Fernsehtheater Moritzburg

Das Fernsehtheater Moritzburg, das sich als sozialistisches Volkstheater verstand und sich gegen das von 1953 an erfolgreiche volkstümliche Unterhaltungstheater à la Millowitsch-Theater, Ohnsorg-Theater, Komödienstadl oder Königlich Bayerisches Amtsgericht im Fernsehen der alten Bundesrepublik Deutschland abgrenzte, war in den Kasematten der mittelalterlichen Moritzburg in Halle (Saale) angesiedelt. Der Raum bestand aus einer 4,25 Meter breiten, ca. 18 m² großen Bühne und wenigen Zuschauerreihen.[1] Zwischen 1965 und 1991 produzierte das didaktisch angelegte Fernsehtheater, das stets in Konkurrenz zur deutlich erfolgreicheren Adlershofer Abteilung Heitere Dramatik[2] als der anderen Redaktion für Unterhaltungsprogramme stand, im Auftrag von Deutscher Fernsehfunk respektive Fernsehen der DDR, Studio Halle knapp 270 Volkstheater-Stücke. Diese Volkstheater-Stücke, die meist als Eigenentwicklung inszeniert, vor Publikum gespielt, aufgezeichnet und dann im Fernsehen ausgestrahlt wurden, „reichen vom Schwank bis zum Boulevardstück und sind im Rahmen einer 'volksnahen Fernsehkunst' zu betrachten.“[3] Sie sind unter inhaltlich-gehaltlichen, medien- und genreästhetischen sowie kulturell-kommunikativen Perspektiven von hohen Interesse für die Geschichte der DDR und deren Fernseh- bzw. Medienkultur.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Entstehung verdankt das Fernsehtheater Moritzburg, das „zumindest im deutschsprachigen Raum“ ein „einmalige[s] Theaterexperiment[] darstellt“,[4] dem späteren Präsidenten der Volkskammer Horst Sindermann. Der hatte Anfang der 1960er Jahre als Parteifunktionär bzw. Bezirkssekretär die Einrichtung eines eigenen Fernsehstudios in Halle durchgesetzt.[5] Dieses Fernsehtheater, das im Laufe des Jahres 1965 geschaffen wurde, sollte auf heitere Weise bzw. mit heiteren Stücken geschmacklich, weltanschaulich und staatsbürgerlich bilden.[6] In den Worten des Dramaturgen und Regisseurs Gerd Focke, den Sindermann vor allem aufgrund seiner spezifischen Vorstellung von Volkstümlichkeit[7] und Volkstheater[8] mit der Gründung des Fernsehtheaters Moritzburg beauftragte und der das Fernsehtheater lange leitete: "Du baust ein Fernsehtheater auf. […] Es ist doch ein Armutszeugnis, dass Menschen immer erst das Westfernsehen einschalten müssen, um heitere Stücke sehen zu können. Das können wir doch wohl auch!"[9] Nach eigener Aussage Fockes gab ihm Sindermann grundsätzlich freie Hand, doch sollten andere Stücke ausgewählt werden als diejenigen, die die westdeutschen sog. Volksbühnen bevorzugten. Und es sollte vor allem anders inszeniert werden, nicht auf "Klamauk" und auf "billige Lacher" hin: "Wir […] wollten […] die kleine Komödie des DDR-Fernsehens schaffen […], in der selbst das Singspiel oder die kleine Oper ihren Platz haben sollte und auch hatte."[10]

Programm/Programmgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste 80-minütige Ausstrahlung eines Stückes aus dem Fernsehtheater Moritzburg[11] erfolgte am Sonntag den 19. Dezember 1965 im 1. Programm zur besten Sendezeit um 20.00 Uhr. Es handelte sich um das Stück Das Himmelbett (Het hemmelbed) (1942) von Jan de Hartog in der Übersetzung von Robert Blum und in der Inszenierung von Hanns Anselm Perten; Regie führte Ernst Gladasch, für die Dramaturgie war Gerd Focke verantwortlich. Schon zehn Tage später wurde mit Szöke Szakalls Komödie Das Streichquartett in der Bearbeitung durch Dieter Hildebrandt und Georg Marischka das nächste Stück ausgestrahlt.[12] Auch für die Inszenierung dieses Stücks konnte mit Kurt Jung-Alsen ein prominenter DDR- bzw. DEFA-Regisseur gewonnen werden, und mit Helga Göring und Heinz Behrens waren beliebte DDR-Schauspieler beteiligt (vgl. "Akteure").

Das Fernsehtheater Moritzburg hat in den gut 25 Jahren seines Bestehens eine u. a. nach Genre und Untergattung große Vielfalt an Stücken und Autoren inszeniert. Darüber hinaus hat es mit anderen Fernsehformaten wie Spätpodium, Kleines Theater und Gerichtssendung, die sich anthologisch bspw. bestimmten Autoren und Künstlern wie Bert Brecht, John Stave oder Jacques Offenbach oder bestimmten literarisch-musikalischen Themenschwerpunkten wie bspw. Kabarett, Poesie oder "russische Autoren" annahmen oder die das 'heiße Eisen' "Kriminalität in der DDR" zum Gegenstand hatten, für Abwechslung gesorgt.

Im Einzelnen (vgl. im Folgenden "Stücke") lassen sich - über den gesamten Produktionszeitraum hinweg - neben Autoren bzw. Stücken der Antike nationale und internationale Vertreter des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, der Aufklärung und der Weimarer Klassik, der Salonkomödie und des Volksstücks des 19. Jahrhunderts, des Zeitstücks und des Gegenwartsstücks nachweisen. Dabei fällt zum einen auf, dass immer wieder Autoren (bspw. Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere oder Niccolo Machiavelli) und Stücke (bspw. Cervantes: Die Vielredner) inszeniert wurden, die nur zum erweiterten Kanon der Literatur gehören. Zum anderen fällt, gerade im Verhältnis zu den auch gespielten Autoren aus Ländern des Ostblocks (Russland bzw. Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen etc.), die starke Präsenz von französischen und englischsprachigen Autoren insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts auf. Soweit es um deutschsprachige Autoren der Vergangenheit geht, überrascht zum dritten die Präsenz von bürgerlich-konservativen Autoren wie Carl Laufs, Ludwig Thoma, Franz von Schönthan, Paul von Schönthan oder Curt Goetz. Kaum erwartet hätte man viertens, das Mitte der 1970er Jahre mit Jeder Tag im Herbst (ausgestrahlt am 1. August 1975) ein Stück von einem Autor inszeniert worden ist - Werner Bräunig -, der noch auf 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 mit seinem Rummelplatz (Roman) zu den am schärfsten von Erich Honecker Angegriffenen gehörte.

