Unitarismus in den USA

Der Unitarismus in den USA entwickelte sich im Wesentlichen wie in England. Er durchlief die Stadien vom frühen Antitrinitarismus bis hin zum Rationalismus und Modernismus. Als Grundlage diente eine großzügige Aufnahme der Ergebnisse der vergleichenden Religionswissenschaft. Schwerpunkt des amerikanischen Unitarismus war im frühen 18. Jahrhundert vor allem Neuengland.

Hauptartikel: Unitarismus

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antitrinitarisches Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor dem Unabhängigkeitskrieg zeigten sich vereinzelte Fälle des Antitrinitarismus, und auch der aus der französischen Aufklärung kommende Deismus verbreitete sich. Eine feste Organisationsstruktur gab es jedoch noch nicht.Doch schon Mitte des 18. Jahrhunderts übernahmen zahlreiche Theologen in Neuengland eine im Wesentlichen antritrinitarisch-unitarische Positionierung. Prominentester Vertreter war Jonathan Mayhew (1720–1766), der zwischen 1747 und 1766 als Pastor an der West Church in Boston wirkte. Er verkündete die strikte Einigkeit Gottes, die Subordination der Natur Christi und die Erlösung durch die Schrift.

Charles Chauncy (1705–1787), Pastor der First Church von 1727 bis zu seinem Tod und Hauptgegner Edwards im Great Awakening, war sowohl Unitarier als auch Universalist. Andere Unitarier waren Ebenezer Gay (1698–1787) in Hingham, Samuel West (1730–1807) in New Bedford, Thomas Barnard (1748–1814) in Newbury, John Prince (1751–1836) und William Bentley (1758–1819) in Salem sowie Aaron Bancroft (1755–1836) in Worcester.

Die erste offizielle Aufnahme des unitarischen Glaubens in einer Kirchengemeinde erfolgte 1782 in der Kings Chapel in Boston unter James Freeman (1759–1835), der das Gebetbuch 1785 zu einer unitarischen Liturgie herabmilderte. William Hazlitt, der 1783–1785 die USA bereiste, berichtete von unitarischen Gemeinden unter anderem in Philadelphia, Boston, Charleston, Pittsburgh, Hallowell und Cape Cod.

1792 wurden in Portland und Saco unitarische Gemeinden von Thomas Oxnard gegründet; 1800 konvertierte die First Church in Plymouth zum liberaleren Glauben. Der 1794 in die USA eingewanderte Joseph Priestley gründete im selben Jahr eine unitarische Kirche in Northumberland (Pennsylvania) und 1796 eine in Philadelphia. Seine Schriften waren von erheblicher Wirksamkeit.

Etwa 1725 bis 1825 entwickelte sich in Neuengland und darüber hinaus ein toleranterer und rationalerer Glaube. Erste sichtbare Spuren dieser Veränderung hinterließ 1805 die Ordination von Henry Ware (1764–1845) zum Professor of divinity am Harvard College.

Im gleichen Jahr erschienen unitarische Bücher von John Sherman (1772–1828) und Hosea Ballou (1771–1852); 1810 von Noah Worcester (1758–1837). Anfang des 19. Jahrhunderts waren – bis auf eine Ausnahme – alle Bostoner Predigtstellen von Unitariern besetzt und etliche unitarische Zeitschriften und Organisationen veröffentlichten dort ihre Ansichten. Zur selben Zeit entstanden unitarische Kirchen, darunter in New York City, Baltimore, Washington, D.C. und Charleston.

1800 wurde Joseph Stevens Buckminster Pfarrer der Brattle Street Church in Boston. Durch seine brillanten Predigten, seine literarische Tätigkeit und akademische Förderung des deutschen „New Criticism“ verhalf er in der Folgezeit dem Unitarismus in Neuengland zu weiterem Wachstum.

