Römisch-katholische Kirche in Kuba

Die römisch-katholische Kirche auf Kuba ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche unter der geistlichen Führung des Papstes und der Kurie in Rom.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Katholizismus auf Kuba begann im 16. Jahrhundert, mit der Periode der spanischen Kolonisation. Für vier Jahrhunderte bis zur Kubanischen Revolution 1959 spielte die Katholische Kirche eine wichtige Rolle im Leben des Landes: zu ihr bekannte sich die Mehrheit der Bevölkerung. Allerdings war der Katholizismus stark mit der weißen, spanischstämmigen Bevölkerungsschicht verbunden, auch die überwiegende Mehrheit der Priester waren Spanier. Die Kirche zeigte auf Kuba deutlich weniger Interesse an der Bekehrung der nichtweißen Bevölkerung als in anderen lateinamerikanischen Ländern wie beispielsweise Mexiko und Peru.[1] Im Unabhängigkeitskrieg stand die Katholische Kirche den spanischen Kolonialherren näher als den Unabhängigkeitsbewegung, viele deren Anführer antiklerikale Freimaurer waren. Seit der Gründung der Republik 1902 verfolgte der kubanische Staat eine Politik der Trennung von Staat und Kirche.[1]

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und dem Vatikan begannen 1935 und wurden sogar in der Zeit antireligiöser Kampagnen der kommunistischen Regierung nicht unterbrochen. 1959 machten die Katholiken auf Kuba etwa 70 % der Bevölkerung aus.[2] Es gab etwa 700 Priester.[3] Die Mehrheit der Kirchengänger gehörten der weißen Mittel- und Oberschicht in den Städten an, während die Landbevölkerung zwar getauft war, aber kaum Kontakt zur Kirche und ihren Repräsentanten hatte.[1]

Nachdem Fidel Castro an die Macht kam, erließ die kubanische Regierung vor allem ab 1960 antireligiöse Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Einfluss der Kirche stark reduzierten.[1] Ein großer Teil der Geistlichen und Mönche, vor allem ausländischer Herkunft, verließ Kuba in den ersten Jahren nach der Revolution. Bis 1979 ging die Zahl der Katholiken etwa um die Hälfte zurück.[4] In den 1980er Jahren trat eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der kommunistischen Regierung Kubas ein. Jedoch waren nach den Daten von 1988 auf Kuba nur wenig über 200 katholische Geistliche von vorher 500 übrig. 1986 fand ein landesweites Zusammentreffen der kubanischen Katholiken statt (Encuentro Nacional Eclesial Cubano), dem ein mehrjähriger „Reflexionsprozess“ zur Vorbereitung vorangegangen war (Reflexión Eclesial Cubana).

Am 19. November 1996 empfing Papst Johannes Paul II. im Vatikan Fidel Castro. Im Januar 1998 unternahm derselbe Papst eine pastorale Reise nach Kuba. Bei der Papstmesse auf dem Platz der Revolution in Havanna war etwa eine Million Kubaner anwesend. Papst Benedikt XVI. unternahm eine Pastoralreise vom 23. bis 26. März in Mexiko und dann bis zum 28. März in Kuba.[5] Anlass der Reise war der 400. Jahrestag der Erscheinung der kubanischen Schutzheiligen, der Barmherzigen Jungfrau von El Cobre. Er besuchte Santiago de Cuba und Havanna und wurde von Staatspräsident Raúl Castro empfangen.[5]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Katholizismus ist die häufigste Glaubensrichtung der Einwohner der Insel. Die Zahl der Katholiken umfasste Ende des 20. Jahrhunderts 40 % der Bevölkerung, aber bei der Mehrheit davon trug die Kirchenmitgliedschaft lediglich formalen Charakter. So sind nach Angaben der Zeitschrift Newsweek Etwa 4,7 Millionen von 11 Millionen Kubanern getauft, aber nur 150.000 besuchen die Sonntagsmesse.[6] Nach Angaben der Seite catholic-hierarchy.org betrug 2004 die Gesamtzahl der Katholiken auf Kuba 6,3 Millionen Menschen.[7]

Die Katholische Kirche auf Kuba ist in drei Erzdiözesen geteilt: Erzbistum San Cristóbal de la Habana, Camagüey und Santiago de Cuba. Es gibt acht Suffragandiözesen.[8] Erzbischof von Havanna ist seit 2016 Juan García Rodríguez, dessen Sitz sich im höchsten Gotteshaus des Landes, der St.-Christophorus-Kathedrale befindet. Die Erzdiözese Camagüey steht seit Ende 2016 unter der Leitung von Erzbischof Wilfredo Pino Estévez. Der Erzbischof von Santiago de Cuba ist Dionisio García Ibáñez, derzeitiger Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz Kubas.

Die Kirche unterhält mehrere Bildungseinrichtungen, darunter das Höhere Seminar in Havanna. Im Besitz der Kirche befinden sich auch einige Heime und Krankenhäuser, es gibt karitative Arbeit unter den Armen.

