Welcker-Serenade

Die Welcker-Serenade (auch Welcker-Kundgebung[1] oder Welcker-Demonstration[2]) war eine Feierstunde demokratisch gesonnener Bürger am Abend des 28. September 1841 in Berlin zu Ehren des badischen Liberalen Carl Theodor Welcker. Die preußische Obrigkeit wertete die Zusammenkunft als eine ungehörige Demonstration. Sowohl das Ereignis als auch die anschließenden Maßregelungen von Beteiligten durch die Behörden fanden große Aufmerksamkeit in der politisch interessierten Öffentlichkeit.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Preußen gab es im Vormärz keine Versammlungsfreiheit. Eine Möglichkeit, seine politische Überzeugung kundzutun, waren öffentliche Ehrungen und Freundschaftsbezeugungen gegenüber solchen Persönlichkeiten, die für dieselben Auffassungen bekannt waren. Das konnte durch ein Festessen geschehen, durch einen Fackelzug zum Haus des Geehrten oder durch eine „Serenade“, ein abendliches Ständchen vor seinem Haus. Diese Formen des Sympathieerweises nutzen alle politischen Lager, vor allem aber die Liberalen und Demokraten, die infolge der Karlsbader Beschlüsse und der Demagogenverfolgungen nicht damit rechnen konnten, dass ihnen die Behörden eine andere Möglichkeit der „Demonstration“ (womit im damaligen Sprachgebrauch jeder öffentliche Ausdruck politischer Forderungen gemeint war) genehmigt hätten.

Einer der Verfechter einer „constitutionellen Monarchie im liberalen und oppositionellen Sinne“ war Carl Theodor Welcker.[3] Welcker war vor allem in Süddeutschland weitbekannt.[4] Als ihm 1833 eine Gefängnisstrafe wegen der vermeintlichen Beleidigung des Großherzogs drohte, planten seine Anhänger in Mannheim eine Serenade mit Fackelzug zu seiner Unterstützung. Doch die Serenade für Welcker wurde von dem Behörden unterbunden.[5]

Die Ereignisse am 28. und am 29. September 1841[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September und Oktober 1841 unternahm Welcker, zeitweise begleitet von Johann Adam von Itzstein,[6] eine Reise durch Sachsen und Preußen,[7] die auf Beobachter wie eine „Triumphreise“ wirkte.[8] In Jena wurde er gefeiert, in Leipzig boten Studenten ihm ein „Lebehoch“ dar,[9] in Dresden wurde ihm eine „Nachtmusik“ zuteil. Als bekannt wurde, dass Welcker nach Berlin kommen werde, trat dort „ein Verein wissenschaftlich gebildeter Männer, vorzüglich Literaten“ zusammen und beschloss, ihn ebenfalls zu ehren.[10]

In Berlin angekommen, war er zunächst bei Bettina von Arnim zu Gast.[7] Am 28. September 1841 abends um 10 Uhr versammelte sich eine stetig wachsende Menge vor dem Hotel zum Kronprinzen in der Königsstraße, in dem Welcker logierte. Das Musikkorps der Gardeartillerie spielte die Ouvertüre der die Freiheitsliebe verherrlichenden Oper La muette de Portici von Daniel-François-Esprit Auber. Adolf Friedrich Rutenberg brachte ein „Vivat!“ auf den „kühnen, unermüdlichen Vorfechter für deutsche Volksrechte“ aus. Anschließend hielt Welcker vom Fenster „eine freie, kühne Rede an die Versammelten“.[11] Unter den Zuhörern traten besonders die Studenten in Erscheinung.[12] Insgesamt sollen „Tausende“ zugegen gewesen sein.[13] Die Menge sang Lieder wie „Was ist des Deutschen Vaterland?“ und „Freiheit, die ich meine“ und zerstreute sich erst gegen Mitternacht.[7] Die Initiatoren und Welcker feierten in einer Weinstube weiter.[14] Eine weitere Kundgebung für Welcker folgte am nächsten Tag.[7]

Bekannte Teilnehmer der Welcker-Serenade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den Organisatoren der Serenade finden sich einige bekannte Namen, damals meist jüngeren Alters:

Die Reaktion der Obrigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tags darauf, am 30. September, sah Welcker sich genötigt, Berlin zu verlassen.[19] Denn ihm drohte die Ausweisung aus Berlin.[20] Er reiste weiter nach Hamburg, wo ihm am 5. Oktober wiederum „bei Fackelschein“ ein „Ständchen“ gegeben wurde.[21] Bei dieser Gelegenheit erklang erstmals „Das Lied der Deutschen“.[22]

In Berlin gingen die Behörden derweil gegen die Urheber der Welcker-Serenade vor. Wegen die Veranstaltung an sich hatten sie keine Handhabe. Denn die erforderliche behördliche Genehmigung vorab hatten die Veranstalter erhalten,[23] und zwar durch einen „echt vormärzlichen Husarenstreich“.[24] Dem zuständigen Beamten hatten sie weisgemacht, man wolle dem Wirt des „Kronprinzen“ ein Ständchen bringen. Gleichwohl wollte das Polizeiministerium nach Welckers Abreise den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen. Denn eines war offenkundig. Es war „mehr als eine bloße Serenade“.[25] „Die Festbankette und Serenaden galten, wie die Regierung sehr wohl wusste, nicht der Person Welckers, sondern der Sache, die er vertrat.“[26] Die Regierung war beunruhigt, weil es nicht bei einer Feier im kleinen Kreis geblieben war, sondern „einiger Pöbel mitgejauchzt“ hatte.[27]Offenbar war es mehr als nur eine „Studentendemonstration“.[28] Die Regierung war zudem beunruhigt, weil unter den Teilnehmern auch Personen waren, von denen sie es nicht erwartet hatte: Wentzel als Mitarbeiter der staatstragenden Staatszeitung, der Sohn eines Oberpräsidenten, gar die Militärmusiker.

Das preußische Polizeiministerium führte eine Untersuchung über die Vorfälle. Wohl auch um nicht weitere Aufmerksamkeit auf die Welcker-Serenade zu lenken, empfahl das Polizeiministerium in seinem Bericht an König Friedrich Wilhelm IV., „daß denn doch kein Anlaß zu weiteren gerichtlichen oder polizeilichen Verfahren sei“.[29] Der König jedoch wollte die Welcker-Serenade nicht auf sich beruhen lassen. Er erließ eine Kabinettsorder, der zufolge die Staatsbediensteten unter den Teilnehmern einen strengen Verweis erhielten.[30] Bruno Bauer, seit 1839 Privatdozent an der Universität Bonn, sei aus seinem Lehramte zu entfernen. Weitere Maßnahmen folgten:

  • Rudolf Wentzel verlor seine Stelle.[25] In einer Eingabe verwanden sich Eichler, Köppen, Meyen, Mügge, Rutenberg und Zabel für ihn.[31]
  • Karl Friedrich Köppen wurde verwarnt und eine dreimonatige polizeiliche Überwachung über ihn verhängt.[32] Insgesamt wurden drei Teilnehmer der Welcker-Serenade „unter polizeiliche Aufsicht“ gestellt.[33]
  • Wilhelm Cornelius musste Berlin verlassen.[34]
  • Karl Riedel wurde wegen seiner Teilnahme an der Welcker-Serenade ebenfalls ausgewiesen.[35] Die Konzession zur Herausgabe des „Athenäums“ wurde ihm und Meyen wegen ihrer Teilnahme an der Serenade für Welcker entzogen.[36]

Am 7. November 1841 wurden die Initiatoren der Welcker-Serenade im Polizeipräsidium vernommen.[37] Sie mussten einen Revers unterschreiben, dass sie „weder einen politischen Zweck, noch die Beleidigung des Königs im Sinne gehabt“ hatten, sondern lediglich Welcker eine Ehre erweisen wollten.[38] Dennoch ließ Polizeipräsident von Puttkammer bald darauf noch einmal „sieben Welcker-Freunde“ vorladen und warnte sie, „an öffentlichen Orten nicht lose Reden zu führen“.[39]