Obwohl der gesamte Produktionszeitraum durch Vielfalt geprägt ist, lässt sich die Programmgeschichte des Fernsehtheaters Moritzburg dennoch in drei Phasen unterteilen. Zu diesen Phasen haben zum einen "übergreifende politische, fernseh- und kulturpolitische Zäsuren" beigetragen. Ebenso entscheidend waren allerdings - neben internen personell-strukturellen Gegebenheiten und dem Profil und Engagement einzelner Mitarbeiter - "der Erfolg bzw. Misserfolg der Produktionen beim Fernsehpublikum, der wechselnde Stellenwert, der dem Fernsehtheater als solchem innerhalb des DDR-Fernsehsystems zugesprochen wurde und die damit vermutlich in Verbindung stehende und mit den Jahren dürftiger werdende finanzielle Ausstattung des Fernsehtheaters."[13] Nicht zu übersehen ist in diesem Zusammenhang, dass das Fernsehtheater mit seiner ambitioniert-idealistischen und problemorientiert-volksaufklärerischen Vorstellung von Volkstümlichkeit letztlich das Massenpublikum verfehlte, dem der Sinn nicht nach Belehrung stand.[14]

Die erste, kulturell besonders ambitionierte Phase des Fernsehtheaters geht bis in die frühen 1970er Jahre. Sie ist bestimmt durch "historisch-kulturelle Neugierde, Genre-Vielfalt und inszenatorische Experimentierfreude. Daran schließt sich eine kurze Phase intensiver, vor allem an 'Qualität' orientierter Profilierungsbemühungen an, die bis ca. 1977 dauert. In der dritten Phase, ab ca. 1978, findet eine massive Konzentration auf den zeitgenössischen DDR-Schwank statt, der in heiterer Form die Auseinandersetzung mit geläufigen Problemen des inner- wie außerfamiliären DDR-Alltags sucht." "Simplifizierungen", "Phrasen" und "totgelaufene Pointen oder Gags" in diesen Zeitstücken stehen allerdings einem nachhaltigen Interesse des Publikums an diesen Ausstrahlungen entgegen.[15]

Die letzte, knapp dreiviertelstündige Ausstrahlung aus dem Fernsehtheater Moritzburg fand am 18. September 1991 in der Länderkette des Deutschen Fernsehfunks statt, erstmals im Nachmittagsprogramm um 14:20 Uhr. In der Sendung Publikumslieblinge im Fernsehtheater: Heinz Behrens (Regie: Hartmut Ostrowsky) erzählte Behrens "von seinen Erlebnisse und zahlreichen Auftritten im Fernsehtheater Moritzburg." [16] Dem vorangegangen waren seit dem 1. April 1989[17] neun Folgen der 30-minütigen, um 19:30 Uhr zu guter Sendezeit ausgestrahlten Gerichtssendung Von Fall zu Fall (1989f.), zwei Lustspiele nach 'alter Tradition' sowie drei Sendungen, die noch einmal den hohen, auf Unterhaltung, Bildung, Aufklärung und gesellschaftliche Teilhabe zielenden Anspruch erkennen ließen, die die 'Macher' des Fernsehtheaters Moritzburg stets mit ihren Produktionen verfolgt hatten: Erfahrungen Wolfgang Leonhards. Lesung (Wolfgang Leonhard, ausgestrahlt am 8. Juli 1990), "Totgesagt" - Trude Richter: Erinnerungen an Stalins Lager (Trude Richter, ausgestrahlt am 22. Juli 1990) und Ein seltener Fall von Liebe. Monolog (Friedrich Nowotny), ausgestrahlt am 5. November 1990. Die jeweiligen Ausstrahlungszeiten 22:55 Uhr, 23:30 Uhr und 21.50 Uhr machen dabei allerdings deutlich, dass das Fernsehtheater Moritzburg mit diesem Anspruch in den auf Zukunft gerichteten Überlegungen der Programmmacher bereits keine Rolle mehr spielte.

Akteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei den ersten beiden genannten Stücken, lässt sich auch für viele spätere Produktionen festhalten, das zahlreiche populäre und große Schauspieler sowie Fernseh- und Theatermacher der DDR am Fernsehtheater Moritzburg mitgewirkt haben. Stellvertretend für die Schauspieler können bspw. Dieter Bellmann, Astrid Bless, Fred Delmare, Eberhard Esche, Fred-Arthur Geppert, Werner Godemann, Sigrid Göhler, Jenny Gröllmann, Gert Gütschow, Eva-Maria Hagen, Helga Hahnemann, Harald Halgardt, Hans-Joachim Hanisch, Hannjo Hasse, Hans-Joachim Hegewald, Rolf Herricht, Ingeborg Krabbe, Georgia Kullmann, Fred Mahr, Jürgen Mai, Ingeborg Nass, Wolfgang Oldag, Evelyn Opoczynski, Marylu Poolman, Uta Schorn (Schauspielerin), Helmut Schreiber (Schauspieler), Ernst-Georg Schwill, Siegfried Voß, Ellen Weber und Wolfgang Winkler (Schauspieler) genannt werden.

Unter den Machern sind Leute wie Günter Agde, Celino Bleiweiß, Eva-Maria Boege, Ursula Damm-Wendler, Klaus Eidam, Günther Feustel, Peter Groeger, Jörg Kaehler, Peter Mansee, Walter Opitz, Hartmut Ostrowsky, Dieter Perlwitz, Hans-Joachim Preil, Horst Ruprecht (Regisseur), Horst Schönemann, Peter Sodann und Robert Trösch zu nennen.

Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde das Fernsehtheater Moritzburg im Rahmen eines Deutsche Forschungsgemeinschaft-Forschungsprojektes mit dem Titel "Programmgeschichte des DDR-Fernsehens - komparativ" vom Teilprojekt "Heitere Dramatik im Deutschen Fernsehfunk - das 'Fernsehtheater Moritzburg'" unter Leitung von Gerhard Lampe der Institution, dem Programm und den Einzelproduktionen nach im Kontext "gesellschaftlicher Entwicklungen, spezifischer Produktions- und Rezeptionskontexte" sowie "eigen- und fremdstaatlicher Medien- bzw. Programmangebote"[3] erforscht (siehe "Literatur").

Stücke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sich auf ca. ein Fünftel der gesamten Produktion beschränkende und den Ausstrahlungsdaten folgende Auswahl führt Stücke bzw. Produktionen auf, die der angegebenen Forschungsliteratur nach hinsichtlich der Autoren (und deren Herkunftsländern, deren Lebensdaten und deren literarisch-weltanschaulichen Verortung), der Themen und/oder der Inszenierungen für die Programmgeschichte des Fernsehtheaters Moritzburg und deren Phasen repräsentativ sind. Etliche dieser Stücke bzw. Produktionen, die zwischen ca. 30 und 120 Minuten lang waren, wurden wiederholt, zum Teil mehrfach, zum Teil über zehn und mehr Jahre hinweg und sowohl im 1. wie später dann auch im 2. Programm.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Helmes, Steffi Schültzke (Hrsg.): Das Fernsehtheater Moritzburg. Institution und Spielplan. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2003. ISBN 3-936522-99-5.
    • Günter Helmes, Gerhard Lampe, Steffi Schültzke: Vorwort. Ebd., S. 7-9.
    • Steffi Schültzke: Eine Bühne für die Heiterkeit: die Spielplangestaltung des Fernsehtheaters Moritzburg. Ebd., S. 11-24.
    • Günter Helmes, Gerd Focke: Das Fernsehtheater Moritzburg: Geschichte, Themen, Tendenzen. Ein Gespräch. Ebd., S. 25-64.
    • Dana Messerschmidt, Steffi Schültzke: Programmchronologie der Sendungen des Fernsehtheaters Moritzburg / Register. Ebd., S. 65-105.
  • Thomas Beutelschmidt: (Re-)Konstruktionsversuche - Entwicklungsschritte der DDR-Fernsehdramatik im historischen Kontext der Jahre 1968-1975. In: Claudia Dittmar, Susanne Vollberg (Hrsg.): Die Überwindung der Langeweile? Zur Programmentwicklung des DDR-Fernsehens 1968 bis 1974. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2002, S. 245-294. ISBN 3-936522-59-6.
  • Günter Helmes, Steffi Schültzke: Das "Fernsehtheater Moritzburg" und das literarische Erbe: Am Beispiel der Inszenierung von Theodor Gottlieb Hippels "Der Mann nach der Uhr oder der ordentliche Mann" (1765/1971). In: Claudia Dittmar, Susanne Vollberg (Hrsg.): Die Überwindung der Langeweile? Zur Programmentwicklung des DDR-Fernsehens 1968 bis 1974. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2002, S. 311-340. ISBN 3-936522-59-6.
  • Claudia Kusebauch (Hrsg.): Fernsehtheater Moritzburg II. Programmgeschichte. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2005. ISBN 3-86583-015-3.
    • Steffi Schültzke: Stein auf Stein? Praxis und Theorie der Programmgeschichte. Ebd., S. 3-14.
    • Claudia Kusebauch (unter Mitarbeit von Michael Grisko): Das Fernsehtheater Moritzburg - Programmchronologie. Ebd., S. 15-208.
    • Claudia Kusebauch (unter Mitarbeit von Dana Messerschmidt): Das Fernsehtheater Moritzburg - Programmplätze, Themen und Zuschauerzahlen / Titelregister. Ebd., S. 209-242.
  • Steffi Schültzke: Zwischen Satire und Klamotte: Das Stück "Streichquartett" als Spiegel west-ostdeutscher Inszenierungspraxis. In: Claudia Dittmar, Susanne Vollberg (Hrsg.): Alternativen im DDR-Fernsehen? Die Programmentwicklung 1981 bis 1985. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, S. 413-438. ISBN 978-3-93720-985-2.
  • Steffi Schültzke: Television Theatre in East Germany 1965-1989: an Interim Report. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, Vol. 24, No. 3, 2004, S. 455-463.
  • Claudia Kusebauch, Dana Messerschmidt, Andreas Mohrig, Steffi Schültzke (Hrsg.): So ein Fernseh-Theater!: Politische Akteure und Programmpraxis einer Institution des DDR-Fernsehens. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007. ISBN 3-631-55638-1.
    • Andrea Mohrig: Delegierte 'Kulturarbeit'. Fernsehstudio Halle und Fernsehtheater Moritzburg als Produkte institutioneller Beziehungen zwischen DFF, SED und den DDR-Kulturbehörden. Ebd., S. 15-142.
    • Dana Messerschmidt, Steffi Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg - sozialistisches Fernseh-Theater? Ebd., S. 143-174.
    • Claudia Kusebauch: Sozialistische Komik-Alternativen. Schwank-Inszenierungen des Fernsehtheaters Moritzburg und des Ohnsorg-Theaters im Vergleich. Ebd., S. 175-212.
    • Steffi Schültzke, Gerhard Lampe, Dieter Heinemann: Interview. Ebd., S. 217-232.
  • Steffi Schültzke (Hrsg.) Das heitere Lehrstück? Ausgewählte Analysen zum Fernsehtheater Moritzburg. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2006. ISBN 3-86583-021-8.
    • Doris Rosenstein: "Liebe mit Engel Gabriel". Anmerkungen zu einer Boccaccio-Adaption für das Fernsehtheater Moritzburg. Ebd., S. 11-48.
    • Claudia Kusebauch: Geschichte zwischen Herrschaftsdiskurs und Heiterkeit. Die Darstellung der Französischen Revolution und Napoleons im Fernsehtheater Moritzburg. Ebd., S. 49-74.
    • Günter Helmes: "Ick bin so frei und rede … weil ick och so frei bin und … und zahle". Ludwig Thomas "Gelähmte Schwingen" (1916) im Fernsehen der DDR und der BRD. Ebd., S. 75-106.
