Historischer Festzug von 1880

Historischer Festzug vor dem Kölner Dom, rechts das Zelt des Kaiserpaares, Postkarte nach Adolf Wallraf, 1880

Der Historische Festzug von 1880 war ein Festzug aus Anlass der Vollendung des Kölner Domes. Er fand am 16. Oktober 1880, dem zweiten Tag des Dombaufestes, zu Ehren und in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. und zahlreicher weiterer Fürsten statt.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dombaufest von 1842, nach einer Zeichnung von Georg Osterwald

Seit dem 4. September 1842, dem Tag der Grundsteinlegung für den Weiterbau des Kölner Domes, hatten in unregelmäßigen Abständen Dombaufeste mit Umzügen stattgefunden. Die Feiern nahmen mit der Fertigstellung des Innenraums im Jahr 1863 den Charakter kirchlicher Feste an. Das vorläufig letzte Dombaufest fand 1867 statt. 1880 sollte die Vollendung des Domes mit einem zweitägigen Festakt begangen werden, zu dem die Vertreter der Stadt Köln und des Zentral-Dombau-Vereins das Kaiserpaar und zahlreiche weitere Fürsten und andere Angehörige des Hochadels erwarteten. Als Termin für die Feierlichkeiten war der 15. August 1880 vorgesehen, der Jahrestag der Grundsteinlegung im Jahr 1248. Kaiser Wilhelm I. ließ jedoch diesen Termin verstreichen und setzte dann den 15. Oktober als Datum für die Domvollendung fest. Das war der Geburtstag seines verstorbenen Bruders König Friedrich Wilhelm IV., dessen Begeisterung für die Vollendung des Kölner Domes den Weiterbau ermöglicht hatte.[1]

Am 4. September 1880 wurde aus Vertretern der Regierung, der Stadt Köln und des Zentral-Dombau-Vereins ein Festkomitee gegründet. Auf eine Beteiligung kirchlicher Vertreter wurde vor dem Hintergrund des Kulturkampfs und der Flucht des Kölner Erzbischofs ins Ausland verzichtet, es erging an das Domkapitel lediglich die Aufforderung, im Dom zum Festakt ein Te Deum abzuhalten und die Domglocken zu läuten. Die offizielle und vom Kaiser zu genehmigende Festplanung sah vor, das Programm des 15. Oktobers dem Kaiser zu überlassen und erst am folgenden Tag nicht näher bezeichnete Veranstaltungen der Stadt Köln durchzuführen.[1]

Vorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits einen Tag vor der Gründung des offiziellen Festkomitees hatten sich im Restaurant des Gürzenich einige Kölner Bürger getroffen. Die bei diesem Treffen aufgekommene Idee eines historischen Festzugs weckte Begeisterung, so dass täglich weitere Treffen folgten. Am 6. September wurde ein Komitee gewählt, das am nächsten Tag den Rechtsanwalt Johann Joseph Fischer zum Vorsitzenden, Jakob Gilbert zu dessen Stellvertreter und den Bankier Albert Freiherr von Oppenheim zum Kassierer bestimmte. Da aufgrund der Kürze der Zeit bis zum Fest die Beteiligung mehrerer erfahrener Künstler erforderlich war, und in Köln keine Künstlerkolonie wie in Düsseldorf existierte, begab sich der Vorstand des Bürgerkomitees am 8. September zur Düsseldorfer Kunstakademie und beriet sich mit Professor Wilhelm Camphausen. Camphausen hielt einen Festzug ungeachtet der kurzen Vorbereitungszeit für möglich. Er beriet sich mit weiteren Düsseldorfer Künstlern und legte dem Bürgerkomitee am 10. September ein Konzept vor, das bereits Entwurfszeichnungen der Wagen und der Reitergruppen enthielt und eine Dreiteilung entsprechend der historischen Abschnitte von der Grundsteinlegung 1248 bis zur Chorweihe 1322, von 1322 bis zum Beginn des Weiterbaus 1842 und von 1842 bis zur Vollendung 1880 vorsah. Auf der Grundlage dieser Entwürfe wurde Camphausen mit der künstlerischen Gesamtleitung des Festzugs beauftragt.[1][2]

Ab dem 8. September liefen unter den Kölner Bürgern Listen zur Zeichnung freiwilliger Beiträge um. Am 12. September veröffentlichte das Bürgerkomitee einen Spendenaufruf, der deutlich auf den Dombau als Symbol der deutschen Einheit Bezug nahm: Wie könnten wir schöner zur Feier beitragen, als durch eine glänzende Darstellung der drei großen Perioden der Bauzeit des erhabenen Gotteshauses, dieses Wahrzeichens deutscher Einheit und Ausdauer? Ein historischer Festzug soll der Dank sein, den wir unserem Kaiser schulden, und eine Huldigung für alle, die den Dom in ihrem Herzen getragen und aus dem Sarkophag deutscher Ehre ein Mal deutscher Heiligkeit geschaffen (…). Nach wenigen Tagen, am 17. September, war die Finanzierung des Festzugs gesichert. Die Mittel stammten überwiegend aus dem Kölner Bürgertum, bestehend aus Kaufleuten, Beamten, Gelehrten und wenigen Künstlern, die mehrheitlich einer nationalliberalen Politik anhingen und in ihrem Selbstbild wie nach den tatsächlichen Verhältnissen staatstragend waren.[1]

Die Vorbereitung des Festzuges wurde durch das Gerücht empfindlich gestört, die Requisiten des Zuges würden ausschließlich in Düsseldorf hergestellt. Die alte Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf und die Sorge um ihnen möglicherweise entgehende Einnahmen veranlassten die Kölner Handwerker, ihre Teilnahme als Fußgruppen im Festzug abzusagen. Das Bürgerkomitee sagte zu, dass es alle zu vergebenden Aufträge in Köln unterbringen werde. Dennoch erklärten die Bäcker, Fassbinder, Schneider und Schuster erst am 27. September, die Fleischer, Schlosser und Schreiner noch später ihre Bereitschaft zur Teilnahme am Umzug.[1]

Der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg zu Pferd in weltlicher Kleidung, Bischofsstab und weitere Insignien des kirchlichen Amtes tragen die berittenen Pagen, Tony Avenarius 1880, Tafel XVII

Die Kostümentwürfe wurden von den Düsseldorfer Künstlern Wilhelm Camphausen, Wilhelm Beckmann, Albert Baur, Ernst Roeber und Fritz Roeber erarbeitet. Einige Kostümentwürfe sind im Kölnischen Stadtmuseum erhalten. An der Gestaltung der Festwagen waren auch der Dombildhauer Christian Mohr und der Diözesan-Baumeister Heinrich Wiethase beteiligt.[3][4]

Die Kostümschneiderei und der Wagenbau für den Festzug befanden sich auf dem Firmengrundstück Klingelpütz 19a des Fabrikanten Friedrich August Herbertz.[3]

Von vornherein wurde der Festzug als eine Veranstaltung des selbstbewussten Kölner Bürgertums für seinen Kaiser geplant. Kirchliche Elemente wurden gemieden und die Bedeutung der katholischen Kirche für Köln verleugnet. Dies ging sogar so weit, dass kirchliche Würdenträger wie die Kölner Erzbischöfe Konrad von Hochstaden und Heinrich II. von Virneburg, die in der Geschichte des Dombaus eine große Bedeutung hatten, als Reichsfürsten in weltlicher Kleidung dargestellt wurden.[1]

Unmittelbar vor den Feierlichkeiten wurde auf der Südseite des Domes ein großes Zelt für den Kaiser und andere Würdenträger errichtet. Gegenüber dem Kaiserzelt wurde in der Nacht vor dem Festzug eine überlebensgroße goldfarbene Büste König Friedrich Wilhelm IV. aufgestellt.[5]

Gliederung des Zuges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Gruppe des Festzugs, berittenes Trompeten­corps und Reichs­banner­träger, Tony Avenarius 1880, Tafel I
Dreikönigenschrein, getragen von Mitgliedern des Kölner Turnvereins „Eintracht“, als Goldschmiede kostü­miert, Tony Avenarius 1880, Tafel II

Der historische Festzug war in drei Abschnitte gegliedert, die jeweils ein Ereignis aus der Geschichte des Dombaus als Hauptthema hatten: die Grundsteinlegung am 15. August 1248, die Vollendung und Weihe des Domchores 1322, und den Weiterbau von 1842 bis 1880. Mit Fuß- und Reitergruppen in historischen Kostümen und mit geschmückten Festwagen wurden Phasen der Geschichte der Stadt Köln und des Deutschen Reichs dargestellt, wobei gelegentlich nicht zwischen historischen Fakten und überlieferten Sagen unterschieden wurde.[4]

Erste Abteilung: Periode der Grundsteinlegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Abteilung war in zwei Gruppen aufgeteilt, die erste wurde von dem Düsseldorfer Maler Fritz Roeber arrangiert, für die zweite Gruppe war der Maler Ernst Roeber verantwortlich.

