Tagesklinik) und Wittgenstein (Klinik Wittgenstein und die Tagesklinik Netphen). Dazu kommt die Forensische Klinik ‚Niederrhein Therapiezentrum‘ (NTZ)[4] in Duisburg, mit 100 stationären Plätzen für drogenabhängige männliche Straftäter. Sie wird gemeinsam getragen vom Ev. Johanneswerk und den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Arbeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein ist in den Sparten Altenarbeit, Behindertenarbeit, pädagogische Arbeit, Krankenhausarbeit, offene diakonische Arbeit und Hospizarbeit tätig. Mit dem Kirchenkreis Bielefeld betreibt das Johanneswerk die Diakonie für Bielefeld gGmbH, die Fachstelle für ambulante diakonische Arbeit im Kirchenkreis Bielefeld. Diese bietet Beratung und Hilfeleistungen für Kinder, Jugendliche und Familien, für Ältere und pflegebedürftige Menschen, die zu Hause leben sowie für Menschen in besonderen Notlagen. In Bad Berleburg betreiben das Johanneswerk und der Kirchenkreis Wittgenstein das Diakonische Werk Wittgenstein.

Mit der Hospizarbeit setzt sich das Ev. Johanneswerk für die Begleitung Sterbender und deren Angehöriger ein. Schwerpunkt bildet dabei die Sterbebegleitung in stationären Einrichtungen.

Altenhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Altenarbeit unterhält das Johanneswerk über 30 vollstationäre Altenpflegeeinrichtungen, darüber hinaus Tagespflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Altenwohnungen, Wohnprojekte und Altentagesstätten.

Behindertenhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwerpunkt der Behindertenarbeit liegt im Ruhrgebiet und im Märkischen Kreis. In den Wohneinrichtungen, Werkstätten und ambulanten Diensten werden insgesamt 1.600 Kinder, Jugendliche und Erwachsene gefördert und betreut.

Pädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der pädagogischen Arbeit werden mehr als 300 Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung gefördert. Der regionale Schwerpunkt liegt hier in der Stammregion Ostwestfalen-Lippe mit den Einrichtungen der Jugendhilfe Bielefeld-Mitte und der Heilpädagogisch/therapeutischen Einrichtungen Grünau-Heidequell.

Kliniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Krankenhausarbeit gehören zwei Kliniken mit Tageskliniken für psychosomatische und psychotherapeutische Medizin. Das Ev. Johanneswerk ist außerdem mit 3 Prozent Mitgesellschafter des Evangelischen Klinikum Bethel mit rund 1.700 Betten und Gründungsmitglied des Klinikverbundes Valeo gGmbH, in dem sich 14 Krankenhäuser in Westfalen zusammengeschlossen haben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pastoren Clamor Huchzermeier und Johann Heinrich Volkening gründeten 1852 das „Rettungshaus Schildesche“ in Bielefeld. Hier wurden verwahrloste Kinder aufgenommen, deren Familien durch die Industrialisierung verarmt waren. Wohnhäuser, Betsaal, Turnhalle, Werkstätten und Wirtschaftsgebäude kamen hinzu. Um 1870 bekam das Rettungshaus den Namen Johannesstift. 1932 wurde die Erziehungsarbeit aus finanziellen Gründen eingestellt und das Rettungshaus schloss seine Pforten.

Noch im selben Jahr übernahm der Ortsverband für Innere Mission Bielefeld unter der Leitung von Pastor Karl Pawlowski das leerstehende Johannesstift. Die ehemaligen Wohnhäuser wurden als Altenheime eingerichtet und Mitte der 30er Jahre war das Johannesstift mit rund 260 Bewohnerinnen und Bewohnern eines der größten Alten- und Pflegeheime in Deutschland geworden. 1951 gründete Karl Pawlowski das Johanneswerk e.V., einen Trägerverband diakonischer Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen. Auch das Johannesstift wurde Mitglied im Johanneswerk. Die Zentrale des neugegründeten Werkes fand ebenfalls ihren Sitz im Johannesstift.

Auf dem Johannesstiftsgelände befinden sich heute das Evangelische Krankenhaus Bielefeld (ehemals Ev. Johannes-Krankenhaus), die Alten- und Pflegeheime Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Dorothee-Sölle-Haus und Karl-Pawlowski-Haus, das Fachseminar für Altenpflege, die Schule für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe und die Schule für Diätassistentinnen, die Kindertagesstätten Haus Sonnenblume und Pappelhof und der Ev. Gemeindedienst. Außerdem ist das Stiftgelände nach wie vor der zentrale Sitz des Ev. Johanneswerks e.V.

