Römisch-katholische Kirche in Osttimor

Karfreitag in Leohito

Zur römisch-katholischen Kirche bekennt sich in Osttimor die Mehrheit der Bevölkerung.

Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christen in Osttimor[1]
Gemeinde Bevölkerung Katholiken Protestanten
Ainaro 58.147 57.221 98,4 % 677 1,2 %
Aileu 46.664 39.919 85.5 % 3.168 6,8 %
Baucau 110.160 107.998 98,0 % 1.729 1,6 %
Bobonaro 911.199 90.815 99,6 % 200 0,2 %
Cova Lima 59.045 58.874 99,7. % 96 0,2 %
Dili 228.559 216.047 94,5 % 8.858 3,9 %
Ermera 116.937 114.927 98,3 % 823 0,7 %
Liquiçá 63.171 60.193 95,3 % 1.694 2,7 %
Lautém 59.776 87.784 96,7 % 1.611 2,7 %
Manufahi 48.614 46.674 96,0 % 1.782 3,7 %
Manatuto 41.709 40.966 98,2 % 375 0,9 %
Oecusse 63.514 63.065 99,3 % 381 0,6 %
Viqueque 69.476 66.764 96,1 % 2.314 3,3 %
Osttimor 1.063.971 1.021.247 96,0 % 23.708 2,2 %
Mariengrotte (Gruta) in Remexio
Gottesdienst in Aimutin
Palmsonntagsprozession in Maubisse

Osttimor ist ein säkularer Staat und es herrscht laut Verfassung Religionsfreiheit.[2]José Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien aussöhnendes Element. Am 14. August 2015 wurde anlässlich des 500. Jubiläums der Evangelisierung Timors zwischen Osttimor und dem Vatikan ein Konkordat unterzeichnet. Es definiert die Bereiche, in denen die katholische Kirche unabhängig vom Staat handeln kann, so bei der spirituellen Betreuung in Gefängnissen, Kranken- und Waisenhäusern und bei der Führung eigener Schulen auf jeder Bildungsstufe.[3] Seit 2003 gibt es einen Apostolischen Nuntius in Osttimor. 2007 wurde der erste Botschafter Osttimors beim Heiligen Stuhl entsandt.

96 % der Osttimoresen sind katholisch, nur 2,2 % gehören einem protestantischen Glauben an (2010).[1] Trotz dieser Dominanz des Christentums sind im Alltag noch viele Riten und Glaubensvorstellungen der ursprünglichen animistischen Religion Timors verbreitet. Sie werden oft in den christlichen Glauben integriert.[4] Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche zur einigenden Klammer zwischen den Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier. Bis 2002 nahm der Anteil der Katholiken in der Bevölkerung daher auf über 90 Prozent zu. Starken Einfluss hatte die Befreiungstheologie aus Lateinamerika. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Katholiken war, dass sich die Einwohner Osttimors bei der Registrierung durch die indonesischen Behörden zwischen einer der fünf anerkannten Religionen (Islam, katholisches und protestantisches Christentum, Hinduismus, Buddhismus) entscheiden mussten. Unter dem Druck der Wahl entschieden sich die meisten Osttimoresen für den Katholizismus. Teilweise wird angenommen, dass Gemeinsamkeiten zwischen der alten, animistischen Religion und dem katholischen Glauben wie die Verehrung von Toten und die Ikonenanbetung hier mit eine Rolle gespielt haben.[5] Bei den Mambai existiert die Sage von Mau Terus, dem leidenden Mann, der ermordet wird, dann aber wieder aufersteht. Hier werden Parallelen zu Jesus Christus gezogen. Wehale, das alte spirituelle Zentrum Timors, wird in der timoresischen Mythologie als weiblich angesehen, was zu einer Assoziation zur Gottesmutter Maria führt.[4]

Eine Reihe von Bewegungen, wie etwa Colimau 2000 oder die Sagrada Família, tragen quasi-religiöse Züge. Diese Gruppen verwenden dafür christliche und animistische Elemente und kombinieren sie mit verschiedenen Kampfsportarten. Sie haben jeweils einige hundert bis einige tausend Mitglieder.[6] Andere intigrieren biblische Geschichten in ihre lokalen Legenden. So werden die mythischen ersten Ahnen Adam und Eva genannt oder man erklärt, dass die Jungfrau Maria in Laclubar geboren wurde. Auf diese Weise soll der Ursprung der Menschheit nach Timor verlegt und belegt werden, dass der katholische Glauben schon immer Teil der timoresischen Kultur gewesen sei. Die katholische Kirche wird als Unterstützer bei Ritualen für die Ahnen angesehen, nicht mehr als Gegenspieler. Der apostolische Nuntius in Osttimor Joseph Salvador Marino erklärte in einer Rede 2015, dass die Osttimoresen „das Licht Gottes“ bereits vor Eintreffen der Missionare gekannt hätten.[7]

Osttimor teilt sich in drei katholische Bistümer: Dili, Baucau und Maliana. Diese teilen sich wiederum in insgesamt 44 Pfarreien. Alle drei Bistümer sind kirchenrechtlich direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria mit Kind, Holzschnitzerei aus Osttimor (19. Jahrhundert)
Weihrauchfass in der Kirche São Tiago in Hera
Altarglocke in der Kirche São Tiago in Hera

Die erste Landung der Portugiesen auf Timor gilt als Beginn der Evangelisierung der Insel. Am 18. August 1515 betraten portugiesische Dominikaner im heutigen Oecusse erstmals timoresischen Boden.[8] Dort gründeten sie 1556 den Ort Lifau als erste europäische Siedlung auf Timor. Eng zusammen arbeiteten die Dominikaner mit den Topasse, einer europäisch-asiatischen Mischbevölkerung, die zu den eigentlichen Machthabern im Westen Timors avancierten. Missionierung und wirtschaftliche Interessen gingen dabei Hand in Hand.[9] In Mena wurde 1590 die erste Kirche der Insel errichtet.[10] 1641 traten die Königin von Mena und ihr Schwager, der Liurai von Amanuban (Amanubang), Herrscher des Gebietes um Lifau, zum Christentum über, ließen mehrere Kirchen errichten und schlossen ein Bündnis mit den Portugiesen.[11] Nach dem Feldzug von Francisco Fernandes traten mehrere Herrscher Westtimors zum Christentum über und leisteten einen Schwur zur Loyalität gegenüber der portugiesischen Krone, so beispielsweise der Herrscher von Kupang. Timor erhielt daraufhin den Namen Ilha de Santa Cruz (Insel des Heiligen Kreuzes), den die Insel lange Zeit behielt. Um 1640 hatten eine Handvoll Priester bereits zehn Missionen und 22 Kirchen auf Timor gegründet.[12]