Buckminsters nächster Gefährte war William Ellery Channing (1780–1842), der 1803 nach Boston kam und bald zum Führer der unitarischen Bewegung avancierte. Zunächst eher mystisch als rationalistisch eingestellt, wandte er sich den „Catholic Christians“ – wie sie sich nannten – zu, die eine harmonische Vereinigung des Christentums mit dem Fortschritt der Zeit anstrebten. Seine Aufsätze Das System der Exklusion und der Denunziation in der Religion (1815) und Einwände gegen das unitarische Christentum – Unitarier. Kritisch betrachtet (1819) machten ihn zu einem Apologeten des Unitarismus. Seine Predigt über das Unitarische Christentum, gehalten 1819 in Baltimore anlässlich der Ordination von Jared Sparks, und die Abhandlung 1821 in New York Warum das unitarische Christentum am vorteilhaftesten für die Frömmigkeit ist machten ihn zu seinem führenden Interpreten.

Das Resultat war eine wachsende Aufteilung in kongregationalistische Kirchen, die 1825 durch die Anordnung der American Unitarian Association in Boston angeregt wurde. Dieser Schritt erfolgte, um „das Wissen und die Interessen des reinen Christentums zu verbreiten“ und zu fördern. Man veröffentlichte Traktate und Bücher, unterstützte bedürftige Gemeinden, entsandte Missionare in jeden Teil des Landes und gründete neue Kirchen in fast allen Bundesstaaten.

Im Wesentlichen nichtsektiererisch und ohne übertrieben missionarischen Eifer wuchs die unitarische Bewegung langsam an; aber ihr Einfluss wirkte wesentlich durch die allgemeine Kultur und Literatur des Landes. Viele ihrer Geistlichen entstammten anderen Denominationen; allerdings war die Harvard Divinity School von 1816 bis 1870 erklärtermaßen und grundsätzlich unitarisch, bis sie 1870 eine integrierte Abteilung der Universität wurde. Die Meadville (Pa.) Theological School wurde 1844 gegründet; 1904 die Unitarian Theological School at Berkeley (Kalifornien).

Die Entwicklung des unitarischen Denkens in den USA umfasst drei Perioden. Die erste, von 1800 bis 1835, war im Wesentlichen beeinflusst durch die englische Philosophie, semi-supranaturalistisch, nicht vollständig rationalistisch, der Philanthropie und dem praktischen Christentum verpflichtet. William Ellery Channing war ihr prominenter Vertreter.

Einfluss des Idealismus und Transzendentalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Phase (1835–1885) war wesentlich beeinflusst durch den deutschen Idealismus (siehe Transzendentalismus), in zunehmendem Maße rationalistisch, obwohl ihre Theologie reichlich Anteile von Mystizismus aufwies. In dieser Zeit lösten sich bereits erste Unitarier von ihren christlichen Wurzeln. Die 1865 gegründete National Unitarian Conference bestätigte jedoch klare christliche Grundsätze und formulierte, dass ihre Mitglieder „Jünger des Herrn Jesus Christus“ seien. Daraufhin bildete die rationalistische Minderheit eine freireligiöse Verbindung (Free Religious Association), „um das wissenschaftliche Studium der Theologie anzuregen und die Gemeinschaft im Geist zu fördern“. Die Western Unitarian Association übernahm diese Position und gründete eine „Gemeinschaft ohne dogmatische Prüfungen“, doch mit dem aufrichtigen Wunsch, die „Wahrheit, Rechtschaffenheit und Liebe in der Welt zu verbreiten“.

Diese Periode der Kontroverse und der aktiven theologischen Gestaltung endete bald nach 1885. Ihr Ende wurde durch die Tätigkeit der nationalen Konferenz in Saratoga bestätigt, als nahezu einmütig beschlossen wurde: „Diese Kirchen halten sich an die Religion Jesu, in Übereinstimmung mit seinen Lehren, dass die praktische Religion sich in der Liebe zu Gott und dem Menschen äußert. Die Konferenz erkennt die Tatsache, dass ihre Verfassung auf die Gemeinde in Tradition und Gegenwart ist. Daher erklärt sie, dass nichts in dieser Verfassung als autoritärer Test gelten soll; und wir laden herzlich jene in unsere Gemeinschaft ein, die sich von uns im Glauben unterscheiden, oder eine allgemeine Sympathie zu unserem Sinn und unseren praktischen Zielen hegen.“ Die Führer dieser Periode waren Ralph Waldo Emerson mit seinem Idealismus und Theodore Parker mit seiner Sicht des Christentums als absolute Religion.

