Kernenergie in Ungarn

Kernkraftwerke in Ungarn:
 In Betrieb

Derzeit (Stand Januar 2018) werden in Ungarn an einem Standort vier Reaktorblöcke mit einer installierten Bruttogesamtleistung von 2.000 MW (Netto 1.889 MW) betrieben.[1] Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1982 in Betrieb.

Der Anteil der Kernkraft an der Gesamtstromerzeugung liegt bei etwa 50 %. Im Jahr 2015 wurden in Ungarn 30 TWh Elektrizität erzeugt, davon stammten 16 TWh aus Kernkraftwerken.[2]

Liste der Kernreaktoren in Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Block
Reaktortyp Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Inbetrieb-
nahme

Abschal-
tung
(geplant)
Einge-
speiste
GWh
(Ende 2006)
Paks 1 WWER-440/213 In Betrieb 470 500 1982-12-28 28. Dezember 1982 2033-08-15 (15. August 2033) 79.553
2 WWER-440/213 In Betrieb 473 500 1984-09-06 6. September 1984 2034-11-15 (15. November 2034) 70.014
3 WWER-440/213 In Betrieb 473 500 1986-09-28 28. September 1986 2036-12-15 (15. Dezember 2036) 69.388
4 WWER-440/213 In Betrieb 473 500 1987-08-16 16. August 1987 2037-11-15 (15. November 2037) 68.695

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Versuchsreaktor wurde 1959 in Betrieb genommen; der erste kommerziell genutzte Reaktorblock folgte 1982 beim Kernkraftwerk Paks.[2]

Kernkraftwerk Paks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kernkraftwerk Paks

Im Februar 2009 verlangte überraschend der damalige Premier Ferenc Gyurcsány (er wurde im April 2009 abgewählt), die Kapazität des KKW Paks solle auf 4000 MW verdoppelt werden. Fachkreise hielten bzw. halten es für unmöglich, dass der ungarische Staat das Geld für diesen Ausbau aufbringen kann.[3]

Im April 2009 beschloss das ungarische Parlament in einer Grundsatzentscheidung, Vorbereitungen für den Bau eines neuen Reaktorblocks im Atomkraftwerk Paks aufzunehmen. Im Zuge der Wirtschaftskrise 2009/10 kam Ungarn in Schwierigkeiten und musste den IWF um Hilfe bitten.Das Hochwasser in Mitteleuropa 2013 sowie das Hochwasser im Juni 2009 und das im Mai/Juni 2010 zeigten, dass es eine Gefahr katastrophaler Donau-Hochwasser gibt.

Es läuft ein Verfahren zur Verlängerung der Laufzeit für die vier Reaktoren in Paks. Sicherheits- und Kontrolleinrichtungen im Wert von etwa 20 Millionen Euro (ein von Siemens geführtes Konsortium baute sie ein) werden als Argument gegen die ursprünglichen Pläne (Stilllegung der vier Blöcke in den Jahren 2012 bis 2017) vorgebracht.

Im Januar 2014 einigten sich die amtierenden Präsidenten Russlands und Ungarns, Wladimir Putin und Viktor Orbán, auf den Bau von zwei WWER-Reaktorblöcken am Atomkraftwerk Paks mit einer Leistung von je 1200 MW und Baukosten von 10 bis 12 Mrd. Euro,[4] die über russische Kredite finanziert werden sollen,[5] durch die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands (RosAtom).[6] Die Reaktoren sollen frühestens 2023 ans Netz gehen.[4]

Atommüll[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2008 eröffnete man in Bataapati (rund 180 Kilometer südwestlich von Budapest) ein Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall. Ab 2010 soll es auch unterirdische Lagermöglichkeiten geben. Ein Endlager ist bei Boda in den Mecsek-Bergen, dessen Inbetriebnahme für 2047 geplant. Bislang (Stand 2010) gab es nur einige Oberflächenuntersuchungen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hungary. IAEA - Power Reactor Information System (PRIS), abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  2. ab Nuclear Power in Hungary. World Nuclear Association (WNA), abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  3. Budapest plant massiven AKW-Ausbau Artikel vom 16./17. Februar 2009
  4. ab Ungarn vergibt milliardenschweren Auftrag an Russland. Am 14. Januar 2014 auf spiegel.de
  5. Russland und Ungarn demonstrieren gute Beziehungen. Am 17. Februar 2016 auf handelsblatt.com
  6. Dániel Hegedűs: Die Einflussnahme des Kremls in Ungarn – Zu den Verstrickungen der ungarischen Eliten mit russischen Interessen. In: DGAPkompakt, Nr. 13 / April 2016. (Online. Auf dgap.org, abgerufen am 28. Oktober 2016 (PDF; ca. 613 KB. S. 4–5))
  7. www.global2000.at (österreichische Umweltorganisation)
Kernkraftwerke in Ungarn:
 In Betrieb

Derzeit (Stand Januar 2018) werden in Ungarn an einem Standort vier Reaktorblöcke mit einer installierten Bruttogesamtleistung von 2.000 MW (Netto 1.889 MW) betrieben.[1] Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1982 in Betrieb.

