Mistislaw

Ersterwähnung Mistislaws als Mistizlavus in der Chronik Thietmars von Merseburg von ca. 1018 (Faksimile). SLUB Dresden, Msc. R 147, Blatt 178 b

Mistislaw, auch Mstislav († nach 1018), aus dem Geschlecht der Nakoniden, war ein elbslawischer Fürst, der von 990/995 bis 1018 im heutigen Mecklenburg und dem östlichen Holstein über den Stammesverband der Abodriten herrschte.

Die Nakoniden zählten in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts zu den mächtigsten christlichen Slawenfürsten. Im Gefolge des sächsischen Herzogs Bernhard I. nahm Mistislaw im Jahr 982 am Feldzug Ottos II. gegen die Sarazenen in Süditalien teil, von dem er mit nur wenigen Überlebenden zurückkehrte. Im anschließenden Slawenaufstand von 983 verloren die Nakoniden die Oberhoheit über mehrere abodritische Teilstämme an die siegreichen Liutizen. Als Mistislaw nach dem Tod seines Vaters Mistiwoj 990/995 dessen Nachfolge antrat, versuchte er eine königsgleiche Herrschaft über die verbliebenen Teilstämme zu erlangen. Während er sich dazu der Unterstützung von Kirche und Reich versicherte, verband sich die innerabodritische Opposition mit den Liutizen. Ab dem Jahr 1003 verlor Mistislaw durch das Bündnis Heinrichs II. mit den Liutizen gegen den polnischen Fürsten Boleslaw I. zunehmend an sächsischer Unterstützung, bis er sich schließlich nicht mehr zu behaupten vermochte. Im Februar 1018 fielen die Liutizen im Abodritenreich ein, wiegelten die Bevölkerung auf und zwangen Mistislaw zur Flucht in den sächsischen Bardengau.

Die neuere Forschung beurteilt Mistislaw überwiegend als reichsnahen christlichen Slawenfürsten, dessen Versuch zur Umgestaltung des Abodritenreiches vom Personenverbandsstaat zum Territorialstaat trotz Unterstützung durch die Kirche und das sächsische Herzogtum scheiterte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mistislaw, in den Quellen als Mistizlavus[1] und Missizla[2] bezeichnet, war der Sohn des abodritischen Samtherrschers Mistiwoj.[3] Er hatte zwei Schwestern, Tove[4] und Hodica.[5] Eine Eheschließung mit der Nichte des sächsischen Herzogs Bernhard I. scheiterte 983 am Widerstand Dietrichs von Haldensleben.[6] Mit einer unbekannten Frau hatte Mistislaw einen Sohn, Pribignew,[7] der um 1020 mit dänischer und sächsischer Unterstützung die Herrschaft über den Stammesverband erlangte.[8]

Feldzug gegen die Sarazenen in Süditalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor seinem Herrschaftsantritt nahm Mistislaw 982 als Vertreter des nakonidischen Fürstenhauses am Italienfeldzug Kaiser Ottos II. teil. An der Spitze einer Abordnung abodritischer Panzerreiter überquerte er im Gefolge des sächsischen Herzogs Bernhard I. 981/982 die Alpen, um das kaiserliche Heer im südlichen Reichsteil zu verstärken. Der Kaiser bereitete dort einen Feldzug gegen die Sarazenen vor, die unter Führung ihres Emirs Abu al-Qasim von Sizilien aus auf das süditalienische Festland vorgedrungen waren. Das von Mistislaw geführte Kontingent soll aus 1000 Panzerreitern bestanden haben.[9] Dies ist eine für mittelalterliche Verhältnisse kaum glaubhafte Stärke,[10] zumal der Kaiser in seinem Einberufungsbefehl insgesamt nur 2090 Panzerreiter aus dem nördlichen Reichsteil angefordert hatte.[11] Dennoch muss die Zahl der abodritischen Krieger außergewöhnlich hoch gewesen sein, denn Bernhard I. versprach als Gegenleistung für die Teilnahme am Feldzug die Vermählung seiner Nichte mit Mistislaw und damit eine dynastische Verbindung der beiden Fürstenhäuser. Während Bernhard I. aufgrund eines Einfalls der Dänen schon frühzeitig in den Norden zurückkehren musste,[12] fanden fast alle Abodriten in Italien den Tod. Auch wenn über ihr Schicksal nichts Genaues bekannt ist, liegt eine Teilnahme an der Schlacht am Kap Colonna nahe,[13] in der das kaiserliche Heer am 15. Juli 982 vernichtend geschlagen wurde.

Mistislaw kehrte mit den wenigen Überlebenden nach Mecklenburg zurück. Als er die Erfüllung des Eheversprechens einforderte, verweigerte ihm Graf Dietrich von Haldensleben die Braut mit den Worten, man dürfe die Blutsverwandte eines Herzogs nicht einem Hunde geben.[14] Dietrichs Beweggründe für seinen Widerstand gegen eine dynastische Verbindung von Billungern und Nakoniden waren wohl machtpolitischer Natur. Als Markgraf der Nordmark konkurrierte er mit Billungern und Nakoniden um Einfluss in dem traditionell dem abodritischen Herrschaftsanspruch unterliegenden Gebiet der Zirzipanen.[15] Demgegenüber sind ethnische Vorbehalte Dietrichs gegen eine Ehe zwischen dem slawischen Fürstensohn und der sächsischen Prinzessin wohl auszuschließen, denn derartige Verbindungen waren nicht ungewöhnlich.[16] Dietrich selbst hatte 978 eine Vermählung seiner ältesten Tochter Oda mit dem polnischen Fürsten Mieszko I. gefördert,[17] und seine weitere Tochter Mathilde hatte den hevellischen Fürsten Pribislaw geehelicht.[18] Mistislaws Vater Mistiwoj war mit der Schwester des Oldenburger Bischofs Wago verheiratet,[19] und eine Verwandte des sächsischen Herzogs Bernhard I., Weldrud, war dem wagrischen Fürsten Sederich zur Frau gegeben worden.[20]

Samtherrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Samtherrscher des abodritischen Stammesverbandes gebot Mistislaw über den namengebenden Teilstamm der Abodriten beiderseits des Schweriner Sees und die Fürsten der Teilstämme. Diese schuldeten ihm Heeresfolge und Tribut.

Herrschaftsantritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zeitpunkt von Mistislaws Herrschaftsantritt ist nicht überliefert. Die Forschung erörtert vorrangig die Jahre 990 und 995. Christian Lübke meint, ab dem Jahr 990 eine radikale Änderung der abodritischen Politik zu erkennen, die auf einen Führungswechsel hindeute.[21] Demgegenüber verweisen Peter Donat[22] und Jürgen Petersohn[23] auf einen Freundschaftsbesuch König Ottos III. auf der Mecklenburg im September 995, der anlässlich einer Inthronisierung Mistislaws erfolgt sein könnte.[24]

Herrschaftsausübung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elbslawischen Stämme um das Jahr 1000

