Guanabara-Bucht

Guanabara-Bucht

Die Bucht aus dem Weltall

Gewässer Südatlantik
Landmasse Südamerika
Geographische Lage 22° 47′ S, 43° 8′ WKoordinaten: 22° 47′ S, 43° 8′ W
Fläche 380 km²
Inseln Ilha do Governador, Paquetá u. a.

Eingang zur Guanabara-Bucht vom Morro Corcovado aus gesehen. Rechts das offene Meer. Vordergrund: Botafogo-Bucht.

Die Guanabara-Bucht, portugiesisch Baía de Guanabara, deutsch auch Bucht von Guanabara, Guanabarabucht ist eine 380 km² großen Meeresbucht in Brasilien, an deren westlicher Seite die Stadt Rio de Janeiro liegt und an der östlichen Niterói. Am westlichen meerseitigen Eingang zur Bucht liegt der Zuckerhut, das weltberühmte Wahrzeichen von Rio. Der Name der Bucht kommt aus der Sprache der Tupi: goanã-pará; auseinandergenommen goa „Bucht“, „ähnlich“ und pará „Meer“.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der portugiesische Entdecker Gaspar de Lemos hatte die Bucht bei deren Entdeckung im Januar 1502 fälschlicherweise für die Mündung eines großen Flusses gehalten, den sie daher „Januar-Fluss“ (rio „Fluss“, janeiro „Januar“) nannten. Sie wussten nicht, dass die dort ansässigen Tamoio-Indianer die Bucht Guanabara nannten, was so viel wie „Meeresarm“ heißt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am östlichen Ufer der an ihrer schmalsten Stelle etwa 1,5 km breiten Bucht liegt Niterói. Diese Großstadt mit rund einer halben Million Einwohner (Stand: 2015) war bis 1975 Hauptstadt des Bundesstaats Rio de Janeiro. Im selben Jahr wurde der Bundesstaat Guanabara mit der Hauptstadt Rio de Janeiro mit dem Bundesstaat Rio de Janeiro zusammengelegt und verlor seinen Namen. Bis zur Verlegung der Hauptstadt Brasiliens von Rio de Janeiro nach Brasília im Jahr 1960 war Guanabara der Bundesdistrikt Brasiliens.

Die 1974 fertiggestellte Rio-Niterói-Brücke, eine 14 km lange und an ihrer höchsten Stelle 70 Meter hohe Autobahnbrücke verbindet über die gesamte Breite der als „Bucht von Guanabara“ bekannten Meeresbucht Rio de Janeiro mit Niterói. Die Brücke bietet eine schöne Aussicht auf den Zuckerhut sowie Rio de Janeiro. Beide Städte betreiben am jeweiligen Ufer der Bucht ihre kommerziellen Häfen, wobei der Hafen von Rio de Janeiro seit Jahrzehnten Brasiliens zweitgrößter Stückguthafen nach Santos ist. Häfen der Kriegsmarine und zahlreiche Werften, auch für Bohrinseln, liegen ebenfalls an den Ufern der Bucht.

Eine der Inseln in der Bucht ist die Ilha Fiscal. Sie beherbergte früher eine Steuer- und Zollstation und heute ein Marinemuseum.

Olympische Sommerspiele 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bucht war Austragungsort der Surf- und Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2016 sowie der Sommer-Paralympics 2016.[1] Für die Spiele wurde die Marina da Glória auf der westlichen Seite der Bucht aufwändig umgebaut um als Austragungsort genutzt zu werden.[2]

Die Wiederherstellung der Wasserqualität war eines der größten Umweltversprechen im Zusammenhang mit der Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2016; im Zusammenhang mit der staatlichen Finanzkrise wurde es jedoch vernachlässigt. In den Monaten vor der Olympiade beschwerten sich bereits zahlreiche Sportler über die Verschmutzung.[1]

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den vielen kleinen in der Bucht verstreuten Inseln gilt die bei Malern besonders populäre, romantische Insel Paquetá als ein immer noch paradiesischer Ort mit etwas Südsee-Stimmung. Allerdings sind Delfine und Tümmler selten geworden, die Stadtverwaltung von Rio kämpft mit internationaler Unterstützung um die Behebung schwerer Umweltschäden: seit Jahrzehnten werden ungeklärte Abwässer der Metropole über die zahlreichen, teilweise bereits biologisch toten Zuflüsse in die Bucht geleitet. In zwanzig Jahren wurden ca. drei Mrd. Euro investiert.[1]

Der Fischfang der verbliebenen fünf Fischerkolonien in der Bucht ging auf etwa 13 Tonnen (t) täglich zurück (2004). Dem stehen ein Ölzufluss von ca. 7 t täglich aus 16 Öl-Terminals, 12 Werften und rund 6.000 Industriebetrieben bei täglich ca. 340 t an organischen Abfällen entgegen, von denen erst etwa ein Viertel angemessen behandelt wird. In den 16 Gemeinden des hydrografischen Einzugsgebietes leben knapp 10 Mio. Menschen. Mindestens 35 kleine Flüsse münden in die Bucht.

Bereits 2014 wurde hier der KPC-Keim gefunden, ein gegen Antibiotika multiresistenter Erreger; nach einer Mitte 2016 veröffentlichten Studie wurden an fünf Stränden vor Rio „Superbakterien“ (MRSA) nachgewiesen: Sie gelangen vermutlich über Klinik-Abwässer ins Meer.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abcd Carsten Upadek: Olympia 2016: Superbakterien vor Rios Stränden. In: deutschlandfunk.de. Deutschlandfunk, 19. Juni 2016, abgerufen am 20. Juni 2014.
  2. The Rio 2016 legacy: the new Marina da Glória
Guanabara-Bucht

Die Bucht aus dem Weltall

Gewässer Südatlantik
Landmasse Südamerika
Geographische Lage 22° 47′ S, 43° 8′ WKoordinaten: 22° 47′ S, 43° 8′ W
Fläche 380 km²
Inseln Ilha do Governador, Paquetá u. a.