Diakonie für Bielefeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diakonie für Bielefeld gGmbH bietet im Ev. Kirchenkreis Bielefeld vielfältige Unterstützung für Menschen in schwierigen oder ungewöhnlichen Lebenslagen. Sie ist die Fachstelle für ambulante, diakonische Arbeit im Kirchenkreis Bielefeld. Über 300 Mitarbeitende sorgen für lösungsorientierte, vorurteilsfreie und schnelle Unterstützung und Begleitung. Unterstützt werden sie in ihrer Arbeit von ebenfalls 300 Ehrenamtlichen. Gesellschafter der Diakonie für Bielefeld sind der Ev. Kirchenkreis Bielefeld und das Ev. Johanneswerk. Geschäftsführer ist Marc Korbmacher. Die Angebote der Diakonie für Bielefeld richten sich an Familien, Kinder und Jugendliche, alte Menschen und ihre Angehörigen, Menschen, die straffällig geworden sind und deren Familien (Projekt ‚Freiräume‘), Menschen, die sich fremd und allein fühlen oder Kontakt und Begleitung suchen.

Die Verwaltung befindet sich auf dem Johannesstiftsgelände in Bielefeld-Schildesche. Als diakonischer Wohlfahrtsverband ist sie ein wichtiger Bestandteil im sozialen Netz der Stadt und Partner der Kommune und anderer Verbände. Sie wurde am 1. Januar 2012 gegründet und ist aus dem Ev. Gemeindedienst Bielefeld hervorgegangen, der 1925 als Ortsverein für innere Mission entstand. Der Umzug der Beratungsstellen aus vorher vier Standorten in das neue Haus ermöglichte es, Kosten dauerhaft zu senken und Kooperationen zu vereinfachen. Mit einem neuen Konzept startete im Frühjahr 2007 die Ev. Familien-, Erziehungs- und Krisenberatung, eine Fusion fachlicher und menschlicher Kompetenzen aus den bisherigen Beratungsstellen.

Insbesondere das Projekt ‚Freiräume‘ für Kinder von Inhaftierten und Haftentlassenen hat in den vergangenen Jahren für deutschlandweites Interesse gesorgt. Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Justizvollzugsanstalt Bielefeld durchgeführt wird, unterstützt Kinder, deren Eltern straffällig sind und umfasst Beratung, Vater-Kind-Gruppen, Gestaltung von Besuchstagen und Information. Ziel ist es, die Kinder dabei zu unterstützen, mit der einschneidenden Situation umzugehen und Diskriminierung und Stigmatisierung zu verhindern. Das Projekt ist das erste dieser Art in Ostwestfalen und eines von sehr wenigen deutschlandweit. Es wurde bereits gefördert von der Aktion Mensch sowie von der Aktion Lichtblicke, die von den NRW-Lokalradios, der Caritas und der Diakonie getragen wird. Für das Jahr 2010 war es für den Bielefeld-Preis nominiert.

Im Bereich der Altenhilfe gibt es Angebote für aktive Senioren. Dazu zählen Begegnungszentren, eine mobile Seniorenarbeit und die Initiative ‚EfI‘ (Erfahrungswissen für Initiativen). Es werden Beratungs- und Bildungsangebote gestellt. Die Diakonie für Bielefeld verfügt darüber hinaus drei Diakoniestationen sowie Hilfen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Diese beinhaltet die Wohngruppe ‚Am Kleinbahnhof‘, Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige, aber auch Freizeitangebote. Ein weiteres Angebot richtet sich an Menschen, die mit einer Behinderung alt geworden sind, und bietet Begegnungszentren und Freizeitangebote.

Das Unternehmen bietet außerdem vielfältige pädagogische Angebote. Dazu gehören ambulante Hilfen, die soziale Arbeit in Schulen und Stadtteilen sowie verschiedene Beratungsangebote. Diese richten sich an Eltern, Kinder, Jugendliche und Erwachsene und unterstützen Schüler an Bielefelder Schulen und organisieren Projekte in Einrichtungen in Bielefelder Stadtteilen. Pädagogische Fachkräfte begleiten, leiten an und entlasten. Sie helfen, das Familienleben zu entspannen, akute Krisen zu bewältigen, schaffen Angebote und arbeiten mit Kitas und Schulen zusammen. Die Beratung ist kostenfrei, offen für alle Bielefelder Bürger und erfolgt immer auf freiwilliger Grundlage. Auf dem Internetportal der Diakonie für Bielefeld besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit einer E-Mail- oder Chat-Beratung für Kinder und Eltern wie auch für Einzelpersonen.