Erste Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Gruppe stellte das 13. Jahrhundert dar, das mittelalterliche Köln und das alte Deutsche Reich. Zur Eröffnung des Festzuges zog ein berittenes Trompeterkorps vorbei. Darauf folgten, ebenfalls zu Pferd, der Stadtherold mit Zepter (dargestellt von Herrn Claisen), der Reichsbannerträger (Herr Jacobs) und der Stadtbannerträger (Leonard Rickel). Zu Fuß waren Reisige in den Farben der Stadt Köln (Louis Hellrath, F. Haumann, H. Thurmann, D. A. Engels, K. Streifler und W. Windhagen), zwei Bürgermeister (Ernst Hardt und Theodor Henke) und zahlreiche Ratsherren (C. Jahn, Eduard Clement, Em. Pickert, Z. Steffens, Dürst I., Dürst II., Th. Viehmeyer, A. Kattwinkel, E. Oelbermann, E. Engels, W. Graeff und Schulte) in dieser Gruppe unterwegs. Ihnen folgte, als Symbol für den Kölner Dom als Anlassgeber des Festzugs, eine von Mitgliedern des Kölner Turnvereins Eintracht getragene Nachbildung des Dreikönigenschreins. Den Abschluss bildeten Kölner Patrizier und andere Bürger mit Frauen und Kindern (Carl Vorberg, R. Cahn, Titius Bredt, F. B. Heimann, G. Goebels, Arn. Steiger, Frln. Weishaupt, Kuhlmann, C. Seil, Lilly Adam, Heinecke, H. Duden, Raaf, Schloemer, Oebecke, Koschel, Siré, Dietz und Hövel sowie die Kinder Arthur, Ernst und Paul Hardt, Hans und Alb. Heimann, Sabine Plasmann und Hamspohn).[6]

Zweite Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spitze der zweiten Gruppe, mit Stadtgraf, Stadtvogt, Bannerträgern, König Wilhelm von Holland, Tony Avenarius 1880, Tafel III
Grundsteinlegung im Jahr 1248, Festwagen mit Dombaumeister Gerhard von Rile, Tony Avenarius 1880, Tafel VI

Die zweite Gruppe wurde von einem Trompeterkorps zu Fuß angeführt. Ihm folgten zu Pferd der Stadtgraf (Otto Reusch), der Stadtvogt (Johannes Fastenrath), Reisige in den Stadtfarben (W. Asbach, W. Johnen, Ant. Leinen, H. Strässer), der Reichssturmfahnenträger (Eug. Clever), der königliche Bannerträger (Wilhelm Schmitz), König Wilhelm von Holland (Josef Mayer) und dessen Berater Pietro Kardinal Capocci, der Wilhelms Königswahl geleitet hatte. Der König wurde von zwei Pagen zu Fuß begleitet (Arthur Gräff und Herr Hartmann). Es folgten weitere berittene Teilnehmer, die den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (Fritz Hönig), den Herzog von Limburg (B. Guepratte) und den Herzog von Brabant (J. R. Heidemann) darstellten. Konrads Gefolge bildeten die Ritter von Alpen mit Dame (Herr Merkens und Frau Roesberg), von Odenkirchen (Herr Gunst), von Rheineck (Herr Steffens), von Drachenfels mit Dame (Herr Braschoß und Frau Reusch), der Graf von Geldern (Herr Hinz), der Graf von Berg (Herr Dieckhoff), der Graf von Hennegau mit Dame (Herr Lachnit und Frl. Breuer), die Ritter von Neuenahr mit Dame (Ed. Dahmen und Frl. Ulex), von Aarburg mit Dame (Franz Clouth und Ehefrau Josefine Clouth), von Jülstorf mit Dame (Herr Hospelt und Frl. Feith), von Gerstorf mit Dame (Herr Jung und Frl. Strömer), von Godesberg mit Dame (Ph. Heimann und Frl. Hartmann) und von Güsten (Herr Offermann). Sie wurden von Pagen zu Fuß begleitet (Herren W. Müller, Hövel, Kaaf, Asthöwer, Rothschild, Oechelshäuser, Hagen, Mertens und Daniels).[7]

Als erster Festwagen des Zuges fuhr in der zweiten Gruppe ein von Hermann Otto Pflaume entworfener Wagen mit, der die Grundsteinlegung zum Kölner Dom im Jahr 1248 darstellte. Der erste Dombaumeister Gerhard von Rile (Jean Rehe) sprach seinen Segen über den Grundstein, umgeben von Werkmeistern (Herren Hartmann und Ossendorf), einem Steinmetz (Herr Rehe jr.) und Meistern und Handwerkern der Dombauhütte (Herren Arntz, J. Pott, P. Pott, Huppertz, Schmidt und Brunthaler). Auf dem vorderen Teil des Wagen befanden sich die Personifikationen Colonia (Frl. M. Welter), Spes (Frl. Hippemeyer) und Pietas (Frl. Feldhaus). Umgeben war der Festwagen von Kölner Reisigen in den Farben der Stadt, die vom Turnverein Eintracht und vom Turnerbund gestellt wurden.[7]

Zweite Abteilung: Periode des Weiterbaues bis zur Fertigstellung des hohen Chores[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter des Kölner Patriziats, Tony Avenarius 1880, Tafel VIII
Schlacht von Worringen 1288, Tony Avenarius 1880, Tafel IX
Brüder von Ghyre mit Gefolge und dem fiktiven Bürgermeister Hermann Gryn, Tony Avenarius 1880, Tafel XIV

Die zweite Abteilung war ebenfalls in zwei Gruppen aufgeteilt. Das Arrangement der ersten Gruppe wurde dem Maler und Professor der Kunstakademie Düsseldorf Albert Baur übertragen, die zweite Gruppe wurde von dem Düsseldorfer Maler Wilhelm Beckmann arrangiert.[8]

Erste Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf ein berittenes Musikkorps folgte eine Gruppe von Armbrustschützen, die von der Kölner Schützengesellschaft gestellt wurde. Ihnen folgte zu Pferd der Kölner Herold (Fritz Schieffer) mit seinen beiden Bannerträgern (G. Rabich und J. Cramer-Nicolai). Die berittenen Vertreter der Kölner Patrizierfamilien wurden jeweils von zwei Pagen begleitet, beginnend mit vier Todesopfern der Schlacht an der Ulrepforte: Mathias Overstolz (Ludwig Peters, mit Herren Jahn und Viehmeyer), Peter Jude (Julius Heckler, mit Herren Schramm und Haumann), Heinmann von dem Ahren (Franz Hagen, mit Herren Pickert und Caesar) und Johann von Brechen (Otto Engels, mit A. Schnabel und L. Boisserée). Weitere Reiter waren Gerhard Overstolz, gefallen 1288 in der Schlacht bei Worringen (Herr Schmitz-Pfeiffer, mit Herren Dubelmann und Pfeiffer), sowie der beim Sturm auf den Bayenturm getötete Rütger Overstolz (Balduin Lensing, mit Herren Caesar und Schneider).[8]

Der zweite Festwagen, entworfen vom Kölner Dombildhauer Christian Mohr, war die Rekonstruktion eines der Legende nach in der Schlacht von Worringen eingesetzten und mit Katapulten und Bogenschützen bewaffneten Kampfwagens. Auf ihm befanden sich der kölnische Bauer (F. J. Meyer) und zwei Offiziere der Bogenschützen (Herren de Jonge und J. Renner). Anschließend kamen ein weiteres Musikkorps zu Fuß und einige Vorreiter, bevor die Oberhäupter der Kölner Patriziergeschlechter zu Pferd vorbeizogen:

  • Overstolzen mit Dame (Hermann Otto Pflaume mit Ehefrau) und Bannerträger (Herrn Heyden);
  • Scherfgin mit Dame (Louis Herbertz mit Frau M. Meyer) und Bannerträger (Florian vom Grafen);
  • von der Aducht mit Dame (Max Freiherr von Oppenheim mit Mimi Freifräulein von Oppenheim), Bannerträger (Simon Freiherr von Oppenheim) und einem Pagen (Robert Heuser);
  • Hirtzelin mit Dame (C. Montag mit Frl. Montag), Bannerträger (Herr Pfeiffer), drei Pagen (Herren Plasman, Schmitz, Vogel) und vier Junkern (Herren R. Grüneberg, J. Montag, J. Krüger und Fr. Bleißem);
  • Cleyngedank mit Dame (Th. Roß mit Frl. Hel. Landmann), Kavalier (Herr Bornheim), 2 Junkern (Herren F. Becker und Wattler) und zwei Pagen (Herren Schmitz und Kempgen);
  • Overstolz von Efferen mit Dame (Paul Freiherr von Oppenheim mit Ada Freifräulein von Oppenheim), Bannerträger (Herr J. Hild), Mohr (Herr John) und zwei Edelknechten (Herren Hillebrand und Rheinbrohl);
  • Birkelyn mit Dame (Jos. Baum mit Frl. Laura Salm), zwei Pagen (Herren Kneller und Kracht), drei Junkern (Herren Ric. Baum, Ad. Baum und Kellner) und vier berittenen Pagen (Herren Hofmann, Wülfing, Horn und Hellbach);
  • Lyskirchen mit Dame (Walther Roß mit Frau von Leipziger) und ihren Falknern (Herren A. Ahn, F. Diel, F. Esser, Max Esser, E. Fischer, G. Fischer, J. Holthausen, H. Nourney, A. Raps, G. Raps und G. Rauch).[8]

Den Abschluss der ersten Gruppe bildeten die Brüder von Ghyre (L. Levy und J. Friedrich) mit vier Pagen (Herren Pallenberg, Günther, Fuchs und Feinhals), Bannerträger, Mohr und Reitern, sowie der Bürgermeister Hermann Gryn (J. Gilbert) mit Junkern (Herren C. Gilbert, L. Daeves, Bel, Häuser, Welker, Müller und Beuth).[8]

Zweite Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hansekogge, Tony Avenarius 1880, Tafel XV
Frachtwagen der Hanse, Tony Avenarius 1880, Tafel XVI
Vollendeter Domchor, mit Dombaumeister Meister Johannes, Tony Avenarius 1880, Tafel XXI

Die zweite Gruppe wurde von einem Festwagen angeführt, der eine Hansekogge nachbildete und von dem Düsseldorfer Maler Vincent Stoltenberg Lerche entworfen worden war. Mit dieser Darstellung sollte Kölns Rolle als bedeutendes Mitglied der Hanse gewürdigt werden. Auf der Kogge fuhren allegorische Darstellungen der Hansa (die Ehefrau von Julius Michels, Frl. G. Guilleaume und Frl. Th. Tillmann), Patrizier (Herren Otto Deichmann, Sulpiz Boisserée jr. und Dr. Reinke), der Kapitän (Herr Nierstras), Seesoldaten (J. Weiler und F. Vorster), Matrosen (J. Michels und Julius Altpeter) und gefangene Piraten (Frl. Reuß, Herren R. Breithaupt und P. G. Wahlen) mit. Dem Schiff folgte eine Gruppe Reiter der Hanse mit Speeren (Johann Maria Friedrich Heimann, van Gülpen und Schmelzer) und, den Landverkehr der Hanse darstellend, ein mit Waren beladener Wagen mit einem Kutscher (Wilhelm Deichmann). Als Begleitung des Frachtwagens dienen weitere mit Speeren bewaffnete Reiter (C. Senff, A. Lindgens, Robert vom Rath und H. Rommel) sowie eine Anzahl bewaffneter Reisige (A. Gerber, Wilhelm Beckmann, V. Lotz, P. Wahlen, E. Jonghaus, E. Laux, F. Steegmann, F. Drisch, C. Engels, A. Berghausen, G. Berghausen, Jean Haack, F. Golle, F. W. Becker und H. Schmitt).[9][10]

Mit den folgenden Szenen wurde wieder der Bezug zum Dombau aufgenommen. Einer Gruppe singender Chorschüler (gestellt von der Dom-Knabenschule) folgte der weltlich gekleidete Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg (Robert Peill), in dessen Amtszeit die Weihe des Domchores im Jahr 1322 fiel, zu Pferd. Er wurde von zwei Pagen (Hans Wilhelm Zanders und Richard Zanders) begleitet, die die Attribute seiner geistlichen Würde mitführten. In seinem Gefolge befanden sich adelige und bürgerliche Stifter und Förderer des Dombaus:

  • Herzog von Jülich mit Gemahlin (Josef Compes und Frl. Fanny Raschdorff) und einem Pagen (Hans Nourney);
  • Herzog von Cleve mit Gemahlin (Friedrich August Herbertz mit seiner Ehefrau Therese Herbertz) und einem Pagen (Robert Weiler);
  • Herzog von Berg mit Gemahlin (Julius Marcus und Frl. Nourney) und einem Pagen (Fritz Nourney);
  • Graf von Holland mit Gemahlin (Walther vom Rath und Frl. Walter) und einem Pagen (Victor Schnitzler);
  • Graf von Mörs mit Gemahlin (Paul Andreae und die Ehefrau von Ernst Engels) und einem Pagen (Gottlieb Langen);
  • Hardefuyst mit Dame (Richard von Schnitzler und Frl. Clara vom Rath) und einem Pagen (Eduard Schnitzler);
  • Cleyngedank mit Dame (Max Charlier und Frl. R. Compes) und einem Pagen (H. Vorster);
  • von der Salzgassen mit Dame (O. Weiler und Frl. Julia Lürig) und einem Pagen (J. B. Felmer);
  • von Schoenrode mit Dame (Richard Traine und Frl. Ida Traine) und einem Pagen (A. Fremery);
  • von Bottelnberg mit Dame (Alf. Roß und Frl. Emmy Fremery) und einem Pagen (Gust. Bunge);
  • von Tongeren mit Dame (Eug. Pfeifer und Frl. Johanne Langen) und einem Pagen (Carl Langen);[10]

Der vierte Festwagen, gemeinsam von August Carl Lange, Carl Rüdell und Heinrich Wiethase entworfen, zeigte den Chor des Domes bei seiner Vollendung im Jahr 1322. Vor dem Chor saß Meister Johannes (Gust. Boisserée), der damalige Dombaumeister, inmitten seiner Werkmeister (E. Bogen, H. Müller und E. von der Straeten jr.). Zum Abschluss der zweiten Abteilung wurde der Verbundbrief von 1396 den Abordnungen der Zünfte vorangetragen: Fleischer, Schumacher, Bäcker, Fischer, Goldschmiede, Schreiner, Brauer und Schneider, begleitet von Stadtreisigen und Knechten. Die Abordnungen der Zünfte wurden von Mitgliedern der entsprechenden Innungen dargestellt.[4][10]

Dritte Abteilung: Periode des Fortbaues bis zur Vollendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domkran, Tony Avenarius 1880, Tafel XXVII
Germania, Tony Avenarius 1880, Tafel XXVIII
Die Wacht am Rhein mit Darstellungen von Soldaten verschiedener Waffengattungen, Tony Avenarius 1880, Tafel XXIX

Die dritte Abteilung wurde von Wilhelm Camphausen, Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und künstlerischer Gesamtleiter des Festzugs, arrangiert. Sie stellte dicht gedrängt die Jahrhunderte des Stillstands und die Jahrzehnte des Weiterbaus bis zur Vollendung des Kölner Domes dar.[11]

Einer Gruppe von Landsknechten folgten ein berittenes Trompeterkorps und der Herold (Eugen Kayser) zu Pferd, mit Bannerträger und in Begleitung einer Gruppe von Reitern (Hugo Traine, Aug. Erlenwein, J. Ferrenholz, Hermann Hofmann, Peter Balchem, Ferdinand Müll und F. Scharnberger) als Ehrenwache. Der fünfte Festwagen war vom Kölner Baumeister Deutz entworfen worden. Er zeigte eine Nachbildung des hölzernen Domkrans, der sich seit dem 14. Jahrhundert auf der Spitze des Südturms befunden hatte und bis zu seinem Abbau im März 1868 gleichermaßen Wahrzeichen der Stadt Köln und Symbol des Stillstands geworden war. Von der Auslegerspitze des Domkrans wehte eine rot-weiße Fahne mit der Aufschrift Protector, zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Auf dem Wagen fuhren die allegorische Darstellungen der Künste mit: Architektur (Frl. Claasen), Malerei (Frl. Feist), Bildhauerei (Frl. Müller II.), Poesie (Frl. Reinke) und Musik (Frl. Müller I.). Der Festwagen wurde von den Handwerkern der Kölner Dombauhütte begleitet, die die Vereinsfahne des Zentral-Dombau-Vereins mitführten.[11]

