Ole Bull

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Ole Bull, Lithografie von Joseph Kriehuber, 1839

Ole Bornemann Bull (* 5. Februar 1810 in Bergen; † 17. August 1880 in Lysøen bei Bergen) war ein norwegischer Violinist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bull stammte aus einer alten und angesehenen norwegischen Familie. Der älteste nachweisbare Vorfahr von Bull war der 1610 verstorbene Pastor Jens Andersen Bull. Diesem folgten drei Generationen von Pastoren, bevor die Bulls auch als Kaufleute und Offiziere hervortraten. Ole Bulls Großvater Ole Bornemann Bull war Apotheker in Bergen und heiratete Gedsken Edvardine Storm, eine Schwester des norwegischen Dichters Edvard Storm. Deren Sohn Johan Storm Bull (1787–1838) wurde in Kopenhagen geboren, zog aber bereits als Kind mit seinen Eltern nach Bergen. Dort und in Erfurt studierte er und wurde danach in Bergen Apotheker. Er heiratete die aus einer angesehenen Bergener Familie stammende Anna Dorothea Geelmuyden (1789–1875). Das erste von insgesamt zehn Kindern des Ehepaares war dann der Komponist und Violinist Ole Bull. [1] Bereits im Alter von neun Jahren spielte Ole Bull Violinsolos mit der Bergener Orchester-Vereinigung Harmonien. Seine Lehrer waren Niels Eriksen und Johan Henrich Poulsen, später wurde er von Carl Mathias Lundholm unterrichtet. Seine Eltern bestimmten ihn zum Theologiestudium, zu dem er die Aufnahmeprüfung nicht bestand. Stattdessen gründete er ein Theaterorchester, welches er mit der Violine in der Hand leitete. 1829 hatte er Auftritte in Kopenhagen und Kassel. Nachdem er 1831 in Paris Niccolò Paganini gehört hatte, imitierte er dessen Manier, was ihm sehr schnell trotz seiner bis dahin amateurhaften Technik zum Erfolg verhalf. Abseits des internationalen Konzertgeschehens entwickelte er fortwährend sein technisches Niveau. 1836/37 gab er 274 Konzerte in Irland und England. Im darauf folgenden Jahr besuchte er – in der Hoffnung, daraus geigerischen Nutzen zu ziehen – den großen deutschen Violinisten und Komponisten Louis Spohr. 1840 spielte er gemeinsam mit Franz Liszt in London Beethovens Kreutzersonate. 1850 gründete er in Bergen das Norske Theater (Norwegisches Theater), aus dem später das älteste norwegische Theater, Den Nationale Scene, hervorging.

Da ihm jedoch in Europa der künstlerische Durchbruch vorläufig versagt blieb[2], setzte er seine Hoffnung auf fünf Konzerttourneen, die er durch die USA unternahm. Dort interpretierte er populäre Werke, aber auch eigene Kompositionen über amerikanische Themen. Diesen gab er Titel wie: Niagara, Einsamkeit der Prairie, Im Gedenken an G. Washington. Er war der festen Überzeugung, dass Norwegen seine eigene nationale Kunstrichtung entwickeln musste. So studierte Edvard Grieg, dessen Tante Ole Bulls Schwägerin war, auf seine Veranlassung am Leipziger Konservatorium.

Ole Bull gilt in Bezug auf die norwegische Musiktradition als der große Visionär seiner Zeit, im Versuch der Abkopplung von der damals dominierenden dänischen Musikkultur. Er war bereits früh mit norwegischen Volksmusikern zusammengetroffen. Von ihnen holte er sich Inspiration und sammelte ihre Lieder und Volkstänze wie Springar, Gangar, Halling und Throndjemmer. Zudem inspirierte Bull die Lyrik des norwegischen Dichters Henrik Wergeland. So verfolgte Bull sein Ziel, die reichen Kulturschätze seines Landes bekannt zu machen und ihnen breites Gehör in der norwegischen Bevölkerung zu verschaffen. Basis des von ihm 1850 gegründeten Theaters Det Norske Theater In Bergen sollten nach seinen Worten norwegische Stücke, norwegische Darsteller, norwegische Musik und norwegisches Ballett sein, was damals ein Novum im Lande war. [3] 1849 unterstützte Bull den Fiddler Torgeir Augundsson aus Telemark, der dadurch ein Konzert in Christiana geben konnte, bei dem er als erster Musiker lokale norwegische Volksmusik auf seiner Hardangerfiedel dem gehobenen Bürgertum öffentlich präsentierte. [4]