Der Anteil der Kernkraft an der Gesamtstromerzeugung liegt bei etwa 50 %. Im Jahr 2015 wurden in Ungarn 30 TWh Elektrizität erzeugt, davon stammten 16 TWh aus Kernkraftwerken.[2]

Liste der Kernreaktoren in Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Block
Reaktortyp Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Inbetrieb-
nahme

Abschal-
tung
(geplant)
Einge-
speiste
GWh
(Ende 2006)
Paks 1 WWER-440/213 In Betrieb 470 500 1982-12-28 28. Dezember 1982 2033-08-15 (15. August 2033) 79.553
2 WWER-440/213 In Betrieb 473 500 1984-09-06 6. September 1984 2034-11-15 (15. November 2034) 70.014
3 WWER-440/213 In Betrieb 473 500 1986-09-28 28. September 1986 2036-12-15 (15. Dezember 2036) 69.388
4 WWER-440/213 In Betrieb 473 500 1987-08-16 16. August 1987 2037-11-15 (15. November 2037) 68.695

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Versuchsreaktor wurde 1959 in Betrieb genommen; der erste kommerziell genutzte Reaktorblock folgte 1982 beim Kernkraftwerk Paks.[2]

Kernkraftwerk Paks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kernkraftwerk Paks

Im Februar 2009 verlangte überraschend der damalige Premier Ferenc Gyurcsány (er wurde im April 2009 abgewählt), die Kapazität des KKW Paks solle auf 4000 MW verdoppelt werden. Fachkreise hielten bzw. halten es für unmöglich, dass der ungarische Staat das Geld für diesen Ausbau aufbringen kann.[3]

Im April 2009 beschloss das ungarische Parlament in einer Grundsatzentscheidung, Vorbereitungen für den Bau eines neuen Reaktorblocks im Atomkraftwerk Paks aufzunehmen. Im Zuge der Wirtschaftskrise 2009/10 kam Ungarn in Schwierigkeiten und musste den IWF um Hilfe bitten.Das Hochwasser in Mitteleuropa 2013 sowie das Hochwasser im Juni 2009 und das im Mai/Juni 2010 zeigten, dass es eine Gefahr katastrophaler Donau-Hochwasser gibt.

Es läuft ein Verfahren zur Verlängerung der Laufzeit für die vier Reaktoren in Paks. Sicherheits- und Kontrolleinrichtungen im Wert von etwa 20 Millionen Euro (ein von Siemens geführtes Konsortium baute sie ein) werden als Argument gegen die ursprünglichen Pläne (Stilllegung der vier Blöcke in den Jahren 2012 bis 2017) vorgebracht.

Im Januar 2014 einigten sich die amtierenden Präsidenten Russlands und Ungarns, Wladimir Putin und Viktor Orbán, auf den Bau von zwei WWER-Reaktorblöcken am Atomkraftwerk Paks mit einer Leistung von je 1200 MW und Baukosten von 10 bis 12 Mrd. Euro,[4] die über russische Kredite finanziert werden sollen,[5] durch die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands (RosAtom).[6] Die Reaktoren sollen frühestens 2023 ans Netz gehen.[4]

Atommüll[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2008 eröffnete man in Bataapati (rund 180 Kilometer südwestlich von Budapest) ein Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall. Ab 2010 soll es auch unterirdische Lagermöglichkeiten geben. Ein Endlager ist bei Boda in den Mecsek-Bergen, dessen Inbetriebnahme für 2047 geplant. Bislang (Stand 2010) gab es nur einige Oberflächenuntersuchungen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hungary. IAEA - Power Reactor Information System (PRIS), abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  2. ab Nuclear Power in Hungary. World Nuclear Association (WNA), abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  3. Budapest plant massiven AKW-Ausbau Artikel vom 16./17. Februar 2009
  4. ab Ungarn vergibt milliardenschweren Auftrag an Russland. Am 14. Januar 2014 auf spiegel.de
  5. Russland und Ungarn demonstrieren gute Beziehungen. Am 17. Februar 2016 auf handelsblatt.com
  6. Dániel Hegedűs: Die Einflussnahme des Kremls in Ungarn – Zu den Verstrickungen der ungarischen Eliten mit russischen Interessen. In: DGAPkompakt, Nr. 13 / April 2016. (Online. Auf dgap.org, abgerufen am 28. Oktober 2016 (PDF; ca. 613 KB. S. 4–5))
  7. www.global2000.at (österreichische Umweltorganisation)
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Kernenergie in Ungarn aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.