Hugo Dietrich

Hugo Dietrich (* 22. Dezember 1896; † 27. September 1951) war ein deutscher Rechtsanwalt und Notar. Als Hausjurist im Flick-Konzern spielte er eine bedeutende Rolle bei der „Arisierung“ jüdischen Vermögens im nationalsozialistischen Deutschland und war bei wichtigen Veranstaltungen anwesend, die auch von Flick besucht wurden.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karriere und Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hugo Dietrich promovierte 1921 bei Robert Piloty in Würzburg mit einer Schrift über Die Lösung des sozialen Problems zum Dr. jur. et rer. pol., in der die Abschaffung der Testierfreiheit gefordert wurde. Er war zunächst Amts- und Landgerichtsrat und wurde später Rechtsanwalt und Notar am Kammergericht Berlin. 1938 wurde er ein von Friedrich Flick formal unabhängiger Hausjurist im Flick-Konzern.[1]

Am 10. Juni 1938 nahm Dietrich zusammen mit Flick im Gasthof des Berliner Hotels Esplanade an der jährlichen Mitgliederversammlung der Wirtschaftsgruppe Eisen schaffende Industrie teil, die unter anderem von Ernst Poensgen, Wilhelm Kleinmann, Wilhelm Zangen, Karl Blessing, Hermann Röchling, Otto Steinbrinck und Herbert Göring besucht wurde, und an der Generalmajor Hermann von Hanneken den Festvortrag hielt.[2] Im Juni 1938 erstellte Hugo Dietrich im Auftrag von Friedrich Flick oder von dessen Generalbevollmächtigten Steinbrinck ein Gutachten unter dem Titel „Zum Problem Ignaz Petschek“,[3] zur Prüfung der juristischen Möglichkeiten einer „Arisierung“ des Vermögens der Firma Petschek. Zu diesem Zweck entwarf er eine Verordnung, aufgrund derer ein „jüdischer Unternehmer“ durch einen staatlichen Treuhänder entmachtet und zum Verkauf „gegen einen angemessenen Gegenwert“ gezwungen werden können sollte.

Am 20. März 1944 wurde Dietrich bei der Änderung des Gesellschaftsvertrags der Friedrich Flick KG damit beauftragt, die Kommanditgesellschaft Flick als Familiengesellschaft festzulegen, „mit dem Ziele, das Unternehmen der Gesellschaft... dauernd im Besitze der Familie Friedrich Flick zu erhalten“. Das Dokument wurde auch von Flicks ältestem Sohn Otto-Ernst Flick unterzeichnet.[4]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Flick-Prozess im Jahre 1947 brachte die Anklage die Ähnlichkeit von Dietrichs Gutachten vom Juni 1938 mit der am 3. Dezember 1938 verabschiedeten Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens zur Sprache. Bei diesem Nürnberger Nachfolgeprozess stellte Dietrich ein Entlastungszeugnis für Steinbrinck und Flick aus. Letzterer behauptete, Dietrich weder beauftragt zu haben noch dessen Ausarbeitung gekannt zu haben, obwohl ein mit Flicks Initialen abgezeichneter Entwurf Dietrichs aufgefunden wurde.[5]

Dietrich starb 1951 und ist auf dem Ehrenfriedhof in Lübeck bestattet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Flick-Konzern im Dritten Reich. S. 870
  2. Der Flick-Konzern im Dritten Reich. S. 235–236.
  3. Thomas Ramge: Die Flicks: eine deutsche Familiengeschichte um Geld, Macht und Politik S. 109
  4. Der Flick-Konzern im Dritten Reich. S. 508.
  5. Weitere Zusatzinformationen zu Friedrich Flick von Dr. Oliver Hirsch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim Christian Priemel, Harald Wixforth: Der Flick-Konzern im Dritten Reich. Herausgegeben durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. ISBN 978-3-486-58683-1.
  • Manfred Görtemaker, Christoph Safferling: Die Rosenburg: Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Vergangenheit – eine Bestandsaufnahme. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. ISBN 978-3-525-30046-6.
  • Thomas Ramge: Die Flicks: eine deutsche Familiengeschichte um Geld, Macht und Politik. Campus Verlag Frankfurt/New York, 2004. ISBN 3-593-37404-8.
  • Jan Thiessen: Unternehmenskauf und Bürgerliches Gesetzbuch. Wissenschafts-Verlag Berlin 2005.

