Kachelhaus

Kachelhaus und Mirabellenplatz

Das Kachelhaus im Stadtbezirk Mitte der ostwestfälischen Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen ist ein Baudenkmal aus dem Jahr 1927.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Eckhaus befindet sich in der Hagenbruchstraße 13 an der Ecke zur Goldstraße in der Bielefelder Altstadt. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Klosterplatz und die Kirche St. Jodokus. Der Platz vor dem Haus wird Mirabellenplatz genannt. An ihm befindet sich auch der Wendtsche Hof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus wurde 1927 für den Lebensmittelhändler Wilhelm Harms erbaut. Architekt war Paul Löwenthal. Das Erdgeschoss wird geprägt durch die fast durchgängigen Schaufensterfronten zu beiden Straßen. Das Obergeschoss durch den runden Eckerker über dem Eingang sowie die 8 bzw. 9 Fensterachsen. Ursprünglich sollte ein zweites Obergeschoss gebaut werden, allerdings veranlassten die ungünstigen Bodenverhältnisse mit lockerem Sand und die gestiegenen Kosten - statt 180.000 mussten 200.000 Mark investiert werden - den Bauherrn zur Verkleinerung des Plans. Seinen Namen erhielt das Kachelhaus durch die in Meißen gefertigte grüne Außenverkleidung. Auch das Innere ist mit Keramikkacheln aus Meißen versehen.[1][2] Bei seiner Errichtung galt das Kachelhaus nicht nur wegen seiner Optik als bemerkenswert, sondern auch wegen der technischen Ausstattung mit Kühlhaus und Neonlicht.[3]

Das Haus überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet und auch die Inneneinrichtung im Erdgeschoss ist erhalten geblieben. Nach mehreren Umnutzungen befindet sich in dem etwa 200 m² großen ehemaligen Ladenbereich ein Café, das die alte Einrichtung in die Möblierung integriert hat.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Fassade ist folgender Spruch zu lesen: Paul Löwenthal hat dieses Haus ersonnen,Wilhelm Harms hat den Draht gesponnen. Hätten wir gewusst was es kust, hätten wir´s gelusst. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der erste Teil mit dem Hinweis auf den jüdischen Architekten entfernt. Nach 1945 wurde er wieder ergänzt.[1]

Die Tochter Löwenthals, die Schriftstellerin Karen Gershon, eigentlich Käthe Löwenthal, widmete ihrer Geburtsstadt Bielefeld und dem Kachelhaus ein Gedicht im Exil. Es heißt Wilhelm Harms' House. Darin thematisiert sie auch den Umgang mit dem Namen ihres Vaters.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kachelhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ab Tag des Offenen Denkmals 2010 - Kachelhaus. Abgerufen am 16. Juli 2015 (pdf).
  2. Geschichte des Kachelhauses. Abgerufen am 16. Juli 2015.
  3. Erinnerungsorte einer Familie – Über das Leben der Loewenthals. In: Westfalen-Blatt 9. Juli 2010
  4. Blaicher, Ria: Sie liebte Bielefeld noch im Exil. Karen Gershons Thirty Poems on Jewish Themes. In: Der Minden-Ravensberger. Das Jahrbuch in Ostwestfalen. 73. Jahrgang 2001, S. 53

Koordinaten: 52° 1′ 16″ N, 8° 31′ 48,4″ O

Kachelhaus und Mirabellenplatz

Das Kachelhaus im Stadtbezirk Mitte der ostwestfälischen Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen ist ein Baudenkmal aus dem Jahr 1927.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Eckhaus befindet sich in der Hagenbruchstraße 13 an der Ecke zur Goldstraße in der Bielefelder Altstadt. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Klosterplatz und die Kirche St. Jodokus. Der Platz vor dem Haus wird Mirabellenplatz genannt. An ihm befindet sich auch der Wendtsche Hof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus wurde 1927 für den Lebensmittelhändler Wilhelm Harms erbaut. Architekt war Paul Löwenthal. Das Erdgeschoss wird geprägt durch die fast durchgängigen Schaufensterfronten zu beiden Straßen. Das Obergeschoss durch den runden Eckerker über dem Eingang sowie die 8 bzw. 9 Fensterachsen. Ursprünglich sollte ein zweites Obergeschoss gebaut werden, allerdings veranlassten die ungünstigen Bodenverhältnisse mit lockerem Sand und die gestiegenen Kosten - statt 180.000 mussten 200.000 Mark investiert werden - den Bauherrn zur Verkleinerung des Plans. Seinen Namen erhielt das Kachelhaus durch die in Meißen gefertigte grüne Außenverkleidung. Auch das Innere ist mit Keramikkacheln aus Meißen versehen.[1][2] Bei seiner Errichtung galt das Kachelhaus nicht nur wegen seiner Optik als bemerkenswert, sondern auch wegen der technischen Ausstattung mit Kühlhaus und Neonlicht.[3]

Das Haus überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet und auch die Inneneinrichtung im Erdgeschoss ist erhalten geblieben. Nach mehreren Umnutzungen befindet sich in dem etwa 200 m² großen ehemaligen Ladenbereich ein Café, das die alte Einrichtung in die Möblierung integriert hat.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Fassade ist folgender Spruch zu lesen: Paul Löwenthal hat dieses Haus ersonnen,Wilhelm Harms hat den Draht gesponnen. Hätten wir gewusst was es kust, hätten wir´s gelusst. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der erste Teil mit dem Hinweis auf den jüdischen Architekten entfernt. Nach 1945 wurde er wieder ergänzt.[1]

Die Tochter Löwenthals, die Schriftstellerin Karen Gershon, eigentlich Käthe Löwenthal, widmete ihrer Geburtsstadt Bielefeld und dem Kachelhaus ein Gedicht im Exil. Es heißt Wilhelm Harms' House. Darin thematisiert sie auch den Umgang mit dem Namen ihres Vaters.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kachelhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ab Tag des Offenen Denkmals 2010 - Kachelhaus. Abgerufen am 16. Juli 2015 (pdf).
  2. Geschichte des Kachelhauses. Abgerufen am 16. Juli 2015.
  3. Erinnerungsorte einer Familie – Über das Leben der Loewenthals. In: Westfalen-Blatt 9. Juli 2010
  4. Blaicher, Ria: Sie liebte Bielefeld noch im Exil. Karen Gershons Thirty Poems on Jewish Themes. In: Der Minden-Ravensberger. Das Jahrbuch in Ostwestfalen. 73. Jahrgang 2001, S. 53

Koordinaten: 52° 1′ 16″ N, 8° 31′ 48,4″ O

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