1698 kam der Dominikaner Manuel de Santo António nach Timor.[13] Durch seine erfolgreichen Missionierungsversuche um 1700 kamen auch Luca und seine Nachbarreiche im Südosten der Insel unter portugiesischen Einfluss.[14][15] 1701 wurde er von Papst Clemens XI. zum Bischof von Malakka ernannt und residierte bis 1722 in Lifau. Manuel de Santo António gilt somit als erster Bischof auf Timor.[16] Nachdem bereits zwei Gouverneure zuvor am Versuch gescheitert waren, die Kontrolle zurückzugewinnen, entsandte Portugal 1701 mit António Coelho Guerreiro (1702–1705) erneut einen Gouverneur nach Timor, der am 20. Februar 1702 mit seinem Dienst in Lifau begann. Damit waren die Dominikaner von der Administration der Besitzung offiziell entbunden, doch übernahm Bischof Manuel de Santo António später wieder die Verwaltung der Kolonie, wenn der Posten des Gouverneurs vakant war. Andere Dominikaner taten dies im 18. Jahrhundert immer wieder.[17] 1722 traf der neue portugiesische Gouverneur António de Albuquerque Coelho in Lifau ein. Dieser verbannte Bischof Manuel de Santo António von Timor.[14][18] Auch später residierten Bischöfe von Malakka immer wieder in Lifau. 1739 kam Bischof António de Castro nach Timor und gründete hier das erste Priesterseminar. 1743 verstarb er aber 38-jährig aufgrund des Klimas. Seine sterblichen Überreste wurden in Lifau beigesetzt. 1749[19] kam Bischof Geraldo de São José nach Lifau. Er soll 1760 unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sein.[20][21][22]

Gouverneur Feliciano António Nogueira Lisboa (1788–1790) geriet in Streit mit dem Mönch Francisco Luis da Cunha, dem Vertreter der katholischen Kirche in Manatuto. Beide beschuldigten sich gegenseitig unter anderem der Raubüberfälle und des Diebstahls von Zolleinnahmen. Um den Gouverneur loszuwerden, wiegelte der Mönch die Einwohner Manatutos zur Rebellion auf. Christianisierte Timoresen drohten die Revolte auf den ganzen Osten der Insel auszudehnen. Schließlich griff der Vizekönig von Goa durch, ließ beide Männer verhaften und von Timor ausweisen. Der neue Gouverneur Joaquim Xavier de Morais Sarmento (1790–1794) brachte die Lage wieder unter Kontrolle.[10][23]

Seit der Verlagerung der kolonialen Hauptstadt von Lifau nach Dili 1769 sanken die Anstrengungen bei der Missionierung Timors. Die Missionare zogen sich mit ihrer Arbeit in das komfortablere Dili oder ganz von Timor zurück. Seit 1769 waren niemals mehr als elf Missionare auf der Insel und 1812 schließlich nur noch zwei, inklusive des Bischofs in Manatuto. 1831 taten nur noch fünf oder sechs Priester ihren Dienst auf der Insel. 1834 wurden auch die letzten Missionare für 20 Jahre aus Timor verbannt. Das Dekret König Peters IV. war eine Folge der liberalen Revolution in Portugal. Am 26. Dezember 1854 wurde die Maßnahme durch ein königliches Dekret zurückgenommen und Priester wurden von Goa nach Timor und Mosambik entsandt. Doch auch nach der Rückkehr der Geistlichen nach Timor schien die Missionierung des Inselinneren aufgegeben worden zu sein. 1861 gab es nur zwei Missionare in der Kolonie und sie verließen nur selten Dili. 1874 wurde versucht, die Missionierung Timors wieder voranzutreiben. Am 12. November 1877 wurde per Dekret die Missionierung des Inselinneren angewiesen und der Kirche auch das Recht gegeben, Schulen in der Kolonie zu gründen. Noch im selben Jahr trafen neun neue Missionare in Timor ein und wurden auf Batugade, Oecusse, Manatuto und Lacluta verteilt. Weitere vier Missionare wurden nach Bidau und Hera geschickt, einer übernahm die Leitung der Grundschule in Motael. Ein chinesischstämmiger Missionar wurde mit der Betreuung chinesischer Schulkinder in Dili betraut. Jacob dos Reis e Cunha, der Sohn eines Liurais, war in Macau zum Priester geweiht worden und missionierte an der Südküste zwischen Luca und Alas. Zuvor unterrichtete er seit 1864 in der Missionsschule in Lahane die Söhne von Liurais. Pater António Joaquim de Medeiros wurde als Generalvikar und Superior der Kirche in Dili stationiert. Medeiros schätzte die Zahl der Christen auf der Insel zu diesem Zeitpunkt auf gerade einmal 40.000. Später wurde die Verantwortung für die Kolonie auf zwei Generalvikare verteilt. Der Generalvikar für die Nordküste residierte in Dili, der für die Südküste ab 1900 in der Missão do Sagrado Coração de Jesus in Soibada, die nun ausgebaut wurde. Es entstanden ein Wohnhaus der Missionare, die Herz-Jesu-Kirche und zwei Colégios. Das Colégio Nuno Álvares Pereira für die Jungen wurde 1904 eröffnet. Das Colégio da Imaculada Conceição für Mädchen begann mit seinem Betrieb um 1910. Soibada war in dieser Zeit das religiöse und Bildungszentrum auf Timor.[24][25][26]

Canossianerinnen mit ihren Schülerinnen (Portugiesisch-Timor zwischen 1890 und 1910)

1910 wurden die Missionare von der neuen republikanischen Regierung wieder aus der Kolonie ausgewiesen, was einen erneuten Rückschlag bei der Missionierung bedeutete. 1916 gab es nur ein Dutzend Geistliche in Portugiesisch-Timor. Ab 1920 verstärkte die Kirche wieder ihr Engagement. 1928 betrug die Anzahl der bekehrten Timoresen gerade einmal 19.000. Mit der neuen portugiesischen Verfassung von 1933 und den Gesetzen von 1935 wurde das Dekret von 1910 wieder aufgehoben, und 1938 betrieb man wieder 20 Missionen. Im Estado Novo begannen Missionare Kreuze und Heiligenfiguren an heiligen Stätten der einheimischen Religion zu errichten.[7] Ab 1940 verfügte die katholische Kirche durch ein Konkordat über das Erziehungsmonopol in der Kolonie. Die Kirche war mit der lokalen portugiesischen Administration verbunden und finanzierte ab 1941 das Bildungssystem. Sie vermittelte sowohl katholische als auch portugiesische kulturelle Werte.