Die Diakonie für Bielefeld begleitet außerdem Menschen dabei, schwierige Lebenslagen zu bewältigen und (wieder) am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Unterstützung erfahren hier Menschen mit Migrationshintergrund oder fehlender beruflicher Perspektive. Eine Migrationsberatung und eine Integrationsagentur bieten in diesem Zusammenhang eine Anlaufstelle. Zusätzlich richtet sich das Angebot an straffällig gewordene Menschen und deren Angehörige. Am Bielefelder Bahnhof kümmert sich die Bahnhofsmission unter anderem um Reisende, die Hilfe brauchen.

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung des Ev. Johanneswerks ist die Stiftung mitLeidenschaft. Sie wurde 2001 gegründet zur Förderung und Unterstützung innovativer Projekte in der Diakonie. Die Stiftung hilft vor allem älteren Menschen und Familien, die in Armut leben. Sie fördert Projekte für Kinder und Menschen mit Behinderung sowie Projekte auf dem Gebiet der Demenz. Geschäftsführerin der Stiftung ist Claudia Schröder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Johannesruf 2/1991, Das Evangelische Johanneswerk e.V. – Eine diakonische Entwicklungsgeschichte 1852 – 1951 – 1991, Bielefeld 1991.
  • Udo Krolzik (Hrsg.): Mitten im Leben. 50 Jahre Evangelisches Johanneswerk. Bielefeld 2001.
  • Hans-Walter Schmuhl, Bärbel Thau; Diakonie im Kirchenkreis Bielefeld. In: Matthias Benad, Hans-Walter Schmuhl (Hrsg.): Aufbruch in die Moderne. Der evangelische Kirchenkreis Bielefeld von 1871 bis 2006. Bielefeld 2006, S. 241–257.
  • Gerald Schwalbach: „Der Kirche den Blick weiten!“, Karl Pawlowski (1898-1964) – diakonischer Unternehmer an den Grenzen von Kirche und Innerer Mission. Bielefeld 2012
  • Gerald Schwalbach: Größer und moderner als Bethel! – Das Johanneswerk in Bielefeld und die Leitvorstellungen seines Gründers Karl Pawlowski (1898 – 1964). In: Matthias Benad (Hrsg.): Friedrich von Bodelschwingh d.J. und die Betheler Anstalten. Frömmigkeit und Weltgestaltung. Stuttgart 1997, S. 207–213.
  • Gerald Schwalbach, Bärbel Thau: Das Evangelische Johanneswerk e.V. Diakonischer Trägerverband in der Wiederaufbaugesellschaft (1951–1964). In: Udo Krolzik (Hrsg.): Zukunft der Diakonie. Zwischen Kontinuität und Neubeginn. Bielefeld 1998, S. 183–199.
  • Bärbel Thau: Bilder und Quellen aus der Geschichte des Evangelischen Jugend- und Wohlfahrtsamtes Bielefeld 1925–1945. In: Hans Bachmann, Reinhard van Spankeren (Hrsg.): Diakonie: Geschichte von unten. Christliche Nächstenliebe und kirchliche Sozialarbeit in Westfalen. Bielefeld 1995, S. 227–255.
  • Bärbel Thau: Vom Rettungshaus zum diakonischen Unternehmen. Das Evangelische Johanneswerk e.V. In: Stadtbuch Bielefeld. Tradition und Fortschritt in der ostwestfälischen Metropole. Bielefeld 1996, S. 158–159.
  • Bärbel Thau: Der Ortsverband für Innere Mission in Bielefeld. Frühe Zentralisierung diakonischer Arbeit (1926–1945). In: Udo Krolzik (Hrsg.): Zukunft der Diakonie. Zwischen Kontinuität und Neubeginn. Bielefeld 1998, S. 163–169.
  • Bärbel Thau: Vom Johannesstift zum Ev. Johanneswerk. In: Britta Bley (Hrsg.): Zwischen Himmel und Erde. Evangelische Kirche und Moderne in Bielefeld. Bielefeld 2006, S. 53–56.
  • Menschen unterwegs. 100 Jahre Bahnhofsmission in Bielefeld 1899–1999. Hrsg. vom Ev. Johanneswerk e.V., Bielefeld 1999.
  • Bärbel Thau: Diakonische Hilfe für Familien im Krieg – Die Jugend- und Familienhilfe des Ortsverbandes für Innere Mission Bielefeld 1939 bis 1945. In: Bernd Hey (Hrsg.): Kirche in der Kriegszeit 1939-1945. Bielefeld 2005, S. 61–78.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über uns. johanneswerk.de, abgerufen am 23. November 2017.
  2. Unsere Geschichte. johanneswerk.de, abgerufen am 23. November 2017.
  3. Vorstand. johanneswerk.de, abgerufen am 23. November 2017.
  4. abcd Organigramm. johanneswerk.de, 15. Juli 2017, abgerufen am 23. November 2017.