Viele seiner kleineren Werke sind von sentimentalem Charakter und tragen Bezeichnungen wie

  • Gebet einer Mutter,
  • Ein Almbesuch (Et Sæterbesøg),
  • Sennermädchens Sonntag (Sæterjentens søndag),
  • Eine Bergvision,
  • In einsamer Stunde (I ensomme stunde),
  • Adagio religioso,
  • La Mélancolie,
  • Pollaca guerriera,
  • Recuerdos de Habana

Daneben komponierte Bull aber auch in großen Formaten wie etwa zwei Konzerte für Violine und Orchester oder Thema und Fantasie über ein Thema von Vincenzo Bellini. Die Violinkonzerte wurden erst nach 2000 wiederentdeckt; 2008 erfolgte die Weltersteinspielung auf Tonträger (SACD und Blu-ray Audio; Annar Follesö (Violine), Norwegian Radio Orchestra, Ole Kristian Ruud (Dirigent)).[5]

Von damals aufkommenden Ideen eines Kommunalsozialismus angezogen, kaufte Bull in Pennsylvania rund 3.000 Hektar Land, um dort seine Ideen zu verwirklichen. Er nannte das Gebiet „Oleana“. Wegen seines fehlenden Geschäftssinnes scheiterte dieses Unternehmen bereits nach weniger als zwei Jahren. Das Gebiet ist heute als Ole Bull State Park bekannt. Henrik Ibsen ironisierte Bulls Experiment in seinem Drama Peer Gynt, in dem der Titelheld einen kurzlebigen Staat Gyntiana gründet.

Bull gilt heute (auch wegen seiner sozialen Einstellung) als eine der großen nationalen und kosmopolitischen Persönlichkeiten Norwegens. Er starb 1880 an einem Krebsleiden auf der ihm gehörenden und nach romantischen Idealen gestalteten Insel Lysø in der Kommune Os (Hordaland). Sein Haus, „die kleine Alhambra“ im arabisch-maurischen Stil, kombiniert mit dem norwegischen sog. Lafting-Baustil und russisch empfundenen Kuppelturm, ist heute ein Museum.

Seine Geige, Gasparo da Salò zugeschrieben, die mit prächtigen Einlegearbeiten und Schnitzereien verziert ist, befindet sich heute in einer Vitrine des Vestlandske Kunstindustrimuseum in Bulls Heimatstadt Bergen.[6]

1955 wurde die Bullgasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Arve Tellefsen plays Ole Bull“ (Simax 2004/2009):[7] Nocturne für Violine & Orchester; A Mountain Vision; Mother's Prayer aus „Polacca Guerriera“; Adagio Sostenuto aus dem Violinkonzert e-moll; Gran March aus „Agiaco Cubano“; Cantabile dolorose & Rondo Giocoso +The herdgirl's Sunday für Violine & Streichensemble; In Moments of Solitude für Violine & Streichensemble +Werke für Violine & Klavier: Andante maestoso aus „Agiaco Cubano“; Sigrid's Song aus „The Mountain Cottage“; Barcarolle; Scotch Fantasy; Andante cantabile; Cantabile; In Moments of Solitude

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einar Haugen, Einar Ingvald Haugen und Camilla Cai: Ole Bull - Norway's Romantic Musician and Cosmopolitan Patriot, University of Wisconsin Press, 1993, S. 5
  2. Hartmut Becker: Louis Spohr – Die Violinkonzerte. Plattentext zu cpo 999 403-2 (Louis Spohr – Violin Concertos 1, 14 & 15)
  3. Peter Brandt, Werner Daum und Miriam Horn: Der skandinavische Weg in die Moderne - Beiträge zur Geschichte Norwegens und Schwedens vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2016, S. 222
  4. Bjorn Aksdal: The Norwegian Hardanger Fiddle in Classical Music, S. 16
  5. jpc.de: [1]
  6. [2] Jubileumssite Ole Bull 2010 der Kunstmuseen in Bergen (englisch)
  7. www.simax.no (Simax ist ein norwegisches Klassiklabel)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ole Bull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Ole Bull, Lithografie von Joseph Kriehuber, 1839

