Tamilische Brahmanen

Tamilische Brahmanen sind Angehörige der Kaste der Brahmanen, die der Ethnie der Tamilen angehören.

Verbreitung und Anzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tamilischen Brahmanen stammen ursprünglich aus dem südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Migrationsbedingt leben viele tamilische Brahmanen auch in anderen Teilen Indiens sowie im Ausland.

Die Anzahl der tamilischen Brahmanen lässt sich nur schwer beziffern, weil bei der indischen Volkszählung seit 1931 keine Daten zur Kastenzugehörigkeit erhoben werden. 1931 betrug der brahmanische Bevölkerungsanteil in den tamilischen Distrikten der damaligen Präsidentschaft Madras (weitgehend deckungsgleich mit dem heutigen Bundesstaat Tamil Nadu) 2,5 Prozent, darunter 1,9 Prozent tamilische und 0,6 Prozent andere (hauptsächlich telugusprachige) Brahmanen. Rechnet man die Zahlen von 1931 auf die aktuelle Einwohnerzahl hoch, lässt sich die Anzahl der tamilischen Brahmanen im Jahr 2011 auf etwa 1,85 Millionen schätzen. Schätzungsweise 75 Prozent der tamilischen Brahmanen leben im Bundesstaat Tamil Nadu (hauptsächlich in Städten, vor allem in der Hauptstadt Chennai), 20 Prozent in anderen Teilen Indiens (vor allem in Großstädten wie Bangalore, Mumbai und Delhi) und 5 Prozent im Ausland.[1]

In Sri Lanka spielen die tamilischen Brahmanen anders als in Indien kaum eine Rolle. Unter der tamilischen Bevölkerung Sri Lankas (siehe Sri-Lanka-Tamilen) sind Brahmanen, abgesehen von einer zahlenmäßig kleinen Gruppe von Tempelpriestern, praktisch nicht präsent. Auf der Jaffna-Halbinsel stellen Brahmanen weniger als ein Prozent der Bevölkerung.[2]

Verteilung der tamilischen Brahmanen 2011 (Schätzung nach Fuller & Narasimhan)[3]
Ort Anzahl Anteil
Tamil Nadu 1.390.000 75,1 %
— Chennai 390.000 21,1 %
— sonstige Städte in Tamil Nadu 920.000 49,7 %
— Dörfer in Tamil Nadu 80.000 4,3 %
Bangalore, Mumbai und Delhi 200.000 10,8 %
Rest Indiens 160.000 8,6 %
Ausland 100.000 5,4 %
Gesamt 1.850.000 100 %

Untergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tamilischen Brahmanen teilen sich in zwei Untergruppen auf: die Aiyar (Iyer) oder Smarthas und die Aiyangar (Iyengar) oder Sri Vaishnavas. Die Aiyar gehören der shivaitischen, die Aiyangar der vishnuitischen Richtung des Hinduismus an. Die Aiyar teilen sich in vier Unterkasten (Vadama, Brahmacharanam, Ashtasahasram und Vattima), die Aiyangar in zwei Unterkasten (Vadakalai und Thenkalai) auf. Traditionell waren diese Unterkasten endogam, heute sind jedoch Heiraten zwischen tamilischen Brahmanen verschiedener Unterkasten nicht ungewöhnlich. Früher trugen trugen tamilische Brahmanen die Kastenbezeichnung Aiyar bzw. Aiyangar (bisweilen auch andere Bezeichnungen wie Acharya oder Sastri) als Nachnamen. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist der Gebrauch kastenbasierter Nachnamen in Tamil Nadu aber ungebräuchlich geworden.[4]

Zu den Unterkasten der tamilischen Brahmanen sind seit der indischen Volkszählung 1891 keine Daten mehr erhoben worden. Ihre relativen Anteile dürften aber recht stabil geblieben sein. 1891 machten die Aiyer rund zwei Drittel und die Aiyangar ein Drittel der tamilischen Brahmanen aus. Im Einzelnen teilten sich die Unterkasten wie folgt auf:

Anteil der Unterkasten nach der Volkszählung 1891[5]
Unterkaste Anteil
Aiyar 67,9 %
— Vadama 37,8 %
— Brahmacharanam 15,9 %
— Ashtasahasram 4,8 %
— Vattima 3,3 %
— Choliya 3,1 %
— Adishaiva/Gurukkal 3,1 %
Aiyangar 32,1 %
— Vadakalai 18,5 %
— Thenkalai 13,5 %

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. J. Fuller und Haripriya Narasimhan: Tamil Brahmans. The Making of a Middle-Class Caste, Chicago/London: University of Chicago Press, 2014, S. 231–232.
  2. Jakob Rösel: Gestalt und Entstehung des tamilischen Nationalismus, Berlin: Ducker & Humblot, 1997, S. 174–176.
  3. Fullger & Narasimhan 2014, S. 240.
  4. Fuller & Narasimhan 2014, S. 6.
  5. Zitiert nach Fuller & Narasimhan 2014, S. 241.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. J. Fuller und Haripriya Narasimhan: Tamil Brahmans. The Making of a Middle-Class Caste. Chicago/London: University of Chicago Press, 2014.