Statistik nach Diözese (Daten von 2004):[7]

Erzdiözese Diözese Zahl der Katholiken Zahl der Geistlichen Zahl der Gemeinden
San Cristóbal de la Habana San Cristóbal de la Habana 2 800 000 111 102
Matanzas 478 000 20 37
Pinar del Rio 430 000 19 25
Camagüey Camagüey 544 000 27 14
Ciego de Avila 186 900 8 4
Cienfuegos 293 600 23 22
Santa Clara 518 935 27 34
Santiago de Cuba Santiago de Cuba 248 000 20 13
Guantánamo-Baracoa 185 218 9 7
Holguín 435 000 37 28
Santísimo Salvador de Bayamo y Manzanillo 222 000 15 9

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Herr: Kirche auf Cuba. Christentum und Marxismus am Wendepunkt?. EOS, St. Ottilien 1989, ISBN 3-88096-749-0.
  • Margaret E. Crahan: Catholicism in Cuba in: Cuban Studies 19, 1989, Seiten 3–24, ISBN 0-8229-3626-7 (englisch)
  • John M. Kirk: Toward an Understanding of the Church-State Rapprochement in Revolutionary Cuba in: Cuban Studies 19, 1989, Seiten 25–42, ISBN 0-8229-3626-7 (englisch)
  • Jorge I. Domínguez: International and National Aspects of the Catholic Church in Cuba in: Cuban Studies 19, 1989, Seiten 43–60, ISBN 0-8229-3626-7 (englisch)
  • Ignacio Uría: Iglesia y Revolución en Cuba, Madrid: Ediciones Encuentro 2011, ISBN 8499200885 (spanisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abcd Samuel Farber: Cuba since the revolution of 1959: A critical assessment. Haymarket, Chicago 2011, S. 233 (englisch)
  2. Baker, Christopher P. Cuba Handbook. Chico, California: Moon Publications, Inc. (1997), pg. 103.
  3. Katholizismus in verschiedenen Ländern der Welt
  4. Nance Profiles web site (orig. source: OPERATION WORLD, 1979)
  5. ab Vatikan/Mexiko/Kuba: Erste Details der Papstreise in: Radio Vatikan vom 2. Januar 2012
  6. About 4.7 million of all 11 million Cubans are baptized, but only about 150,000 attend Sunday mass. Zitiert nach: The Battle for Cuba’s Soul. Newsweek (Jan. 19, 1998), pg. 42.
  7. ab Eintrag zu Statistik der Katholischen Kirche auf Kuba (Stand 2004) auf catholic-hierarchy.org; abgerufen am 18. Juli 2016
  8. Statistik der Katholischen Kirche auf Kuba

Die römisch-katholische Kirche auf Kuba ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche unter der geistlichen Führung des Papstes und der Kurie in Rom.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Katholizismus auf Kuba begann im 16. Jahrhundert, mit der Periode der spanischen Kolonisation. Für vier Jahrhunderte bis zur Kubanischen Revolution 1959 spielte die Katholische Kirche eine wichtige Rolle im Leben des Landes: zu ihr bekannte sich die Mehrheit der Bevölkerung. Allerdings war der Katholizismus stark mit der weißen, spanischstämmigen Bevölkerungsschicht verbunden, auch die überwiegende Mehrheit der Priester waren Spanier. Die Kirche zeigte auf Kuba deutlich weniger Interesse an der Bekehrung der nichtweißen Bevölkerung als in anderen lateinamerikanischen Ländern wie beispielsweise Mexiko und Peru.[1] Im Unabhängigkeitskrieg stand die Katholische Kirche den spanischen Kolonialherren näher als den Unabhängigkeitsbewegung, viele deren Anführer antiklerikale Freimaurer waren. Seit der Gründung der Republik 1902 verfolgte der kubanische Staat eine Politik der Trennung von Staat und Kirche.[1]

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und dem Vatikan begannen 1935 und wurden sogar in der Zeit antireligiöser Kampagnen der kommunistischen Regierung nicht unterbrochen. 1959 machten die Katholiken auf Kuba etwa 70 % der Bevölkerung aus.[2] Es gab etwa 700 Priester.[3] Die Mehrheit der Kirchengänger gehörten der weißen Mittel- und Oberschicht in den Städten an, während die Landbevölkerung zwar getauft war, aber kaum Kontakt zur Kirche und ihren Repräsentanten hatte.[1]

Nachdem Fidel Castro an die Macht kam, erließ die kubanische Regierung vor allem ab 1960 antireligiöse Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Einfluss der Kirche stark reduzierten.[1] Ein großer Teil der Geistlichen und Mönche, vor allem ausländischer Herkunft, verließ Kuba in den ersten Jahren nach der Revolution. Bis 1979 ging die Zahl der Katholiken etwa um die Hälfte zurück.[4] In den 1980er Jahren trat eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der kommunistischen Regierung Kubas ein. Jedoch waren nach den Daten von 1988 auf Kuba nur wenig über 200 katholische Geistliche von vorher 500 übrig. 1986 fand ein landesweites Zusammentreffen der kubanischen Katholiken statt (Encuentro Nacional Eclesial Cubano), dem ein mehrjähriger „Reflexionsprozess“ zur Vorbereitung vorangegangen war (Reflexión Eclesial Cubana).

