Gefecht von Hornkranz

Gefecht von Hornkranz

Deutsches Kriegerdenkmal in Windhoek mit Aufschrift:[1]
„Dem Andenken der im Kriege gegen den Stamm der Witbooi's in den Jahren 1893 und 94 gefallenen Helden“
Datum 12. April 1893
Ort Hornkranz (auch: Hoornkrans)
Ausgang taktischer Sieg der Deutschen
Konfliktparteien

Witbooi

Deutsches Reich Deutsches Reich

Befehlshaber
Truppenstärke
maximal 300–400 Bewaffnete (grobe Schätzung)[2]:S. 251 111 deutsche Soldaten,
50 verbündete Baster[3]
Verluste

etwa 80 Tote (ca. 50 Männer und 30 Frauen),
etwa 100 Verwundete (Männer und Frauen)[2]:S. 251

2 Tote,
2 Verwundete[3]

Das Gefecht von Hornkranz am 12. April 1893 war ein Überfall deutscher Soldaten und afrikanischer Verbündeter unter dem Kommando von Curt von François auf den Witbooi-Kraal Hornkranz (auch: Hoornkrans) im damaligen Deutsch-Südwestafrika. Hornkranz war der Sitz des Kapteins Hendrik Witbooi, der sich weigerte, die deutsche Kolonialherrschaft über seinen Machtbereich anzuerkennen. Der Tod von afrikanischen Zivilisten, darunter Frauen und vermutlich auch Kinder, machte das Gefecht als Massaker von Hornkranz international bekannt.[2]:S. 249

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von dem sogenannten Lüderitzland entstand Ende des 19. Jahrhunderts die Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Anfänglich sollte sie von der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verwaltet werden. Die Gesellschaft war jedoch finanziell und personell mit der Inbesitznahme eines solch ausgedehnten Territoriums überfordert. Daher begann der Aufbau von Kolonial-Streitkräften aus denen wenige Jahre später die kaiserliche „Schutztruppe“ hervorging. Curt von François wurde ihr erster Kommandeur. Das deutsche Militär, welches zunächst nur ein Dutzend Freiwillige – später wenige Hundert Soldaten – umfasste, griff zunehmend in die Konflikte zwischen afrikanischen Volksgruppen ein. Einige Ethnien, wie die Herero, erkannten die deutsche Kolonialherrschaft zunächst an. Sie erhofften sich von den Deutschen unter anderem Schutz vor regionalen Widersachern.

Die Witbooi waren eine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Südafrika eingewanderte Orlam-Gruppe. Ihr Oberhaupt, Kaptein Hendrik Witbooi, sah früher als andere die Unabhängigkeit durch die Deutschen gefährdet. Im Glauben an eine göttliche Sendung versuchte er, eine Einigungsbewegung gegen die Deutschen herbeizuführen. Ein solches Bündnis kam jedoch anfangs nicht zustande. Die Beziehungen zwischen den kulturellen Gruppen waren durch traditionelle Feindschaften aus vorkolonialer Zeit überlagert.[4]

Im März 1893 trafen Verstärkungen aus Deutschland ein. Von François sah nun die Möglichkeit, die beanspruchte Oberhoheit mit Gewalt durchzusetzen und eine Solidarität unter den Afrikanern zu verhindern.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 12. April 1893 überraschten über 150 deutsche Soldaten und afrikanische Verbündete die Witbooi bei Hornkranz, dem Privatsitz Hendrik Witboois westlich von Rehoboth. Die Witbooi leisteten einen knappen Vormittag lang Widerstand. Sie verschanzten sich in der halbfertigen Kirche des kleinen Ortes. Hendrik Witbooi gelang mit den überlebenden Kämpfern schließlich der Ausbruch. Zurück blieben die Frauen und Kinder der Siedlung.

Auch zeitgenössische, kolonialfreundliche Autoren leugneten nicht, dass es bei dem Angriff zu zahlreichen zivilen Todesopfern und Verwundeten kam, doch wurden diese den Begleitschäden zugerechnet. So urteilte etwa der deutsche Kolonial-Offizier Rochus Schmidt:

„Am 12. April 1893 erfolgte die glückliche Erstürmung dieser Feste [Hornkranz], wobei die Witboileute an Toten 50 Mann und 30 Weiber (die letzteren waren mit in der Feste untergebracht und wurden so naturgemäß bei der Beschießung in Mitleidenschaft gezogen), an Verwundeten ungefähr 100 Leute beiderlei Geschlechts verloren, während die Verluste auf deutscher Seite nur zwei Tote und zwei Verwundete betrugen.“

Rochus Schmidt: Deutschlands Kolonien. Berlin ca. 1898, S 272.

