Scaliger-Grabmäler

Die mit Reiterstandbildern überhöhten Grabmäler der Scaliger aus dem 14. Jahrhundert in der oberitalienischen Stadt Verona gehören zu den ältesten nachantiken Monumentaldarstellungen ihrer Art. Die Grabdenkmäler befinden sich auf dem zwischen der ehemaligen Residenz der Stadtherren von Verona und der kleinen Kirche S. Maria Antica gelegenen Friedhof.

Santa Maria Antica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald nachdem die Scaliger 1260 die Herrschaft über Verona an sich gebracht hatten, machten sie den bestehenden, 1185 geweihten romanischen Bau zu ihrer Hauskirche. Eine Barockisierung um 1630 wurde 1897 wieder rückgängig gemacht und die Gewölbe erneuert. Im Inneren ist dadurch die ursprüngliche Grundform mit den drei Schiffen, die von Apsiden geschlossen werden, wieder deutlich; die Außenwände zeigen die für Verona typische Schichtung aus Back- und Tuffsteinlagen.

Grabmal Cansignorio, dahinter rechts Grabmal Masino II., hinten links an der Wand Grabmal Cangrande I.
Sarkophag des Grabmals Cangrande

Der Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste der Scaligergräber ist das von Mastino I. († 1277), ein Wandnischengrab an der Kirchenwand. Auf eigenem Areal hinter den schönen schmiedeeisernen Gittern des 14. Jahrhunderts zwischen den im Folgenden besprochenen freistehenden Prunkgräbern befinden sich die schlichten Grabmäler von Bartolomeo I. († 1304), Cangrande II. († 1359) und Bartolomeo II. († 1381). Die Grabplatte des Alberto I. († 1301) zeigt bereits, wenn auch nur im Relief, den Verstorbenen als Reiter.

Grabmal des Cangrande I. († 1329)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über dem Nordportal der Kirche kragt ein Baldachin vor, unter dem der bedeutendste Scaliger bestattet ist. Zwei Hunde (Hund, it.: cano), die das Leiterwappen (Leiter, it.: scala) der Scaliger halten, tragen den mit Reliefs reich geschmückten Sarkophag. Darüber ruht die Liegefigur des aufgebahrten Toten. Der gotische Baldachin war ursprünglich auch zum Kirchenraum hin geöffnet, das Grabmal also von innen und außen sichtbar. Hoch oben auf dem Baldachindach ist eine Kopie des ursprünglichen Reiterstandbildes aufgestellt, seit 1907 befindet sich das zuvor herabgestürzte Original im Museum des Castelvecchio der Stadt. Obwohl das Pferd ruhig stehend gegeben ist, wird durch die Wendung der Köpfe hin zum Betrachter auf dem Kirchhof, die leicht wehende Satteldecke und das Lächeln[1] eine physische und emotionale Bewegtheit deutlich. Auch die Liegefigur lächelt. Doch ist die Miene „nicht als individueller Wesenszug aufzufassen. Sie ist ein traditionelles Attribut des tugendhaften Herrschers“, bestenfalls eine „konventionelle Maske“ (Seiler). Sie hatte sich erst mit der Gotik in der Skulptur Mitteleuropas ausgebreitet.

Grabmal des Mastino II. († 1351)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zu Lebzeiten ließ sich um 1345–1350 der Neffe und Nachfolger von Cangrande I. das freistehende Baldachingrabmal auf dem eingezäunten Areal des Familienfriedhofs errichten. Vier Säulen tragen eine Plattform, auf der Sarkophag und Baldachin stehen. Der Verstorbene ist sowohl als Liegefigur auf dem Tumbenkasten dargestellt, als auch ganz oben hoch auf dem steilen Pyramidendach als unterlebensgroße Reiterfigur in voller Rüstung und mit geschlossenem Visier. Die seitlichen Giebel des Baldachindachs zeigen Szenen aus dem Alten Testament.

Grabmal des Cansignorio († 1375)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das wenn auch nicht qualitätvollste, so doch reichst geschmückte Scaliger-Grabdenkmal schuf der Bildhauer Bonino da Campione 1375–1376 für Cansignorio della Scala (it.: cansignorio = Leithund), einen Sohn Mastinos II. Auf sechseckigem Grundriss umgibt eine von sechs heiligen Rittern unter Baldachinen bewachte Schranke das Monument mit dem nun schon traditionellen Aufbau: Rundstützen – Podestplatte – Tumba – Liegefigur – Baldachin – Dachaufbau – Reiterfigur, nur eben dekorativ, architektonisch und skulptural angereichert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Seiler: Das Lächeln des Cangrande della Scala. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 62 (1999), S. 136–143, mit weiterführender Literatur. Auch digital: [1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Wundram (Hrsg.): Oberitalien Ost (Reclams Kunstführer Italien Bd. 2), S. 1034–1037.
  • Peter Seiler: Mittelalterliche Reitermonumente. Studien zu personalen Monumentsetzungen in den italienischen Kommunen und Signorien des 13. und 14.Jahrkunderts, Phil. Diss., Universität Heidelberg 1989, Bd. I, 260–319 und Bd. II, 97–268.
  • Peter Seiler: Residenz, Kirche, Grablege. Zur Entstehungsgeschichte des Residenzensembles der Scaliger in Verona, in: Architectural Studies in Memory of Richard Krautheimer, hrsg. von Cecil L. Striker, Mainz 1996, 151–156.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scaliger-Grabmäler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 45° 26′ 37,1″ N, 10° 59′ 56,1″ O

Die mit Reiterstandbildern überhöhten Grabmäler der Scaliger aus dem 14. Jahrhundert in der oberitalienischen Stadt Verona gehören zu den ältesten nachantiken Monumentaldarstellungen ihrer Art. Die Grabdenkmäler befinden sich auf dem zwischen der ehemaligen Residenz der Stadtherren von Verona und der kleinen Kirche S. Maria Antica gelegenen Friedhof.