Zusammen mit Macau bildete Portugiesisch-Timor eine gemeinsame Diözese, bis am 4. September 1940 die Diözese Dili abgetrennt wurde. Jaime Garcia Goulart wurde am 18. Januar 1941 zum apostolischen Administrator ernannt und am 12. Oktober 1945 zum ersten Bischof von Dili nominiert. Seine Weihe fand am 28. Oktober 1945 in Sydney statt, wohin er während der japanischen Besetzung Portugiesisch-Timors geflohen war. Am 9. Dezember 1945 zog Goulart feierlich in Dili ein. Die pastoralen Strukturen, wie die alte Kathedrale von 1909 und viele andere Kirchen, waren im Krieg zerstört worden.

Am 31. Januar 1967 wurde José Joaquim Ribeiro, der Assistent von Goulart, zum neuen Bischof Portugiesisch-Timors nominiert, als Goulart resignierte. Infolge der Ereignisse während der Invasion Indonesiens in Osttimor 1975 bat Ribeiro Papst Paul VI. um seine Versetzung in den Ruhestand. Dem wurde am 22. Oktober 1977 stattgegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung Osttimors katholisch. Ribeiros Nachfolger wurde Generalvikar Martinho da Costa Lopes.

Statue von Johannes Paul II. in Tasitolu

Lopes wurde direkt dem Papst unterstellt. Am 7. April verfügte der Vatikan auf Anregung von Lopes, dass Tetum, die Lingua franca der Region, zur offiziellen Sprache der katholischen Liturgie in Osttimor wurde, nachdem die Verwendung von Portugiesisch von der Besatzungsmacht verboten wurde. Lopes kritisierte mehrfach die Kriegsverbrechen der Indonesier, worauf er im Oktober 1981 vom Militär gezwungen wurde Dili zu verlassen. Am 19. November 1981 prangerte er bei einem Treffen katholischer Bischöfe mit dem indonesischen Machthaber Suharto erneut die Gräueltaten der indonesischen Streitkräfte an. In einem weiteren Brief nach Australien beschuldigte Lopes erneut das indonesische Militär der Verbrechen. Der ehemalige australische Premierminister Gough Whitlam nannte den Bischof einen Lügner, der Ärger schüren wolle. Whitlams Vorwürfe wurden kontrovers diskutiert und dies durch Agenturen verbreitet, so dass Indonesien Lopes’ Vorgehen nicht länger tolerieren konnte. Der päpstliche Pro-Nuntius in Jakarta soll durch einen indonesischen General dazu bewegt worden sein, dem Papst die Abberufung Lopes‘ als apostolischen Administrator zu empfehlen. Lopes wurde am 12. Mai 1983 in den Ruhestand geschickt und verstarb 1991 in Lissabon.

Carlos Filipe Ximenes Belo, apostolischer Administrator ab 1983 und 1988 zum Bischof geweiht, versuchte mit dem Einfluss der Kirche, das Leid der Bevölkerung zu mindern. Der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 12. Oktober 1989 in Osttimor stärkte das Selbstbewusstsein der Bevölkerung und rückte den Konflikt für kurze Zeit wieder in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Nach der Messe entfaltete eine Gruppe junger Leute Transparente. Sie demonstrierten für Selbstbestimmung und gegen Menschenrechtsverletzungen. Diesem für Indonesien peinlichen Moment folgte eine Welle von Verhaftungen und Folter.[27] Belos Engagement und Einsatz für ein Referendum, das über die Zukunft Osttimors entscheiden sollte, brachten ihm 1996, zusammen mit José Ramos-Horta den Friedensnobelpreis ein. Am 30. November 1996 wurde Baucau als eigenes Bistum von Dili abgetrennt. Apostolischer Administrator wurde Basílio do Nascimento.

2002 erlangte Osttimor seine Unabhängigkeit wieder. Zu den Feierlichkeiten wurde eine Marienstatue aus Fátima (Portugal) nach Dili verschifft und das Land der Mutter Gottes von Fátima geweiht. Belo resignierte aus gesundheitlichen Gründen am 26. November 2002. Basílio do Nascimento wurde nun auch für das Bistum Dili apostolischer Administrator. 2004 übernahm Alberto Ricardo da Silva den Bischofssitz in Dili, während Nascimento, nun als Bischof geweiht, weiter für das Bistum Baucau zuständig blieb. Im Mai 2005 wurde der Religionsunterricht in öffentlichen Schulen nach wochenlangen Protestmärschen wieder als Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen. Premierminister Alkatiri hatte im Februar einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem das Fach nur freiwillig besucht werden solle.[28] Am 30. Januar 2010 wurde das Bistum Maliana von Dili abgetrennt. Bischof wurde Norberto do Amaral.[29][30] Als Silva 2015 resignierte und kurz darauf verstarb, übernahm Bischof Nascimento erneut die Verwaltung von Dili.

Christliche Stätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen Dilis, der Cristo Rei

Die Kathedrale von Dili gilt als die größte Kirche Südostasiens.[31] Ihre Vorgängerin, die Kirche Santo António de Motael, wird oft als älteste Kirche Osttimors bezeichnet, obwohl der Bau erst 1955 errichtet wurde. Gleiches wird von der Herz-Jesu-Kirche in Soibada behauptet, wo um 1900 von Jesuiten die erste Missionsschule gegründet wurde, die noch heute existiert.[32] Modern ist die Kathedrale von Baucau, die neue Kathedrale von Maliana wird derzeit errichtet. Große Neubauten seit 2002 sind die Kirchen von Suai, Ossu und Viqueque, während in Lalaia das Gebäude noch aus dem Jahre 1933 stammt. Als Kathedrale von Maliana dient die Heilig-Kreuz-Kirche, bis der Neubau der Herz-Jesu-Kathedrale fertiggestellt ist.