    • Steffi Schültzke: "In der Tendenz liebenswürdig". Wahrheitskonstruktion in der Gerichtsreihe "Von Fall zu Fall". Ebd., S. 107-134.
    • Günter Helmes, Astrid Bless: Interview. Ebd., S. 135-150.
    • Günter Helmes, Hans-Joachim Hanisch: Interview. Ebd., S. 151-160.
  • Steffi Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg: Zwischen Boulevard und sozialistischer Schwankbühne. In: Thomas Beutelschmidt, Hans-Martin Hinz, Rüdiger Steinlein, Henning Wrage (Hrsg.): Das literarische Fernsehen. Beiträge zur deutsch-deutschen Medienkultur. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, S. 125-134.
  • Rüdiger Steinmetz, Reinhold Viehoff (Hrsg.): Deutsches Fernsehen Ost: Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2008. ISBN 978-38665-048-82.
  • Steffi Schültzke: Propaganda für Kleinbürger: Heitere Dramatik im DDR-Fernsehen. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009. ISBN 978-3-86583-347-1.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Focke berichtet, dass es in diesem Raum nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem „Massenselbstmord der Naziprominenz“ Halles gekommen sei. Vgl. Helmes, Focke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 30.
  2. Unter "Heitere Dramatik" als Unterbegriff zu Fernsehdramatik fasste man in der DDR Lustspiele, Schwänke und Komödien zusammen.
  3. ab Helmes, Lampe, Schültzke: Vorwort. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 8.
  4. Schültzke: Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 11.
  5. Steinmetz, Viehoff: Deutsches Fernsehen Ost (siehe "Literatur"), 2008, S. 197ff.
  6. Peter Sindermann (* 1939), Stiefsohn von Horst Sindermann, war bis zu seinem frühen Tod 1971 häufiger in Produktionen des Fernsehtheaters Moritzburg zu sehen.
  7. Siehe dazu bspw. Bertolt Brechts Beitrag Volkstümlichkeit und Realismus, erstmals veröffentlicht in der Das Wort (Exilzeitschrift); wieder in: Bertolt Brecht: Gesammelte Werke in 20 Bänden. Bd. 19. Schriften zur Literatur und Kunst 2, hrsg. vom Suhrkamp Verlag in Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann. Frankfurt am Main 1967, S. 322-331. ISBN 3-518-00915-X.
  8. "Publikumsnähe, so lautete das Credo dieser Strömung [zu der auch Hanns-Anselm Perten zählt, der damals das Volkstheater Rostock leitete, sowie Benno Besson, der seit 1969 an der Volksbühne Berlin tätig war], entsteht über Stücke und deren Inszenierungen, die zwar unkompliziert und heiter sind, die sich aber keineswegs im bloß Schwankhaften oder gar in purem Klamauk erschöpfen. Das schließt den Rückgriff auf bewährte Elemente der theatralen Tradition, etwas der Commedia dell’arte, der Posse und des Fastnachtspiels nicht aus, sondern verbindet deren Anwendung mit einem belehrenden Anspruch." Schültzke: Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 11.
  9. Helmes, Focke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 29.
  10. Ebd., S. 31. - Focke gibt in diesem Interview "unter Berücksichtigung ökonomischer, technischer, örtlicher und übergreifender politisch-kultureller Aspekte zahlreicheHinweise auf die Entstehung und auf die Geschichte des Fernsehtheaters" und "erläutert […] die ästhetischen, ideologischen und strukturellen Kriterien, nach denen Stücke ausgewählt und inszeniert wurden." Vgl. Helmes, Lampe, Schültzke: Vorwort. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 9.
  11. Das erste Stück, das vom Fernsehtheater noch im Theater der Jungen Garde Halle produziert wurde, war Ein Name ging verloren von Radi Kuschnirow in der Inszenierung von Dieter Wardetzky; das Stück wurde allerdings nicht ausgestrahlt. Vgl. Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 17.
  12. Am 22. September 1981 wurde das Stück erneut in einer Inszenierung von Hans Knötzsch und in anderer Besetzung ausgestrahlt. Vgl. Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 158.
  13. Zitate und weitere Ausführungen in: Steffi Schültzke, Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 12f.
  14. Aufschlüsse über die Zuschauerzahlen finden sich bei Claudia Kusebauch: Das Fernsehtheater Moritzburg. In: Dies.: Fernsehtheater Moritzburg II (siehe "Literatur"), 2005, S. 209-230.
  15. Zu dieser Phaseneinteilung und zu den Phasen selbst vgl. ausführlich Steffi Schültzke, Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 13-22; Zitate ebd., S. 13
  16. So die knappe Auskunft in Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 158.
  17. Zwischen dem 24. November 1988, an dem Horst Ulrich Wendlers Revision zu dritt wiederholt worden war, hatte es vier Monate lang gar keine Ausstrahlung aus dem Fernsehtheater Moritzburg gegeben; schon in den Jahren zuvor war die Anzahl der Erst- und Wiederholungsausstrahlungen immer weiter zurückgegangen, im Jahre 1988 auf sieben (vier ES und drei WH).
  18. Bspw. Cervantes' Die Vielredner / Das Wundertheater (erstmals ausgestrahlt am 6. Mai 1972), Giovanni Boccaccios Liebe mit Engel Gabriel (erstmals ausgestrahlt am 9. August 1973), Rudi Strahls Ein gewisser Katulla (erstmals ausgestrahlt am 23. August 1973), Horst Ulrich Wendlers Tschüß, bis Freitag (erstmals ausgestrahlt am 10. Dezember 1974), Margot Schölzels Kur-Schatten (ausgestrahlt am 5. Dezember 1978) oder Ludwig Thomas Waldfrieden (Theaterstück) und Gelähmte Schwingen; aufgelistet in: Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 68, 79, 81, 90, 130 143.