Wie zuvor seinem Vater Mistiwoj diente auch Mistislaw die Mecklenburg als zentraler Herrschaftssitz und Repräsentationsort. Darauf deutet der Amtssitz der Oldenburger Bischöfe Reinbert (991/992–1013/1014) und Bernhard (1013/1014–1023) hin, die während Mistislaws Regentschaft auf der Mecklenburg residierten.[25] Auf oder bei der Mecklenburg befand sich auch ein Nonnenkloster.[26] Nach sächsischem Vorbild könnte diesem Damenstift die Aufgabe zugefallen sein, die Töchter der Vornehmen des Abodritenlandes aufzunehmen, um die einheimischen Adelsfamilien an den Ort von Mistislaws Herrschaftsausübung zu binden.[27] Dem steht die Nachricht bei Thietmar von Merseburg gegenüber, Mistislaw sei im Jahre 1018 in der Burg Schwerin eingeschlossen und belagert worden.[28] Nils Rühberg sieht darin keinen Widerspruch, sondern, Mistislaw sei von der Mecklenburg auf die Burg Schwerin geflohen.[29]

Ebenfalls nicht abschließend geklärt ist die Frage, über welche der abodritischen Teilstämme Mistislaw die Samtherrschaft ausübte. Vermutet wird eine Herrschaft über die später mit eigenen Teilstammesfürsten in Erscheinung getretenen Polaben westlich und die Kessiner östlich des Schweriner Sees sowie die Linonen im Süden. Nicht vollständig zu klären ist der Grad des Einflusses auf den neben den Abodriten bedeutendsten Teilstamm, die Wagrier in Ostholstein. Die Forschung geht heute mehrheitlich davon aus, dass dort die kirchlichen Strukturen 990 dauerhaft beseitigt worden waren und Mistislaw über den wagrischen Fürsten Sederich allenfalls noch eine lockere Oberherrschaft innehatte,[30] obwohl ihn Thietmar von Merseburg zum Jahr 1018 ausdrücklich als Herrscher der Abodriten und Wagrier bezeichnete.[31] Als gesichert gilt hingegen, dass der Teilstamm der Zirzipanen entlang der Unteren Peene nicht der Herrschaft Mistislaws unterstand. Die Zirzipanen hatten sich bereits während oder kurz nach dem Slawenaufstand von 983 den siegreichen Liutizen angeschlossen.[32]

Mistislaw strebte innerhalb seines Herrschaftsgebiets eine königsgleiche Alleinherrschaft an.[33] Der abodritische Samtherrscher war traditionell nicht der alleinige Träger des politischen Willens. Der niedere Adel verfügte über angestammte Rechte, die von der eigenständigen Verwaltung seiner Burgbezirke bis zur Ein- und Absetzung des Samtherrschers reichten. Der Versuch Mistislaws, den niederen Adel zu entmachten, brachte diesen in Opposition zum Samtherrscher. Verbündete fanden die oppositionellen Adligen in der paganen Priesterschaft, deren Einfluss Mistislaw durch den Ausbau der christlichen Kirchenorganisation und die damit einhergehende Missionierung der Bevölkerung zu beseitigen suchte. Berichte des Bosauer Pfarrers Helmold in seiner Chronica Slavorum aus der Zeit um 1167, Mistislaw habe sich gegen die christliche Kirche gewandt und etwa das Nonnenkloster auf der Mecklenburg aufgelöst,[34] werden deshalb von der Forschung zunehmend in Frage gestellt,[35] zumal sie im Widerspruch zu älteren Nachrichten stehen, denen zufolge die Missionsbemühungen Bischof Bernhards unter den Slawen sehr erfolgreich verliefen[36] und Mistislaw bis an sein Lebensende Christ blieb.[37]

Bündnispolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohl zur Unterstützung bei der Durchsetzung seiner innenpolitischen Ziele erneuerte Mistislaw das Bündnis mit dem sächsischen Herzog Bernhard I.,[38] dem die Nakoniden jedenfalls unter Mistislaws Vater Mistiwoj noch als Vasallen zu Heeresfolge und Tributzahlungen verpflichtet gewesen waren. Im Freundschaftsbesuch König Ottos III. auf der Mecklenburg im Herbst 995 drückten sich darüber hinaus gute Beziehungen zum königlichen Hof aus, die ihre Ursache in der gemeinsamen Feindschaft mit den Lutizen hatten. Dementsprechend sind für die Dauer von Ottos III. Kaisertum (996–1002) keine Angriffe der Abodriten auf sächsisches Gebiet überliefert.

Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tod Kaiser Ottos III. setzte den Auftakt für Mistislaws politischen Niedergang. Zunächst verloren seine Verbündeten, die sächsischen Billunger, mit dem Herrschaftsantritt Heinrichs II. ihre königsnahe Stellung im Reich. Grund dafür war insbesondere der im Sommer 1002 in Merseburg ausgebrochene Konflikt zwischen Heinrich II. und dem polnischen Herrscher Bolesław I., dem sowohl Nakoniden als auch Billunger nahe standen. Sodann schloss Heinrich II. Ostern 1003 in Quedlinburg ein Bündnis mit den paganen Liutizen,[39] Mistislaws Feinden. Die geänderten politischen Verhältnisse führten zu einer Lähmung der sächsischen Unterstützung Mistislaws gegen die Liutizen und die innerabodritische Opposition. Die pagane Priesterschaft und der Niederadel hatten in den Liutizen einen natürlichen Bündnispartner gefunden, dessen Verfassung ohne monarchische Führungsspitze, die „Freiheit nach Art der Lutizen“,[40] für die Adligen attraktiv war. Im Februar 1018 wurde Mistislaws Stellung im Abodritenreich schließlich unhaltbar. Mit dem Vorwurf, Mistislaw habe ihnen im Herbst 1017 die Heeresfolge im Feldzug gegen Boleslaw verweigert, drangen die Liutizen mit einem Heer in das Abodritenreich ein, wiegelten die Bevölkerung auf und belagerten Mistislaw in der Burg Schwerin. Von dort aus gelang ihm und der fürstlichen Familie schließlich die Flucht in den Bardengau, also wahrscheinlich nach Lüneburg in die Residenz des sächsischen Herzogs Bernhards II. Unterdessen machten die Aufständischen die christlichen Einrichtungen im Abodritenreich dem Erdboden gleich. Als Bischof Bernhard die Ereignisse in seiner Diözese vor Kaiser Heinrich II. beklagte, „seufzte der schwer, verschob aber eine Entscheidung bis Ostern, um nach wohlüberlegtem Plan das unselige Gewebe der Verschwörung zu lösen“.[41] Ein Eingreifen des Kaisers zugunsten der Kirche blieb jedoch ebenso aus wie eine Wiedereinsetzung Mistislaws.[42] Bald nach 1018 verstarb Mistislaw im sächsischen Exil. Seiner gedenkende Memorialeinträge sind nicht überliefert.

Quellenlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Quellenlage ist ungünstig. Abodritische Schriftquellen sind nicht überliefert.[43] Bezeugt sind Mistislaws Existenz und Herrschaft ausschließlich durch sächsische Berichte, erstmals zum Jahr 1018 in der zwischen 1012 und 1018 verfassten Chronik Thietmars von Merseburg.[44]Adam von Bremen hat ausweislich seiner um 1070 entstandenen Hamburger Kirchengeschichte von einem slawischen Fürsten namens Mistislaw erfahren, unter dem im Gebiet der Abodriten Frieden geherrscht habe. Chronologisch ordnet Adam Mistislaw jedoch vor dessen Vater Mistiwoj ein und verwechselt die beiden, wenn er Mistiwoj 1018 vor einem Aufstand fliehen lässt. In Helmold von Bosaus Slawenchronik wird Mistislaw als Sohn eines ansonsten gänzlich unbekannten Billug schließlich zum „wütenden Christenhasser“,[45] der gegen die christliche Stiefmutter intrigiert, bis der Vater sie verstößt, christliche Einrichtungen überfällt und ausplündert und schließlich aus christenfeindlicher Gesinnung das Damenstift auf der Mecklenburg auflöst, um die Nonnen an seine Krieger und seine Schwester Hodica mit einem Boleslaw zu verheiraten.[46]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältere Forschung befasste sich mit Mistislaw vorwiegend unter genealogischen[47] und kirchenhistorischen[48] Aspekten. Die Verwechslung Mistislaws mit seinem Vater Mistiwoj bei Adam von Bremen und Helmold von Bosau führte zu Unklarheiten, welche die Versuche der Historiker, ein Stemma der Nakoniden aufzustellen, behinderten. Seit der Untersuchung Bernhard Schmeidlers aus dem Jahr 1918 ist die Abstammung Mistislaws von Mistiwoj allgemein anerkannt.[49] Da Helmold Mistislaw im Gegensatz zu Adam als wütenden Christenhasser schildert, galt das kirchengeschichtliche Interesse der Frage, ob Mistislaw tatsächlich bis zum Jahr 1018 am christlichen Glauben festgehalten hat. Die Frage wurde schließlich von Albert Hauck geklärt.[50]

In der neuere Forschung zur Geschichte der Elbslawen liegen die Schwerpunkte demgegenüber auf der gescheiterten Nationenbildung der Abodriten und ihren Beziehungen zu den benachbarten Sachsen.

Wolfgang H. Fritze hat 1960 in seiner grundlegenden Arbeit über die Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung[51] Mistislaws Herrschaft in die Epoche des Teilstämmestaates eingeordnet und damit als Herrschaft über einen Personenverband aufgefasst. Dieser Einschätzung Fritzes hat zuletzt der Archäologe Fred Ruchhöft widersprochen, der insbesondere unter Mistislaw den Ansatz einer Nationenbildung erkennt, bei der sich Mistislaws Samtherrschaft von der „Akkumulation einer Fürstenherrschaft über mehrere Teilstammesfürsten“ zu einer „territorialen Gefolgsherrschaft“ gewandelt habe.[52] Bereits zuvor hatten verschiedene Historiker die Vermutung geäußert, Mistislaw habe durch die Beseitigung der Erbrechte des Niederadels eine königsgleiche Samtherrschaft auf der Basis einer territorialen Gefolgsherrschaft angestrebt.[53]