Der sechste und letzte Festwagen, nach dem Entwurf von Christian Mohr, zeigte ein Modell des vollendeten Kölner Domes, überragt von einer Darstellung der Germania, die schützend ihre Hand über ihn hält. Zu ihren Füßen sitzen allegorische Darstellungen der Rheinstaaten: Borussia (Frl. Fanny Meuser), Bavaria (Frl. Lina Weithoff), Badenia (Frl. Frieda Buddecke) und Hansa (Frl. Helene Mohr). Vor dem Westportal des Domes saß ein Page mit dem Wappen des Domkapitels (Egm. Thewalt). Der Festwagen wurde von Pagen mit den Wappen und Fahnen der deutschen Reichslande begleitet, die vom Kölner Turnverein gestellt wurden. Mit den auf den Wagen der Germania folgenden letzten Teilnehmern des Festzuges war die Gegenwart erreicht, die Wacht am Rhein wurde von Soldaten verschiedener militärischer Einheiten des ganzen Deutschen Reichs gebildet.[11]

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Oktober 1880 begann um 8 Uhr die Aufstellung des Festzugs auf dem Neumarkt, zugleich versammelte sich am Zugweg im Bereich des Doms und vor dem Zelt des Kaisers eine große Menschenmenge. Der Kaiser und die Kaiserin trafen gegen 11 Uhr am Kaiserpavillon ein. Nur wenig später erreichte auch der Festzug den Dom und zog am Kaiser vorbei. Mit Ausnahme einer kurzen Pause, als sich der erste Festwagen vor dem Kaiserzelt festgefahren hatte und von Helfern freigemacht werden musste, verlief das Defilée ohne Störungen. Der künstlerische Leiter des Festzuges, Wilhelm Camphausen, befand sich beim Kaiserpaar und gab Erläuterungen zu Wagen und Fußgruppen des Zuges.[1]

Auf diesen ersten Durchgang folgte eine Zeremonie, mit der der verstorbene König Friedrich Wilhelm IV. als Förderer der Domvollendung geehrt wurde. Junge Männer in historischen Trachten und weißgekleidete Fahnenschwenker versammelten sich um die monumentale Büste des Königs gegenüber dem Kaiserpavillon und legten Kränze nieder. Dazu sang ein Knabenchor Hymnen zur Huldigung des Königs, während die Gäste einschließlich des Kaisers sich erhoben hatten.[1]

Nach der Zeremonie fragte der Kölner Oberbürgermeister Hermann Heinrich Becker den Kaiser, ob er den Festzug ein zweites Mal sehen wolle. Der Kaiser bejahte das und der vorsorglich in der Nähe erneut aufgestellte Zug zog erneut am Kaiserpavillon vorbei. Dieses Mal erhob sich das Kaiserpaar und ging bis an den Zugweg, gefolgt von den übrigen regierenden deutschen Fürsten, dem preußischen Offizierskorps und den ausländischen Diplomaten. Oberbürgermeister Becker gab dem Kaiserpaar beim zweiten Vorbeizug Erläuterungen zu den Motiven des Festzugs und zur Stadtgeschichte.[1][5]

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huldigung König Friedrich Wilhelm IV., Lithografie aus der Mappe von Adolf Wallraf, 1880
Max von Oppenheim als von der Aducht, Fotograf Carl Westendorp, 1880

Die überwiegend nationalliberale und deutsche Presse berichtete begeistert über den Festzug. Auch im Ausland erschienen umfangreiche Berichte über das Ereignis, oft mit ganzseitigen Holzschnitten, wie im britischen illustrierten Wochenmagazin The Graphic in der Ausgabe vom 23. September 1880.[1]

Der Lithograf Adolf Wallraf gab noch 1880 eine Mappe mit 21 Lithografien zum Festzug im Selbstverlag heraus. Der Kölner Grafiker Tony Avenarius hatte eine Mappe mit 29 Farblithografien mit Darstellungen des Festzugs gestaltet, die ebenfalls 1880 herausgegeben wurde.[12] Die lithografischen Darstellungen stießen in Bezug auf zahlreiche Fehler wie falsche heraldische Farben und Figuren oder vollständig falsche Wappen auf Kritik. Dessen ungeachtet gilt die Serie von Avenarius als künstlerisch gelungener.[13]

Fotografien des eigentlichen Festzugs sind nicht bekannt. Es existieren jedoch Fotos des Kaiserzelts auf dem Domhof und eine Anzahl von Fotografien kostümierter Teilnehmer des Festzugs, die der Kölner Fotograf Carl Westendorp in seinem Atelier in der Komödienstraße, in unmittelbarer Nähe des Doms, angefertigt hatte. 35 Abzüge sind Anfang des 20. Jahrhunderts vom Rathaus an das Kölnische Stadtmuseum übergeben worden, darunter eine Aufnahme des zwanzigjährigen Max von Oppenheim zu Pferd. Im Laufe der Jahrzehnte kamen weitere Funde hinzu.

Die Stadtverordneten beschlossen 1881, den Historischen Festzug als 53 Meter langes Wandgemälde im Festsaal des Kölner Gürzenich für die Nachwelt zu dokumentieren. Die Maler Wilhelm Beckmann, Fritz Roeber, Ernst Roeber, Albert Baur, Wilhelm Camphausen und Adolf Schmitz erstellten die Entwürfe auf der Grundlage der Lithografien von Tony Avenarius.

Der Historische Festzug ist Gegenstand der Kapitel 9 und 10 in dem Roman Alaaf Kölle. En Schelderei us großer Zick von Wilhelm Schneider-Clauß, einem Klassiker der Kölner Mundartliteratur.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tony Avenarius: Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 nach den Original-Aquarellen von Tony Avenarius. Köln, Hamburg o. J. [1880] (29 Lithografien, Folio). Verkleinerter Nachdruck: Druckhaus Rudolf Müller, Köln 1980, ISBN 3-481-29999-0.
  • Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, einem Festmahl der Kaiserin Augusta und einem Stuhl aus dem Holz des alten Domkranes. In: Kölner Domblatt 2010, 75. Folge, S. 86–103, ISSN 0450-6413.
  • Wolfgang Hartmann: Der historische Festzug zur Einweihung des Kölner Domes. In: Hugo Borger (Hrsg.): Der Kölner Dom im Jahrhundert seiner Vollendung, Band 2. Ausstellungskatalog, Köln 1980, S. 140–149.
  • Wolfgang Hartmann: Historische Wahrheit - Künstlerische Weihe. Der historische Festzug zur Einweihung des Kölner Domes 1880 und die Wandbilder im Gürzenich. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 1980, Band 41, S. 223–243.
  • Rita Wagner: Helden in Strumpfhosen und Damen im Korsett. Fotografien und Zeichnungen zum Dombaufestzug von 1880 im Kölnischen Stadtmuseum. In: Kölner Domblatt 2016, 81. Folge, S. 156–177, ISSN 0450-6413.
  • Adolf Wallraf: Historischer Festzug veranstaltet zur Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880. Selbstverlag, Köln 1880 (21 Lithografien, Textheft).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Historischer Festzug 1880 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abcdefghij Arnold Wolff: Historischer Festzug von 1880. Vorwort von Arnold Wolff. In: Tony Avenarius: Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 nach den Original-Aquarellen von Tony Avenarius. Verkleinerter Nachdruck. Druckhaus Rudolf Müller, Köln 1980, ISBN 3-481-29999-0.
  2. Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 98.
  3. ab Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 93–94.
  4. abc Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 97.
  5. ab Cuno Stammel: Das Kölner Dombaufest. In: Die Gartenlaube 1880, Heft 44, S. 727–728.
  6. Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln I und II.
  7. ab Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln III bis VI.
  8. abcd Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln VII bis XIV.
  9. Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 96.
  10. abc Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln XV bis XXIV.
  11. abc Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln XXV bis XXIX.
  12. Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 95.
  13. Ernst von Oidtman: Literarisches. Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 nach den Original-Aquarellen von Tony Avenarius (Rezension). In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 1882, Band 38, S. 120–124, doi:10.7788/annalen-1882-jg10.
  14. Wilhelm Schneider-Clauß: Alaaf Kölle. En Schelderei us großer Zick. Hoursch & Bechstedt, Köln 1908.
Historischer Festzug vor dem Kölner Dom, rechts das Zelt des Kaiserpaares, Postkarte nach Adolf Wallraf, 1880