Santa Maria Antica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald nachdem die Scaliger 1260 die Herrschaft über Verona an sich gebracht hatten, machten sie den bestehenden, 1185 geweihten romanischen Bau zu ihrer Hauskirche. Eine Barockisierung um 1630 wurde 1897 wieder rückgängig gemacht und die Gewölbe erneuert. Im Inneren ist dadurch die ursprüngliche Grundform mit den drei Schiffen, die von Apsiden geschlossen werden, wieder deutlich; die Außenwände zeigen die für Verona typische Schichtung aus Back- und Tuffsteinlagen.

Grabmal Cansignorio, dahinter rechts Grabmal Masino II., hinten links an der Wand Grabmal Cangrande I.
Sarkophag des Grabmals Cangrande

Der Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste der Scaligergräber ist das von Mastino I. († 1277), ein Wandnischengrab an der Kirchenwand. Auf eigenem Areal hinter den schönen schmiedeeisernen Gittern des 14. Jahrhunderts zwischen den im Folgenden besprochenen freistehenden Prunkgräbern befinden sich die schlichten Grabmäler von Bartolomeo I. († 1304), Cangrande II. († 1359) und Bartolomeo II. († 1381). Die Grabplatte des Alberto I. († 1301) zeigt bereits, wenn auch nur im Relief, den Verstorbenen als Reiter.

Grabmal des Cangrande I. († 1329)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über dem Nordportal der Kirche kragt ein Baldachin vor, unter dem der bedeutendste Scaliger bestattet ist. Zwei Hunde (Hund, it.: cano), die das Leiterwappen (Leiter, it.: scala) der Scaliger halten, tragen den mit Reliefs reich geschmückten Sarkophag. Darüber ruht die Liegefigur des aufgebahrten Toten. Der gotische Baldachin war ursprünglich auch zum Kirchenraum hin geöffnet, das Grabmal also von innen und außen sichtbar. Hoch oben auf dem Baldachindach ist eine Kopie des ursprünglichen Reiterstandbildes aufgestellt, seit 1907 befindet sich das zuvor herabgestürzte Original im Museum des Castelvecchio der Stadt. Obwohl das Pferd ruhig stehend gegeben ist, wird durch die Wendung der Köpfe hin zum Betrachter auf dem Kirchhof, die leicht wehende Satteldecke und das Lächeln[1] eine physische und emotionale Bewegtheit deutlich. Auch die Liegefigur lächelt. Doch ist die Miene „nicht als individueller Wesenszug aufzufassen. Sie ist ein traditionelles Attribut des tugendhaften Herrschers“, bestenfalls eine „konventionelle Maske“ (Seiler). Sie hatte sich erst mit der Gotik in der Skulptur Mitteleuropas ausgebreitet.

Grabmal des Mastino II. († 1351)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zu Lebzeiten ließ sich um 1345–1350 der Neffe und Nachfolger von Cangrande I. das freistehende Baldachingrabmal auf dem eingezäunten Areal des Familienfriedhofs errichten. Vier Säulen tragen eine Plattform, auf der Sarkophag und Baldachin stehen. Der Verstorbene ist sowohl als Liegefigur auf dem Tumbenkasten dargestellt, als auch ganz oben hoch auf dem steilen Pyramidendach als unterlebensgroße Reiterfigur in voller Rüstung und mit geschlossenem Visier. Die seitlichen Giebel des Baldachindachs zeigen Szenen aus dem Alten Testament.

Grabmal des Cansignorio († 1375)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das wenn auch nicht qualitätvollste, so doch reichst geschmückte Scaliger-Grabdenkmal schuf der Bildhauer Bonino da Campione 1375–1376 für Cansignorio della Scala (it.: cansignorio = Leithund), einen Sohn Mastinos II. Auf sechseckigem Grundriss umgibt eine von sechs heiligen Rittern unter Baldachinen bewachte Schranke das Monument mit dem nun schon traditionellen Aufbau: Rundstützen – Podestplatte – Tumba – Liegefigur – Baldachin – Dachaufbau – Reiterfigur, nur eben dekorativ, architektonisch und skulptural angereichert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Seiler: Das Lächeln des Cangrande della Scala. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 62 (1999), S. 136–143, mit weiterführender Literatur. Auch digital: [1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Wundram (Hrsg.): Oberitalien Ost (Reclams Kunstführer Italien Bd. 2), S. 1034–1037.
  • Peter Seiler: Mittelalterliche Reitermonumente. Studien zu personalen Monumentsetzungen in den italienischen Kommunen und Signorien des 13. und 14.Jahrkunderts, Phil. Diss., Universität Heidelberg 1989, Bd. I, 260–319 und Bd. II, 97–268.
  • Peter Seiler: Residenz, Kirche, Grablege. Zur Entstehungsgeschichte des Residenzensembles der Scaliger in Verona, in: Architectural Studies in Memory of Richard Krautheimer, hrsg. von Cecil L. Striker, Mainz 1996, 151–156.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scaliger-Grabmäler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 45° 26′ 37,1″ N, 10° 59′ 56,1″ O

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