In Tasitolu (Dili) erinnern eine Monumentalstatue und ein Kirchenzentrum an den Besuch von Johannes Paul II. Sie bilden einen Kontrapunkt zum Cristo Rei, der monumentalen Jesusstatue am anderen Ende von Dili, die von Indonesiens Präsident Suharto den Osttimoresen vermacht wurde.

In Aitara befindet sich ein Marienschrein, der der Heiligen Mutter von Aitara (Nossa Senhora de Aitara) geweiht ist. Sie soll hier an einem 16. Oktober mehreren Frauen erschienen sein, weswegen im nahegelegenen Soibada um 1900 die Mission errichtet wurde. Heute ist Aitara ein nationaler Wallfahrtsort.

Weit verbreitet sind Mariengrotten (portugiesisch Grutas). Sie finden sich mal am Wegesrand, mal bei Kirchen und sind mit verschiedenen Mariendarstellungen, aber auch Jesus und anderen Heiligen bestückt. Das Denkmal Mutter Gottes (Monumentu Nosa Señora, Monumento a Nossa Senhora, auch Monumento da Imaculada Conceição), vor dem Bischofssitz Dilis in Lecidere, wurde unter Gouverneur César Maria de Serpa Rosa ab 1954 errichtet und 1956 eingeweiht. Auf dem Tatamailau befindet sich seit 1997 eine drei Meter hohe Marienstatue. Der Gipfel des Matebian ist seit 1933 mit einer Jesusstatue gekrönt, die jeden Oktober von Tausenden Pilgern besucht wird.

Große christliche Festlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Antonius-Fest in Manatuto

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Durand, Frédéric: Catholicisme et Protestantisme dans l'Ile de Timor 1556–2003: Construction d'une Identité Chrétienne et Engagement Politique Contemporain, Editions Arkuiris; Bangkok: IRASEC Toulouse 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römisch-katholische Kirche in Osttimor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ab Direcção Nacional de Estatística: Population and Housing Census 2010, Population Distribution by Administrative Areas, Volume 2., abgerufen am 14. Oktober 2015.
  2. Verfassung von Osttimor (portugiesisch), abgerufen am 29. Mai 2015.
  3. UCA news: Vatican, Timor-Leste sign bilateral agreement, 14. August 2015, abgerufen am 15. August 2015.
  4. ab Damien Kingsbury: National Identity in Timor-Leste: A Brief Comparative Study, S. 139–145, Swinburne Press 2009, abgerufen am 14. Oktober 2015.
  5. Australian Department of Defence, Patricia Dexter: Historical Analysis of Population Reactions to Stimuli – A case of East Timor (Memento vom 13. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 1,1 MB)
  6. Scamberi, James: A Survey of Gangs and Youth Groups in Dili, Timor-Leste (PDF; 3,1 MB), abgerufen am 20. Mai 2012.
  7. ab Judith Bovensiepen, Frederico Delgado Rosa: Transformations of the sacred in East Timor, S. 35–36, abgerufen am 27. Dezember 2017.
  8. Bild des Denkmals zur ersten Landung der Portugiesen auf Timor
  9. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29–32.
  10. ab Chronologie de l’histoire du Timor (1512–1945) suivie des événements récents (1975–1999) (französisch; PDF; 887 kB)
  11. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29.
  12. Religion Catholicism and ancestral cults – Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University
  13. Artur Teodoro de Matos: D. Frei Manuel de Santo António: missionário e primeiro bispo residente em Timor. Elementos para a sua biografia (1660–1733) (portugiesisch).
  14. ab Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650–1769
  15. Instituto Camões
  16. Profiles Of Eminents Goans: Past And Present, Concept Publishing Company, New Delhi, ISBN 81-7022-619-8.
  17. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29–32.
  18. James J. Fox: “The Paradox of Powerlessness: Timor in Historical Perspective”, 9. Dezember 1996, Department of Anthropology, Research School of Pacific and Asian Studies, The Australian National University (Memento vom 6. Juli 2007 im Internet Archive) (PDF; 70 kB)
  19. Alberto Ricardo da Silva: HISTÓRIA BADAK DIOCESE DILI NIAN, 24. April 2015, abgerufen am 23. November 2017.
  20. Forum Hakesuk: 1769 O Onzo de Agosto na História de Timor-Leste, abgerufen am 23. November 2017.
  21. Susana Barnes, Hans Hägerdal, Lisa Palmer: An East Timorese Domain – Luca from Central and Peripheral Perspectives, S. 332, 2017, DOI: 10.1163/22134379-17302020, abgerufen am 22. November 2017.
  22. Forum Hakesuk: Confêrencia nas Celebrações do Primeiro Centenário do Nascimento do Senhor Dom Jaime Garcia Goulart, 28. Mai 2008, abgerufen am 23. November 2017.
  23. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 50.
  24. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 65.
  25. Património de Influência Portuguesa: Mission of the Sacred Heart of Jesus, abgerufen am 15. November 2016.
  26. Durand, S. 5.
  27. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 165.
  28. Zenit, 12. Mai 2005, Osttimor: Kirche und Staat lösen Problem des Religionsunterrichts, abgerufen am 20. Mai 2012.
  29. Erezione della Diocesi di Maliana (Timor Orientale) e Nomina del primo Vescovo, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 30. Januar 2010.
  30. Papst Benedikt XVI.: Apostolische Konstitution Malianensis, 30. Januar 2010
  31. IMMACULATE CONCEPTION CATHEDRAL. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  32. Pittwater Friends of Soibada: Soibada (Memento vom 16. Februar 2014 im Internet Archive), abgerufen am 27. September 2013
  33. Bilder der Passionsspiele auf dem Facebookaccount der ZEESM, abgerufen am 11. Juni 2014.
  34. Festival St. Antonio (Manatuto)
Karfreitag in Leohito

Zur römisch-katholischen Kirche bekennt sich in Osttimor die Mehrheit der Bevölkerung.

Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christen in Osttimor[1]
Gemeinde Bevölkerung Katholiken Protestanten
Ainaro 58.147 57.221 98,4 % 677 1,2 %
Aileu 46.664 39.919 85.5 % 3.168 6,8 %
Baucau 110.160 107.998 98,0 % 1.729 1,6 %
Bobonaro 911.199 90.815 99,6 % 200 0,2 %
Cova Lima 59.045 58.874 99,7. % 96 0,2 %
Dili 228.559 216.047 94,5 % 8.858 3,9 %
Ermera 116.937 114.927 98,3 % 823 0,7 %
Liquiçá 63.171 60.193 95,3 % 1.694 2,7 %
Lautém 59.776 87.784 96,7 % 1.611 2,7 %
Manufahi 48.614 46.674 96,0 % 1.782 3,7 %
Manatuto 41.709 40.966 98,2 % 375 0,9 %
Oecusse 63.514 63.065 99,3 % 381 0,6 %
Viqueque 69.476 66.764 96,1 % 2.314 3,3 %
Osttimor 1.063.971 1.021.247 96,0 % 23.708 2,2 %
Mariengrotte (Gruta) in Remexio
Gottesdienst in Aimutin
Palmsonntagsprozession in Maubisse

Osttimor ist ein säkularer Staat und es herrscht laut Verfassung Religionsfreiheit.[2]José Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien aussöhnendes Element. Am 14. August 2015 wurde anlässlich des 500. Jubiläums der Evangelisierung Timors zwischen Osttimor und dem Vatikan ein Konkordat unterzeichnet. Es definiert die Bereiche, in denen die katholische Kirche unabhängig vom Staat handeln kann, so bei der spirituellen Betreuung in Gefängnissen, Kranken- und Waisenhäusern und bei der Führung eigener Schulen auf jeder Bildungsstufe.[3] Seit 2003 gibt es einen Apostolischen Nuntius in Osttimor. 2007 wurde der erste Botschafter Osttimors beim Heiligen Stuhl entsandt.

96 % der Osttimoresen sind katholisch, nur 2,2 % gehören einem protestantischen Glauben an (2010).[1] Trotz dieser Dominanz des Christentums sind im Alltag noch viele Riten und Glaubensvorstellungen der ursprünglichen animistischen Religion Timors verbreitet. Sie werden oft in den christlichen Glauben integriert.[4] Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche zur einigenden Klammer zwischen den Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier. Bis 2002 nahm der Anteil der Katholiken in der Bevölkerung daher auf über 90 Prozent zu. Starken Einfluss hatte die Befreiungstheologie aus Lateinamerika. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Katholiken war, dass sich die Einwohner Osttimors bei der Registrierung durch die indonesischen Behörden zwischen einer der fünf anerkannten Religionen (Islam, katholisches und protestantisches Christentum, Hinduismus, Buddhismus) entscheiden mussten. Unter dem Druck der Wahl entschieden sich die meisten Osttimoresen für den Katholizismus. Teilweise wird angenommen, dass Gemeinsamkeiten zwischen der alten, animistischen Religion und dem katholischen Glauben wie die Verehrung von Toten und die Ikonenanbetung hier mit eine Rolle gespielt haben.[5] Bei den Mambai existiert die Sage von Mau Terus, dem leidenden Mann, der ermordet wird, dann aber wieder aufersteht. Hier werden Parallelen zu Jesus Christus gezogen. Wehale, das alte spirituelle Zentrum Timors, wird in der timoresischen Mythologie als weiblich angesehen, was zu einer Assoziation zur Gottesmutter Maria führt.[4]

Eine Reihe von Bewegungen, wie etwa Colimau 2000 oder die Sagrada Família, tragen quasi-religiöse Züge. Diese Gruppen verwenden dafür christliche und animistische Elemente und kombinieren sie mit verschiedenen Kampfsportarten. Sie haben jeweils einige hundert bis einige tausend Mitglieder.[6] Andere intigrieren biblische Geschichten in ihre lokalen Legenden. So werden die mythischen ersten Ahnen Adam und Eva genannt oder man erklärt, dass die Jungfrau Maria in Laclubar geboren wurde. Auf diese Weise soll der Ursprung der Menschheit nach Timor verlegt und belegt werden, dass der katholische Glauben schon immer Teil der timoresischen Kultur gewesen sei. Die katholische Kirche wird als Unterstützer bei Ritualen für die Ahnen angesehen, nicht mehr als Gegenspieler. Der apostolische Nuntius in Osttimor Joseph Salvador Marino erklärte in einer Rede 2015, dass die Osttimoresen „das Licht Gottes“ bereits vor Eintreffen der Missionare gekannt hätten.[7]

Osttimor teilt sich in drei katholische Bistümer: Dili, Baucau und Maliana. Diese teilen sich wiederum in insgesamt 44 Pfarreien. Alle drei Bistümer sind kirchenrechtlich direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria mit Kind, Holzschnitzerei aus Osttimor (19. Jahrhundert)
Weihrauchfass in der Kirche São Tiago in Hera
Altarglocke in der Kirche São Tiago in Hera

Die erste Landung der Portugiesen auf Timor gilt als Beginn der Evangelisierung der Insel. Am 18. August 1515 betraten portugiesische Dominikaner im heutigen Oecusse erstmals timoresischen Boden.[8] Dort gründeten sie 1556 den Ort Lifau als erste europäische Siedlung auf Timor. Eng zusammen arbeiteten die Dominikaner mit den Topasse, einer europäisch-asiatischen Mischbevölkerung, die zu den eigentlichen Machthabern im Westen Timors avancierten. Missionierung und wirtschaftliche Interessen gingen dabei Hand in Hand.[9] In Mena wurde 1590 die erste Kirche der Insel errichtet.[10] 1641 traten die Königin von Mena und ihr Schwager, der Liurai von Amanuban (Amanubang), Herrscher des Gebietes um Lifau, zum Christentum über, ließen mehrere Kirchen errichten und schlossen ein Bündnis mit den Portugiesen.[11] Nach dem Feldzug von Francisco Fernandes traten mehrere Herrscher Westtimors zum Christentum über und leisteten einen Schwur zur Loyalität gegenüber der portugiesischen Krone, so beispielsweise der Herrscher von Kupang. Timor erhielt daraufhin den Namen Ilha de Santa Cruz (Insel des Heiligen Kreuzes), den die Insel lange Zeit behielt. Um 1640 hatten eine Handvoll Priester bereits zehn Missionen und 22 Kirchen auf Timor gegründet.[12]