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Hugo Dietrich (* 22. Dezember 1896; † 27. September 1951) war ein deutscher Rechtsanwalt und Notar. Als Hausjurist im Flick-Konzern spielte er eine bedeutende Rolle bei der „Arisierung“ jüdischen Vermögens im nationalsozialistischen Deutschland und war bei wichtigen Veranstaltungen anwesend, die auch von Flick besucht wurden.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karriere und Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hugo Dietrich promovierte 1921 bei Robert Piloty in Würzburg mit einer Schrift über Die Lösung des sozialen Problems zum Dr. jur. et rer. pol., in der die Abschaffung der Testierfreiheit gefordert wurde. Er war zunächst Amts- und Landgerichtsrat und wurde später Rechtsanwalt und Notar am Kammergericht Berlin. 1938 wurde er ein von Friedrich Flick formal unabhängiger Hausjurist im Flick-Konzern.[1]

Am 10. Juni 1938 nahm Dietrich zusammen mit Flick im Gasthof des Berliner Hotels Esplanade an der jährlichen Mitgliederversammlung der Wirtschaftsgruppe Eisen schaffende Industrie teil, die unter anderem von Ernst Poensgen, Wilhelm Kleinmann, Wilhelm Zangen, Karl Blessing, Hermann Röchling, Otto Steinbrinck und Herbert Göring besucht wurde, und an der Generalmajor Hermann von Hanneken den Festvortrag hielt.[2] Im Juni 1938 erstellte Hugo Dietrich im Auftrag von Friedrich Flick oder von dessen Generalbevollmächtigten Steinbrinck ein Gutachten unter dem Titel „Zum Problem Ignaz Petschek“,[3] zur Prüfung der juristischen Möglichkeiten einer „Arisierung“ des Vermögens der Firma Petschek. Zu diesem Zweck entwarf er eine Verordnung, aufgrund derer ein „jüdischer Unternehmer“ durch einen staatlichen Treuhänder entmachtet und zum Verkauf „gegen einen angemessenen Gegenwert“ gezwungen werden können sollte.

Am 20. März 1944 wurde Dietrich bei der Änderung des Gesellschaftsvertrags der Friedrich Flick KG damit beauftragt, die Kommanditgesellschaft Flick als Familiengesellschaft festzulegen, „mit dem Ziele, das Unternehmen der Gesellschaft... dauernd im Besitze der Familie Friedrich Flick zu erhalten“. Das Dokument wurde auch von Flicks ältestem Sohn Otto-Ernst Flick unterzeichnet.[4]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Flick-Prozess im Jahre 1947 brachte die Anklage die Ähnlichkeit von Dietrichs Gutachten vom Juni 1938 mit der am 3. Dezember 1938 verabschiedeten Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens zur Sprache. Bei diesem Nürnberger Nachfolgeprozess stellte Dietrich ein Entlastungszeugnis für Steinbrinck und Flick aus. Letzterer behauptete, Dietrich weder beauftragt zu haben noch dessen Ausarbeitung gekannt zu haben, obwohl ein mit Flicks Initialen abgezeichneter Entwurf Dietrichs aufgefunden wurde.[5]

Dietrich starb 1951 und ist auf dem Ehrenfriedhof in Lübeck bestattet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Flick-Konzern im Dritten Reich. S. 870
  2. Der Flick-Konzern im Dritten Reich. S. 235–236.
  3. Thomas Ramge: Die Flicks: eine deutsche Familiengeschichte um Geld, Macht und Politik S. 109
  4. Der Flick-Konzern im Dritten Reich. S. 508.
  5. Weitere Zusatzinformationen zu Friedrich Flick von Dr. Oliver Hirsch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim Christian Priemel, Harald Wixforth: Der Flick-Konzern im Dritten Reich. Herausgegeben durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. ISBN 978-3-486-58683-1.
  • Manfred Görtemaker, Christoph Safferling: Die Rosenburg: Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Vergangenheit – eine Bestandsaufnahme. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. ISBN 978-3-525-30046-6.
  • Thomas Ramge: Die Flicks: eine deutsche Familiengeschichte um Geld, Macht und Politik. Campus Verlag Frankfurt/New York, 2004. ISBN 3-593-37404-8.
  • Jan Thiessen: Unternehmenskauf und Bürgerliches Gesetzbuch. Wissenschafts-Verlag Berlin 2005.

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