Tamilische Brahmanen sind Angehörige der Kaste der Brahmanen, die der Ethnie der Tamilen angehören.

Verbreitung und Anzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tamilischen Brahmanen stammen ursprünglich aus dem südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Migrationsbedingt leben viele tamilische Brahmanen auch in anderen Teilen Indiens sowie im Ausland.

Die Anzahl der tamilischen Brahmanen lässt sich nur schwer beziffern, weil bei der indischen Volkszählung seit 1931 keine Daten zur Kastenzugehörigkeit erhoben werden. 1931 betrug der brahmanische Bevölkerungsanteil in den tamilischen Distrikten der damaligen Präsidentschaft Madras (weitgehend deckungsgleich mit dem heutigen Bundesstaat Tamil Nadu) 2,5 Prozent, darunter 1,9 Prozent tamilische und 0,6 Prozent andere (hauptsächlich telugusprachige) Brahmanen. Rechnet man die Zahlen von 1931 auf die aktuelle Einwohnerzahl hoch, lässt sich die Anzahl der tamilischen Brahmanen im Jahr 2011 auf etwa 1,85 Millionen schätzen. Schätzungsweise 75 Prozent der tamilischen Brahmanen leben im Bundesstaat Tamil Nadu (hauptsächlich in Städten, vor allem in der Hauptstadt Chennai), 20 Prozent in anderen Teilen Indiens (vor allem in Großstädten wie Bangalore, Mumbai und Delhi) und 5 Prozent im Ausland.[1]

In Sri Lanka spielen die tamilischen Brahmanen anders als in Indien kaum eine Rolle. Unter der tamilischen Bevölkerung Sri Lankas (siehe Sri-Lanka-Tamilen) sind Brahmanen, abgesehen von einer zahlenmäßig kleinen Gruppe von Tempelpriestern, praktisch nicht präsent. Auf der Jaffna-Halbinsel stellen Brahmanen weniger als ein Prozent der Bevölkerung.[2]

Verteilung der tamilischen Brahmanen 2011 (Schätzung nach Fuller & Narasimhan)[3]
Ort Anzahl Anteil
Tamil Nadu 1.390.000 75,1 %
— Chennai 390.000 21,1 %
— sonstige Städte in Tamil Nadu 920.000 49,7 %
— Dörfer in Tamil Nadu 80.000 4,3 %
Bangalore, Mumbai und Delhi 200.000 10,8 %
Rest Indiens 160.000 8,6 %
Ausland 100.000 5,4 %
Gesamt 1.850.000 100 %

Untergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tamilischen Brahmanen teilen sich in zwei Untergruppen auf: die Aiyar (Iyer) oder Smarthas und die Aiyangar (Iyengar) oder Sri Vaishnavas. Die Aiyar gehören der shivaitischen, die Aiyangar der vishnuitischen Richtung des Hinduismus an. Die Aiyar teilen sich in vier Unterkasten (Vadama, Brahmacharanam, Ashtasahasram und Vattima), die Aiyangar in zwei Unterkasten (Vadakalai und Thenkalai) auf. Traditionell waren diese Unterkasten endogam, heute sind jedoch Heiraten zwischen tamilischen Brahmanen verschiedener Unterkasten nicht ungewöhnlich. Früher trugen trugen tamilische Brahmanen die Kastenbezeichnung Aiyar bzw. Aiyangar (bisweilen auch andere Bezeichnungen wie Acharya oder Sastri) als Nachnamen. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist der Gebrauch kastenbasierter Nachnamen in Tamil Nadu aber ungebräuchlich geworden.[4]

Zu den Unterkasten der tamilischen Brahmanen sind seit der indischen Volkszählung 1891 keine Daten mehr erhoben worden. Ihre relativen Anteile dürften aber recht stabil geblieben sein. 1891 machten die Aiyer rund zwei Drittel und die Aiyangar ein Drittel der tamilischen Brahmanen aus. Im Einzelnen teilten sich die Unterkasten wie folgt auf:

Anteil der Unterkasten nach der Volkszählung 1891[5]
Unterkaste Anteil
Aiyar 67,9 %
— Vadama 37,8 %
— Brahmacharanam 15,9 %
— Ashtasahasram 4,8 %
— Vattima 3,3 %
— Choliya 3,1 %
— Adishaiva/Gurukkal 3,1 %
Aiyangar 32,1 %
— Vadakalai 18,5 %
— Thenkalai 13,5 %

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. J. Fuller und Haripriya Narasimhan: Tamil Brahmans. The Making of a Middle-Class Caste, Chicago/London: University of Chicago Press, 2014, S. 231–232.
  2. Jakob Rösel: Gestalt und Entstehung des tamilischen Nationalismus, Berlin: Ducker & Humblot, 1997, S. 174–176.
  3. Fullger & Narasimhan 2014, S. 240.
  4. Fuller & Narasimhan 2014, S. 6.
  5. Zitiert nach Fuller & Narasimhan 2014, S. 241.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. J. Fuller und Haripriya Narasimhan: Tamil Brahmans. The Making of a Middle-Class Caste. Chicago/London: University of Chicago Press, 2014.
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