Kernenergie in Italien

Kernkraftwerke in Italien:
 Stillgelegt  Bau eingestellt

Derzeit (Stand Januar 2018) werden in Italien keine Kernkraftwerke mehr betrieben.[1] Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien am 8. November 1987 eine Volksabstimmung, mit der der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde. In der Folge wurden die letzten beiden Kernkraftwerke, die noch in Betrieb waren, am 1. Juli 1990 abgeschaltet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien begann 1946 mit der Nuklearforschung. Die ENEA wurde 1960 gegründet.[2] Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1963 beim Kernkraftwerk Latina in Betrieb.

Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien am 8. November 1987 eine Volksabstimmung, mit der der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde. Die letzten beiden Kernkraftwerke, die noch in Betrieb waren, wurden am 1. Juli 1990 abgeschaltet. Ein Moratorium für den Bau neuer Kernkraftwerke, das ursprünglich von 1987 bis 1993 galt, wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. Die Forschungsreaktoren Ispra-1 und ESSOR in der Gemeinsamen Forschungsstelle in Ispra wurden ebenfalls nach Tschernobyl abgeschaltet.

Die SOGIN (Società Gestione Impianti Nucleari) wurde 1999 gegründet, um die endgültige Stilllegung der Kernkraftwerke zu übernehmen.[2]

Im Oktober 2005 gab Altero Matteoli, damals Umweltminister der damaligen Mitte-rechts-Regierung, die Absicht der Regierung kund, die Kernenergie wiedereinzuführen und sie innerhalb von 10 bis 15 Jahren zur wichtigsten Stromquelle zu machen.[3] Ein halbes Jahr später, bei den Parlamentswahlen am 9. und 10. April 2006, kam Romano Prodi an die Regierung.

Die im April 2008 erneut gewählte Mitte-rechts-Regierung („Berlusconi IV“) setzte sich für eine Wiedereinführung der Kernenergie ein. Der Industrieminister Claudio Scajola gab am 22. Mai 2008 bekannt, Italien werde bis zum regulären Ende der Legislaturperiode (2013) mit dem Bau mehrerer moderner Atomkraftwerke beginnen.[4] Mit der französischen Regierung wurde am 24. Februar 2009 vereinbart, in Italien vier neue KKW vom Typ 'Europäischer Druckwasserreaktor (EPR) zu bauen.[5] Gegen alle geplanten Standorte gab es Widerstände und Bedenken:[6]

  • gegen das erdbebengefährdete Chioggia (30 km Luftlinie von Venedig entfernt).
  • gegen Monfalcone (Friaul, 25 km nordwestlich von Triest),
  • gegen Caorso in der Region Emilia Romagna (auf halber Strecke zwischen Mailand und Bologna)[7] und
  • gegen Trino Vercellese (im Piemont, 50 km östlich von Turin).

Das italienische Unternehmen ENEL beteiligte sich am 30. November 2007 mit 12,5 % am zweiten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) (Kernkraftwerk Flamanville – 3 in Frankreich).[8]

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi beschloss das italienische Kabinett (in Italien: „Ministerrat“) unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi im März 2011, einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ein weiteres Jahr auszusetzen;[9] am 12. und 13. Juni 2011 lehnten bei einer Volksabstimmung mit 57 % Wahlbeteiligung 94,1 % der Abstimmenden den Wiedereinstieg ab.[10][11][12]

Liste der Kernreaktoren in Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Block
Reaktortyp Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Inbetrieb-
nahme

Abschal-
tung

Einge-
speiste
Energie
in GWh
Caorso SWR Stillgelegt 860 882 1978-05-23 23. Mai 1978 1990-07-01 1. Juli 1990 27.726
CIRENE HWLWR Bau eingestellt 35 40 - - -
Enrico Fermi (Trino) DWR Stillgelegt 260 270 1964-10-22 22. Oktober 1964 1990-07-01 1. Juli 1990 24.307
Garigliano SWR Stillgelegt 150 160 1964-01-01 1. Januar 1964 1982-03-01 1. März 1982 12.246
Latina Magnox-Reaktor Stillgelegt 153 160 1963-05-12 12. Mai 1963 1987-12-01 1. Dezember 1987 25.489
Montalto di Castro 1 SWR Bau eingestellt 982 1.009 - - -
2 SWR Bau eingestellt 982 1.009 - - -

