Goetheturm

Goetheturm in Frankfurt am Main (2005)

Der Goetheturm war ein 1931 vollständig aus Holz erbauter, 43,3 Meter hoher Aussichtsturm am nördlichen Rand des Frankfurter Stadtwaldes in Sachsenhausen (Stadtteil von Frankfurt am Main) im Sachsenhäuser Landwehrweg. Der Turm, der nach Johann Wolfgang von Goethe benannt war, hatte 196 Stufen und war bis 1999, als er vom Jahrtausendturm in Magdeburg abgelöst wurde, der höchste öffentlich zugängliche Holzbau Deutschlands. In der Nacht zum 12. Oktober 2017 wurde er durch ein Feuer zerstört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits seit 1867 stand an gleicher Stelle ein damals 22 Meter hoher Holzturm. Der ursprüngliche Turm musste nach dem Ersten Weltkrieg wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Der neue Goetheturm wurde 1931 aufgebaut, wofür der Kaufmann und Kommerzienrat Gustav Gerst 28.000 Reichsmark stiftete. Die Stadt stellte das vom damaligen Oberforstmeister Jacobi ausgesuchte Bauholz, insgesamt etwa 340 m³ Kiefern-, Buchen- und Eichenholz, zur Verfügung. Die feierliche Eröffnung fand im November 1931 statt – kurz vor Beginn des Goethejahres 1932 anlässlich des 100. Todestages von Goethe.

Von 1981 bis 1982 wurde der Turm aufwendig renoviert. Zur Wiedereröffnung wurde am Samstag, dem 8. Mai 1982, ein Fest ausgerichtet. Von da an fand jährlich am ersten Samstag im Mai das Goetheturmfest am Fuße des Turms statt, das vom Vereinsring Sachsenhausen und den ihm angeschlossenen Vereinen ausgerichtet wurde.

Unweit des Standorts des Turmes liegt seit 2000 eine nachgebildete dorische Säule mit der Inschrift „Arkadien, ein Königreich in Spartas Nachbarschaft“, ein Kunstwerk des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay.[1] Das Denkmal entstand im Rahmen des „Verschönerungsprojektes Goetheturm“.

Abgebrannter Goetheturm

Am 12. Oktober 2017 gegen 03:10 Uhr gingen bei Feuerwehr und Polizei Meldungen ein, dass der Turm in Flammen stehe. Als wenige Minuten später Einsatzkräfte eintrafen, stand der Turm bereits im Vollbrand. Die Feuerwehr entschied sich aufgrund des fortgeschrittenen Brandes dafür, den Turm kontrolliert abbrennen zu lassen und sich auf den Schutz der Umgebung zu konzentrieren. Gegen vier Uhr brach der Turm in sich zusammen.[2] Es wird wegen Brandstiftung ermittelt.[3][4]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Goetheturm hatte einen quadratischen Grundriss von 8,4 Metern Kantenlänge. An jeder Ecke befanden sich sandsteinverkleidete, 1,35 Meter hohe Fundamentblöcke, die außer an der nordwestlichen Eingangsseite durch Sandsteinmauern miteinander verbunden waren. Auf den Eckfundamenten erhoben sich jeweils vier Holzpfosten mit großem Durchmesser, die wegen der Höhe des Turms jeweils aus vier Teilstücken bestanden. Sie waren alle in einer Fachwerkkonstruktion miteinander verbunden, die sich bis zur Plattform auf 5 Meter Kantenlänge verjüngte und den rechtsdrehenden Treppenaufgang umschloss. Dieser führte von zwei breiten Sandsteinstufen an der Nordostseite des Turms mit 196 Stufen über zwölf Zwischenpodeste zur überdachten, 6 mal 6 Meter großen, 39,5 Meter hohen Aussichtsplattform. Auf den Zwischenpodesten waren zur Innenseite des Turms jeweils Holzbänke angebracht. Ab etwa 26 Meter Höhe bis hinauf zur Plattform war aus Sicherheitsgründen außen am Turm ein Stahlnetz angebracht. Auch die Plattform war außen mit einem Stahlnetz gesichert, das von der Brüstung bis zum Dach reichte, jedoch den Ausblick nicht beeinträchtigte. Zuletzt hatte man durch den Baumbewuchs keinen Blick auf die südöstlichen Vororte Frankfurts.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu seiner Zerstörung war der Goetheturm ein beliebtes Ausflugsziel insbesondere für Familien, da sich am Fuß des Turms ein großer Kinderspielplatz sowie ein Gartenlokal befinden. Der Turm wurde von 2010 bis 2014 grundsaniert und war seit dem 11. April 2014 wieder öffentlich zugänglich. Er war von Anfang April bis Ende Oktober tagsüber geöffnet.

Der Goetheturm diente als Aussichtsturm sowie als Sendeturm für den Mobilfunk. Außerdem diente er als Fernsehumsetzer (Kanal E47). Im Jahr 2007 war er nach dem Funkturm Rottenbuch (66 Meter ohne Antennen), dem Jahrtausendturm in Magdeburg (60 Meter), den Zwillingstürmen des Antennenmessplatzes Brück (54 Meter) und dem Aussichtsturm Blumenthal (45 Meter) das fünfthöchste Holzbauwerk Deutschlands.

Waldspielpark Goetheturm

Am Fuße des Goetheturms wurde der 3 Hektar große Spielpark Goetheturm angelegt; unter anderem gibt es eine Riesenrutsche und ein Planschbecken.[5] 2006 wurde im Waldspielpark der Irrgarten mit GrünGürtel-Tieren angelegt.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standort des Goetheturms ist durch die Buslinie 48, Haltestelle Goetheturm, mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Haltestellen Hainer Weg und Sachsenhäuser Warte der Buslinien 30, 36, OF-50 und 653 sind über einen kurzen Fußweg erreichbar. Für den motorisierten Individualverkehr steht ein großer Parkplatz am Sachsenhäuser Landwehrweg zur Verfügung.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramaansicht vom Goetheturm über Frankfurt und Umgebung (2010)

Bilder nach der Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Goetheturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kunst im öffentlichen Raum – Goetheruh. Website des Kulturamtes der Stadt Frankfurt am Main. Abgerufen am 16. Januar 2013.
  2. mfo/cb: Goetheturm über Nacht abgebrannt. In: Frankfurter Neue Presse, 12. Oktober 2017, abgerufen am 13. Oktober 2017.
  3. Georg Leppert, Oliver Teutsch: Goetheturm abgebrannt: War es Brandstiftung? In: Frankfurter Rundschau, 12. Oktober 2017.
  4. wit/dpa: Beliebtes Ausflugsziel: Frankfurter Goetheturm brennt komplett ab. In: Spiegel Online, 12. Oktober 2017.
  5. Waldspielpark Goetheturm. In: frankfurt.de.

Koordinaten: 50° 5′ 20″ N, 8° 42′ 41″ O

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