Das Fernsehtheater Moritzburg, das sich als sozialistisches Volkstheater verstand und sich gegen das von 1953 an erfolgreiche volkstümliche Unterhaltungstheater à la Millowitsch-Theater, Ohnsorg-Theater, Komödienstadl oder Königlich Bayerisches Amtsgericht im Fernsehen der alten Bundesrepublik Deutschland abgrenzte, war in den Kasematten der mittelalterlichen Moritzburg in Halle (Saale) angesiedelt. Der Raum bestand aus einer 4,25 Meter breiten, ca. 18 m² großen Bühne und wenigen Zuschauerreihen.[1] Zwischen 1965 und 1991 produzierte das didaktisch angelegte Fernsehtheater, das stets in Konkurrenz zur deutlich erfolgreicheren Adlershofer Abteilung Heitere Dramatik[2] als der anderen Redaktion für Unterhaltungsprogramme stand, im Auftrag von Deutscher Fernsehfunk respektive Fernsehen der DDR, Studio Halle knapp 270 Volkstheater-Stücke. Diese Volkstheater-Stücke, die meist als Eigenentwicklung inszeniert, vor Publikum gespielt, aufgezeichnet und dann im Fernsehen ausgestrahlt wurden, „reichen vom Schwank bis zum Boulevardstück und sind im Rahmen einer 'volksnahen Fernsehkunst' zu betrachten.“[3] Sie sind unter inhaltlich-gehaltlichen, medien- und genreästhetischen sowie kulturell-kommunikativen Perspektiven von hohen Interesse für die Geschichte der DDR und deren Fernseh- bzw. Medienkultur.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Entstehung verdankt das Fernsehtheater Moritzburg, das „zumindest im deutschsprachigen Raum“ ein „einmalige[s] Theaterexperiment[] darstellt“,[4] dem späteren Präsidenten der Volkskammer Horst Sindermann. Der hatte Anfang der 1960er Jahre als Parteifunktionär bzw. Bezirkssekretär die Einrichtung eines eigenen Fernsehstudios in Halle durchgesetzt.[5] Dieses Fernsehtheater, das im Laufe des Jahres 1965 geschaffen wurde, sollte auf heitere Weise bzw. mit heiteren Stücken geschmacklich, weltanschaulich und staatsbürgerlich bilden.[6] In den Worten des Dramaturgen und Regisseurs Gerd Focke, den Sindermann vor allem aufgrund seiner spezifischen Vorstellung von Volkstümlichkeit[7] und Volkstheater[8] mit der Gründung des Fernsehtheaters Moritzburg beauftragte und der das Fernsehtheater lange leitete: "Du baust ein Fernsehtheater auf. […] Es ist doch ein Armutszeugnis, dass Menschen immer erst das Westfernsehen einschalten müssen, um heitere Stücke sehen zu können. Das können wir doch wohl auch!"[9] Nach eigener Aussage Fockes gab ihm Sindermann grundsätzlich freie Hand, doch sollten andere Stücke ausgewählt werden als diejenigen, die die westdeutschen sog. Volksbühnen bevorzugten. Und es sollte vor allem anders inszeniert werden, nicht auf "Klamauk" und auf "billige Lacher" hin: "Wir […] wollten […] die kleine Komödie des DDR-Fernsehens schaffen […], in der selbst das Singspiel oder die kleine Oper ihren Platz haben sollte und auch hatte."[10]

Programm/Programmgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste 80-minütige Ausstrahlung eines Stückes aus dem Fernsehtheater Moritzburg[11] erfolgte am Sonntag den 19. Dezember 1965 im 1. Programm zur besten Sendezeit um 20.00 Uhr. Es handelte sich um das Stück Das Himmelbett (Het hemmelbed) (1942) von Jan de Hartog in der Übersetzung von Robert Blum und in der Inszenierung von Hanns Anselm Perten; Regie führte Ernst Gladasch, für die Dramaturgie war Gerd Focke verantwortlich. Schon zehn Tage später wurde mit Szöke Szakalls Komödie Das Streichquartett in der Bearbeitung durch Dieter Hildebrandt und Georg Marischka das nächste Stück ausgestrahlt.[12] Auch für die Inszenierung dieses Stücks konnte mit Kurt Jung-Alsen ein prominenter DDR- bzw. DEFA-Regisseur gewonnen werden, und mit Helga Göring und Heinz Behrens waren beliebte DDR-Schauspieler beteiligt (vgl. "Akteure").

Das Fernsehtheater Moritzburg hat in den gut 25 Jahren seines Bestehens eine u. a. nach Genre und Untergattung große Vielfalt an Stücken und Autoren inszeniert. Darüber hinaus hat es mit anderen Fernsehformaten wie Spätpodium, Kleines Theater und Gerichtssendung, die sich anthologisch bspw. bestimmten Autoren und Künstlern wie Bert Brecht, John Stave oder Jacques Offenbach oder bestimmten literarisch-musikalischen Themenschwerpunkten wie bspw. Kabarett, Poesie oder "russische Autoren" annahmen oder die das 'heiße Eisen' "Kriminalität in der DDR" zum Gegenstand hatten, für Abwechslung gesorgt.

Im Einzelnen (vgl. im Folgenden "Stücke") lassen sich - über den gesamten Produktionszeitraum hinweg - neben Autoren bzw. Stücken der Antike nationale und internationale Vertreter des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, der Aufklärung und der Weimarer Klassik, der Salonkomödie und des Volksstücks des 19. Jahrhunderts, des Zeitstücks und des Gegenwartsstücks nachweisen. Dabei fällt zum einen auf, dass immer wieder Autoren (bspw. Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere oder Niccolo Machiavelli) und Stücke (bspw. Cervantes: Die Vielredner) inszeniert wurden, die nur zum erweiterten Kanon der Literatur gehören. Zum anderen fällt, gerade im Verhältnis zu den auch gespielten Autoren aus Ländern des Ostblocks (Russland bzw. Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen etc.), die starke Präsenz von französischen und englischsprachigen Autoren insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts auf. Soweit es um deutschsprachige Autoren der Vergangenheit geht, überrascht zum dritten die Präsenz von bürgerlich-konservativen Autoren wie Carl Laufs, Ludwig Thoma, Franz von Schönthan, Paul von Schönthan oder Curt Goetz. Kaum erwartet hätte man viertens, das Mitte der 1970er Jahre mit Jeder Tag im Herbst (ausgestrahlt am 1. August 1975) ein Stück von einem Autor inszeniert worden ist - Werner Bräunig -, der noch auf 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 mit seinem Rummelplatz (Roman) zu den am schärfsten von Erich Honecker Angegriffenen gehörte.