Auch Mistislaws Verhältnis zu den sächsischen Herzögen und zu Otto III. wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt. Mistislaws Flucht in den Bardengau hat die Historiker seit jeher von einem Bündnis mit den sächsischen Herzögen ausgehen lassen.[54] Zur Sicherung seiner Herrschaft habe er einer dauerhaften Einbindung des abodritischen Siedlungsgebietes als Mark der Billunger in ein ottonisches Markensystem zustimmen müssen.[55] Dabei ist Mistislaws Stellung bisweilen auf diejenige eines Statthalters und „Steuereintreibers“ der Billunger reduziert worden. Diese Deutung hat inzwischen mehrfach Kritik erfahren,[56] weil sie mit der ansonsten starken und eigenständigen Stellung des abodritischen Samtherrschers nicht in Einklang zu bringen sei.[57] Schließlich stellt auch die Neubewertung des Mecklenburgzuges Ottos III. 995 als Freundschaftsbesuch des königlichen Schutzherrn eine Abkehr von den bisherigen Forschungsergebnissen dar.[58] Demgegenüber stuft Christian Lübke Mistislaw als Feind der Sachsen und des Reiches ein. Unter seiner Führung hätten die Abodriten im Jahr 990 das sächsische Nordalbingien verwüstet, Hamburg eingeäschert und das Bistum Oldenburg vernichtet. In der Folge sei es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Abodriten und Sachsen gekommen, bis der König schließlich im September 995 die Mecklenburg erobert und Mistislaw unterworfen habe.[59]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung. Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 6: Scriptores rerum Germanicarum. Nova Series 9). Herausgegeben von Robert Holtzmann. Weidmann, Berlin 1935, Digitalisat.
  • Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. In: Werner Trillmich, Rudolf Buchner (Hrsg.): Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. = Fontes saeculorum noni et undecimi historiam ecclesiae Hammaburgensis necnon imperii illustrantes (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 11). 7., gegenüber der 6. um einen Nachtrag von Volker Scior erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-00602-X, S. 137–499.
  • Helmold von Bosau: Slawenchronik = Helmoldi Presbyteri Bozoviensis Chronica Slavorum (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 19, ISSN 0067-0650). Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2., verbesserte Auflage, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-00175-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, insbesondere S. 31, Digitalisat (PDF; 1,64 MB).
  • Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, insbesondere S. 106–113, Digitalisat (PDF; 2,98 MB).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thietmar VIII, 5.
  2. Adam II, 26; Zur Identität der von Adam als Missizla bezeichneten Person mit dem bei Thietmar erwähnten Mistizlavus grundlegend bereits Bernhard Schmeidler: Hamburg-Bremen und Nordost-Europa vom 9. bis 11. Jahrhundert. Kritische Untersuchungen zur Hamburgischen Kirchengeschichte des Adam von Bremen, zu Hamburger Urkunden und zur nordischen und wendischen Geschichte. Dietrich, Leipzig 1918, S. 324 f.
  3. Eingehend zur Abstammung Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219, hier S. 161. Aus der neueren Literatur ohne vertiefende Begründung Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 112; Christian Lübke: Zwischen Polen und dem Reich. Elbslawen und Gentilreligion. In: Michael Borgolte (Hrsg.): Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“ (= Europa im Mittelalter. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0, S. 91–110, hier S. 97; Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31; Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, ISSN 0930-8229, S. 5–20, hier S. 19; Nils Rühberg: Obodritische Samtherrscher und sächsische Reichsgewalt von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Erhebung des Fürstentums Mecklenburg 1167. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 21–50, hier S. 25. Zurückhaltend Helge Bei der Wieden: Die Anfänge des Hauses Mecklenburg – Wunsch und Wirklichkeit. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Bd. 53, 2007, S. 1–20, hier S. S. 7, demzufolge eine Abstammung aufgrund der unklaren Quellenlage nur vermutet werden könne.
  4. Zu ihr Marie Stoklund: Sønder Vissing. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 29: Skírnismál – Stiklestad. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-11-018360-9, S. 203–205.
  5. Helmold I, 15.
  6. Adam II, 42 und Scholion 27; Helmold I, 15; zu beiden ausführlich Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 248–259.
  7. Adam II, 66.
  8. Christian Lübke: Mstislav (Mistizlavus), Fürst der Abodriten (ca. 990/995-1018). In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, Artemis, München 1993, Sp. 882–883.
  9. Adam, II,43, Scholion 21.
  10. Zu dieser Einschätzung gelangt Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 26.
  11. Karl Uhlirz: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto II. und Otto III. Bd. 1: Otto II. 973–983 (= Jahrbücher der deutschen Geschichte. Bd. 10, 1, ZDB-ID 532248-0). Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 252.
  12. Thietmar III, 24.
  13. Das vermutet Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 5–20, hier S. 18.
  14. Adam II, 42; Helmold I, 15
  15. Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 248–259, insbesondere S. 248.
  16. Eingehend Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 248–259.
  17. Thietmar IV, 57.
  18. Thietmar IV, 64.
  19. Helmold I, 14.
  20. Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 256 mit Hinweis auf einen bei Anton Christian Wedekind: Noten zu einigen Geschichtschreibern des deutschen Mittelalters. Bd. 3: Note LXXI – XCIV und Beilagen aus theils ungedruckten Handschriften, Nr. V – LIV. Perthes und Besser, Hamburg 1836, S. 4 wiedergegebenen Eintrag im Nekrolog des Lüneburger Michaelisklosters; vgl. dazu auch Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen (= Münstersche Mittelalter-Schriften. Band 47). Fink, München 1984, ISBN 3-7705-2267-2, S. 387, der Wedekinds Anmerkung übernimmt.
  21. Christian Lübke: Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und Oder. (Vom Jahr 900 an). Teil 3: Regesten 983–1013 (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 134). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05844-5, Regest 256 b; Christian Lübke: Zwischen Polen und dem Reich. Elbslawen und Gentilreligion. In: Michael Borgolte (Hrsg.): Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“ (= Europa im Mittelalter. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0, S. 91–110, hier S. 97.
  22. Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 5–20, hier S. 19; Peter Donat: Die Slawen in Mecklenburg-Vorpommern und ihre Beziehungen zu den Nachbarn. In: Johannes Erichsen (Hrsg.): 1000 Jahre Mecklenburg. Geschichte und Kunst einer europäischen Region. Hinstorff, Rostock 1995, ISBN 3-356-00622-3, S. 18–26, hier S. 18.
  23. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 112.
  24. Nils Rühberg: Obodritische Samtherrscher und sächsische Reichsgewalt von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Erhebung des Fürstentums Mecklenburg 1167. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 21–50, hier S. 25 Anmerkung 24.
  25. Zur Mecklenburg als Amtssitz der Oldenburger Bischöfe zuletzt Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139 S. 110.
  26. Helmold I, 14.
  27. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 111.
  28. Thietmar VIII, 5; ähnlich Adam II, 43
  29. Nils Rühberg: Obodritische Samtherrscher und sächsische Reichsgewalt von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Erhebung des Fürstentums Mecklenburg 1167. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 21–50, hier S. 25
  30. Hermann Kamp: Gewalt und Mission. Die Elb- und Ostseeslawen im Fadenkreuz des Reiches und der Sachsen vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. In: Christoph Stiegermann, Martin Kroker, Wolfgang Walter (Hrsg.): Credo. Christianisierung Europas im Mittelalter. Bd. 1: Essays. Imhof, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-827-9, S. 395–404, hier S. 398; Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 267; Einführung in den Streitstand bei Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 124–128, insbesondere S. 127.
  31. Thietmar VIII, 5; ihm offenbar folgend Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31.
  32. Gerard Labuda: Zur Gliederung der slawischen Stämme in der Mark Brandenburg (10.–12. Jahrhundert). In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Bd. 42, 1994, S. 103–140, hier S. 134; Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 270 und 272.
  33. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31.
  34. Helmold I, 14.
  35. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 109 Anmerkung 57.
  36. Adam II, 49.
  37. Adam II, 43.
  38. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31
  39. Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 3., durchgesehene Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 2013, ISBN 978-3-17-022443-8, S. 209.
  40. Thietmar VIII, 5.
  41. Thietmar VIII, 6.
  42. Manfred Hamann: Mecklenburgische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Landständischen Union von 1523 (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 51, ISSN 0544-5957). Auf der Grundlage von Hans Witte neu bearbeitet. Böhlau, Köln u. a. 1968, S. 61 beurteilt die Untätigkeit des Kaisers als „königliche (sic) Rückendeckung“ für die Lutizen. Bereits Ludwig Giesebrecht: Wendische Geschichten aus den Jahren 780 bis 1182. Bd. 2, Gaertner, Berlin 1843, S. 51, hatte vermutet, die Lutizen hätten auf Befehl des Kaisers gehandelt, um damit die Position Herzog Bernhards I. von Sachsen zu schwächen. Gegen ihn Wolfgang Brüske: Untersuchungen zur Geschichte des Lutizenbundes. Deutsch-wendische Beziehungen des 10.–12. Jahrhunderts (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 3). 2., um ein Nachwort vermehrte Auflage. Böhlau, Köln u. a. 1983, ISBN 3-412-07583-3, S. 71.
  43. Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219, hier S. 141 weist darauf hin, dass keine Urkunde des Bistums Oldenburg überliefert ist.
  44. Thietmar VIII, 5.
  45. So die Interpretation des helmoldischen Mistislawbildes durch Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219, hier S. 161.
  46. Helmold I, 14-16.
  47. Franz Boll: Ueber den Obotritenfürsten Mistuwoi. In: Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 18, 1853, ISSN 0259-7772, S. 160–175, online; Robert Beltz: Mistewoi (Mistizlav). In: Quartalbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 61, 3, 1896, ZDB-ID 542818-x, S. 30–36, online.
  48. Julius Wiggers: Kirchengeschichte Mecklenburgs. Hinstorff, Parchim u. a. 1840, S. 20 f.
  49. Bernhard Schmeidler: Hamburg-Bremen und Nordost-Europa vom 9. bis 11. Jahrhundert. Kritische Untersuchungen zur Hamburgischen Kirchengeschichte des Adam von Bremen, zu Hamburger Urkunden und zur nordischen und wendischen Geschichte. Dietrich, Leipzig 1918, S. 326, 330.
  50. Albert Hauck: Kirchengeschichte Deutschlands. Bd. 3: Die Zeit der sächsischen und fränkischen Kaiser. 3. und 4. Auflage. Hinrichs, Leipzig 1906, S. 647 f., (5. Auflage, unveränderter Abdruck der 3. und 4. Auflage. ebenda 1920).
  51. Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219.
  52. Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 114–124, insbesondere S. 115, 123.
  53. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31; Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 5–20, hier S. 20.
  54. Zu einem Bündnis Mistislaws mit den Billungern schon Richard Wagner: Die Wendenzeit (= Mecklenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen. Heft 2, ZDB-ID 982989-1). Süsserott, Berlin 1899, S. 98.
  55. Nach Auffassung von Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 115 konnte Mistislaws Samtherrschaft nur „unter der Lehnshoheit des sächsischen Herzogs“ Bestand haben.
  56. Gerd Althoff: Saxony and the Elbe Slavs in the Tenth Century. In: The New Cambridge Medieval History. Bd. 3: Timothy Reuter (Hrsg.): c. 900 – c.1024 Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1999, ISBN 0-521-36447-7, S. 267–292, hier S. 285 stellt die Existenz eines ottonischen Markensystems generell in Frage; Elżbieta Foster, Cornelia Willich: Ortsnamen und Siedlungsentwicklung. Das nördliche Mecklenburg im Früh- und Hochmittelalter (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa. Bd. 31). Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08938-8, S. 21 meinen, von einer „festen Herrschaft“ der Billunger über das slawische Siedlungsgebiet könne „keine Rede“ sein.
  57. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 26.
  58. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 106–113; ihm folgend Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 127.
  59. Christian Lübke: Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und Oder. (Vom Jahr 900 an). Teil 3: Regesten 983–1013 (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 134). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05844-5, Regest 256 b; Christian Lübke: Zwischen Polen und dem Reich. Elbslawen und Gentilreligion. In: Michael Borgolte (Hrsg.): Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“ (= Europa im Mittelalter. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0, S. 91–110, hier S. 97.
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Ersterwähnung Mistislaws als Mistizlavus in der Chronik Thietmars von Merseburg von ca. 1018 (Faksimile). SLUB Dresden, Msc. R 147, Blatt 178 b

Mistislaw, auch Mstislav († nach 1018), aus dem Geschlecht der Nakoniden, war ein elbslawischer Fürst, der von 990/995 bis 1018 im heutigen Mecklenburg und dem östlichen Holstein über den Stammesverband der Abodriten herrschte.