Koordinaten: 52° 2′ 27,2″ N, 8° 32′ 34,3″ O

Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite. Weitere Informationen erhältst du hier.
Das Logo des Vereins

Das Evangelische Johanneswerk e.V. ist einer der großen diakonischen Träger Europas mit Sitz in Bielefeld. Rund 6.500 Mitarbeiter sind in mehr als 70 Einrichtungen tätig[1]. Die diakonischen Angebote richten sich an alte und kranke Menschen, Menschen mit Behinderung sowie Kinder und Jugendliche. Gegründet wurde das Werk 1951 durch Pastor Karl Pawlowski (1898–1964)[2]. Vorsitzender des Vorstands ist seit Anfang 2011 Pastor Ingo Habenicht. Weitere Vorstandsmitglieder sind der stellvertretende Vorsitzenden Bodo de Vries und Burkhard Bensiek.[3]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eingetragene Verein gliedert sich in räumlich und/oder inhaltlich zusammengefasste Regionen, die die Basis des Johanneswerks bilden. Hier werden – an über 30 Standorten in Nordrhein-Westfalen, in über 70 Einrichtungen und zahlreichen ambulanten Angeboten – Menschen unterstützt, betreut und gepflegt. Jeder Region steht ein Regionalgeschäftsführer, jeder Einrichtung eine Hausleitung vor.

An der Spitze stehen ein dreiköpfiger Vorstand und der Verwaltungsrat.[4]

Das Johanneswerk gliedert seine Altenarbeit geographisch in sechs Regionen: Die Regionen Bielefeld-Gütersloh, Herford, Lippe, Wittgenstein, Ruhrgebiet Nord-Münsterland und Ruhrgebiet Süd.[4] In allen Regionen findet stationäre Altenarbeit (vornehmlich durch stationäre Altenpflegeheime) aber auch ambulante Altenarbeit (durch Pflegedienste, Wohngemeinschaften oder Quartiersarbeit) statt. In der Region Bielefeld existiert zudem das Familienzentrum mit den Kindertagesstätten ‚Pappelhof‘ und ‚Sonnenblume.‘

Die Behindertenhilfe im Johanneswerk teilt sich in die Regionen Behindertenhilfe Arbeit mit zwei großen Werkstätten (Altenbochumer Werkstätten und Märkische Werkstätten) und Behindertenhilfe Wohnen mit sieben Wohnverbünden auf.[4]

Das Johanneswerk führt außerdem Kliniken in den Regionen Bad Honnef (Rhein-Klinik und Tagesklinik) und Wittgenstein (Klinik Wittgenstein und die Tagesklinik Netphen). Dazu kommt die Forensische Klinik ‚Niederrhein Therapiezentrum‘ (NTZ)[4] in Duisburg, mit 100 stationären Plätzen für drogenabhängige männliche Straftäter. Sie wird gemeinsam getragen vom Ev. Johanneswerk und den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Arbeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein ist in den Sparten Altenarbeit, Behindertenarbeit, pädagogische Arbeit, Krankenhausarbeit, offene diakonische Arbeit und Hospizarbeit tätig. Mit dem Kirchenkreis Bielefeld betreibt das Johanneswerk die Diakonie für Bielefeld gGmbH, die Fachstelle für ambulante diakonische Arbeit im Kirchenkreis Bielefeld. Diese bietet Beratung und Hilfeleistungen für Kinder, Jugendliche und Familien, für Ältere und pflegebedürftige Menschen, die zu Hause leben sowie für Menschen in besonderen Notlagen. In Bad Berleburg betreiben das Johanneswerk und der Kirchenkreis Wittgenstein das Diakonische Werk Wittgenstein.