Hinwendung zum Rationalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dritte Periode begann etwa 1885 als Periode des Rationalismus, mit der die Mehrheit der amerikanischen Unitarier sich von einem christlich-antitrinitarischen Verständnis abwandte und sich zunehmend als universale Religion verstand, wohl aber in dem ethischen Anspruch, die höheren Ziele des Christentums zu verwirklichen. Sie war gekennzeichnet durch Einheitlichkeit, Wachstum in der Zahl der Kirchen und eine wachsende Gemeinschaft mit anderen ähnlich gesinnten Bewegungen.

Diese Phase fand ihre Gestalt in der Gründung des Internationalen Rates unitarischer und anderer freireligiöser Denker und Arbeiter in Boston am 25. Mai, „um eine Verbindung zu den Menschen aller Länder zu knüpfen, die sich mühen, die reine Religion mit der vollkommenen Freiheit zu vereinigen, und die Gemeinschaft und Zusammenarbeit zu fördern.“ Dieser Rat tagte im Zweijahresrhythmus in London, Amsterdam, Genf und Boston. Nach 1885, als der Einfluss Emersons wuchs, wurde der Unitarismus durch die wissenschaftlichere Predigt Minot J. Savages geprägt und fand seine Führer in Darwin und Spencer.

Die Zahl unitarischer Kirchen in den USA betrug 1909 461, mit 541 Geistlichen bei einer Kirchenmitgliedschaft von rund 100.000. Die Zeitschriften waren: The Christian Register, wöchentlich, Boston; Unity, wöchentlich, Chicago; The Unitarian, monatlich, New York; Old and New, monatlich, Des Moines; Pacific Unitarian, San Francisco. Über die eigenen Grenzen hinaus erreichte die Gemeinschaft Anerkennung durch die Publikationen Henry Whitney Bellows’, Edward Everett Hales, den einflussreichen James Freeman Clarke und die Popularität Robert Collyers.

Zusammenschluss mit den Universalisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1961 vereinigte sich die American Unitarian Association mit der Universalist Church of America zur Unitarian Universalist Association of Congregations (UUA).[1] Die UUA versteht sich nicht mehr als genuin christliche, sondern als für alle Menschen offene Religionsgemeinschaft. Bereits vor dem Zusammenschluss der US-amerikanischen Unitarier und Universalisten gründete sich 1945 die Unitarian Universalist Christian Fellowship (UUCF), die sich zur Aufgabe gemacht hat, die verbleibenden Christen unter den Unitarier-Universalisten zu betreuen. Entsprechende Ziele verfolgt die zu Beginn der 1990er Jahre gegründete Unitarian Universalist Buddhist Fellowship (UUBF)[2], die die Buddhisten unter den Unitarier-Universailsten betreut.

2004 wurde der Red River Unitarian Universalist Church in Denison (Texas) die staatliche Steuerfreiheit verweigert, weil die Kirche angeblich „kein Glaubenssystem“ habe. Dieser in der Geschichte der Vereinigten Staaten wohl einmalige Fall, dass einer unitarischen Kirche dieser Status wegen Glaubensfragen verweigert wurde, wurde später wieder rückgängig gemacht.

Neugründungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2002 wurde schließlich die American Unitarian Conference (AUC)[3] mit dem Ziel der „Erneuerung des historischen unitarischen Glaubens“ gegründet. Sie vertritt ein Bündel Gott-zentrierter (= theistischer) religiöser Grundregeln, verzichtet aber – wie der unitarische Universalismus – auf ein verbindliches Glaubensbekenntnis der Mitglieder.