Die Nakoniden zählten in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts zu den mächtigsten christlichen Slawenfürsten. Im Gefolge des sächsischen Herzogs Bernhard I. nahm Mistislaw im Jahr 982 am Feldzug Ottos II. gegen die Sarazenen in Süditalien teil, von dem er mit nur wenigen Überlebenden zurückkehrte. Im anschließenden Slawenaufstand von 983 verloren die Nakoniden die Oberhoheit über mehrere abodritische Teilstämme an die siegreichen Liutizen. Als Mistislaw nach dem Tod seines Vaters Mistiwoj 990/995 dessen Nachfolge antrat, versuchte er eine königsgleiche Herrschaft über die verbliebenen Teilstämme zu erlangen. Während er sich dazu der Unterstützung von Kirche und Reich versicherte, verband sich die innerabodritische Opposition mit den Liutizen. Ab dem Jahr 1003 verlor Mistislaw durch das Bündnis Heinrichs II. mit den Liutizen gegen den polnischen Fürsten Boleslaw I. zunehmend an sächsischer Unterstützung, bis er sich schließlich nicht mehr zu behaupten vermochte. Im Februar 1018 fielen die Liutizen im Abodritenreich ein, wiegelten die Bevölkerung auf und zwangen Mistislaw zur Flucht in den sächsischen Bardengau.

Die neuere Forschung beurteilt Mistislaw überwiegend als reichsnahen christlichen Slawenfürsten, dessen Versuch zur Umgestaltung des Abodritenreiches vom Personenverbandsstaat zum Territorialstaat trotz Unterstützung durch die Kirche und das sächsische Herzogtum scheiterte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mistislaw, in den Quellen als Mistizlavus[1] und Missizla[2] bezeichnet, war der Sohn des abodritischen Samtherrschers Mistiwoj.[3] Er hatte zwei Schwestern, Tove[4] und Hodica.[5] Eine Eheschließung mit der Nichte des sächsischen Herzogs Bernhard I. scheiterte 983 am Widerstand Dietrichs von Haldensleben.[6] Mit einer unbekannten Frau hatte Mistislaw einen Sohn, Pribignew,[7] der um 1020 mit dänischer und sächsischer Unterstützung die Herrschaft über den Stammesverband erlangte.[8]

Feldzug gegen die Sarazenen in Süditalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor seinem Herrschaftsantritt nahm Mistislaw 982 als Vertreter des nakonidischen Fürstenhauses am Italienfeldzug Kaiser Ottos II. teil. An der Spitze einer Abordnung abodritischer Panzerreiter überquerte er im Gefolge des sächsischen Herzogs Bernhard I. 981/982 die Alpen, um das kaiserliche Heer im südlichen Reichsteil zu verstärken. Der Kaiser bereitete dort einen Feldzug gegen die Sarazenen vor, die unter Führung ihres Emirs Abu al-Qasim von Sizilien aus auf das süditalienische Festland vorgedrungen waren. Das von Mistislaw geführte Kontingent soll aus 1000 Panzerreitern bestanden haben.[9] Dies ist eine für mittelalterliche Verhältnisse kaum glaubhafte Stärke,[10] zumal der Kaiser in seinem Einberufungsbefehl insgesamt nur 2090 Panzerreiter aus dem nördlichen Reichsteil angefordert hatte.[11] Dennoch muss die Zahl der abodritischen Krieger außergewöhnlich hoch gewesen sein, denn Bernhard I. versprach als Gegenleistung für die Teilnahme am Feldzug die Vermählung seiner Nichte mit Mistislaw und damit eine dynastische Verbindung der beiden Fürstenhäuser. Während Bernhard I. aufgrund eines Einfalls der Dänen schon frühzeitig in den Norden zurückkehren musste,[12] fanden fast alle Abodriten in Italien den Tod. Auch wenn über ihr Schicksal nichts Genaues bekannt ist, liegt eine Teilnahme an der Schlacht am Kap Colonna nahe,[13] in der das kaiserliche Heer am 15. Juli 982 vernichtend geschlagen wurde.

Mistislaw kehrte mit den wenigen Überlebenden nach Mecklenburg zurück. Als er die Erfüllung des Eheversprechens einforderte, verweigerte ihm Graf Dietrich von Haldensleben die Braut mit den Worten, man dürfe die Blutsverwandte eines Herzogs nicht einem Hunde geben.[14] Dietrichs Beweggründe für seinen Widerstand gegen eine dynastische Verbindung von Billungern und Nakoniden waren wohl machtpolitischer Natur. Als Markgraf der Nordmark konkurrierte er mit Billungern und Nakoniden um Einfluss in dem traditionell dem abodritischen Herrschaftsanspruch unterliegenden Gebiet der Zirzipanen.[15] Demgegenüber sind ethnische Vorbehalte Dietrichs gegen eine Ehe zwischen dem slawischen Fürstensohn und der sächsischen Prinzessin wohl auszuschließen, denn derartige Verbindungen waren nicht ungewöhnlich.[16] Dietrich selbst hatte 978 eine Vermählung seiner ältesten Tochter Oda mit dem polnischen Fürsten Mieszko I. gefördert,[17] und seine weitere Tochter Mathilde hatte den hevellischen Fürsten Pribislaw geehelicht.[18] Mistislaws Vater Mistiwoj war mit der Schwester des Oldenburger Bischofs Wago verheiratet,[19] und eine Verwandte des sächsischen Herzogs Bernhard I., Weldrud, war dem wagrischen Fürsten Sederich zur Frau gegeben worden.[20]

Samtherrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Samtherrscher des abodritischen Stammesverbandes gebot Mistislaw über den namengebenden Teilstamm der Abodriten beiderseits des Schweriner Sees und die Fürsten der Teilstämme. Diese schuldeten ihm Heeresfolge und Tribut.

Herrschaftsantritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zeitpunkt von Mistislaws Herrschaftsantritt ist nicht überliefert. Die Forschung erörtert vorrangig die Jahre 990 und 995. Christian Lübke meint, ab dem Jahr 990 eine radikale Änderung der abodritischen Politik zu erkennen, die auf einen Führungswechsel hindeute.[21] Demgegenüber verweisen Peter Donat[22] und Jürgen Petersohn[23] auf einen Freundschaftsbesuch König Ottos III. auf der Mecklenburg im September 995, der anlässlich einer Inthronisierung Mistislaws erfolgt sein könnte.[24]

Herrschaftsausübung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elbslawischen Stämme um das Jahr 1000

Wie zuvor seinem Vater Mistiwoj diente auch Mistislaw die Mecklenburg als zentraler Herrschaftssitz und Repräsentationsort. Darauf deutet der Amtssitz der Oldenburger Bischöfe Reinbert (991/992–1013/1014) und Bernhard (1013/1014–1023) hin, die während Mistislaws Regentschaft auf der Mecklenburg residierten.[25] Auf oder bei der Mecklenburg befand sich auch ein Nonnenkloster.[26] Nach sächsischem Vorbild könnte diesem Damenstift die Aufgabe zugefallen sein, die Töchter der Vornehmen des Abodritenlandes aufzunehmen, um die einheimischen Adelsfamilien an den Ort von Mistislaws Herrschaftsausübung zu binden.[27] Dem steht die Nachricht bei Thietmar von Merseburg gegenüber, Mistislaw sei im Jahre 1018 in der Burg Schwerin eingeschlossen und belagert worden.[28] Nils Rühberg sieht darin keinen Widerspruch, sondern, Mistislaw sei von der Mecklenburg auf die Burg Schwerin geflohen.[29]