Obwohl der gesamte Produktionszeitraum durch Vielfalt geprägt ist, lässt sich die Programmgeschichte des Fernsehtheaters Moritzburg dennoch in drei Phasen unterteilen. Zu diesen Phasen haben zum einen "übergreifende politische, fernseh- und kulturpolitische Zäsuren" beigetragen. Ebenso entscheidend waren allerdings - neben internen personell-strukturellen Gegebenheiten und dem Profil und Engagement einzelner Mitarbeiter - "der Erfolg bzw. Misserfolg der Produktionen beim Fernsehpublikum, der wechselnde Stellenwert, der dem Fernsehtheater als solchem innerhalb des DDR-Fernsehsystems zugesprochen wurde und die damit vermutlich in Verbindung stehende und mit den Jahren dürftiger werdende finanzielle Ausstattung des Fernsehtheaters."[13] Nicht zu übersehen ist in diesem Zusammenhang, dass das Fernsehtheater mit seiner ambitioniert-idealistischen und problemorientiert-volksaufklärerischen Vorstellung von Volkstümlichkeit letztlich das Massenpublikum verfehlte, dem der Sinn nicht nach Belehrung stand.[14]

Die erste, kulturell besonders ambitionierte Phase des Fernsehtheaters geht bis in die frühen 1970er Jahre. Sie ist bestimmt durch "historisch-kulturelle Neugierde, Genre-Vielfalt und inszenatorische Experimentierfreude. Daran schließt sich eine kurze Phase intensiver, vor allem an 'Qualität' orientierter Profilierungsbemühungen an, die bis ca. 1977 dauert. In der dritten Phase, ab ca. 1978, findet eine massive Konzentration auf den zeitgenössischen DDR-Schwank statt, der in heiterer Form die Auseinandersetzung mit geläufigen Problemen des inner- wie außerfamiliären DDR-Alltags sucht." "Simplifizierungen", "Phrasen" und "totgelaufene Pointen oder Gags" in diesen Zeitstücken stehen allerdings einem nachhaltigen Interesse des Publikums an diesen Ausstrahlungen entgegen.[15]

Die letzte, knapp dreiviertelstündige Ausstrahlung aus dem Fernsehtheater Moritzburg fand am 18. September 1991 in der Länderkette des Deutschen Fernsehfunks statt, erstmals im Nachmittagsprogramm um 14:20 Uhr. In der Sendung Publikumslieblinge im Fernsehtheater: Heinz Behrens (Regie: Hartmut Ostrowsky) erzählte Behrens "von seinen Erlebnisse und zahlreichen Auftritten im Fernsehtheater Moritzburg." [16] Dem vorangegangen waren seit dem 1. April 1989[17] neun Folgen der 30-minütigen, um 19:30 Uhr zu guter Sendezeit ausgestrahlten Gerichtssendung Von Fall zu Fall (1989f.), zwei Lustspiele nach 'alter Tradition' sowie drei Sendungen, die noch einmal den hohen, auf Unterhaltung, Bildung, Aufklärung und gesellschaftliche Teilhabe zielenden Anspruch erkennen ließen, die die 'Macher' des Fernsehtheaters Moritzburg stets mit ihren Produktionen verfolgt hatten: Erfahrungen Wolfgang Leonhards. Lesung (Wolfgang Leonhard, ausgestrahlt am 8. Juli 1990), "Totgesagt" - Trude Richter: Erinnerungen an Stalins Lager (Trude Richter, ausgestrahlt am 22. Juli 1990) und Ein seltener Fall von Liebe. Monolog (Friedrich Nowotny), ausgestrahlt am 5. November 1990. Die jeweiligen Ausstrahlungszeiten 22:55 Uhr, 23:30 Uhr und 21.50 Uhr machen dabei allerdings deutlich, dass das Fernsehtheater Moritzburg mit diesem Anspruch in den auf Zukunft gerichteten Überlegungen der Programmmacher bereits keine Rolle mehr spielte.

Akteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei den ersten beiden genannten Stücken, lässt sich auch für viele spätere Produktionen festhalten, das zahlreiche populäre und große Schauspieler sowie Fernseh- und Theatermacher der DDR am Fernsehtheater Moritzburg mitgewirkt haben. Stellvertretend für die Schauspieler können bspw. Dieter Bellmann, Astrid Bless, Fred Delmare, Eberhard Esche, Fred-Arthur Geppert, Werner Godemann, Sigrid Göhler, Jenny Gröllmann, Gert Gütschow, Eva-Maria Hagen, Helga Hahnemann, Harald Halgardt, Hans-Joachim Hanisch, Hannjo Hasse, Hans-Joachim Hegewald, Rolf Herricht, Ingeborg Krabbe, Georgia Kullmann, Fred Mahr, Jürgen Mai, Ingeborg Nass, Wolfgang Oldag, Evelyn Opoczynski, Marylu Poolman, Uta Schorn (Schauspielerin), Helmut Schreiber (Schauspieler), Ernst-Georg Schwill, Siegfried Voß, Ellen Weber und Wolfgang Winkler (Schauspieler) genannt werden.

Unter den Machern sind Leute wie Günter Agde, Celino Bleiweiß, Eva-Maria Boege, Ursula Damm-Wendler, Klaus Eidam, Günther Feustel, Peter Groeger, Jörg Kaehler, Peter Mansee, Walter Opitz, Hartmut Ostrowsky, Dieter Perlwitz, Hans-Joachim Preil, Horst Ruprecht (Regisseur), Horst Schönemann, Peter Sodann und Robert Trösch zu nennen.

Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde das Fernsehtheater Moritzburg im Rahmen eines Deutsche Forschungsgemeinschaft-Forschungsprojektes mit dem Titel "Programmgeschichte des DDR-Fernsehens - komparativ" vom Teilprojekt "Heitere Dramatik im Deutschen Fernsehfunk - das 'Fernsehtheater Moritzburg'" unter Leitung von Gerhard Lampe der Institution, dem Programm und den Einzelproduktionen nach im Kontext "gesellschaftlicher Entwicklungen, spezifischer Produktions- und Rezeptionskontexte" sowie "eigen- und fremdstaatlicher Medien- bzw. Programmangebote"[3] erforscht (siehe "Literatur").

Stücke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sich auf ca. ein Fünftel der gesamten Produktion beschränkende und den Ausstrahlungsdaten folgende Auswahl führt Stücke bzw. Produktionen auf, die der angegebenen Forschungsliteratur nach hinsichtlich der Autoren (und deren Herkunftsländern, deren Lebensdaten und deren literarisch-weltanschaulichen Verortung), der Themen und/oder der Inszenierungen für die Programmgeschichte des Fernsehtheaters Moritzburg und deren Phasen repräsentativ sind. Etliche dieser Stücke bzw. Produktionen, die zwischen ca. 30 und 120 Minuten lang waren, wurden wiederholt, zum Teil mehrfach, zum Teil über zehn und mehr Jahre hinweg und sowohl im 1. wie später dann auch im 2. Programm.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Helmes, Steffi Schültzke (Hrsg.): Das Fernsehtheater Moritzburg. Institution und Spielplan. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2003. ISBN 3-936522-99-5.
    • Günter Helmes, Gerhard Lampe, Steffi Schültzke: Vorwort. Ebd., S. 7-9.
    • Steffi Schültzke: Eine Bühne für die Heiterkeit: die Spielplangestaltung des Fernsehtheaters Moritzburg. Ebd., S. 11-24.
    • Günter Helmes, Gerd Focke: Das Fernsehtheater Moritzburg: Geschichte, Themen, Tendenzen. Ein Gespräch. Ebd., S. 25-64.
    • Dana Messerschmidt, Steffi Schültzke: Programmchronologie der Sendungen des Fernsehtheaters Moritzburg / Register. Ebd., S. 65-105.
  • Thomas Beutelschmidt: (Re-)Konstruktionsversuche - Entwicklungsschritte der DDR-Fernsehdramatik im historischen Kontext der Jahre 1968-1975. In: Claudia Dittmar, Susanne Vollberg (Hrsg.): Die Überwindung der Langeweile? Zur Programmentwicklung des DDR-Fernsehens 1968 bis 1974. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2002, S. 245-294. ISBN 3-936522-59-6.
  • Günter Helmes, Steffi Schültzke: Das "Fernsehtheater Moritzburg" und das literarische Erbe: Am Beispiel der Inszenierung von Theodor Gottlieb Hippels "Der Mann nach der Uhr oder der ordentliche Mann" (1765/1971). In: Claudia Dittmar, Susanne Vollberg (Hrsg.): Die Überwindung der Langeweile? Zur Programmentwicklung des DDR-Fernsehens 1968 bis 1974. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2002, S. 311-340. ISBN 3-936522-59-6.
  • Claudia Kusebauch (Hrsg.): Fernsehtheater Moritzburg II. Programmgeschichte. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2005. ISBN 3-86583-015-3.
    • Steffi Schültzke: Stein auf Stein? Praxis und Theorie der Programmgeschichte. Ebd., S. 3-14.
    • Claudia Kusebauch (unter Mitarbeit von Michael Grisko): Das Fernsehtheater Moritzburg - Programmchronologie. Ebd., S. 15-208.
    • Claudia Kusebauch (unter Mitarbeit von Dana Messerschmidt): Das Fernsehtheater Moritzburg - Programmplätze, Themen und Zuschauerzahlen / Titelregister. Ebd., S. 209-242.
  • Steffi Schültzke: Zwischen Satire und Klamotte: Das Stück "Streichquartett" als Spiegel west-ostdeutscher Inszenierungspraxis. In: Claudia Dittmar, Susanne Vollberg (Hrsg.): Alternativen im DDR-Fernsehen? Die Programmentwicklung 1981 bis 1985. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, S. 413-438. ISBN 978-3-93720-985-2.
  • Steffi Schültzke: Television Theatre in East Germany 1965-1989: an Interim Report. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, Vol. 24, No. 3, 2004, S. 455-463.
  • Claudia Kusebauch, Dana Messerschmidt, Andreas Mohrig, Steffi Schültzke (Hrsg.): So ein Fernseh-Theater!: Politische Akteure und Programmpraxis einer Institution des DDR-Fernsehens. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007. ISBN 3-631-55638-1.
    • Andrea Mohrig: Delegierte 'Kulturarbeit'. Fernsehstudio Halle und Fernsehtheater Moritzburg als Produkte institutioneller Beziehungen zwischen DFF, SED und den DDR-Kulturbehörden. Ebd., S. 15-142.
    • Dana Messerschmidt, Steffi Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg - sozialistisches Fernseh-Theater? Ebd., S. 143-174.
    • Claudia Kusebauch: Sozialistische Komik-Alternativen. Schwank-Inszenierungen des Fernsehtheaters Moritzburg und des Ohnsorg-Theaters im Vergleich. Ebd., S. 175-212.
    • Steffi Schültzke, Gerhard Lampe, Dieter Heinemann: Interview. Ebd., S. 217-232.
  • Steffi Schültzke (Hrsg.) Das heitere Lehrstück? Ausgewählte Analysen zum Fernsehtheater Moritzburg. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2006. ISBN 3-86583-021-8.
    • Doris Rosenstein: "Liebe mit Engel Gabriel". Anmerkungen zu einer Boccaccio-Adaption für das Fernsehtheater Moritzburg. Ebd., S. 11-48.
    • Claudia Kusebauch: Geschichte zwischen Herrschaftsdiskurs und Heiterkeit. Die Darstellung der Französischen Revolution und Napoleons im Fernsehtheater Moritzburg. Ebd., S. 49-74.
    • Günter Helmes: "Ick bin so frei und rede … weil ick och so frei bin und … und zahle". Ludwig Thomas "Gelähmte Schwingen" (1916) im Fernsehen der DDR und der BRD. Ebd., S. 75-106.