Ole Bornemann Bull (* 5. Februar 1810 in Bergen; † 17. August 1880 in Lysøen bei Bergen) war ein norwegischer Violinist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bull stammte aus einer alten und angesehenen norwegischen Familie. Der älteste nachweisbare Vorfahr von Bull war der 1610 verstorbene Pastor Jens Andersen Bull. Diesem folgten drei Generationen von Pastoren, bevor die Bulls auch als Kaufleute und Offiziere hervortraten. Ole Bulls Großvater Ole Bornemann Bull war Apotheker in Bergen und heiratete Gedsken Edvardine Storm, eine Schwester des norwegischen Dichters Edvard Storm. Deren Sohn Johan Storm Bull (1787–1838) wurde in Kopenhagen geboren, zog aber bereits als Kind mit seinen Eltern nach Bergen. Dort und in Erfurt studierte er und wurde danach in Bergen Apotheker. Er heiratete die aus einer angesehenen Bergener Familie stammende Anna Dorothea Geelmuyden (1789–1875). Das erste von insgesamt zehn Kindern des Ehepaares war dann der Komponist und Violinist Ole Bull. [1] Bereits im Alter von neun Jahren spielte Ole Bull Violinsolos mit der Bergener Orchester-Vereinigung Harmonien. Seine Lehrer waren Niels Eriksen und Johan Henrich Poulsen, später wurde er von Carl Mathias Lundholm unterrichtet. Seine Eltern bestimmten ihn zum Theologiestudium, zu dem er die Aufnahmeprüfung nicht bestand. Stattdessen gründete er ein Theaterorchester, welches er mit der Violine in der Hand leitete. 1829 hatte er Auftritte in Kopenhagen und Kassel. Nachdem er 1831 in Paris Niccolò Paganini gehört hatte, imitierte er dessen Manier, was ihm sehr schnell trotz seiner bis dahin amateurhaften Technik zum Erfolg verhalf. Abseits des internationalen Konzertgeschehens entwickelte er fortwährend sein technisches Niveau. 1836/37 gab er 274 Konzerte in Irland und England. Im darauf folgenden Jahr besuchte er – in der Hoffnung, daraus geigerischen Nutzen zu ziehen – den großen deutschen Violinisten und Komponisten Louis Spohr. 1840 spielte er gemeinsam mit Franz Liszt in London Beethovens Kreutzersonate. 1850 gründete er in Bergen das Norske Theater (Norwegisches Theater), aus dem später das älteste norwegische Theater, Den Nationale Scene, hervorging.

Da ihm jedoch in Europa der künstlerische Durchbruch vorläufig versagt blieb[2], setzte er seine Hoffnung auf fünf Konzerttourneen, die er durch die USA unternahm. Dort interpretierte er populäre Werke, aber auch eigene Kompositionen über amerikanische Themen. Diesen gab er Titel wie: Niagara, Einsamkeit der Prairie, Im Gedenken an G. Washington. Er war der festen Überzeugung, dass Norwegen seine eigene nationale Kunstrichtung entwickeln musste. So studierte Edvard Grieg, dessen Tante Ole Bulls Schwägerin war, auf seine Veranlassung am Leipziger Konservatorium.

Ole Bull gilt in Bezug auf die norwegische Musiktradition als der große Visionär seiner Zeit, im Versuch der Abkopplung von der damals dominierenden dänischen Musikkultur. Er war bereits früh mit norwegischen Volksmusikern zusammengetroffen. Von ihnen holte er sich Inspiration und sammelte ihre Lieder und Volkstänze wie Springar, Gangar, Halling und Throndjemmer. Zudem inspirierte Bull die Lyrik des norwegischen Dichters Henrik Wergeland. So verfolgte Bull sein Ziel, die reichen Kulturschätze seines Landes bekannt zu machen und ihnen breites Gehör in der norwegischen Bevölkerung zu verschaffen. Basis des von ihm 1850 gegründeten Theaters Det Norske Theater In Bergen sollten nach seinen Worten norwegische Stücke, norwegische Darsteller, norwegische Musik und norwegisches Ballett sein, was damals ein Novum im Lande war. [3] 1849 unterstützte Bull den Fiddler Torgeir Augundsson aus Telemark, der dadurch ein Konzert in Christiana geben konnte, bei dem er als erster Musiker lokale norwegische Volksmusik auf seiner Hardangerfiedel dem gehobenen Bürgertum öffentlich präsentierte. [4]