Mit der Hospizarbeit setzt sich das Ev. Johanneswerk für die Begleitung Sterbender und deren Angehöriger ein. Schwerpunkt bildet dabei die Sterbebegleitung in stationären Einrichtungen.

Altenhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Altenarbeit unterhält das Johanneswerk über 30 vollstationäre Altenpflegeeinrichtungen, darüber hinaus Tagespflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Altenwohnungen, Wohnprojekte und Altentagesstätten.

Behindertenhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwerpunkt der Behindertenarbeit liegt im Ruhrgebiet und im Märkischen Kreis. In den Wohneinrichtungen, Werkstätten und ambulanten Diensten werden insgesamt 1.600 Kinder, Jugendliche und Erwachsene gefördert und betreut.

Pädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der pädagogischen Arbeit werden mehr als 300 Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung gefördert. Der regionale Schwerpunkt liegt hier in der Stammregion Ostwestfalen-Lippe mit den Einrichtungen der Jugendhilfe Bielefeld-Mitte und der Heilpädagogisch/therapeutischen Einrichtungen Grünau-Heidequell.

Kliniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Krankenhausarbeit gehören zwei Kliniken mit Tageskliniken für psychosomatische und psychotherapeutische Medizin. Das Ev. Johanneswerk ist außerdem mit 3 Prozent Mitgesellschafter des Evangelischen Klinikum Bethel mit rund 1.700 Betten und Gründungsmitglied des Klinikverbundes Valeo gGmbH, in dem sich 14 Krankenhäuser in Westfalen zusammengeschlossen haben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pastoren Clamor Huchzermeier und Johann Heinrich Volkening gründeten 1852 das „Rettungshaus Schildesche“ in Bielefeld. Hier wurden verwahrloste Kinder aufgenommen, deren Familien durch die Industrialisierung verarmt waren. Wohnhäuser, Betsaal, Turnhalle, Werkstätten und Wirtschaftsgebäude kamen hinzu. Um 1870 bekam das Rettungshaus den Namen Johannesstift. 1932 wurde die Erziehungsarbeit aus finanziellen Gründen eingestellt und das Rettungshaus schloss seine Pforten.

Noch im selben Jahr übernahm der Ortsverband für Innere Mission Bielefeld unter der Leitung von Pastor Karl Pawlowski das leerstehende Johannesstift. Die ehemaligen Wohnhäuser wurden als Altenheime eingerichtet und Mitte der 30er Jahre war das Johannesstift mit rund 260 Bewohnerinnen und Bewohnern eines der größten Alten- und Pflegeheime in Deutschland geworden. 1951 gründete Karl Pawlowski das Johanneswerk e.V., einen Trägerverband diakonischer Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen. Auch das Johannesstift wurde Mitglied im Johanneswerk. Die Zentrale des neugegründeten Werkes fand ebenfalls ihren Sitz im Johannesstift.

Auf dem Johannesstiftsgelände befinden sich heute das Evangelische Krankenhaus Bielefeld (ehemals Ev. Johannes-Krankenhaus), die Alten- und Pflegeheime Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Dorothee-Sölle-Haus und Karl-Pawlowski-Haus, das Fachseminar für Altenpflege, die Schule für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe und die Schule für Diätassistentinnen, die Kindertagesstätten Haus Sonnenblume und Pappelhof und der Ev. Gemeindedienst. Außerdem ist das Stiftgelände nach wie vor der zentrale Sitz des Ev. Johanneswerks e.V.

Diakonie für Bielefeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diakonie für Bielefeld gGmbH bietet im Ev. Kirchenkreis Bielefeld vielfältige Unterstützung für Menschen in schwierigen oder ungewöhnlichen Lebenslagen. Sie ist die Fachstelle für ambulante, diakonische Arbeit im Kirchenkreis Bielefeld. Über 300 Mitarbeitende sorgen für lösungsorientierte, vorurteilsfreie und schnelle Unterstützung und Begleitung. Unterstützt werden sie in ihrer Arbeit von ebenfalls 300 Ehrenamtlichen. Gesellschafter der Diakonie für Bielefeld sind der Ev. Kirchenkreis Bielefeld und das Ev. Johanneswerk. Geschäftsführer ist Marc Korbmacher. Die Angebote der Diakonie für Bielefeld richten sich an Familien, Kinder und Jugendliche, alte Menschen und ihre Angehörigen, Menschen, die straffällig geworden sind und deren Familien (Projekt ‚Freiräume‘), Menschen, die sich fremd und allein fühlen oder Kontakt und Begleitung suchen.