Der Historische Festzug von 1880 war ein Festzug aus Anlass der Vollendung des Kölner Domes. Er fand am 16. Oktober 1880, dem zweiten Tag des Dombaufestes, zu Ehren und in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. und zahlreicher weiterer Fürsten statt.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dombaufest von 1842, nach einer Zeichnung von Georg Osterwald

Seit dem 4. September 1842, dem Tag der Grundsteinlegung für den Weiterbau des Kölner Domes, hatten in unregelmäßigen Abständen Dombaufeste mit Umzügen stattgefunden. Die Feiern nahmen mit der Fertigstellung des Innenraums im Jahr 1863 den Charakter kirchlicher Feste an. Das vorläufig letzte Dombaufest fand 1867 statt. 1880 sollte die Vollendung des Domes mit einem zweitägigen Festakt begangen werden, zu dem die Vertreter der Stadt Köln und des Zentral-Dombau-Vereins das Kaiserpaar und zahlreiche weitere Fürsten und andere Angehörige des Hochadels erwarteten. Als Termin für die Feierlichkeiten war der 15. August 1880 vorgesehen, der Jahrestag der Grundsteinlegung im Jahr 1248. Kaiser Wilhelm I. ließ jedoch diesen Termin verstreichen und setzte dann den 15. Oktober als Datum für die Domvollendung fest. Das war der Geburtstag seines verstorbenen Bruders König Friedrich Wilhelm IV., dessen Begeisterung für die Vollendung des Kölner Domes den Weiterbau ermöglicht hatte.[1]

Am 4. September 1880 wurde aus Vertretern der Regierung, der Stadt Köln und des Zentral-Dombau-Vereins ein Festkomitee gegründet. Auf eine Beteiligung kirchlicher Vertreter wurde vor dem Hintergrund des Kulturkampfs und der Flucht des Kölner Erzbischofs ins Ausland verzichtet, es erging an das Domkapitel lediglich die Aufforderung, im Dom zum Festakt ein Te Deum abzuhalten und die Domglocken zu läuten. Die offizielle und vom Kaiser zu genehmigende Festplanung sah vor, das Programm des 15. Oktobers dem Kaiser zu überlassen und erst am folgenden Tag nicht näher bezeichnete Veranstaltungen der Stadt Köln durchzuführen.[1]

Vorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits einen Tag vor der Gründung des offiziellen Festkomitees hatten sich im Restaurant des Gürzenich einige Kölner Bürger getroffen. Die bei diesem Treffen aufgekommene Idee eines historischen Festzugs weckte Begeisterung, so dass täglich weitere Treffen folgten. Am 6. September wurde ein Komitee gewählt, das am nächsten Tag den Rechtsanwalt Johann Joseph Fischer zum Vorsitzenden, Jakob Gilbert zu dessen Stellvertreter und den Bankier Albert Freiherr von Oppenheim zum Kassierer bestimmte. Da aufgrund der Kürze der Zeit bis zum Fest die Beteiligung mehrerer erfahrener Künstler erforderlich war, und in Köln keine Künstlerkolonie wie in Düsseldorf existierte, begab sich der Vorstand des Bürgerkomitees am 8. September zur Düsseldorfer Kunstakademie und beriet sich mit Professor Wilhelm Camphausen. Camphausen hielt einen Festzug ungeachtet der kurzen Vorbereitungszeit für möglich. Er beriet sich mit weiteren Düsseldorfer Künstlern und legte dem Bürgerkomitee am 10. September ein Konzept vor, das bereits Entwurfszeichnungen der Wagen und der Reitergruppen enthielt und eine Dreiteilung entsprechend der historischen Abschnitte von der Grundsteinlegung 1248 bis zur Chorweihe 1322, von 1322 bis zum Beginn des Weiterbaus 1842 und von 1842 bis zur Vollendung 1880 vorsah. Auf der Grundlage dieser Entwürfe wurde Camphausen mit der künstlerischen Gesamtleitung des Festzugs beauftragt.[1][2]

Ab dem 8. September liefen unter den Kölner Bürgern Listen zur Zeichnung freiwilliger Beiträge um. Am 12. September veröffentlichte das Bürgerkomitee einen Spendenaufruf, der deutlich auf den Dombau als Symbol der deutschen Einheit Bezug nahm: Wie könnten wir schöner zur Feier beitragen, als durch eine glänzende Darstellung der drei großen Perioden der Bauzeit des erhabenen Gotteshauses, dieses Wahrzeichens deutscher Einheit und Ausdauer? Ein historischer Festzug soll der Dank sein, den wir unserem Kaiser schulden, und eine Huldigung für alle, die den Dom in ihrem Herzen getragen und aus dem Sarkophag deutscher Ehre ein Mal deutscher Heiligkeit geschaffen (…). Nach wenigen Tagen, am 17. September, war die Finanzierung des Festzugs gesichert. Die Mittel stammten überwiegend aus dem Kölner Bürgertum, bestehend aus Kaufleuten, Beamten, Gelehrten und wenigen Künstlern, die mehrheitlich einer nationalliberalen Politik anhingen und in ihrem Selbstbild wie nach den tatsächlichen Verhältnissen staatstragend waren.[1]

Die Vorbereitung des Festzuges wurde durch das Gerücht empfindlich gestört, die Requisiten des Zuges würden ausschließlich in Düsseldorf hergestellt. Die alte Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf und die Sorge um ihnen möglicherweise entgehende Einnahmen veranlassten die Kölner Handwerker, ihre Teilnahme als Fußgruppen im Festzug abzusagen. Das Bürgerkomitee sagte zu, dass es alle zu vergebenden Aufträge in Köln unterbringen werde. Dennoch erklärten die Bäcker, Fassbinder, Schneider und Schuster erst am 27. September, die Fleischer, Schlosser und Schreiner noch später ihre Bereitschaft zur Teilnahme am Umzug.[1]

Der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg zu Pferd in weltlicher Kleidung, Bischofsstab und weitere Insignien des kirchlichen Amtes tragen die berittenen Pagen, Tony Avenarius 1880, Tafel XVII

Die Kostümentwürfe wurden von den Düsseldorfer Künstlern Wilhelm Camphausen, Wilhelm Beckmann, Albert Baur, Ernst Roeber und Fritz Roeber erarbeitet. Einige Kostümentwürfe sind im Kölnischen Stadtmuseum erhalten. An der Gestaltung der Festwagen waren auch der Dombildhauer Christian Mohr und der Diözesan-Baumeister Heinrich Wiethase beteiligt.[3][4]

Die Kostümschneiderei und der Wagenbau für den Festzug befanden sich auf dem Firmengrundstück Klingelpütz 19a des Fabrikanten Friedrich August Herbertz.[3]

Von vornherein wurde der Festzug als eine Veranstaltung des selbstbewussten Kölner Bürgertums für seinen Kaiser geplant. Kirchliche Elemente wurden gemieden und die Bedeutung der katholischen Kirche für Köln verleugnet. Dies ging sogar so weit, dass kirchliche Würdenträger wie die Kölner Erzbischöfe Konrad von Hochstaden und Heinrich II. von Virneburg, die in der Geschichte des Dombaus eine große Bedeutung hatten, als Reichsfürsten in weltlicher Kleidung dargestellt wurden.[1]

Unmittelbar vor den Feierlichkeiten wurde auf der Südseite des Domes ein großes Zelt für den Kaiser und andere Würdenträger errichtet. Gegenüber dem Kaiserzelt wurde in der Nacht vor dem Festzug eine überlebensgroße goldfarbene Büste König Friedrich Wilhelm IV. aufgestellt.[5]

Gliederung des Zuges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Gruppe des Festzugs, berittenes Trompeten­corps und Reichs­banner­träger, Tony Avenarius 1880, Tafel I
Dreikönigenschrein, getragen von Mitgliedern des Kölner Turnvereins „Eintracht“, als Goldschmiede kostü­miert, Tony Avenarius 1880, Tafel II

Der historische Festzug war in drei Abschnitte gegliedert, die jeweils ein Ereignis aus der Geschichte des Dombaus als Hauptthema hatten: die Grundsteinlegung am 15. August 1248, die Vollendung und Weihe des Domchores 1322, und den Weiterbau von 1842 bis 1880. Mit Fuß- und Reitergruppen in historischen Kostümen und mit geschmückten Festwagen wurden Phasen der Geschichte der Stadt Köln und des Deutschen Reichs dargestellt, wobei gelegentlich nicht zwischen historischen Fakten und überlieferten Sagen unterschieden wurde.[4]

Erste Abteilung: Periode der Grundsteinlegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Abteilung war in zwei Gruppen aufgeteilt, die erste wurde von dem Düsseldorfer Maler Fritz Roeber arrangiert, für die zweite Gruppe war der Maler Ernst Roeber verantwortlich.