1698 kam der Dominikaner Manuel de Santo António nach Timor.[13] Durch seine erfolgreichen Missionierungsversuche um 1700 kamen auch Luca und seine Nachbarreiche im Südosten der Insel unter portugiesischen Einfluss.[14][15] 1701 wurde er von Papst Clemens XI. zum Bischof von Malakka ernannt und residierte bis 1722 in Lifau. Manuel de Santo António gilt somit als erster Bischof auf Timor.[16] Nachdem bereits zwei Gouverneure zuvor am Versuch gescheitert waren, die Kontrolle zurückzugewinnen, entsandte Portugal 1701 mit António Coelho Guerreiro (1702–1705) erneut einen Gouverneur nach Timor, der am 20. Februar 1702 mit seinem Dienst in Lifau begann. Damit waren die Dominikaner von der Administration der Besitzung offiziell entbunden, doch übernahm Bischof Manuel de Santo António später wieder die Verwaltung der Kolonie, wenn der Posten des Gouverneurs vakant war. Andere Dominikaner taten dies im 18. Jahrhundert immer wieder.[17] 1722 traf der neue portugiesische Gouverneur António de Albuquerque Coelho in Lifau ein. Dieser verbannte Bischof Manuel de Santo António von Timor.[14][18] Auch später residierten Bischöfe von Malakka immer wieder in Lifau. 1739 kam Bischof António de Castro nach Timor und gründete hier das erste Priesterseminar. 1743 verstarb er aber 38-jährig aufgrund des Klimas. Seine sterblichen Überreste wurden in Lifau beigesetzt. 1749[19] kam Bischof Geraldo de São José nach Lifau. Er soll 1760 unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sein.[20][21][22]

Gouverneur Feliciano António Nogueira Lisboa (1788–1790) geriet in Streit mit dem Mönch Francisco Luis da Cunha, dem Vertreter der katholischen Kirche in Manatuto. Beide beschuldigten sich gegenseitig unter anderem der Raubüberfälle und des Diebstahls von Zolleinnahmen. Um den Gouverneur loszuwerden, wiegelte der Mönch die Einwohner Manatutos zur Rebellion auf. Christianisierte Timoresen drohten die Revolte auf den ganzen Osten der Insel auszudehnen. Schließlich griff der Vizekönig von Goa durch, ließ beide Männer verhaften und von Timor ausweisen. Der neue Gouverneur Joaquim Xavier de Morais Sarmento (1790–1794) brachte die Lage wieder unter Kontrolle.[10][23]

Seit der Verlagerung der kolonialen Hauptstadt von Lifau nach Dili 1769 sanken die Anstrengungen bei der Missionierung Timors. Die Missionare zogen sich mit ihrer Arbeit in das komfortablere Dili oder ganz von Timor zurück. Seit 1769 waren niemals mehr als elf Missionare auf der Insel und 1812 schließlich nur noch zwei, inklusive des Bischofs in Manatuto. 1831 taten nur noch fünf oder sechs Priester ihren Dienst auf der Insel. 1834 wurden auch die letzten Missionare für 20 Jahre aus Timor verbannt. Das Dekret König Peters IV. war eine Folge der liberalen Revolution in Portugal. Am 26. Dezember 1854 wurde die Maßnahme durch ein königliches Dekret zurückgenommen und Priester wurden von Goa nach Timor und Mosambik entsandt. Doch auch nach der Rückkehr der Geistlichen nach Timor schien die Missionierung des Inselinneren aufgegeben worden zu sein. 1861 gab es nur zwei Missionare in der Kolonie und sie verließen nur selten Dili. 1874 wurde versucht, die Missionierung Timors wieder voranzutreiben. Am 12. November 1877 wurde per Dekret die Missionierung des Inselinneren angewiesen und der Kirche auch das Recht gegeben, Schulen in der Kolonie zu gründen. Noch im selben Jahr trafen neun neue Missionare in Timor ein und wurden auf Batugade, Oecusse, Manatuto und Lacluta verteilt. Weitere vier Missionare wurden nach Bidau und Hera geschickt, einer übernahm die Leitung der Grundschule in Motael. Ein chinesischstämmiger Missionar wurde mit der Betreuung chinesischer Schulkinder in Dili betraut. Jacob dos Reis e Cunha, der Sohn eines Liurais, war in Macau zum Priester geweiht worden und missionierte an der Südküste zwischen Luca und Alas. Zuvor unterrichtete er seit 1864 in der Missionsschule in Lahane die Söhne von Liurais. Pater António Joaquim de Medeiros wurde als Generalvikar und Superior der Kirche in Dili stationiert. Medeiros schätzte die Zahl der Christen auf der Insel zu diesem Zeitpunkt auf gerade einmal 40.000. Später wurde die Verantwortung für die Kolonie auf zwei Generalvikare verteilt. Der Generalvikar für die Nordküste residierte in Dili, der für die Südküste ab 1900 in der Missão do Sagrado Coração de Jesus in Soibada, die nun ausgebaut wurde. Es entstanden ein Wohnhaus der Missionare, die Herz-Jesu-Kirche und zwei Colégios. Das Colégio Nuno Álvares Pereira für die Jungen wurde 1904 eröffnet. Das Colégio da Imaculada Conceição für Mädchen begann mit seinem Betrieb um 1910. Soibada war in dieser Zeit das religiöse und Bildungszentrum auf Timor.[24][25][26]

Canossianerinnen mit ihren Schülerinnen (Portugiesisch-Timor zwischen 1890 und 1910)

1910 wurden die Missionare von der neuen republikanischen Regierung wieder aus der Kolonie ausgewiesen, was einen erneuten Rückschlag bei der Missionierung bedeutete. 1916 gab es nur ein Dutzend Geistliche in Portugiesisch-Timor. Ab 1920 verstärkte die Kirche wieder ihr Engagement. 1928 betrug die Anzahl der bekehrten Timoresen gerade einmal 19.000. Mit der neuen portugiesischen Verfassung von 1933 und den Gesetzen von 1935 wurde das Dekret von 1910 wieder aufgehoben, und 1938 betrieb man wieder 20 Missionen. Im Estado Novo begannen Missionare Kreuze und Heiligenfiguren an heiligen Stätten der einheimischen Religion zu errichten.[7] Ab 1940 verfügte die katholische Kirche durch ein Konkordat über das Erziehungsmonopol in der Kolonie. Die Kirche war mit der lokalen portugiesischen Administration verbunden und finanzierte ab 1941 das Bildungssystem. Sie vermittelte sowohl katholische als auch portugiesische kulturelle Werte.