Die Verwaltung befindet sich auf dem Johannesstiftsgelände in Bielefeld-Schildesche. Als diakonischer Wohlfahrtsverband ist sie ein wichtiger Bestandteil im sozialen Netz der Stadt und Partner der Kommune und anderer Verbände. Sie wurde am 1. Januar 2012 gegründet und ist aus dem Ev. Gemeindedienst Bielefeld hervorgegangen, der 1925 als Ortsverein für innere Mission entstand. Der Umzug der Beratungsstellen aus vorher vier Standorten in das neue Haus ermöglichte es, Kosten dauerhaft zu senken und Kooperationen zu vereinfachen. Mit einem neuen Konzept startete im Frühjahr 2007 die Ev. Familien-, Erziehungs- und Krisenberatung, eine Fusion fachlicher und menschlicher Kompetenzen aus den bisherigen Beratungsstellen.

Insbesondere das Projekt ‚Freiräume‘ für Kinder von Inhaftierten und Haftentlassenen hat in den vergangenen Jahren für deutschlandweites Interesse gesorgt. Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Justizvollzugsanstalt Bielefeld durchgeführt wird, unterstützt Kinder, deren Eltern straffällig sind und umfasst Beratung, Vater-Kind-Gruppen, Gestaltung von Besuchstagen und Information. Ziel ist es, die Kinder dabei zu unterstützen, mit der einschneidenden Situation umzugehen und Diskriminierung und Stigmatisierung zu verhindern. Das Projekt ist das erste dieser Art in Ostwestfalen und eines von sehr wenigen deutschlandweit. Es wurde bereits gefördert von der Aktion Mensch sowie von der Aktion Lichtblicke, die von den NRW-Lokalradios, der Caritas und der Diakonie getragen wird. Für das Jahr 2010 war es für den Bielefeld-Preis nominiert.

Im Bereich der Altenhilfe gibt es Angebote für aktive Senioren. Dazu zählen Begegnungszentren, eine mobile Seniorenarbeit und die Initiative ‚EfI‘ (Erfahrungswissen für Initiativen). Es werden Beratungs- und Bildungsangebote gestellt. Die Diakonie für Bielefeld verfügt darüber hinaus drei Diakoniestationen sowie Hilfen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Diese beinhaltet die Wohngruppe ‚Am Kleinbahnhof‘, Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige, aber auch Freizeitangebote. Ein weiteres Angebot richtet sich an Menschen, die mit einer Behinderung alt geworden sind, und bietet Begegnungszentren und Freizeitangebote.

Das Unternehmen bietet außerdem vielfältige pädagogische Angebote. Dazu gehören ambulante Hilfen, die soziale Arbeit in Schulen und Stadtteilen sowie verschiedene Beratungsangebote. Diese richten sich an Eltern, Kinder, Jugendliche und Erwachsene und unterstützen Schüler an Bielefelder Schulen und organisieren Projekte in Einrichtungen in Bielefelder Stadtteilen. Pädagogische Fachkräfte begleiten, leiten an und entlasten. Sie helfen, das Familienleben zu entspannen, akute Krisen zu bewältigen, schaffen Angebote und arbeiten mit Kitas und Schulen zusammen. Die Beratung ist kostenfrei, offen für alle Bielefelder Bürger und erfolgt immer auf freiwilliger Grundlage. Auf dem Internetportal der Diakonie für Bielefeld besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit einer E-Mail- oder Chat-Beratung für Kinder und Eltern wie auch für Einzelpersonen.

Die Diakonie für Bielefeld begleitet außerdem Menschen dabei, schwierige Lebenslagen zu bewältigen und (wieder) am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Unterstützung erfahren hier Menschen mit Migrationshintergrund oder fehlender beruflicher Perspektive. Eine Migrationsberatung und eine Integrationsagentur bieten in diesem Zusammenhang eine Anlaufstelle. Zusätzlich richtet sich das Angebot an straffällig gewordene Menschen und deren Angehörige. Am Bielefelder Bahnhof kümmert sich die Bahnhofsmission unter anderem um Reisende, die Hilfe brauchen.