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Italy. IAEA - Power Reactor Information System (PRIS); abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  2. ab Nuclear Power in Italy. World Nuclear Association (WNA); abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  3. Einige Beobachter hielten bzw. halten dies für eine Wahlkampfaussage. Dazu ein Zitat aus dem wikipedia-Artikel über Silvio Berlusconi: „Die italienischen Unternehmensverbände übten offene Kritik an der Wirtschaftspolitik der vergangenen fünf Jahre, die fast zu einem Nullwachstum (0,1 Prozent im Jahre 2005) geführt hatte. Ihrer Meinung nach drohte Italien aus der Gruppe der G8-Länder herauszurutschen. Berlusconi bezeichnete die Vorwürfe als absurd und warnte wiederum vor den Gefahren einer ‚kommunistischen‘ Machtübernahme durch das Mitte-links-Bündnis. Der Wahlkampf war von einer starken verbalen Radikalisierung geprägt.“
  4. Italien setzt wieder auf Atomkraft. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Mai 2008.
  5. Franzosen bauen Kernkraftwerke in Italien
  6. www.wirtschaftsblatt.at 17. März 2011– Protest gegen Berlusconis Atom-Pläne (Memento vom 2. Januar 2016 im Internet Archive)
  7. 29. Mai 2012: Mehrere Erdbeben binnen Stunden in Norditalien
  8. udo-leuschner.de
  9. 23. März 2011, diepresse.com: Italien setzt Atom-Wiedereinstieg um ein Jahr aus.
  10. Schwere Niederlage für Berlusconi in Atom-Abstimmung. (Memento vom 16. August 2011 im Internet Archive) In: Financial Times Deutschland. 13. Juni 2011.
  11. Italien stimmt gegen Atomkraft – und gegen Berlusconi. In: FAZ. 13. Juni 2011.
  12. Speciale elezioni 2011. In: La Repubblica. abgerufen am 16. Juni 2011.
Kernkraftwerke in Italien:
 Stillgelegt  Bau eingestellt

Derzeit (Stand Januar 2018) werden in Italien keine Kernkraftwerke mehr betrieben.[1] Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien am 8. November 1987 eine Volksabstimmung, mit der der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde. In der Folge wurden die letzten beiden Kernkraftwerke, die noch in Betrieb waren, am 1. Juli 1990 abgeschaltet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien begann 1946 mit der Nuklearforschung. Die ENEA wurde 1960 gegründet.[2] Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1963 beim Kernkraftwerk Latina in Betrieb.

Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien am 8. November 1987 eine Volksabstimmung, mit der der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde. Die letzten beiden Kernkraftwerke, die noch in Betrieb waren, wurden am 1. Juli 1990 abgeschaltet. Ein Moratorium für den Bau neuer Kernkraftwerke, das ursprünglich von 1987 bis 1993 galt, wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. Die Forschungsreaktoren Ispra-1 und ESSOR in der Gemeinsamen Forschungsstelle in Ispra wurden ebenfalls nach Tschernobyl abgeschaltet.

Die SOGIN (Società Gestione Impianti Nucleari) wurde 1999 gegründet, um die endgültige Stilllegung der Kernkraftwerke zu übernehmen.[2]

Im Oktober 2005 gab Altero Matteoli, damals Umweltminister der damaligen Mitte-rechts-Regierung, die Absicht der Regierung kund, die Kernenergie wiedereinzuführen und sie innerhalb von 10 bis 15 Jahren zur wichtigsten Stromquelle zu machen.[3] Ein halbes Jahr später, bei den Parlamentswahlen am 9. und 10. April 2006, kam Romano Prodi an die Regierung.