Anders positioniert sich die Unitarian Christian Church of America (UCCA), die sich als genuin christliche Kirche versteht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, christlich-antitrinitarische Unitarier in einer Organisation zu vernetzen. Gegründet wurde sie 2016 aus dem Zusammenschluss der Unitarian Christian Emerging Church (UCEC) und der Unitarian Christian Conference USA (UCC).[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrew M. Hill: Unitarier. In: Theologische Realenzyklopädie 34, 2002, S. 332–339.
  • Earl Morse Wilbur: A History of Unitarianism – In Transylvania, England, and America. Beacon Press Boston 1977, ISBN 0-8070-1386-2.
  • Wolfgang Deppert, Werner Erdt, Aart de Groot (Hrsg.): Der Einfluß der Unitarier auf die europäisch-amerikanische Geistesgeschichte. Vorträge der ersten deutschen wissenschaftlichen Tagung zur Unitarismusforschung vom 13.–14. Juni 1985 in Hamburg. In: Unitarismusforschung, Band 1, Lang, Frankfurt am Main 1990, ISSN 0930-4118, ISBN 3-631-41859-0.
  • Kathryn Gleadle: The Early Feminists. Radical Unitarians and the Emergence of the Women’s Rights Movements, 1831–51. Macmillan, Basingstoke 1995, ISBN 0-333-63382-2.
  • Conrad Wright: The Unitarian Controversy. Essays on American Unitarian History. Skinner, Boston 1994, ISBN 1-55896-284-0 (englisch).
  • Friedrich Schrader: Robert College, in Nord und Süd, November 1919, S. 165–169 (beschreibt die Rolle der Unitarier und ihr gutes Verhältnis zu lokalen Derwisch­orden in Konstantinopel bei der Gründung des Robert College 1860).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unitarian Universalists – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unitarian Universalist Association of Congregations. Unitarian Universalist Association of Congregations, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  2. Welcome to the home page of the Unitarian Universalist Buddhist Fellowship! Unitarian Universalist Buddhist Fellowship, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  3. Welcome Unitarians! American Unitarian Conference, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  4. Unitarian Christian Church of America. Unitarian Christian Church of America, abgerufen am 26. Februar 2017.

Der Unitarismus in den USA entwickelte sich im Wesentlichen wie in England. Er durchlief die Stadien vom frühen Antitrinitarismus bis hin zum Rationalismus und Modernismus. Als Grundlage diente eine großzügige Aufnahme der Ergebnisse der vergleichenden Religionswissenschaft. Schwerpunkt des amerikanischen Unitarismus war im frühen 18. Jahrhundert vor allem Neuengland.

Hauptartikel: Unitarismus

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antitrinitarisches Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor dem Unabhängigkeitskrieg zeigten sich vereinzelte Fälle des Antitrinitarismus, und auch der aus der französischen Aufklärung kommende Deismus verbreitete sich. Eine feste Organisationsstruktur gab es jedoch noch nicht.Doch schon Mitte des 18. Jahrhunderts übernahmen zahlreiche Theologen in Neuengland eine im Wesentlichen antritrinitarisch-unitarische Positionierung. Prominentester Vertreter war Jonathan Mayhew (1720–1766), der zwischen 1747 und 1766 als Pastor an der West Church in Boston wirkte. Er verkündete die strikte Einigkeit Gottes, die Subordination der Natur Christi und die Erlösung durch die Schrift.

Charles Chauncy (1705–1787), Pastor der First Church von 1727 bis zu seinem Tod und Hauptgegner Edwards im Great Awakening, war sowohl Unitarier als auch Universalist. Andere Unitarier waren Ebenezer Gay (1698–1787) in Hingham, Samuel West (1730–1807) in New Bedford, Thomas Barnard (1748–1814) in Newbury, John Prince (1751–1836) und William Bentley (1758–1819) in Salem sowie Aaron Bancroft (1755–1836) in Worcester.

Die erste offizielle Aufnahme des unitarischen Glaubens in einer Kirchengemeinde erfolgte 1782 in der Kings Chapel in Boston unter James Freeman (1759–1835), der das Gebetbuch 1785 zu einer unitarischen Liturgie herabmilderte. William Hazlitt, der 1783–1785 die USA bereiste, berichtete von unitarischen Gemeinden unter anderem in Philadelphia, Boston, Charleston, Pittsburgh, Hallowell und Cape Cod.