Zusammen mit Macau bildete Portugiesisch-Timor eine gemeinsame Diözese, bis am 4. September 1940 die Diözese Dili abgetrennt wurde. Jaime Garcia Goulart wurde am 18. Januar 1941 zum apostolischen Administrator ernannt und am 12. Oktober 1945 zum ersten Bischof von Dili nominiert. Seine Weihe fand am 28. Oktober 1945 in Sydney statt, wohin er während der japanischen Besetzung Portugiesisch-Timors geflohen war. Am 9. Dezember 1945 zog Goulart feierlich in Dili ein. Die pastoralen Strukturen, wie die alte Kathedrale von 1909 und viele andere Kirchen, waren im Krieg zerstört worden.

Am 31. Januar 1967 wurde José Joaquim Ribeiro, der Assistent von Goulart, zum neuen Bischof Portugiesisch-Timors nominiert, als Goulart resignierte. Infolge der Ereignisse während der Invasion Indonesiens in Osttimor 1975 bat Ribeiro Papst Paul VI. um seine Versetzung in den Ruhestand. Dem wurde am 22. Oktober 1977 stattgegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung Osttimors katholisch. Ribeiros Nachfolger wurde Generalvikar Martinho da Costa Lopes.

Statue von Johannes Paul II. in Tasitolu

Lopes wurde direkt dem Papst unterstellt. Am 7. April verfügte der Vatikan auf Anregung von Lopes, dass Tetum, die Lingua franca der Region, zur offiziellen Sprache der katholischen Liturgie in Osttimor wurde, nachdem die Verwendung von Portugiesisch von der Besatzungsmacht verboten wurde. Lopes kritisierte mehrfach die Kriegsverbrechen der Indonesier, worauf er im Oktober 1981 vom Militär gezwungen wurde Dili zu verlassen. Am 19. November 1981 prangerte er bei einem Treffen katholischer Bischöfe mit dem indonesischen Machthaber Suharto erneut die Gräueltaten der indonesischen Streitkräfte an. In einem weiteren Brief nach Australien beschuldigte Lopes erneut das indonesische Militär der Verbrechen. Der ehemalige australische Premierminister Gough Whitlam nannte den Bischof einen Lügner, der Ärger schüren wolle. Whitlams Vorwürfe wurden kontrovers diskutiert und dies durch Agenturen verbreitet, so dass Indonesien Lopes’ Vorgehen nicht länger tolerieren konnte. Der päpstliche Pro-Nuntius in Jakarta soll durch einen indonesischen General dazu bewegt worden sein, dem Papst die Abberufung Lopes‘ als apostolischen Administrator zu empfehlen. Lopes wurde am 12. Mai 1983 in den Ruhestand geschickt und verstarb 1991 in Lissabon.

Carlos Filipe Ximenes Belo, apostolischer Administrator ab 1983 und 1988 zum Bischof geweiht, versuchte mit dem Einfluss der Kirche, das Leid der Bevölkerung zu mindern. Der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 12. Oktober 1989 in Osttimor stärkte das Selbstbewusstsein der Bevölkerung und rückte den Konflikt für kurze Zeit wieder in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Nach der Messe entfaltete eine Gruppe junger Leute Transparente. Sie demonstrierten für Selbstbestimmung und gegen Menschenrechtsverletzungen. Diesem für Indonesien peinlichen Moment folgte eine Welle von Verhaftungen und Folter.[27] Belos Engagement und Einsatz für ein Referendum, das über die Zukunft Osttimors entscheiden sollte, brachten ihm 1996, zusammen mit José Ramos-Horta den Friedensnobelpreis ein. Am 30. November 1996 wurde Baucau als eigenes Bistum von Dili abgetrennt. Apostolischer Administrator wurde Basílio do Nascimento.

2002 erlangte Osttimor seine Unabhängigkeit wieder. Zu den Feierlichkeiten wurde eine Marienstatue aus Fátima (Portugal) nach Dili verschifft und das Land der Mutter Gottes von Fátima geweiht. Belo resignierte aus gesundheitlichen Gründen am 26. November 2002. Basílio do Nascimento wurde nun auch für das Bistum Dili apostolischer Administrator. 2004 übernahm Alberto Ricardo da Silva den Bischofssitz in Dili, während Nascimento, nun als Bischof geweiht, weiter für das Bistum Baucau zuständig blieb. Im Mai 2005 wurde der Religionsunterricht in öffentlichen Schulen nach wochenlangen Protestmärschen wieder als Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen. Premierminister Alkatiri hatte im Februar einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem das Fach nur freiwillig besucht werden solle.[28] Am 30. Januar 2010 wurde das Bistum Maliana von Dili abgetrennt. Bischof wurde Norberto do Amaral.[29][30] Als Silva 2015 resignierte und kurz darauf verstarb, übernahm Bischof Nascimento erneut die Verwaltung von Dili.

Christliche Stätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen Dilis, der Cristo Rei

Die Kathedrale von Dili gilt als die größte Kirche Südostasiens.[31] Ihre Vorgängerin, die Kirche Santo António de Motael, wird oft als älteste Kirche Osttimors bezeichnet, obwohl der Bau erst 1955 errichtet wurde. Gleiches wird von der Herz-Jesu-Kirche in Soibada behauptet, wo um 1900 von Jesuiten die erste Missionsschule gegründet wurde, die noch heute existiert.[32] Modern ist die Kathedrale von Baucau, die neue Kathedrale von Maliana wird derzeit errichtet. Große Neubauten seit 2002 sind die Kirchen von Suai, Ossu und Viqueque, während in Lalaia das Gebäude noch aus dem Jahre 1933 stammt. Als Kathedrale von Maliana dient die Heilig-Kreuz-Kirche, bis der Neubau der Herz-Jesu-Kathedrale fertiggestellt ist.