    • Steffi Schültzke: "In der Tendenz liebenswürdig". Wahrheitskonstruktion in der Gerichtsreihe "Von Fall zu Fall". Ebd., S. 107-134.
    • Günter Helmes, Astrid Bless: Interview. Ebd., S. 135-150.
    • Günter Helmes, Hans-Joachim Hanisch: Interview. Ebd., S. 151-160.
  • Steffi Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg: Zwischen Boulevard und sozialistischer Schwankbühne. In: Thomas Beutelschmidt, Hans-Martin Hinz, Rüdiger Steinlein, Henning Wrage (Hrsg.): Das literarische Fernsehen. Beiträge zur deutsch-deutschen Medienkultur. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, S. 125-134.
  • Rüdiger Steinmetz, Reinhold Viehoff (Hrsg.): Deutsches Fernsehen Ost: Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2008. ISBN 978-38665-048-82.
  • Steffi Schültzke: Propaganda für Kleinbürger: Heitere Dramatik im DDR-Fernsehen. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009. ISBN 978-3-86583-347-1.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Focke berichtet, dass es in diesem Raum nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem „Massenselbstmord der Naziprominenz“ Halles gekommen sei. Vgl. Helmes, Focke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 30.
  2. Unter "Heitere Dramatik" als Unterbegriff zu Fernsehdramatik fasste man in der DDR Lustspiele, Schwänke und Komödien zusammen.
  3. ab Helmes, Lampe, Schültzke: Vorwort. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 8.
  4. Schültzke: Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 11.
  5. Steinmetz, Viehoff: Deutsches Fernsehen Ost (siehe "Literatur"), 2008, S. 197ff.
  6. Peter Sindermann (* 1939), Stiefsohn von Horst Sindermann, war bis zu seinem frühen Tod 1971 häufiger in Produktionen des Fernsehtheaters Moritzburg zu sehen.
  7. Siehe dazu bspw. Bertolt Brechts Beitrag Volkstümlichkeit und Realismus, erstmals veröffentlicht in der Das Wort (Exilzeitschrift); wieder in: Bertolt Brecht: Gesammelte Werke in 20 Bänden. Bd. 19. Schriften zur Literatur und Kunst 2, hrsg. vom Suhrkamp Verlag in Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann. Frankfurt am Main 1967, S. 322-331. ISBN 3-518-00915-X.
  8. "Publikumsnähe, so lautete das Credo dieser Strömung [zu der auch Hanns-Anselm Perten zählt, der damals das Volkstheater Rostock leitete, sowie Benno Besson, der seit 1969 an der Volksbühne Berlin tätig war], entsteht über Stücke und deren Inszenierungen, die zwar unkompliziert und heiter sind, die sich aber keineswegs im bloß Schwankhaften oder gar in purem Klamauk erschöpfen. Das schließt den Rückgriff auf bewährte Elemente der theatralen Tradition, etwas der Commedia dell’arte, der Posse und des Fastnachtspiels nicht aus, sondern verbindet deren Anwendung mit einem belehrenden Anspruch." Schültzke: Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 11.
  9. Helmes, Focke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 29.
  10. Ebd., S. 31. - Focke gibt in diesem Interview "unter Berücksichtigung ökonomischer, technischer, örtlicher und übergreifender politisch-kultureller Aspekte zahlreicheHinweise auf die Entstehung und auf die Geschichte des Fernsehtheaters" und "erläutert […] die ästhetischen, ideologischen und strukturellen Kriterien, nach denen Stücke ausgewählt und inszeniert wurden." Vgl. Helmes, Lampe, Schültzke: Vorwort. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 9.
  11. Das erste Stück, das vom Fernsehtheater noch im Theater der Jungen Garde Halle produziert wurde, war Ein Name ging verloren von Radi Kuschnirow in der Inszenierung von Dieter Wardetzky; das Stück wurde allerdings nicht ausgestrahlt. Vgl. Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 17.
  12. Am 22. September 1981 wurde das Stück erneut in einer Inszenierung von Hans Knötzsch und in anderer Besetzung ausgestrahlt. Vgl. Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 158.
  13. Zitate und weitere Ausführungen in: Steffi Schültzke, Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 12f.
  14. Aufschlüsse über die Zuschauerzahlen finden sich bei Claudia Kusebauch: Das Fernsehtheater Moritzburg. In: Dies.: Fernsehtheater Moritzburg II (siehe "Literatur"), 2005, S. 209-230.
  15. Zu dieser Phaseneinteilung und zu den Phasen selbst vgl. ausführlich Steffi Schültzke, Eine Bühne für die Heiterkeit. In: Helmes, Schültzke: Das Fernsehtheater Moritzburg (siehe "Literatur"), 2003, S. 13-22; Zitate ebd., S. 13
  16. So die knappe Auskunft in Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 158.
  17. Zwischen dem 24. November 1988, an dem Horst Ulrich Wendlers Revision zu dritt wiederholt worden war, hatte es vier Monate lang gar keine Ausstrahlung aus dem Fernsehtheater Moritzburg gegeben; schon in den Jahren zuvor war die Anzahl der Erst- und Wiederholungsausstrahlungen immer weiter zurückgegangen, im Jahre 1988 auf sieben (vier ES und drei WH).
  18. Bspw. Cervantes' Die Vielredner / Das Wundertheater (erstmals ausgestrahlt am 6. Mai 1972), Giovanni Boccaccios Liebe mit Engel Gabriel (erstmals ausgestrahlt am 9. August 1973), Rudi Strahls Ein gewisser Katulla (erstmals ausgestrahlt am 23. August 1973), Horst Ulrich Wendlers Tschüß, bis Freitag (erstmals ausgestrahlt am 10. Dezember 1974), Margot Schölzels Kur-Schatten (ausgestrahlt am 5. Dezember 1978) oder Ludwig Thomas Waldfrieden (Theaterstück) und Gelähmte Schwingen; aufgelistet in: Claudia Kusebauch: Programmchronologie (siehe "Literatur"), 2005, S. 68, 79, 81, 90, 130 143.
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