1792 wurden in Portland und Saco unitarische Gemeinden von Thomas Oxnard gegründet; 1800 konvertierte die First Church in Plymouth zum liberaleren Glauben. Der 1794 in die USA eingewanderte Joseph Priestley gründete im selben Jahr eine unitarische Kirche in Northumberland (Pennsylvania) und 1796 eine in Philadelphia. Seine Schriften waren von erheblicher Wirksamkeit.

Etwa 1725 bis 1825 entwickelte sich in Neuengland und darüber hinaus ein toleranterer und rationalerer Glaube. Erste sichtbare Spuren dieser Veränderung hinterließ 1805 die Ordination von Henry Ware (1764–1845) zum Professor of divinity am Harvard College.

Im gleichen Jahr erschienen unitarische Bücher von John Sherman (1772–1828) und Hosea Ballou (1771–1852); 1810 von Noah Worcester (1758–1837). Anfang des 19. Jahrhunderts waren – bis auf eine Ausnahme – alle Bostoner Predigtstellen von Unitariern besetzt und etliche unitarische Zeitschriften und Organisationen veröffentlichten dort ihre Ansichten. Zur selben Zeit entstanden unitarische Kirchen, darunter in New York City, Baltimore, Washington, D.C. und Charleston.

1800 wurde Joseph Stevens Buckminster Pfarrer der Brattle Street Church in Boston. Durch seine brillanten Predigten, seine literarische Tätigkeit und akademische Förderung des deutschen „New Criticism“ verhalf er in der Folgezeit dem Unitarismus in Neuengland zu weiterem Wachstum.

Buckminsters nächster Gefährte war William Ellery Channing (1780–1842), der 1803 nach Boston kam und bald zum Führer der unitarischen Bewegung avancierte. Zunächst eher mystisch als rationalistisch eingestellt, wandte er sich den „Catholic Christians“ – wie sie sich nannten – zu, die eine harmonische Vereinigung des Christentums mit dem Fortschritt der Zeit anstrebten. Seine Aufsätze Das System der Exklusion und der Denunziation in der Religion (1815) und Einwände gegen das unitarische Christentum – Unitarier. Kritisch betrachtet (1819) machten ihn zu einem Apologeten des Unitarismus. Seine Predigt über das Unitarische Christentum, gehalten 1819 in Baltimore anlässlich der Ordination von Jared Sparks, und die Abhandlung 1821 in New York Warum das unitarische Christentum am vorteilhaftesten für die Frömmigkeit ist machten ihn zu seinem führenden Interpreten.

Das Resultat war eine wachsende Aufteilung in kongregationalistische Kirchen, die 1825 durch die Anordnung der American Unitarian Association in Boston angeregt wurde. Dieser Schritt erfolgte, um „das Wissen und die Interessen des reinen Christentums zu verbreiten“ und zu fördern. Man veröffentlichte Traktate und Bücher, unterstützte bedürftige Gemeinden, entsandte Missionare in jeden Teil des Landes und gründete neue Kirchen in fast allen Bundesstaaten.

Im Wesentlichen nichtsektiererisch und ohne übertrieben missionarischen Eifer wuchs die unitarische Bewegung langsam an; aber ihr Einfluss wirkte wesentlich durch die allgemeine Kultur und Literatur des Landes. Viele ihrer Geistlichen entstammten anderen Denominationen; allerdings war die Harvard Divinity School von 1816 bis 1870 erklärtermaßen und grundsätzlich unitarisch, bis sie 1870 eine integrierte Abteilung der Universität wurde. Die Meadville (Pa.) Theological School wurde 1844 gegründet; 1904 die Unitarian Theological School at Berkeley (Kalifornien).