In Tasitolu (Dili) erinnern eine Monumentalstatue und ein Kirchenzentrum an den Besuch von Johannes Paul II. Sie bilden einen Kontrapunkt zum Cristo Rei, der monumentalen Jesusstatue am anderen Ende von Dili, die von Indonesiens Präsident Suharto den Osttimoresen vermacht wurde.

In Aitara befindet sich ein Marienschrein, der der Heiligen Mutter von Aitara (Nossa Senhora de Aitara) geweiht ist. Sie soll hier an einem 16. Oktober mehreren Frauen erschienen sein, weswegen im nahegelegenen Soibada um 1900 die Mission errichtet wurde. Heute ist Aitara ein nationaler Wallfahrtsort.

Weit verbreitet sind Mariengrotten (portugiesisch Grutas). Sie finden sich mal am Wegesrand, mal bei Kirchen und sind mit verschiedenen Mariendarstellungen, aber auch Jesus und anderen Heiligen bestückt. Das Denkmal Mutter Gottes (Monumentu Nosa Señora, Monumento a Nossa Senhora, auch Monumento da Imaculada Conceição), vor dem Bischofssitz Dilis in Lecidere, wurde unter Gouverneur César Maria de Serpa Rosa ab 1954 errichtet und 1956 eingeweiht. Auf dem Tatamailau befindet sich seit 1997 eine drei Meter hohe Marienstatue. Der Gipfel des Matebian ist seit 1933 mit einer Jesusstatue gekrönt, die jeden Oktober von Tausenden Pilgern besucht wird.

Große christliche Festlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Antonius-Fest in Manatuto

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Durand, Frédéric: Catholicisme et Protestantisme dans l'Ile de Timor 1556–2003: Construction d'une Identité Chrétienne et Engagement Politique Contemporain, Editions Arkuiris; Bangkok: IRASEC Toulouse 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römisch-katholische Kirche in Osttimor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ab Direcção Nacional de Estatística: Population and Housing Census 2010, Population Distribution by Administrative Areas, Volume 2., abgerufen am 14. Oktober 2015.
  2. Verfassung von Osttimor (portugiesisch), abgerufen am 29. Mai 2015.
  3. UCA news: Vatican, Timor-Leste sign bilateral agreement, 14. August 2015, abgerufen am 15. August 2015.
  4. ab Damien Kingsbury: National Identity in Timor-Leste: A Brief Comparative Study, S. 139–145, Swinburne Press 2009, abgerufen am 14. Oktober 2015.
  5. Australian Department of Defence, Patricia Dexter: Historical Analysis of Population Reactions to Stimuli – A case of East Timor (Memento vom 13. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 1,1 MB)
  6. Scamberi, James: A Survey of Gangs and Youth Groups in Dili, Timor-Leste (PDF; 3,1 MB), abgerufen am 20. Mai 2012.
  7. ab Judith Bovensiepen, Frederico Delgado Rosa: Transformations of the sacred in East Timor, S. 35–36, abgerufen am 27. Dezember 2017.
  8. Bild des Denkmals zur ersten Landung der Portugiesen auf Timor
  9. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29–32.
  10. ab Chronologie de l’histoire du Timor (1512–1945) suivie des événements récents (1975–1999) (französisch; PDF; 887 kB)
  11. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29.
  12. Religion Catholicism and ancestral cults – Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University
  13. Artur Teodoro de Matos: D. Frei Manuel de Santo António: missionário e primeiro bispo residente em Timor. Elementos para a sua biografia (1660–1733) (portugiesisch).
  14. ab Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650–1769
  15. Instituto Camões
  16. Profiles Of Eminents Goans: Past And Present, Concept Publishing Company, New Delhi, ISBN 81-7022-619-8.
  17. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29–32.
  18. James J. Fox: “The Paradox of Powerlessness: Timor in Historical Perspective”, 9. Dezember 1996, Department of Anthropology, Research School of Pacific and Asian Studies, The Australian National University (Memento vom 6. Juli 2007 im Internet Archive) (PDF; 70 kB)
  19. Alberto Ricardo da Silva: HISTÓRIA BADAK DIOCESE DILI NIAN, 24. April 2015, abgerufen am 23. November 2017.
  20. Forum Hakesuk: 1769 O Onzo de Agosto na História de Timor-Leste, abgerufen am 23. November 2017.
  21. Susana Barnes, Hans Hägerdal, Lisa Palmer: An East Timorese Domain – Luca from Central and Peripheral Perspectives, S. 332, 2017, DOI: 10.1163/22134379-17302020, abgerufen am 22. November 2017.
  22. Forum Hakesuk: Confêrencia nas Celebrações do Primeiro Centenário do Nascimento do Senhor Dom Jaime Garcia Goulart, 28. Mai 2008, abgerufen am 23. November 2017.
  23. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 50.
  24. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 65.
  25. Património de Influência Portuguesa: Mission of the Sacred Heart of Jesus, abgerufen am 15. November 2016.
  26. Durand, S. 5.
  27. Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 165.
  28. Zenit, 12. Mai 2005, Osttimor: Kirche und Staat lösen Problem des Religionsunterrichts, abgerufen am 20. Mai 2012.
  29. Erezione della Diocesi di Maliana (Timor Orientale) e Nomina del primo Vescovo, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 30. Januar 2010.
  30. Papst Benedikt XVI.: Apostolische Konstitution Malianensis, 30. Januar 2010
  31. IMMACULATE CONCEPTION CATHEDRAL. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  32. Pittwater Friends of Soibada: Soibada (Memento vom 16. Februar 2014 im Internet Archive), abgerufen am 27. September 2013
  33. Bilder der Passionsspiele auf dem Facebookaccount der ZEESM, abgerufen am 11. Juni 2014.
  34. Festival St. Antonio (Manatuto)
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