Ebenfalls nicht abschließend geklärt ist die Frage, über welche der abodritischen Teilstämme Mistislaw die Samtherrschaft ausübte. Vermutet wird eine Herrschaft über die später mit eigenen Teilstammesfürsten in Erscheinung getretenen Polaben westlich und die Kessiner östlich des Schweriner Sees sowie die Linonen im Süden. Nicht vollständig zu klären ist der Grad des Einflusses auf den neben den Abodriten bedeutendsten Teilstamm, die Wagrier in Ostholstein. Die Forschung geht heute mehrheitlich davon aus, dass dort die kirchlichen Strukturen 990 dauerhaft beseitigt worden waren und Mistislaw über den wagrischen Fürsten Sederich allenfalls noch eine lockere Oberherrschaft innehatte,[30] obwohl ihn Thietmar von Merseburg zum Jahr 1018 ausdrücklich als Herrscher der Abodriten und Wagrier bezeichnete.[31] Als gesichert gilt hingegen, dass der Teilstamm der Zirzipanen entlang der Unteren Peene nicht der Herrschaft Mistislaws unterstand. Die Zirzipanen hatten sich bereits während oder kurz nach dem Slawenaufstand von 983 den siegreichen Liutizen angeschlossen.[32]

Mistislaw strebte innerhalb seines Herrschaftsgebiets eine königsgleiche Alleinherrschaft an.[33] Der abodritische Samtherrscher war traditionell nicht der alleinige Träger des politischen Willens. Der niedere Adel verfügte über angestammte Rechte, die von der eigenständigen Verwaltung seiner Burgbezirke bis zur Ein- und Absetzung des Samtherrschers reichten. Der Versuch Mistislaws, den niederen Adel zu entmachten, brachte diesen in Opposition zum Samtherrscher. Verbündete fanden die oppositionellen Adligen in der paganen Priesterschaft, deren Einfluss Mistislaw durch den Ausbau der christlichen Kirchenorganisation und die damit einhergehende Missionierung der Bevölkerung zu beseitigen suchte. Berichte des Bosauer Pfarrers Helmold in seiner Chronica Slavorum aus der Zeit um 1167, Mistislaw habe sich gegen die christliche Kirche gewandt und etwa das Nonnenkloster auf der Mecklenburg aufgelöst,[34] werden deshalb von der Forschung zunehmend in Frage gestellt,[35] zumal sie im Widerspruch zu älteren Nachrichten stehen, denen zufolge die Missionsbemühungen Bischof Bernhards unter den Slawen sehr erfolgreich verliefen[36] und Mistislaw bis an sein Lebensende Christ blieb.[37]

Bündnispolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohl zur Unterstützung bei der Durchsetzung seiner innenpolitischen Ziele erneuerte Mistislaw das Bündnis mit dem sächsischen Herzog Bernhard I.,[38] dem die Nakoniden jedenfalls unter Mistislaws Vater Mistiwoj noch als Vasallen zu Heeresfolge und Tributzahlungen verpflichtet gewesen waren. Im Freundschaftsbesuch König Ottos III. auf der Mecklenburg im Herbst 995 drückten sich darüber hinaus gute Beziehungen zum königlichen Hof aus, die ihre Ursache in der gemeinsamen Feindschaft mit den Lutizen hatten. Dementsprechend sind für die Dauer von Ottos III. Kaisertum (996–1002) keine Angriffe der Abodriten auf sächsisches Gebiet überliefert.

Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tod Kaiser Ottos III. setzte den Auftakt für Mistislaws politischen Niedergang. Zunächst verloren seine Verbündeten, die sächsischen Billunger, mit dem Herrschaftsantritt Heinrichs II. ihre königsnahe Stellung im Reich. Grund dafür war insbesondere der im Sommer 1002 in Merseburg ausgebrochene Konflikt zwischen Heinrich II. und dem polnischen Herrscher Bolesław I., dem sowohl Nakoniden als auch Billunger nahe standen. Sodann schloss Heinrich II. Ostern 1003 in Quedlinburg ein Bündnis mit den paganen Liutizen,[39] Mistislaws Feinden. Die geänderten politischen Verhältnisse führten zu einer Lähmung der sächsischen Unterstützung Mistislaws gegen die Liutizen und die innerabodritische Opposition. Die pagane Priesterschaft und der Niederadel hatten in den Liutizen einen natürlichen Bündnispartner gefunden, dessen Verfassung ohne monarchische Führungsspitze, die „Freiheit nach Art der Lutizen“,[40] für die Adligen attraktiv war. Im Februar 1018 wurde Mistislaws Stellung im Abodritenreich schließlich unhaltbar. Mit dem Vorwurf, Mistislaw habe ihnen im Herbst 1017 die Heeresfolge im Feldzug gegen Boleslaw verweigert, drangen die Liutizen mit einem Heer in das Abodritenreich ein, wiegelten die Bevölkerung auf und belagerten Mistislaw in der Burg Schwerin. Von dort aus gelang ihm und der fürstlichen Familie schließlich die Flucht in den Bardengau, also wahrscheinlich nach Lüneburg in die Residenz des sächsischen Herzogs Bernhards II. Unterdessen machten die Aufständischen die christlichen Einrichtungen im Abodritenreich dem Erdboden gleich. Als Bischof Bernhard die Ereignisse in seiner Diözese vor Kaiser Heinrich II. beklagte, „seufzte der schwer, verschob aber eine Entscheidung bis Ostern, um nach wohlüberlegtem Plan das unselige Gewebe der Verschwörung zu lösen“.[41] Ein Eingreifen des Kaisers zugunsten der Kirche blieb jedoch ebenso aus wie eine Wiedereinsetzung Mistislaws.[42] Bald nach 1018 verstarb Mistislaw im sächsischen Exil. Seiner gedenkende Memorialeinträge sind nicht überliefert.

Quellenlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Quellenlage ist ungünstig. Abodritische Schriftquellen sind nicht überliefert.[43] Bezeugt sind Mistislaws Existenz und Herrschaft ausschließlich durch sächsische Berichte, erstmals zum Jahr 1018 in der zwischen 1012 und 1018 verfassten Chronik Thietmars von Merseburg.[44]Adam von Bremen hat ausweislich seiner um 1070 entstandenen Hamburger Kirchengeschichte von einem slawischen Fürsten namens Mistislaw erfahren, unter dem im Gebiet der Abodriten Frieden geherrscht habe. Chronologisch ordnet Adam Mistislaw jedoch vor dessen Vater Mistiwoj ein und verwechselt die beiden, wenn er Mistiwoj 1018 vor einem Aufstand fliehen lässt. In Helmold von Bosaus Slawenchronik wird Mistislaw als Sohn eines ansonsten gänzlich unbekannten Billug schließlich zum „wütenden Christenhasser“,[45] der gegen die christliche Stiefmutter intrigiert, bis der Vater sie verstößt, christliche Einrichtungen überfällt und ausplündert und schließlich aus christenfeindlicher Gesinnung das Damenstift auf der Mecklenburg auflöst, um die Nonnen an seine Krieger und seine Schwester Hodica mit einem Boleslaw zu verheiraten.[46]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältere Forschung befasste sich mit Mistislaw vorwiegend unter genealogischen[47] und kirchenhistorischen[48] Aspekten. Die Verwechslung Mistislaws mit seinem Vater Mistiwoj bei Adam von Bremen und Helmold von Bosau führte zu Unklarheiten, welche die Versuche der Historiker, ein Stemma der Nakoniden aufzustellen, behinderten. Seit der Untersuchung Bernhard Schmeidlers aus dem Jahr 1918 ist die Abstammung Mistislaws von Mistiwoj allgemein anerkannt.[49] Da Helmold Mistislaw im Gegensatz zu Adam als wütenden Christenhasser schildert, galt das kirchengeschichtliche Interesse der Frage, ob Mistislaw tatsächlich bis zum Jahr 1018 am christlichen Glauben festgehalten hat. Die Frage wurde schließlich von Albert Hauck geklärt.[50]

In der neuere Forschung zur Geschichte der Elbslawen liegen die Schwerpunkte demgegenüber auf der gescheiterten Nationenbildung der Abodriten und ihren Beziehungen zu den benachbarten Sachsen.