Erste Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Gruppe stellte das 13. Jahrhundert dar, das mittelalterliche Köln und das alte Deutsche Reich. Zur Eröffnung des Festzuges zog ein berittenes Trompeterkorps vorbei. Darauf folgten, ebenfalls zu Pferd, der Stadtherold mit Zepter (dargestellt von Herrn Claisen), der Reichsbannerträger (Herr Jacobs) und der Stadtbannerträger (Leonard Rickel). Zu Fuß waren Reisige in den Farben der Stadt Köln (Louis Hellrath, F. Haumann, H. Thurmann, D. A. Engels, K. Streifler und W. Windhagen), zwei Bürgermeister (Ernst Hardt und Theodor Henke) und zahlreiche Ratsherren (C. Jahn, Eduard Clement, Em. Pickert, Z. Steffens, Dürst I., Dürst II., Th. Viehmeyer, A. Kattwinkel, E. Oelbermann, E. Engels, W. Graeff und Schulte) in dieser Gruppe unterwegs. Ihnen folgte, als Symbol für den Kölner Dom als Anlassgeber des Festzugs, eine von Mitgliedern des Kölner Turnvereins Eintracht getragene Nachbildung des Dreikönigenschreins. Den Abschluss bildeten Kölner Patrizier und andere Bürger mit Frauen und Kindern (Carl Vorberg, R. Cahn, Titius Bredt, F. B. Heimann, G. Goebels, Arn. Steiger, Frln. Weishaupt, Kuhlmann, C. Seil, Lilly Adam, Heinecke, H. Duden, Raaf, Schloemer, Oebecke, Koschel, Siré, Dietz und Hövel sowie die Kinder Arthur, Ernst und Paul Hardt, Hans und Alb. Heimann, Sabine Plasmann und Hamspohn).[6]

Zweite Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spitze der zweiten Gruppe, mit Stadtgraf, Stadtvogt, Bannerträgern, König Wilhelm von Holland, Tony Avenarius 1880, Tafel III
Grundsteinlegung im Jahr 1248, Festwagen mit Dombaumeister Gerhard von Rile, Tony Avenarius 1880, Tafel VI

Die zweite Gruppe wurde von einem Trompeterkorps zu Fuß angeführt. Ihm folgten zu Pferd der Stadtgraf (Otto Reusch), der Stadtvogt (Johannes Fastenrath), Reisige in den Stadtfarben (W. Asbach, W. Johnen, Ant. Leinen, H. Strässer), der Reichssturmfahnenträger (Eug. Clever), der königliche Bannerträger (Wilhelm Schmitz), König Wilhelm von Holland (Josef Mayer) und dessen Berater Pietro Kardinal Capocci, der Wilhelms Königswahl geleitet hatte. Der König wurde von zwei Pagen zu Fuß begleitet (Arthur Gräff und Herr Hartmann). Es folgten weitere berittene Teilnehmer, die den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (Fritz Hönig), den Herzog von Limburg (B. Guepratte) und den Herzog von Brabant (J. R. Heidemann) darstellten. Konrads Gefolge bildeten die Ritter von Alpen mit Dame (Herr Merkens und Frau Roesberg), von Odenkirchen (Herr Gunst), von Rheineck (Herr Steffens), von Drachenfels mit Dame (Herr Braschoß und Frau Reusch), der Graf von Geldern (Herr Hinz), der Graf von Berg (Herr Dieckhoff), der Graf von Hennegau mit Dame (Herr Lachnit und Frl. Breuer), die Ritter von Neuenahr mit Dame (Ed. Dahmen und Frl. Ulex), von Aarburg mit Dame (Franz Clouth und Ehefrau Josefine Clouth), von Jülstorf mit Dame (Herr Hospelt und Frl. Feith), von Gerstorf mit Dame (Herr Jung und Frl. Strömer), von Godesberg mit Dame (Ph. Heimann und Frl. Hartmann) und von Güsten (Herr Offermann). Sie wurden von Pagen zu Fuß begleitet (Herren W. Müller, Hövel, Kaaf, Asthöwer, Rothschild, Oechelshäuser, Hagen, Mertens und Daniels).[7]

Als erster Festwagen des Zuges fuhr in der zweiten Gruppe ein von Hermann Otto Pflaume entworfener Wagen mit, der die Grundsteinlegung zum Kölner Dom im Jahr 1248 darstellte. Der erste Dombaumeister Gerhard von Rile (Jean Rehe) sprach seinen Segen über den Grundstein, umgeben von Werkmeistern (Herren Hartmann und Ossendorf), einem Steinmetz (Herr Rehe jr.) und Meistern und Handwerkern der Dombauhütte (Herren Arntz, J. Pott, P. Pott, Huppertz, Schmidt und Brunthaler). Auf dem vorderen Teil des Wagen befanden sich die Personifikationen Colonia (Frl. M. Welter), Spes (Frl. Hippemeyer) und Pietas (Frl. Feldhaus). Umgeben war der Festwagen von Kölner Reisigen in den Farben der Stadt, die vom Turnverein Eintracht und vom Turnerbund gestellt wurden.[7]

Zweite Abteilung: Periode des Weiterbaues bis zur Fertigstellung des hohen Chores[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter des Kölner Patriziats, Tony Avenarius 1880, Tafel VIII
Schlacht von Worringen 1288, Tony Avenarius 1880, Tafel IX
Brüder von Ghyre mit Gefolge und dem fiktiven Bürgermeister Hermann Gryn, Tony Avenarius 1880, Tafel XIV

Die zweite Abteilung war ebenfalls in zwei Gruppen aufgeteilt. Das Arrangement der ersten Gruppe wurde dem Maler und Professor der Kunstakademie Düsseldorf Albert Baur übertragen, die zweite Gruppe wurde von dem Düsseldorfer Maler Wilhelm Beckmann arrangiert.[8]

Erste Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf ein berittenes Musikkorps folgte eine Gruppe von Armbrustschützen, die von der Kölner Schützengesellschaft gestellt wurde. Ihnen folgte zu Pferd der Kölner Herold (Fritz Schieffer) mit seinen beiden Bannerträgern (G. Rabich und J. Cramer-Nicolai). Die berittenen Vertreter der Kölner Patrizierfamilien wurden jeweils von zwei Pagen begleitet, beginnend mit vier Todesopfern der Schlacht an der Ulrepforte: Mathias Overstolz (Ludwig Peters, mit Herren Jahn und Viehmeyer), Peter Jude (Julius Heckler, mit Herren Schramm und Haumann), Heinmann von dem Ahren (Franz Hagen, mit Herren Pickert und Caesar) und Johann von Brechen (Otto Engels, mit A. Schnabel und L. Boisserée). Weitere Reiter waren Gerhard Overstolz, gefallen 1288 in der Schlacht bei Worringen (Herr Schmitz-Pfeiffer, mit Herren Dubelmann und Pfeiffer), sowie der beim Sturm auf den Bayenturm getötete Rütger Overstolz (Balduin Lensing, mit Herren Caesar und Schneider).[8]

Der zweite Festwagen, entworfen vom Kölner Dombildhauer Christian Mohr, war die Rekonstruktion eines der Legende nach in der Schlacht von Worringen eingesetzten und mit Katapulten und Bogenschützen bewaffneten Kampfwagens. Auf ihm befanden sich der kölnische Bauer (F. J. Meyer) und zwei Offiziere der Bogenschützen (Herren de Jonge und J. Renner). Anschließend kamen ein weiteres Musikkorps zu Fuß und einige Vorreiter, bevor die Oberhäupter der Kölner Patriziergeschlechter zu Pferd vorbeizogen:

  • Overstolzen mit Dame (Hermann Otto Pflaume mit Ehefrau) und Bannerträger (Herrn Heyden);
  • Scherfgin mit Dame (Louis Herbertz mit Frau M. Meyer) und Bannerträger (Florian vom Grafen);
  • von der Aducht mit Dame (Max Freiherr von Oppenheim mit Mimi Freifräulein von Oppenheim), Bannerträger (Simon Freiherr von Oppenheim) und einem Pagen (Robert Heuser);
  • Hirtzelin mit Dame (C. Montag mit Frl. Montag), Bannerträger (Herr Pfeiffer), drei Pagen (Herren Plasman, Schmitz, Vogel) und vier Junkern (Herren R. Grüneberg, J. Montag, J. Krüger und Fr. Bleißem);
  • Cleyngedank mit Dame (Th. Roß mit Frl. Hel. Landmann), Kavalier (Herr Bornheim), 2 Junkern (Herren F. Becker und Wattler) und zwei Pagen (Herren Schmitz und Kempgen);
  • Overstolz von Efferen mit Dame (Paul Freiherr von Oppenheim mit Ada Freifräulein von Oppenheim), Bannerträger (Herr J. Hild), Mohr (Herr John) und zwei Edelknechten (Herren Hillebrand und Rheinbrohl);
  • Birkelyn mit Dame (Jos. Baum mit Frl. Laura Salm), zwei Pagen (Herren Kneller und Kracht), drei Junkern (Herren Ric. Baum, Ad. Baum und Kellner) und vier berittenen Pagen (Herren Hofmann, Wülfing, Horn und Hellbach);
  • Lyskirchen mit Dame (Walther Roß mit Frau von Leipziger) und ihren Falknern (Herren A. Ahn, F. Diel, F. Esser, Max Esser, E. Fischer, G. Fischer, J. Holthausen, H. Nourney, A. Raps, G. Raps und G. Rauch).[8]

Den Abschluss der ersten Gruppe bildeten die Brüder von Ghyre (L. Levy und J. Friedrich) mit vier Pagen (Herren Pallenberg, Günther, Fuchs und Feinhals), Bannerträger, Mohr und Reitern, sowie der Bürgermeister Hermann Gryn (J. Gilbert) mit Junkern (Herren C. Gilbert, L. Daeves, Bel, Häuser, Welker, Müller und Beuth).[8]

Zweite Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hansekogge, Tony Avenarius 1880, Tafel XV
Frachtwagen der Hanse, Tony Avenarius 1880, Tafel XVI
Vollendeter Domchor, mit Dombaumeister Meister Johannes, Tony Avenarius 1880, Tafel XXI

Die zweite Gruppe wurde von einem Festwagen angeführt, der eine Hansekogge nachbildete und von dem Düsseldorfer Maler Vincent Stoltenberg Lerche entworfen worden war. Mit dieser Darstellung sollte Kölns Rolle als bedeutendes Mitglied der Hanse gewürdigt werden. Auf der Kogge fuhren allegorische Darstellungen der Hansa (die Ehefrau von Julius Michels, Frl. G. Guilleaume und Frl. Th. Tillmann), Patrizier (Herren Otto Deichmann, Sulpiz Boisserée jr. und Dr. Reinke), der Kapitän (Herr Nierstras), Seesoldaten (J. Weiler und F. Vorster), Matrosen (J. Michels und Julius Altpeter) und gefangene Piraten (Frl. Reuß, Herren R. Breithaupt und P. G. Wahlen) mit. Dem Schiff folgte eine Gruppe Reiter der Hanse mit Speeren (Johann Maria Friedrich Heimann, van Gülpen und Schmelzer) und, den Landverkehr der Hanse darstellend, ein mit Waren beladener Wagen mit einem Kutscher (Wilhelm Deichmann). Als Begleitung des Frachtwagens dienen weitere mit Speeren bewaffnete Reiter (C. Senff, A. Lindgens, Robert vom Rath und H. Rommel) sowie eine Anzahl bewaffneter Reisige (A. Gerber, Wilhelm Beckmann, V. Lotz, P. Wahlen, E. Jonghaus, E. Laux, F. Steegmann, F. Drisch, C. Engels, A. Berghausen, G. Berghausen, Jean Haack, F. Golle, F. W. Becker und H. Schmitt).[9][10]

Mit den folgenden Szenen wurde wieder der Bezug zum Dombau aufgenommen. Einer Gruppe singender Chorschüler (gestellt von der Dom-Knabenschule) folgte der weltlich gekleidete Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg (Robert Peill), in dessen Amtszeit die Weihe des Domchores im Jahr 1322 fiel, zu Pferd. Er wurde von zwei Pagen (Hans Wilhelm Zanders und Richard Zanders) begleitet, die die Attribute seiner geistlichen Würde mitführten. In seinem Gefolge befanden sich adelige und bürgerliche Stifter und Förderer des Dombaus:

  • Herzog von Jülich mit Gemahlin (Josef Compes und Frl. Fanny Raschdorff) und einem Pagen (Hans Nourney);
  • Herzog von Cleve mit Gemahlin (Friedrich August Herbertz mit seiner Ehefrau Therese Herbertz) und einem Pagen (Robert Weiler);
  • Herzog von Berg mit Gemahlin (Julius Marcus und Frl. Nourney) und einem Pagen (Fritz Nourney);
  • Graf von Holland mit Gemahlin (Walther vom Rath und Frl. Walter) und einem Pagen (Victor Schnitzler);
  • Graf von Mörs mit Gemahlin (Paul Andreae und die Ehefrau von Ernst Engels) und einem Pagen (Gottlieb Langen);
  • Hardefuyst mit Dame (Richard von Schnitzler und Frl. Clara vom Rath) und einem Pagen (Eduard Schnitzler);
  • Cleyngedank mit Dame (Max Charlier und Frl. R. Compes) und einem Pagen (H. Vorster);
  • von der Salzgassen mit Dame (O. Weiler und Frl. Julia Lürig) und einem Pagen (J. B. Felmer);
  • von Schoenrode mit Dame (Richard Traine und Frl. Ida Traine) und einem Pagen (A. Fremery);
  • von Bottelnberg mit Dame (Alf. Roß und Frl. Emmy Fremery) und einem Pagen (Gust. Bunge);
  • von Tongeren mit Dame (Eug. Pfeifer und Frl. Johanne Langen) und einem Pagen (Carl Langen);[10]

Der vierte Festwagen, gemeinsam von August Carl Lange, Carl Rüdell und Heinrich Wiethase entworfen, zeigte den Chor des Domes bei seiner Vollendung im Jahr 1322. Vor dem Chor saß Meister Johannes (Gust. Boisserée), der damalige Dombaumeister, inmitten seiner Werkmeister (E. Bogen, H. Müller und E. von der Straeten jr.). Zum Abschluss der zweiten Abteilung wurde der Verbundbrief von 1396 den Abordnungen der Zünfte vorangetragen: Fleischer, Schumacher, Bäcker, Fischer, Goldschmiede, Schreiner, Brauer und Schneider, begleitet von Stadtreisigen und Knechten. Die Abordnungen der Zünfte wurden von Mitgliedern der entsprechenden Innungen dargestellt.[4][10]

Dritte Abteilung: Periode des Fortbaues bis zur Vollendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domkran, Tony Avenarius 1880, Tafel XXVII
Germania, Tony Avenarius 1880, Tafel XXVIII
Die Wacht am Rhein mit Darstellungen von Soldaten verschiedener Waffengattungen, Tony Avenarius 1880, Tafel XXIX

Die dritte Abteilung wurde von Wilhelm Camphausen, Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und künstlerischer Gesamtleiter des Festzugs, arrangiert. Sie stellte dicht gedrängt die Jahrhunderte des Stillstands und die Jahrzehnte des Weiterbaus bis zur Vollendung des Kölner Domes dar.[11]

Einer Gruppe von Landsknechten folgten ein berittenes Trompeterkorps und der Herold (Eugen Kayser) zu Pferd, mit Bannerträger und in Begleitung einer Gruppe von Reitern (Hugo Traine, Aug. Erlenwein, J. Ferrenholz, Hermann Hofmann, Peter Balchem, Ferdinand Müll und F. Scharnberger) als Ehrenwache. Der fünfte Festwagen war vom Kölner Baumeister Deutz entworfen worden. Er zeigte eine Nachbildung des hölzernen Domkrans, der sich seit dem 14. Jahrhundert auf der Spitze des Südturms befunden hatte und bis zu seinem Abbau im März 1868 gleichermaßen Wahrzeichen der Stadt Köln und Symbol des Stillstands geworden war. Von der Auslegerspitze des Domkrans wehte eine rot-weiße Fahne mit der Aufschrift Protector, zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Auf dem Wagen fuhren die allegorische Darstellungen der Künste mit: Architektur (Frl. Claasen), Malerei (Frl. Feist), Bildhauerei (Frl. Müller II.), Poesie (Frl. Reinke) und Musik (Frl. Müller I.). Der Festwagen wurde von den Handwerkern der Kölner Dombauhütte begleitet, die die Vereinsfahne des Zentral-Dombau-Vereins mitführten.[11]