Viele seiner kleineren Werke sind von sentimentalem Charakter und tragen Bezeichnungen wie

  • Gebet einer Mutter,
  • Ein Almbesuch (Et Sæterbesøg),
  • Sennermädchens Sonntag (Sæterjentens søndag),
  • Eine Bergvision,
  • In einsamer Stunde (I ensomme stunde),
  • Adagio religioso,
  • La Mélancolie,
  • Pollaca guerriera,
  • Recuerdos de Habana

Daneben komponierte Bull aber auch in großen Formaten wie etwa zwei Konzerte für Violine und Orchester oder Thema und Fantasie über ein Thema von Vincenzo Bellini. Die Violinkonzerte wurden erst nach 2000 wiederentdeckt; 2008 erfolgte die Weltersteinspielung auf Tonträger (SACD und Blu-ray Audio; Annar Follesö (Violine), Norwegian Radio Orchestra, Ole Kristian Ruud (Dirigent)).[5]

Von damals aufkommenden Ideen eines Kommunalsozialismus angezogen, kaufte Bull in Pennsylvania rund 3.000 Hektar Land, um dort seine Ideen zu verwirklichen. Er nannte das Gebiet „Oleana“. Wegen seines fehlenden Geschäftssinnes scheiterte dieses Unternehmen bereits nach weniger als zwei Jahren. Das Gebiet ist heute als Ole Bull State Park bekannt. Henrik Ibsen ironisierte Bulls Experiment in seinem Drama Peer Gynt, in dem der Titelheld einen kurzlebigen Staat Gyntiana gründet.

Bull gilt heute (auch wegen seiner sozialen Einstellung) als eine der großen nationalen und kosmopolitischen Persönlichkeiten Norwegens. Er starb 1880 an einem Krebsleiden auf der ihm gehörenden und nach romantischen Idealen gestalteten Insel Lysø in der Kommune Os (Hordaland). Sein Haus, „die kleine Alhambra“ im arabisch-maurischen Stil, kombiniert mit dem norwegischen sog. Lafting-Baustil und russisch empfundenen Kuppelturm, ist heute ein Museum.

Seine Geige, Gasparo da Salò zugeschrieben, die mit prächtigen Einlegearbeiten und Schnitzereien verziert ist, befindet sich heute in einer Vitrine des Vestlandske Kunstindustrimuseum in Bulls Heimatstadt Bergen.[6]

1955 wurde die Bullgasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Arve Tellefsen plays Ole Bull“ (Simax 2004/2009):[7] Nocturne für Violine & Orchester; A Mountain Vision; Mother's Prayer aus „Polacca Guerriera“; Adagio Sostenuto aus dem Violinkonzert e-moll; Gran March aus „Agiaco Cubano“; Cantabile dolorose & Rondo Giocoso +The herdgirl's Sunday für Violine & Streichensemble; In Moments of Solitude für Violine & Streichensemble +Werke für Violine & Klavier: Andante maestoso aus „Agiaco Cubano“; Sigrid's Song aus „The Mountain Cottage“; Barcarolle; Scotch Fantasy; Andante cantabile; Cantabile; In Moments of Solitude

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einar Haugen, Einar Ingvald Haugen und Camilla Cai: Ole Bull - Norway's Romantic Musician and Cosmopolitan Patriot, University of Wisconsin Press, 1993, S. 5
  2. Hartmut Becker: Louis Spohr – Die Violinkonzerte. Plattentext zu cpo 999 403-2 (Louis Spohr – Violin Concertos 1, 14 & 15)
  3. Peter Brandt, Werner Daum und Miriam Horn: Der skandinavische Weg in die Moderne - Beiträge zur Geschichte Norwegens und Schwedens vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2016, S. 222
  4. Bjorn Aksdal: The Norwegian Hardanger Fiddle in Classical Music, S. 16
  5. jpc.de: [1]
  6. [2] Jubileumssite Ole Bull 2010 der Kunstmuseen in Bergen (englisch)
  7. www.simax.no (Simax ist ein norwegisches Klassiklabel)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ole Bull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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