Wolfgang H. Fritze hat 1960 in seiner grundlegenden Arbeit über die Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung[51] Mistislaws Herrschaft in die Epoche des Teilstämmestaates eingeordnet und damit als Herrschaft über einen Personenverband aufgefasst. Dieser Einschätzung Fritzes hat zuletzt der Archäologe Fred Ruchhöft widersprochen, der insbesondere unter Mistislaw den Ansatz einer Nationenbildung erkennt, bei der sich Mistislaws Samtherrschaft von der „Akkumulation einer Fürstenherrschaft über mehrere Teilstammesfürsten“ zu einer „territorialen Gefolgsherrschaft“ gewandelt habe.[52] Bereits zuvor hatten verschiedene Historiker die Vermutung geäußert, Mistislaw habe durch die Beseitigung der Erbrechte des Niederadels eine königsgleiche Samtherrschaft auf der Basis einer territorialen Gefolgsherrschaft angestrebt.[53]

Auch Mistislaws Verhältnis zu den sächsischen Herzögen und zu Otto III. wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt. Mistislaws Flucht in den Bardengau hat die Historiker seit jeher von einem Bündnis mit den sächsischen Herzögen ausgehen lassen.[54] Zur Sicherung seiner Herrschaft habe er einer dauerhaften Einbindung des abodritischen Siedlungsgebietes als Mark der Billunger in ein ottonisches Markensystem zustimmen müssen.[55] Dabei ist Mistislaws Stellung bisweilen auf diejenige eines Statthalters und „Steuereintreibers“ der Billunger reduziert worden. Diese Deutung hat inzwischen mehrfach Kritik erfahren,[56] weil sie mit der ansonsten starken und eigenständigen Stellung des abodritischen Samtherrschers nicht in Einklang zu bringen sei.[57] Schließlich stellt auch die Neubewertung des Mecklenburgzuges Ottos III. 995 als Freundschaftsbesuch des königlichen Schutzherrn eine Abkehr von den bisherigen Forschungsergebnissen dar.[58] Demgegenüber stuft Christian Lübke Mistislaw als Feind der Sachsen und des Reiches ein. Unter seiner Führung hätten die Abodriten im Jahr 990 das sächsische Nordalbingien verwüstet, Hamburg eingeäschert und das Bistum Oldenburg vernichtet. In der Folge sei es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Abodriten und Sachsen gekommen, bis der König schließlich im September 995 die Mecklenburg erobert und Mistislaw unterworfen habe.[59]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung. Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 6: Scriptores rerum Germanicarum. Nova Series 9). Herausgegeben von Robert Holtzmann. Weidmann, Berlin 1935, Digitalisat.
  • Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. In: Werner Trillmich, Rudolf Buchner (Hrsg.): Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. = Fontes saeculorum noni et undecimi historiam ecclesiae Hammaburgensis necnon imperii illustrantes (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 11). 7., gegenüber der 6. um einen Nachtrag von Volker Scior erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-00602-X, S. 137–499.
  • Helmold von Bosau: Slawenchronik = Helmoldi Presbyteri Bozoviensis Chronica Slavorum (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 19, ISSN 0067-0650). Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2., verbesserte Auflage, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-00175-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, insbesondere S. 31, Digitalisat (PDF; 1,64 MB).
  • Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, insbesondere S. 106–113, Digitalisat (PDF; 2,98 MB).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thietmar VIII, 5.
  2. Adam II, 26; Zur Identität der von Adam als Missizla bezeichneten Person mit dem bei Thietmar erwähnten Mistizlavus grundlegend bereits Bernhard Schmeidler: Hamburg-Bremen und Nordost-Europa vom 9. bis 11. Jahrhundert. Kritische Untersuchungen zur Hamburgischen Kirchengeschichte des Adam von Bremen, zu Hamburger Urkunden und zur nordischen und wendischen Geschichte. Dietrich, Leipzig 1918, S. 324 f.
  3. Eingehend zur Abstammung Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219, hier S. 161. Aus der neueren Literatur ohne vertiefende Begründung Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 112; Christian Lübke: Zwischen Polen und dem Reich. Elbslawen und Gentilreligion. In: Michael Borgolte (Hrsg.): Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“ (= Europa im Mittelalter. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0, S. 91–110, hier S. 97; Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31; Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, ISSN 0930-8229, S. 5–20, hier S. 19; Nils Rühberg: Obodritische Samtherrscher und sächsische Reichsgewalt von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Erhebung des Fürstentums Mecklenburg 1167. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 21–50, hier S. 25. Zurückhaltend Helge Bei der Wieden: Die Anfänge des Hauses Mecklenburg – Wunsch und Wirklichkeit. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Bd. 53, 2007, S. 1–20, hier S. S. 7, demzufolge eine Abstammung aufgrund der unklaren Quellenlage nur vermutet werden könne.
  4. Zu ihr Marie Stoklund: Sønder Vissing. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 29: Skírnismál – Stiklestad. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-11-018360-9, S. 203–205.
  5. Helmold I, 15.
  6. Adam II, 42 und Scholion 27; Helmold I, 15; zu beiden ausführlich Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 248–259.
  7. Adam II, 66.
  8. Christian Lübke: Mstislav (Mistizlavus), Fürst der Abodriten (ca. 990/995-1018). In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, Artemis, München 1993, Sp. 882–883.
  9. Adam, II,43, Scholion 21.
  10. Zu dieser Einschätzung gelangt Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 26.
  11. Karl Uhlirz: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto II. und Otto III. Bd. 1: Otto II. 973–983 (= Jahrbücher der deutschen Geschichte. Bd. 10, 1, ZDB-ID 532248-0). Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 252.
  12. Thietmar III, 24.
  13. Das vermutet Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 5–20, hier S. 18.
  14. Adam II, 42; Helmold I, 15
  15. Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 248–259, insbesondere S. 248.
  16. Eingehend Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 248–259.
  17. Thietmar IV, 57.
  18. Thietmar IV, 64.
  19. Helmold I, 14.
  20. Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 256 mit Hinweis auf einen bei Anton Christian Wedekind: Noten zu einigen Geschichtschreibern des deutschen Mittelalters. Bd. 3: Note LXXI – XCIV und Beilagen aus theils ungedruckten Handschriften, Nr. V – LIV. Perthes und Besser, Hamburg 1836, S. 4 wiedergegebenen Eintrag im Nekrolog des Lüneburger Michaelisklosters; vgl. dazu auch Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen (= Münstersche Mittelalter-Schriften. Band 47). Fink, München 1984, ISBN 3-7705-2267-2, S. 387, der Wedekinds Anmerkung übernimmt.
  21. Christian Lübke: Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und Oder. (Vom Jahr 900 an). Teil 3: Regesten 983–1013 (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 134). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05844-5, Regest 256 b; Christian Lübke: Zwischen Polen und dem Reich. Elbslawen und Gentilreligion. In: Michael Borgolte (Hrsg.): Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“ (= Europa im Mittelalter. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0, S. 91–110, hier S. 97.