Der sechste und letzte Festwagen, nach dem Entwurf von Christian Mohr, zeigte ein Modell des vollendeten Kölner Domes, überragt von einer Darstellung der Germania, die schützend ihre Hand über ihn hält. Zu ihren Füßen sitzen allegorische Darstellungen der Rheinstaaten: Borussia (Frl. Fanny Meuser), Bavaria (Frl. Lina Weithoff), Badenia (Frl. Frieda Buddecke) und Hansa (Frl. Helene Mohr). Vor dem Westportal des Domes saß ein Page mit dem Wappen des Domkapitels (Egm. Thewalt). Der Festwagen wurde von Pagen mit den Wappen und Fahnen der deutschen Reichslande begleitet, die vom Kölner Turnverein gestellt wurden. Mit den auf den Wagen der Germania folgenden letzten Teilnehmern des Festzuges war die Gegenwart erreicht, die Wacht am Rhein wurde von Soldaten verschiedener militärischer Einheiten des ganzen Deutschen Reichs gebildet.[11]

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Oktober 1880 begann um 8 Uhr die Aufstellung des Festzugs auf dem Neumarkt, zugleich versammelte sich am Zugweg im Bereich des Doms und vor dem Zelt des Kaisers eine große Menschenmenge. Der Kaiser und die Kaiserin trafen gegen 11 Uhr am Kaiserpavillon ein. Nur wenig später erreichte auch der Festzug den Dom und zog am Kaiser vorbei. Mit Ausnahme einer kurzen Pause, als sich der erste Festwagen vor dem Kaiserzelt festgefahren hatte und von Helfern freigemacht werden musste, verlief das Defilée ohne Störungen. Der künstlerische Leiter des Festzuges, Wilhelm Camphausen, befand sich beim Kaiserpaar und gab Erläuterungen zu Wagen und Fußgruppen des Zuges.[1]

Auf diesen ersten Durchgang folgte eine Zeremonie, mit der der verstorbene König Friedrich Wilhelm IV. als Förderer der Domvollendung geehrt wurde. Junge Männer in historischen Trachten und weißgekleidete Fahnenschwenker versammelten sich um die monumentale Büste des Königs gegenüber dem Kaiserpavillon und legten Kränze nieder. Dazu sang ein Knabenchor Hymnen zur Huldigung des Königs, während die Gäste einschließlich des Kaisers sich erhoben hatten.[1]

Nach der Zeremonie fragte der Kölner Oberbürgermeister Hermann Heinrich Becker den Kaiser, ob er den Festzug ein zweites Mal sehen wolle. Der Kaiser bejahte das und der vorsorglich in der Nähe erneut aufgestellte Zug zog erneut am Kaiserpavillon vorbei. Dieses Mal erhob sich das Kaiserpaar und ging bis an den Zugweg, gefolgt von den übrigen regierenden deutschen Fürsten, dem preußischen Offizierskorps und den ausländischen Diplomaten. Oberbürgermeister Becker gab dem Kaiserpaar beim zweiten Vorbeizug Erläuterungen zu den Motiven des Festzugs und zur Stadtgeschichte.[1][5]

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huldigung König Friedrich Wilhelm IV., Lithografie aus der Mappe von Adolf Wallraf, 1880
Max von Oppenheim als von der Aducht, Fotograf Carl Westendorp, 1880

Die überwiegend nationalliberale und deutsche Presse berichtete begeistert über den Festzug. Auch im Ausland erschienen umfangreiche Berichte über das Ereignis, oft mit ganzseitigen Holzschnitten, wie im britischen illustrierten Wochenmagazin The Graphic in der Ausgabe vom 23. September 1880.[1]

Der Lithograf Adolf Wallraf gab noch 1880 eine Mappe mit 21 Lithografien zum Festzug im Selbstverlag heraus. Der Kölner Grafiker Tony Avenarius hatte eine Mappe mit 29 Farblithografien mit Darstellungen des Festzugs gestaltet, die ebenfalls 1880 herausgegeben wurde.[12] Die lithografischen Darstellungen stießen in Bezug auf zahlreiche Fehler wie falsche heraldische Farben und Figuren oder vollständig falsche Wappen auf Kritik. Dessen ungeachtet gilt die Serie von Avenarius als künstlerisch gelungener.[13]

Fotografien des eigentlichen Festzugs sind nicht bekannt. Es existieren jedoch Fotos des Kaiserzelts auf dem Domhof und eine Anzahl von Fotografien kostümierter Teilnehmer des Festzugs, die der Kölner Fotograf Carl Westendorp in seinem Atelier in der Komödienstraße, in unmittelbarer Nähe des Doms, angefertigt hatte. 35 Abzüge sind Anfang des 20. Jahrhunderts vom Rathaus an das Kölnische Stadtmuseum übergeben worden, darunter eine Aufnahme des zwanzigjährigen Max von Oppenheim zu Pferd. Im Laufe der Jahrzehnte kamen weitere Funde hinzu.

Die Stadtverordneten beschlossen 1881, den Historischen Festzug als 53 Meter langes Wandgemälde im Festsaal des Kölner Gürzenich für die Nachwelt zu dokumentieren. Die Maler Wilhelm Beckmann, Fritz Roeber, Ernst Roeber, Albert Baur, Wilhelm Camphausen und Adolf Schmitz erstellten die Entwürfe auf der Grundlage der Lithografien von Tony Avenarius.

Der Historische Festzug ist Gegenstand der Kapitel 9 und 10 in dem Roman Alaaf Kölle. En Schelderei us großer Zick von Wilhelm Schneider-Clauß, einem Klassiker der Kölner Mundartliteratur.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tony Avenarius: Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 nach den Original-Aquarellen von Tony Avenarius. Köln, Hamburg o. J. [1880] (29 Lithografien, Folio). Verkleinerter Nachdruck: Druckhaus Rudolf Müller, Köln 1980, ISBN 3-481-29999-0.
  • Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, einem Festmahl der Kaiserin Augusta und einem Stuhl aus dem Holz des alten Domkranes. In: Kölner Domblatt 2010, 75. Folge, S. 86–103, ISSN 0450-6413.
  • Wolfgang Hartmann: Der historische Festzug zur Einweihung des Kölner Domes. In: Hugo Borger (Hrsg.): Der Kölner Dom im Jahrhundert seiner Vollendung, Band 2. Ausstellungskatalog, Köln 1980, S. 140–149.
  • Wolfgang Hartmann: Historische Wahrheit - Künstlerische Weihe. Der historische Festzug zur Einweihung des Kölner Domes 1880 und die Wandbilder im Gürzenich. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 1980, Band 41, S. 223–243.
  • Rita Wagner: Helden in Strumpfhosen und Damen im Korsett. Fotografien und Zeichnungen zum Dombaufestzug von 1880 im Kölnischen Stadtmuseum. In: Kölner Domblatt 2016, 81. Folge, S. 156–177, ISSN 0450-6413.
  • Adolf Wallraf: Historischer Festzug veranstaltet zur Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880. Selbstverlag, Köln 1880 (21 Lithografien, Textheft).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Historischer Festzug 1880 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abcdefghij Arnold Wolff: Historischer Festzug von 1880. Vorwort von Arnold Wolff. In: Tony Avenarius: Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 nach den Original-Aquarellen von Tony Avenarius. Verkleinerter Nachdruck. Druckhaus Rudolf Müller, Köln 1980, ISBN 3-481-29999-0.
  2. Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 98.
  3. ab Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 93–94.
  4. abc Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 97.
  5. ab Cuno Stammel: Das Kölner Dombaufest. In: Die Gartenlaube 1880, Heft 44, S. 727–728.
  6. Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln I und II.
  7. ab Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln III bis VI.
  8. abcd Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln VII bis XIV.
  9. Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 96.
  10. abc Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln XV bis XXIV.
  11. abc Tony Avenarius: Historischer Festzug, Erläuterungen zu den Tafeln XXV bis XXIX.
  12. Klaus Hardering: Von prächtigen Lançaden, S. 95.
  13. Ernst von Oidtman: Literarisches. Historischer Festzug veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 nach den Original-Aquarellen von Tony Avenarius (Rezension). In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 1882, Band 38, S. 120–124, doi:10.7788/annalen-1882-jg10.
  14. Wilhelm Schneider-Clauß: Alaaf Kölle. En Schelderei us großer Zick. Hoursch & Bechstedt, Köln 1908.
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