Es gibt Hinweise, dass die deutschen Soldaten nicht nur auf Bewaffnete, sondern gleichermaßen auf Männer, Frauen, Kinder und Tiere schossen. Die Siedlung wurde vollständig verwüstet.[5] 40 Frauen und Kinder wurden gefangen genommen und zusammen mit Vieh und Waffen nach Windhoek verbracht. Auf deutscher Seite kamen die Reiter Bartsch und Sakalowsky bei dem Angriff ums Leben.[3]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hendrik Witbooi zog sich mit 800 Gefährten in die unzugänglichen Naukluftberge zurück und lieferte sich einen monatelangen, hartnäckigen Guerillakrieg mit deutschen Siedlern und Soldaten. Vorwürfe, er töte auch Wehrlose, wies er mit dem Hinweis auf die getöteten Bewohner von Hornkranz zurück. Erst als die Übermacht und Umzingelung der um Artillerie verstärkten Kolonialtruppe erdrückend wurde, gab er sich im September 1894 vorläufig geschlagen. Zehn Jahre später erhob sich Witbooi im Zuge des Hereroaufstands erneut.

Curt von François geriet in die Kritik, er habe mit seiner Offensive einen vermeidbaren Kolonialkrieg ausgelöst.[3] Von François Vorgehen verstieß gegen die allgemeine Order des Berliner Auswärtigen Amtes, keine kriegerischen Handlungen vorzunehmen, sondern nur gegen Einzelpersonen vorzugehen.[2]:S. 244 Das Massaker von Hornkranz beschäftigte in den Folgemonaten die internationale Presse, wobei das Ausmaß der Gegenwehr und die genaue Opferzahl nicht abschließend aufgeklärt wurden.[2]:S. 250

Bei dem Gefecht fielen persönliche Aufzeichnungen und Korrespondenzen Hendrik Witboois in deutsche Hände. Sie erlaubten Einblicke in sein politisches Kalkül und sind heute ein Zeugnis des frühen Antikolonialismus.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fotografie von Walther Dobbertin
  2. abcde Jörg Schildknecht: Bismarck, Südwestafrika und die Kongokonferenz – Die völkerrechtlichen Grundlagen der effektiven Okkupation und ihre Nebenpflichten am Beispiel des Erwerbs der ersten deutschen Kolonie. LIT-Verlag, Hamburg 2000.
  3. abcd Bernd G. Längin: Die deutschen Kolonien. S. 121.
  4. ab Werner Hillebrecht: Hendrik Witbooi – Ikone und Inspiration des antikolonialen Widerstands und des unabhängigen Namibia, in: Larissa Förster, Dag Henrichsen, Michael Bollig (Hrsg.): Namibia–Deutschland. Eine geteilte Geschichte. Edition Minerva, Wolfratshausen 2004, ISBN 3-932353-86-2, S. 144ff.
  5. Jürgen Petschull: Der Wahn vom Weltreich. S. 82.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 23° 31′ S, 16° 27′ O

Gefecht von Hornkranz

Deutsches Kriegerdenkmal in Windhoek mit Aufschrift:[1]
„Dem Andenken der im Kriege gegen den Stamm der Witbooi's in den Jahren 1893 und 94 gefallenen Helden“
Datum 12. April 1893
Ort Hornkranz (auch: Hoornkrans)
Ausgang taktischer Sieg der Deutschen
Konfliktparteien

Witbooi

Deutsches Reich Deutsches Reich

Befehlshaber
Truppenstärke
maximal 300–400 Bewaffnete (grobe Schätzung)[2]:S. 251 111 deutsche Soldaten,
50 verbündete Baster[3]
Verluste

etwa 80 Tote (ca. 50 Männer und 30 Frauen),
etwa 100 Verwundete (Männer und Frauen)[2]:S. 251

2 Tote,
2 Verwundete[3]

Das Gefecht von Hornkranz am 12. April 1893 war ein Überfall deutscher Soldaten und afrikanischer Verbündeter unter dem Kommando von Curt von François auf den Witbooi-Kraal Hornkranz (auch: Hoornkrans) im damaligen Deutsch-Südwestafrika. Hornkranz war der Sitz des Kapteins Hendrik Witbooi, der sich weigerte, die deutsche Kolonialherrschaft über seinen Machtbereich anzuerkennen. Der Tod von afrikanischen Zivilisten, darunter Frauen und vermutlich auch Kinder, machte das Gefecht als Massaker von Hornkranz international bekannt.[2]:S. 249

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von dem sogenannten Lüderitzland entstand Ende des 19. Jahrhunderts die Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Anfänglich sollte sie von der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verwaltet werden. Die Gesellschaft war jedoch finanziell und personell mit der Inbesitznahme eines solch ausgedehnten Territoriums überfordert. Daher begann der Aufbau von Kolonial-Streitkräften aus denen wenige Jahre später die kaiserliche „Schutztruppe“ hervorging. Curt von François wurde ihr erster Kommandeur. Das deutsche Militär, welches zunächst nur ein Dutzend Freiwillige – später wenige Hundert Soldaten – umfasste, griff zunehmend in die Konflikte zwischen afrikanischen Volksgruppen ein. Einige Ethnien, wie die Herero, erkannten die deutsche Kolonialherrschaft zunächst an. Sie erhofften sich von den Deutschen unter anderem Schutz vor regionalen Widersachern.