Eingang zur Guanabara-Bucht vom Morro Corcovado aus gesehen. Rechts das offene Meer. Vordergrund: Botafogo-Bucht.

Die Guanabara-Bucht, portugiesisch Baía de Guanabara, deutsch auch Bucht von Guanabara, Guanabarabucht ist eine 380 km² großen Meeresbucht in Brasilien, an deren westlicher Seite die Stadt Rio de Janeiro liegt und an der östlichen Niterói. Am westlichen meerseitigen Eingang zur Bucht liegt der Zuckerhut, das weltberühmte Wahrzeichen von Rio. Der Name der Bucht kommt aus der Sprache der Tupi: goanã-pará; auseinandergenommen goa „Bucht“, „ähnlich“ und pará „Meer“.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der portugiesische Entdecker Gaspar de Lemos hatte die Bucht bei deren Entdeckung im Januar 1502 fälschlicherweise für die Mündung eines großen Flusses gehalten, den sie daher „Januar-Fluss“ (rio „Fluss“, janeiro „Januar“) nannten. Sie wussten nicht, dass die dort ansässigen Tamoio-Indianer die Bucht Guanabara nannten, was so viel wie „Meeresarm“ heißt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am östlichen Ufer der an ihrer schmalsten Stelle etwa 1,5 km breiten Bucht liegt Niterói. Diese Großstadt mit rund einer halben Million Einwohner (Stand: 2015) war bis 1975 Hauptstadt des Bundesstaats Rio de Janeiro. Im selben Jahr wurde der Bundesstaat Guanabara mit der Hauptstadt Rio de Janeiro mit dem Bundesstaat Rio de Janeiro zusammengelegt und verlor seinen Namen. Bis zur Verlegung der Hauptstadt Brasiliens von Rio de Janeiro nach Brasília im Jahr 1960 war Guanabara der Bundesdistrikt Brasiliens.

Die 1974 fertiggestellte Rio-Niterói-Brücke, eine 14 km lange und an ihrer höchsten Stelle 70 Meter hohe Autobahnbrücke verbindet über die gesamte Breite der als „Bucht von Guanabara“ bekannten Meeresbucht Rio de Janeiro mit Niterói. Die Brücke bietet eine schöne Aussicht auf den Zuckerhut sowie Rio de Janeiro. Beide Städte betreiben am jeweiligen Ufer der Bucht ihre kommerziellen Häfen, wobei der Hafen von Rio de Janeiro seit Jahrzehnten Brasiliens zweitgrößter Stückguthafen nach Santos ist. Häfen der Kriegsmarine und zahlreiche Werften, auch für Bohrinseln, liegen ebenfalls an den Ufern der Bucht.

Eine der Inseln in der Bucht ist die Ilha Fiscal. Sie beherbergte früher eine Steuer- und Zollstation und heute ein Marinemuseum.

Olympische Sommerspiele 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bucht war Austragungsort der Surf- und Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2016 sowie der Sommer-Paralympics 2016.[1] Für die Spiele wurde die Marina da Glória auf der westlichen Seite der Bucht aufwändig umgebaut um als Austragungsort genutzt zu werden.[2]

Die Wiederherstellung der Wasserqualität war eines der größten Umweltversprechen im Zusammenhang mit der Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2016; im Zusammenhang mit der staatlichen Finanzkrise wurde es jedoch vernachlässigt. In den Monaten vor der Olympiade beschwerten sich bereits zahlreiche Sportler über die Verschmutzung.[1]

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den vielen kleinen in der Bucht verstreuten Inseln gilt die bei Malern besonders populäre, romantische Insel Paquetá als ein immer noch paradiesischer Ort mit etwas Südsee-Stimmung. Allerdings sind Delfine und Tümmler selten geworden, die Stadtverwaltung von Rio kämpft mit internationaler Unterstützung um die Behebung schwerer Umweltschäden: seit Jahrzehnten werden ungeklärte Abwässer der Metropole über die zahlreichen, teilweise bereits biologisch toten Zuflüsse in die Bucht geleitet. In zwanzig Jahren wurden ca. drei Mrd. Euro investiert.[1]

Der Fischfang der verbliebenen fünf Fischerkolonien in der Bucht ging auf etwa 13 Tonnen (t) täglich zurück (2004). Dem stehen ein Ölzufluss von ca. 7 t täglich aus 16 Öl-Terminals, 12 Werften und rund 6.000 Industriebetrieben bei täglich ca. 340 t an organischen Abfällen entgegen, von denen erst etwa ein Viertel angemessen behandelt wird. In den 16 Gemeinden des hydrografischen Einzugsgebietes leben knapp 10 Mio. Menschen. Mindestens 35 kleine Flüsse münden in die Bucht.

Bereits 2014 wurde hier der KPC-Keim gefunden, ein gegen Antibiotika multiresistenter Erreger; nach einer Mitte 2016 veröffentlichten Studie wurden an fünf Stränden vor Rio „Superbakterien“ (MRSA) nachgewiesen: Sie gelangen vermutlich über Klinik-Abwässer ins Meer.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abcd Carsten Upadek: Olympia 2016: Superbakterien vor Rios Stränden. In: deutschlandfunk.de. Deutschlandfunk, 19. Juni 2016, abgerufen am 20. Juni 2014.
  2. The Rio 2016 legacy: the new Marina da Glória
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