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung des Ev. Johanneswerks ist die Stiftung mitLeidenschaft. Sie wurde 2001 gegründet zur Förderung und Unterstützung innovativer Projekte in der Diakonie. Die Stiftung hilft vor allem älteren Menschen und Familien, die in Armut leben. Sie fördert Projekte für Kinder und Menschen mit Behinderung sowie Projekte auf dem Gebiet der Demenz. Geschäftsführerin der Stiftung ist Claudia Schröder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Johannesruf 2/1991, Das Evangelische Johanneswerk e.V. – Eine diakonische Entwicklungsgeschichte 1852 – 1951 – 1991, Bielefeld 1991.
  • Udo Krolzik (Hrsg.): Mitten im Leben. 50 Jahre Evangelisches Johanneswerk. Bielefeld 2001.
  • Hans-Walter Schmuhl, Bärbel Thau; Diakonie im Kirchenkreis Bielefeld. In: Matthias Benad, Hans-Walter Schmuhl (Hrsg.): Aufbruch in die Moderne. Der evangelische Kirchenkreis Bielefeld von 1871 bis 2006. Bielefeld 2006, S. 241–257.
  • Gerald Schwalbach: „Der Kirche den Blick weiten!“, Karl Pawlowski (1898-1964) – diakonischer Unternehmer an den Grenzen von Kirche und Innerer Mission. Bielefeld 2012
  • Gerald Schwalbach: Größer und moderner als Bethel! – Das Johanneswerk in Bielefeld und die Leitvorstellungen seines Gründers Karl Pawlowski (1898 – 1964). In: Matthias Benad (Hrsg.): Friedrich von Bodelschwingh d.J. und die Betheler Anstalten. Frömmigkeit und Weltgestaltung. Stuttgart 1997, S. 207–213.
  • Gerald Schwalbach, Bärbel Thau: Das Evangelische Johanneswerk e.V. Diakonischer Trägerverband in der Wiederaufbaugesellschaft (1951–1964). In: Udo Krolzik (Hrsg.): Zukunft der Diakonie. Zwischen Kontinuität und Neubeginn. Bielefeld 1998, S. 183–199.
  • Bärbel Thau: Bilder und Quellen aus der Geschichte des Evangelischen Jugend- und Wohlfahrtsamtes Bielefeld 1925–1945. In: Hans Bachmann, Reinhard van Spankeren (Hrsg.): Diakonie: Geschichte von unten. Christliche Nächstenliebe und kirchliche Sozialarbeit in Westfalen. Bielefeld 1995, S. 227–255.
  • Bärbel Thau: Vom Rettungshaus zum diakonischen Unternehmen. Das Evangelische Johanneswerk e.V. In: Stadtbuch Bielefeld. Tradition und Fortschritt in der ostwestfälischen Metropole. Bielefeld 1996, S. 158–159.
  • Bärbel Thau: Der Ortsverband für Innere Mission in Bielefeld. Frühe Zentralisierung diakonischer Arbeit (1926–1945). In: Udo Krolzik (Hrsg.): Zukunft der Diakonie. Zwischen Kontinuität und Neubeginn. Bielefeld 1998, S. 163–169.
  • Bärbel Thau: Vom Johannesstift zum Ev. Johanneswerk. In: Britta Bley (Hrsg.): Zwischen Himmel und Erde. Evangelische Kirche und Moderne in Bielefeld. Bielefeld 2006, S. 53–56.
  • Menschen unterwegs. 100 Jahre Bahnhofsmission in Bielefeld 1899–1999. Hrsg. vom Ev. Johanneswerk e.V., Bielefeld 1999.
  • Bärbel Thau: Diakonische Hilfe für Familien im Krieg – Die Jugend- und Familienhilfe des Ortsverbandes für Innere Mission Bielefeld 1939 bis 1945. In: Bernd Hey (Hrsg.): Kirche in der Kriegszeit 1939-1945. Bielefeld 2005, S. 61–78.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über uns. johanneswerk.de, abgerufen am 23. November 2017.
  2. Unsere Geschichte. johanneswerk.de, abgerufen am 23. November 2017.
  3. Vorstand. johanneswerk.de, abgerufen am 23. November 2017.
  4. abcd Organigramm. johanneswerk.de, 15. Juli 2017, abgerufen am 23. November 2017.

Koordinaten: 52° 2′ 27,2″ N, 8° 32′ 34,3″ O

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