Die Witbooi waren eine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Südafrika eingewanderte Orlam-Gruppe. Ihr Oberhaupt, Kaptein Hendrik Witbooi, sah früher als andere die Unabhängigkeit durch die Deutschen gefährdet. Im Glauben an eine göttliche Sendung versuchte er, eine Einigungsbewegung gegen die Deutschen herbeizuführen. Ein solches Bündnis kam jedoch anfangs nicht zustande. Die Beziehungen zwischen den kulturellen Gruppen waren durch traditionelle Feindschaften aus vorkolonialer Zeit überlagert.[4]

Im März 1893 trafen Verstärkungen aus Deutschland ein. Von François sah nun die Möglichkeit, die beanspruchte Oberhoheit mit Gewalt durchzusetzen und eine Solidarität unter den Afrikanern zu verhindern.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 12. April 1893 überraschten über 150 deutsche Soldaten und afrikanische Verbündete die Witbooi bei Hornkranz, dem Privatsitz Hendrik Witboois westlich von Rehoboth. Die Witbooi leisteten einen knappen Vormittag lang Widerstand. Sie verschanzten sich in der halbfertigen Kirche des kleinen Ortes. Hendrik Witbooi gelang mit den überlebenden Kämpfern schließlich der Ausbruch. Zurück blieben die Frauen und Kinder der Siedlung.

Auch zeitgenössische, kolonialfreundliche Autoren leugneten nicht, dass es bei dem Angriff zu zahlreichen zivilen Todesopfern und Verwundeten kam, doch wurden diese den Begleitschäden zugerechnet. So urteilte etwa der deutsche Kolonial-Offizier Rochus Schmidt:

„Am 12. April 1893 erfolgte die glückliche Erstürmung dieser Feste [Hornkranz], wobei die Witboileute an Toten 50 Mann und 30 Weiber (die letzteren waren mit in der Feste untergebracht und wurden so naturgemäß bei der Beschießung in Mitleidenschaft gezogen), an Verwundeten ungefähr 100 Leute beiderlei Geschlechts verloren, während die Verluste auf deutscher Seite nur zwei Tote und zwei Verwundete betrugen.“

Rochus Schmidt: Deutschlands Kolonien. Berlin ca. 1898, S 272.

Es gibt Hinweise, dass die deutschen Soldaten nicht nur auf Bewaffnete, sondern gleichermaßen auf Männer, Frauen, Kinder und Tiere schossen. Die Siedlung wurde vollständig verwüstet.[5] 40 Frauen und Kinder wurden gefangen genommen und zusammen mit Vieh und Waffen nach Windhoek verbracht. Auf deutscher Seite kamen die Reiter Bartsch und Sakalowsky bei dem Angriff ums Leben.[3]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hendrik Witbooi zog sich mit 800 Gefährten in die unzugänglichen Naukluftberge zurück und lieferte sich einen monatelangen, hartnäckigen Guerillakrieg mit deutschen Siedlern und Soldaten. Vorwürfe, er töte auch Wehrlose, wies er mit dem Hinweis auf die getöteten Bewohner von Hornkranz zurück. Erst als die Übermacht und Umzingelung der um Artillerie verstärkten Kolonialtruppe erdrückend wurde, gab er sich im September 1894 vorläufig geschlagen. Zehn Jahre später erhob sich Witbooi im Zuge des Hereroaufstands erneut.

Curt von François geriet in die Kritik, er habe mit seiner Offensive einen vermeidbaren Kolonialkrieg ausgelöst.[3] Von François Vorgehen verstieß gegen die allgemeine Order des Berliner Auswärtigen Amtes, keine kriegerischen Handlungen vorzunehmen, sondern nur gegen Einzelpersonen vorzugehen.[2]:S. 244 Das Massaker von Hornkranz beschäftigte in den Folgemonaten die internationale Presse, wobei das Ausmaß der Gegenwehr und die genaue Opferzahl nicht abschließend aufgeklärt wurden.[2]:S. 250

Bei dem Gefecht fielen persönliche Aufzeichnungen und Korrespondenzen Hendrik Witboois in deutsche Hände. Sie erlaubten Einblicke in sein politisches Kalkül und sind heute ein Zeugnis des frühen Antikolonialismus.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fotografie von Walther Dobbertin
  2. abcde Jörg Schildknecht: Bismarck, Südwestafrika und die Kongokonferenz – Die völkerrechtlichen Grundlagen der effektiven Okkupation und ihre Nebenpflichten am Beispiel des Erwerbs der ersten deutschen Kolonie. LIT-Verlag, Hamburg 2000.
  3. abcd Bernd G. Längin: Die deutschen Kolonien. S. 121.
  4. ab Werner Hillebrecht: Hendrik Witbooi – Ikone und Inspiration des antikolonialen Widerstands und des unabhängigen Namibia, in: Larissa Förster, Dag Henrichsen, Michael Bollig (Hrsg.): Namibia–Deutschland. Eine geteilte Geschichte. Edition Minerva, Wolfratshausen 2004, ISBN 3-932353-86-2, S. 144ff.
  5. Jürgen Petschull: Der Wahn vom Weltreich. S. 82.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 23° 31′ S, 16° 27′ O

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