Am 19. November 1996 empfing Papst Johannes Paul II. im Vatikan Fidel Castro. Im Januar 1998 unternahm derselbe Papst eine pastorale Reise nach Kuba. Bei der Papstmesse auf dem Platz der Revolution in Havanna war etwa eine Million Kubaner anwesend. Papst Benedikt XVI. unternahm eine Pastoralreise vom 23. bis 26. März in Mexiko und dann bis zum 28. März in Kuba.[5] Anlass der Reise war der 400. Jahrestag der Erscheinung der kubanischen Schutzheiligen, der Barmherzigen Jungfrau von El Cobre. Er besuchte Santiago de Cuba und Havanna und wurde von Staatspräsident Raúl Castro empfangen.[5]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Katholizismus ist die häufigste Glaubensrichtung der Einwohner der Insel. Die Zahl der Katholiken umfasste Ende des 20. Jahrhunderts 40 % der Bevölkerung, aber bei der Mehrheit davon trug die Kirchenmitgliedschaft lediglich formalen Charakter. So sind nach Angaben der Zeitschrift Newsweek Etwa 4,7 Millionen von 11 Millionen Kubanern getauft, aber nur 150.000 besuchen die Sonntagsmesse.[6] Nach Angaben der Seite catholic-hierarchy.org betrug 2004 die Gesamtzahl der Katholiken auf Kuba 6,3 Millionen Menschen.[7]

Die Katholische Kirche auf Kuba ist in drei Erzdiözesen geteilt: Erzbistum San Cristóbal de la Habana, Camagüey und Santiago de Cuba. Es gibt acht Suffragandiözesen.[8] Erzbischof von Havanna ist seit 2016 Juan García Rodríguez, dessen Sitz sich im höchsten Gotteshaus des Landes, der St.-Christophorus-Kathedrale befindet. Die Erzdiözese Camagüey steht seit Ende 2016 unter der Leitung von Erzbischof Wilfredo Pino Estévez. Der Erzbischof von Santiago de Cuba ist Dionisio García Ibáñez, derzeitiger Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz Kubas.

Die Kirche unterhält mehrere Bildungseinrichtungen, darunter das Höhere Seminar in Havanna. Im Besitz der Kirche befinden sich auch einige Heime und Krankenhäuser, es gibt karitative Arbeit unter den Armen.

Statistik nach Diözese (Daten von 2004):[7]

Erzdiözese Diözese Zahl der Katholiken Zahl der Geistlichen Zahl der Gemeinden
San Cristóbal de la Habana San Cristóbal de la Habana 2 800 000 111 102
Matanzas 478 000 20 37
Pinar del Rio 430 000 19 25
Camagüey Camagüey 544 000 27 14
Ciego de Avila 186 900 8 4
Cienfuegos 293 600 23 22
Santa Clara 518 935 27 34
Santiago de Cuba Santiago de Cuba 248 000 20 13
Guantánamo-Baracoa 185 218 9 7
Holguín 435 000 37 28
Santísimo Salvador de Bayamo y Manzanillo 222 000 15 9

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Herr: Kirche auf Cuba. Christentum und Marxismus am Wendepunkt?. EOS, St. Ottilien 1989, ISBN 3-88096-749-0.
  • Margaret E. Crahan: Catholicism in Cuba in: Cuban Studies 19, 1989, Seiten 3–24, ISBN 0-8229-3626-7 (englisch)
  • John M. Kirk: Toward an Understanding of the Church-State Rapprochement in Revolutionary Cuba in: Cuban Studies 19, 1989, Seiten 25–42, ISBN 0-8229-3626-7 (englisch)
  • Jorge I. Domínguez: International and National Aspects of the Catholic Church in Cuba in: Cuban Studies 19, 1989, Seiten 43–60, ISBN 0-8229-3626-7 (englisch)
  • Ignacio Uría: Iglesia y Revolución en Cuba, Madrid: Ediciones Encuentro 2011, ISBN 8499200885 (spanisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. abcd Samuel Farber: Cuba since the revolution of 1959: A critical assessment. Haymarket, Chicago 2011, S. 233 (englisch)
  2. Baker, Christopher P. Cuba Handbook. Chico, California: Moon Publications, Inc. (1997), pg. 103.
  3. Katholizismus in verschiedenen Ländern der Welt
  4. Nance Profiles web site (orig. source: OPERATION WORLD, 1979)
  5. ab Vatikan/Mexiko/Kuba: Erste Details der Papstreise in: Radio Vatikan vom 2. Januar 2012
  6. About 4.7 million of all 11 million Cubans are baptized, but only about 150,000 attend Sunday mass. Zitiert nach: The Battle for Cuba’s Soul. Newsweek (Jan. 19, 1998), pg. 42.
  7. ab Eintrag zu Statistik der Katholischen Kirche auf Kuba (Stand 2004) auf catholic-hierarchy.org; abgerufen am 18. Juli 2016
  8. Statistik der Katholischen Kirche auf Kuba
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Römisch-katholische Kirche in Kuba aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.