Die Entwicklung des unitarischen Denkens in den USA umfasst drei Perioden. Die erste, von 1800 bis 1835, war im Wesentlichen beeinflusst durch die englische Philosophie, semi-supranaturalistisch, nicht vollständig rationalistisch, der Philanthropie und dem praktischen Christentum verpflichtet. William Ellery Channing war ihr prominenter Vertreter.

Einfluss des Idealismus und Transzendentalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Phase (1835–1885) war wesentlich beeinflusst durch den deutschen Idealismus (siehe Transzendentalismus), in zunehmendem Maße rationalistisch, obwohl ihre Theologie reichlich Anteile von Mystizismus aufwies. In dieser Zeit lösten sich bereits erste Unitarier von ihren christlichen Wurzeln. Die 1865 gegründete National Unitarian Conference bestätigte jedoch klare christliche Grundsätze und formulierte, dass ihre Mitglieder „Jünger des Herrn Jesus Christus“ seien. Daraufhin bildete die rationalistische Minderheit eine freireligiöse Verbindung (Free Religious Association), „um das wissenschaftliche Studium der Theologie anzuregen und die Gemeinschaft im Geist zu fördern“. Die Western Unitarian Association übernahm diese Position und gründete eine „Gemeinschaft ohne dogmatische Prüfungen“, doch mit dem aufrichtigen Wunsch, die „Wahrheit, Rechtschaffenheit und Liebe in der Welt zu verbreiten“.

Diese Periode der Kontroverse und der aktiven theologischen Gestaltung endete bald nach 1885. Ihr Ende wurde durch die Tätigkeit der nationalen Konferenz in Saratoga bestätigt, als nahezu einmütig beschlossen wurde: „Diese Kirchen halten sich an die Religion Jesu, in Übereinstimmung mit seinen Lehren, dass die praktische Religion sich in der Liebe zu Gott und dem Menschen äußert. Die Konferenz erkennt die Tatsache, dass ihre Verfassung auf die Gemeinde in Tradition und Gegenwart ist. Daher erklärt sie, dass nichts in dieser Verfassung als autoritärer Test gelten soll; und wir laden herzlich jene in unsere Gemeinschaft ein, die sich von uns im Glauben unterscheiden, oder eine allgemeine Sympathie zu unserem Sinn und unseren praktischen Zielen hegen.“ Die Führer dieser Periode waren Ralph Waldo Emerson mit seinem Idealismus und Theodore Parker mit seiner Sicht des Christentums als absolute Religion.

Hinwendung zum Rationalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dritte Periode begann etwa 1885 als Periode des Rationalismus, mit der die Mehrheit der amerikanischen Unitarier sich von einem christlich-antitrinitarischen Verständnis abwandte und sich zunehmend als universale Religion verstand, wohl aber in dem ethischen Anspruch, die höheren Ziele des Christentums zu verwirklichen. Sie war gekennzeichnet durch Einheitlichkeit, Wachstum in der Zahl der Kirchen und eine wachsende Gemeinschaft mit anderen ähnlich gesinnten Bewegungen.

Diese Phase fand ihre Gestalt in der Gründung des Internationalen Rates unitarischer und anderer freireligiöser Denker und Arbeiter in Boston am 25. Mai, „um eine Verbindung zu den Menschen aller Länder zu knüpfen, die sich mühen, die reine Religion mit der vollkommenen Freiheit zu vereinigen, und die Gemeinschaft und Zusammenarbeit zu fördern.“ Dieser Rat tagte im Zweijahresrhythmus in London, Amsterdam, Genf und Boston. Nach 1885, als der Einfluss Emersons wuchs, wurde der Unitarismus durch die wissenschaftlichere Predigt Minot J. Savages geprägt und fand seine Führer in Darwin und Spencer.

Die Zahl unitarischer Kirchen in den USA betrug 1909 461, mit 541 Geistlichen bei einer Kirchenmitgliedschaft von rund 100.000. Die Zeitschriften waren: The Christian Register, wöchentlich, Boston; Unity, wöchentlich, Chicago; The Unitarian, monatlich, New York; Old and New, monatlich, Des Moines; Pacific Unitarian, San Francisco. Über die eigenen Grenzen hinaus erreichte die Gemeinschaft Anerkennung durch die Publikationen Henry Whitney Bellows’, Edward Everett Hales, den einflussreichen James Freeman Clarke und die Popularität Robert Collyers.