  22. Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 5–20, hier S. 19; Peter Donat: Die Slawen in Mecklenburg-Vorpommern und ihre Beziehungen zu den Nachbarn. In: Johannes Erichsen (Hrsg.): 1000 Jahre Mecklenburg. Geschichte und Kunst einer europäischen Region. Hinstorff, Rostock 1995, ISBN 3-356-00622-3, S. 18–26, hier S. 18.
  23. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 112.
  24. Nils Rühberg: Obodritische Samtherrscher und sächsische Reichsgewalt von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Erhebung des Fürstentums Mecklenburg 1167. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 21–50, hier S. 25 Anmerkung 24.
  25. Zur Mecklenburg als Amtssitz der Oldenburger Bischöfe zuletzt Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139 S. 110.
  26. Helmold I, 14.
  27. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 111.
  28. Thietmar VIII, 5; ähnlich Adam II, 43
  29. Nils Rühberg: Obodritische Samtherrscher und sächsische Reichsgewalt von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Erhebung des Fürstentums Mecklenburg 1167. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 21–50, hier S. 25
  30. Hermann Kamp: Gewalt und Mission. Die Elb- und Ostseeslawen im Fadenkreuz des Reiches und der Sachsen vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. In: Christoph Stiegermann, Martin Kroker, Wolfgang Walter (Hrsg.): Credo. Christianisierung Europas im Mittelalter. Bd. 1: Essays. Imhof, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-827-9, S. 395–404, hier S. 398; Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 267; Einführung in den Streitstand bei Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 124–128, insbesondere S. 127.
  31. Thietmar VIII, 5; ihm offenbar folgend Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31.
  32. Gerard Labuda: Zur Gliederung der slawischen Stämme in der Mark Brandenburg (10.–12. Jahrhundert). In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Bd. 42, 1994, S. 103–140, hier S. 134; Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0, S. 270 und 272.
  33. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31.
  34. Helmold I, 14.
  35. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 109 Anmerkung 57.
  36. Adam II, 49.
  37. Adam II, 43.
  38. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31
  39. Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 3., durchgesehene Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 2013, ISBN 978-3-17-022443-8, S. 209.
  40. Thietmar VIII, 5.
  41. Thietmar VIII, 6.
  42. Manfred Hamann: Mecklenburgische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Landständischen Union von 1523 (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 51, ISSN 0544-5957). Auf der Grundlage von Hans Witte neu bearbeitet. Böhlau, Köln u. a. 1968, S. 61 beurteilt die Untätigkeit des Kaisers als „königliche (sic) Rückendeckung“ für die Lutizen. Bereits Ludwig Giesebrecht: Wendische Geschichten aus den Jahren 780 bis 1182. Bd. 2, Gaertner, Berlin 1843, S. 51, hatte vermutet, die Lutizen hätten auf Befehl des Kaisers gehandelt, um damit die Position Herzog Bernhards I. von Sachsen zu schwächen. Gegen ihn Wolfgang Brüske: Untersuchungen zur Geschichte des Lutizenbundes. Deutsch-wendische Beziehungen des 10.–12. Jahrhunderts (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 3). 2., um ein Nachwort vermehrte Auflage. Böhlau, Köln u. a. 1983, ISBN 3-412-07583-3, S. 71.
  43. Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219, hier S. 141 weist darauf hin, dass keine Urkunde des Bistums Oldenburg überliefert ist.
  44. Thietmar VIII, 5.
  45. So die Interpretation des helmoldischen Mistislawbildes durch Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219, hier S. 161.
  46. Helmold I, 14-16.
  47. Franz Boll: Ueber den Obotritenfürsten Mistuwoi. In: Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 18, 1853, ISSN 0259-7772, S. 160–175, online; Robert Beltz: Mistewoi (Mistizlav). In: Quartalbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 61, 3, 1896, ZDB-ID 542818-x, S. 30–36, online.
  48. Julius Wiggers: Kirchengeschichte Mecklenburgs. Hinstorff, Parchim u. a. 1840, S. 20 f.
  49. Bernhard Schmeidler: Hamburg-Bremen und Nordost-Europa vom 9. bis 11. Jahrhundert. Kritische Untersuchungen zur Hamburgischen Kirchengeschichte des Adam von Bremen, zu Hamburger Urkunden und zur nordischen und wendischen Geschichte. Dietrich, Leipzig 1918, S. 326, 330.
  50. Albert Hauck: Kirchengeschichte Deutschlands. Bd. 3: Die Zeit der sächsischen und fränkischen Kaiser. 3. und 4. Auflage. Hinrichs, Leipzig 1906, S. 647 f., (5. Auflage, unveränderter Abdruck der 3. und 4. Auflage. ebenda 1920).
  51. Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960, S. 141–219.
  52. Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 114–124, insbesondere S. 115, 123.
  53. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 31; Peter Donat: Mecklenburg und Oldenburg im 8. bis 10. Jahrhundert. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 110, 1995, S. 5–20, hier S. 20.
  54. Zu einem Bündnis Mistislaws mit den Billungern schon Richard Wagner: Die Wendenzeit (= Mecklenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen. Heft 2, ZDB-ID 982989-1). Süsserott, Berlin 1899, S. 98.
  55. Nach Auffassung von Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 115 konnte Mistislaws Samtherrschaft nur „unter der Lehnshoheit des sächsischen Herzogs“ Bestand haben.
  56. Gerd Althoff: Saxony and the Elbe Slavs in the Tenth Century. In: The New Cambridge Medieval History. Bd. 3: Timothy Reuter (Hrsg.): c. 900 – c.1024 Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1999, ISBN 0-521-36447-7, S. 267–292, hier S. 285 stellt die Existenz eines ottonischen Markensystems generell in Frage; Elżbieta Foster, Cornelia Willich: Ortsnamen und Siedlungsentwicklung. Das nördliche Mecklenburg im Früh- und Hochmittelalter (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa. Bd. 31). Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08938-8, S. 21 meinen, von einer „festen Herrschaft“ der Billunger über das slawische Siedlungsgebiet könne „keine Rede“ sein.
  57. Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Obotriten zur Zeit der Nakoniden. In: Eckhard Hübner, Ekkehard Klug, Jan Kusber (Hrsg.): Zwischen Christianisierung und Europäisierung. Beiträge Zur Geschichte Osteuropas in Mittelalter und Früher Neuzeit. Festschrift für Peter Nitsche zum 65. Geburtstag (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Bd. 51). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07266-7, S. 23–51, hier S. 26.
  58. Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, S. 99–139, hier S. 106–113; ihm folgend Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 127.
  59. Christian Lübke: Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und Oder. (Vom Jahr 900 an). Teil 3: Regesten 983–1013 (= Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens. Bd. 134). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05844-5, Regest 256 b; Christian Lübke: Zwischen Polen und dem Reich. Elbslawen und Gentilreligion. In: Michael Borgolte (Hrsg.): Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“ (= Europa im Mittelalter. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0, S. 91–110, hier S. 97.
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