Die im April 2008 erneut gewählte Mitte-rechts-Regierung („Berlusconi IV“) setzte sich für eine Wiedereinführung der Kernenergie ein. Der Industrieminister Claudio Scajola gab am 22. Mai 2008 bekannt, Italien werde bis zum regulären Ende der Legislaturperiode (2013) mit dem Bau mehrerer moderner Atomkraftwerke beginnen.[4] Mit der französischen Regierung wurde am 24. Februar 2009 vereinbart, in Italien vier neue KKW vom Typ 'Europäischer Druckwasserreaktor (EPR) zu bauen.[5] Gegen alle geplanten Standorte gab es Widerstände und Bedenken:[6]

  • gegen das erdbebengefährdete Chioggia (30 km Luftlinie von Venedig entfernt).
  • gegen Monfalcone (Friaul, 25 km nordwestlich von Triest),
  • gegen Caorso in der Region Emilia Romagna (auf halber Strecke zwischen Mailand und Bologna)[7] und
  • gegen Trino Vercellese (im Piemont, 50 km östlich von Turin).

Das italienische Unternehmen ENEL beteiligte sich am 30. November 2007 mit 12,5 % am zweiten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) (Kernkraftwerk Flamanville – 3 in Frankreich).[8]

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi beschloss das italienische Kabinett (in Italien: „Ministerrat“) unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi im März 2011, einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ein weiteres Jahr auszusetzen;[9] am 12. und 13. Juni 2011 lehnten bei einer Volksabstimmung mit 57 % Wahlbeteiligung 94,1 % der Abstimmenden den Wiedereinstieg ab.[10][11][12]

Liste der Kernreaktoren in Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Block
Reaktortyp Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Inbetrieb-
nahme

Abschal-
tung

Einge-
speiste
Energie
in GWh
Caorso SWR Stillgelegt 860 882 1978-05-23 23. Mai 1978 1990-07-01 1. Juli 1990 27.726
CIRENE HWLWR Bau eingestellt 35 40 - - -
Enrico Fermi (Trino) DWR Stillgelegt 260 270 1964-10-22 22. Oktober 1964 1990-07-01 1. Juli 1990 24.307
Garigliano SWR Stillgelegt 150 160 1964-01-01 1. Januar 1964 1982-03-01 1. März 1982 12.246
Latina Magnox-Reaktor Stillgelegt 153 160 1963-05-12 12. Mai 1963 1987-12-01 1. Dezember 1987 25.489
Montalto di Castro 1 SWR Bau eingestellt 982 1.009 - - -
2 SWR Bau eingestellt 982 1.009 - - -

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Italy. IAEA - Power Reactor Information System (PRIS); abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  2. ab Nuclear Power in Italy. World Nuclear Association (WNA); abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  3. Einige Beobachter hielten bzw. halten dies für eine Wahlkampfaussage. Dazu ein Zitat aus dem wikipedia-Artikel über Silvio Berlusconi: „Die italienischen Unternehmensverbände übten offene Kritik an der Wirtschaftspolitik der vergangenen fünf Jahre, die fast zu einem Nullwachstum (0,1 Prozent im Jahre 2005) geführt hatte. Ihrer Meinung nach drohte Italien aus der Gruppe der G8-Länder herauszurutschen. Berlusconi bezeichnete die Vorwürfe als absurd und warnte wiederum vor den Gefahren einer ‚kommunistischen‘ Machtübernahme durch das Mitte-links-Bündnis. Der Wahlkampf war von einer starken verbalen Radikalisierung geprägt.“
  4. Italien setzt wieder auf Atomkraft. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Mai 2008.
  5. Franzosen bauen Kernkraftwerke in Italien
  6. www.wirtschaftsblatt.at 17. März 2011– Protest gegen Berlusconis Atom-Pläne (Memento vom 2. Januar 2016 im Internet Archive)
  7. 29. Mai 2012: Mehrere Erdbeben binnen Stunden in Norditalien
  8. udo-leuschner.de
  9. 23. März 2011, diepresse.com: Italien setzt Atom-Wiedereinstieg um ein Jahr aus.
  10. Schwere Niederlage für Berlusconi in Atom-Abstimmung. (Memento vom 16. August 2011 im Internet Archive) In: Financial Times Deutschland. 13. Juni 2011.
  11. Italien stimmt gegen Atomkraft – und gegen Berlusconi. In: FAZ. 13. Juni 2011.
  12. Speciale elezioni 2011. In: La Repubblica. abgerufen am 16. Juni 2011.
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