Zusammenschluss mit den Universalisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1961 vereinigte sich die American Unitarian Association mit der Universalist Church of America zur Unitarian Universalist Association of Congregations (UUA).[1] Die UUA versteht sich nicht mehr als genuin christliche, sondern als für alle Menschen offene Religionsgemeinschaft. Bereits vor dem Zusammenschluss der US-amerikanischen Unitarier und Universalisten gründete sich 1945 die Unitarian Universalist Christian Fellowship (UUCF), die sich zur Aufgabe gemacht hat, die verbleibenden Christen unter den Unitarier-Universalisten zu betreuen. Entsprechende Ziele verfolgt die zu Beginn der 1990er Jahre gegründete Unitarian Universalist Buddhist Fellowship (UUBF)[2], die die Buddhisten unter den Unitarier-Universailsten betreut.

2004 wurde der Red River Unitarian Universalist Church in Denison (Texas) die staatliche Steuerfreiheit verweigert, weil die Kirche angeblich „kein Glaubenssystem“ habe. Dieser in der Geschichte der Vereinigten Staaten wohl einmalige Fall, dass einer unitarischen Kirche dieser Status wegen Glaubensfragen verweigert wurde, wurde später wieder rückgängig gemacht.

Neugründungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2002 wurde schließlich die American Unitarian Conference (AUC)[3] mit dem Ziel der „Erneuerung des historischen unitarischen Glaubens“ gegründet. Sie vertritt ein Bündel Gott-zentrierter (= theistischer) religiöser Grundregeln, verzichtet aber – wie der unitarische Universalismus – auf ein verbindliches Glaubensbekenntnis der Mitglieder.

Anders positioniert sich die Unitarian Christian Church of America (UCCA), die sich als genuin christliche Kirche versteht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, christlich-antitrinitarische Unitarier in einer Organisation zu vernetzen. Gegründet wurde sie 2016 aus dem Zusammenschluss der Unitarian Christian Emerging Church (UCEC) und der Unitarian Christian Conference USA (UCC).[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrew M. Hill: Unitarier. In: Theologische Realenzyklopädie 34, 2002, S. 332–339.
  • Earl Morse Wilbur: A History of Unitarianism – In Transylvania, England, and America. Beacon Press Boston 1977, ISBN 0-8070-1386-2.
  • Wolfgang Deppert, Werner Erdt, Aart de Groot (Hrsg.): Der Einfluß der Unitarier auf die europäisch-amerikanische Geistesgeschichte. Vorträge der ersten deutschen wissenschaftlichen Tagung zur Unitarismusforschung vom 13.–14. Juni 1985 in Hamburg. In: Unitarismusforschung, Band 1, Lang, Frankfurt am Main 1990, ISSN 0930-4118, ISBN 3-631-41859-0.
  • Kathryn Gleadle: The Early Feminists. Radical Unitarians and the Emergence of the Women’s Rights Movements, 1831–51. Macmillan, Basingstoke 1995, ISBN 0-333-63382-2.
  • Conrad Wright: The Unitarian Controversy. Essays on American Unitarian History. Skinner, Boston 1994, ISBN 1-55896-284-0 (englisch).
  • Friedrich Schrader: Robert College, in Nord und Süd, November 1919, S. 165–169 (beschreibt die Rolle der Unitarier und ihr gutes Verhältnis zu lokalen Derwisch­orden in Konstantinopel bei der Gründung des Robert College 1860).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unitarian Universalists – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unitarian Universalist Association of Congregations. Unitarian Universalist Association of Congregations, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  2. Welcome to the home page of the Unitarian Universalist Buddhist Fellowship! Unitarian Universalist Buddhist Fellowship, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  3. Welcome Unitarians! American Unitarian Conference, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  4. Unitarian Christian Church of America. Unitarian Christian Church of America, abgerufen am 26. Februar 2017.
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