Für einige der prominenten Teilnehmer der Welcker-Serenade wogen die mittelbaren Folgen schwerer als die unmittelbaren Folgen. Denn wer von ihnen zuvor noch nicht von der Polizei beäugt worden war, geriet durch seine Teilnahme in deren Visier.[40] Für diejenigen, die schon zuvor als „verdächtige Elemente“ gegolten hatten, verlängerte / verschärfte sich der Beobachtungsdruck, so etwa für Adolf Friedrich Rutenberg. Als er am 2. Februar 1842 auf Vorschlag von Karl Marx leitender Redakteur der Rheinischen Zeitung wurde, brachte er den „Makel“ der Welcker-Serenade und das „Verdächtigsein“ gewissermaßen mit, wie die preußischen Zensurakten bezüglich der Rheinischen Zeitung bezeugen.[41]

Die öffentliche Anteilnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Welcker-Serenade und – mehr noch – die folgenden Repressionen gegen die Initiatoren fanden weite Beachtung in der politische Öffentlichkeit und in der zeitgenössischen Publizistik,[42] zum Teil durchaus kontrovers.[43] Die Zeitgenossen hoben hervor, dass die öffentlichen Kundgebungen für bürgerliche Freiheiten nun auch Berlin erreicht hätten. Dort habe man zuvor „nur Malern und Gelehrten Serenaden und Fackelzüge gebracht, einem freisinnigen deutschen Volksabgeordneten geschieht diese Ehre zum ersten Male“.[44] Die von Friedrich de la Motte-Fouqué herausgegebene Zeitung für den deutschen Adel, die das Ereignis der Welcker-Serenade und dessen Urheber negativ schilderte, nahm es immerhin als einen „Beweis“ dafür, dass die Redefreiheit „in Preußen sogar auf den Straßen grünt und blüht“.[45]Ernst Dronke schilderte in seinem Panorama des damaligen Berlin die Welcker-Serenade auch deshalb, weil er darin ein Beispiel dafür sah, dass sich Anfang der 1840er Jahre „in der Öffentlichkeit des bürgerlichen Lebens ein vorwärts strebender Geist immer mehr kund[machte]“.[46]

Es fehlte nicht an Sympathiebezeugungen mit den Gemaßregelten. So lud der Intendant des Potsdamer Theaters die Teilnehmer der Welcker-Serenade zu einer Aufführung der Antigone des Sophokles ein, jenes zeitlosen Vorbilds für ein moralisch gerechtfertigtes Aufbegehren gegen staatliche Ordnung.[47]

Das Vorgehen des Königs war ein Dämpfer für manche Hoffnungen, die sich vor dessen Regierungsantritt auf Friedrich Wilhelm IV. gerichtet hatten.[48] Gleichwohl wurde die Welcker-Serenade für wert befunden, in die offiziöse Chronik der seiner Regierung aufgenommen zu werden.[49]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch bedeutsam ist die Welcker-Serenade, weil sie zeigt, dass es im Jahrzehnt vor der Revolution von 1848 nur eines kleinen Anlasses wie der Durchreise eines bekannten Liberalen bedurfte, damit sowohl der Verdruss eines Gutteils des Bürgertums über die politischen Verhältnisse im Vormärz, insbesondere über die Verweigerung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, als auch dessen Bereitschaft, dagegen aufzubegehren, öffentlich wurden. So wird sie in zahlreichen Darstellungen zur deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert, insbesondere zur Vorgeschichte der Revolution 1848, erwähnt.[50][51][52][53][54] In der marxistischen Interpretation steht die Episode der Welcker-Serenade für das fortschrittliche politisch-gesellschaftliche Bewusstsein der Junghegelianer „gegenüber dem zurückgebliebenen, abgelebten süddeutschen Liberalismus“.[55]Helmut Hirsch zieht den Schluss, dass die Ereignisse bei und nach der Welcker-Serenade „auf die geschichtlich wichtigsten Figuren aus dem ganzen Kreis, Marx und Engels, radikalisierend gewirkt“ haben.[56] „Weil die herrschenden Schichten Deutschlands keine radikalen Dozenten wollten, schenkten sie der Welt Dozenten des Radikalismus.“[56]

Ein persönliches Resümee besonderer Art zog Carl Friedrich Welcker, als er für die zweite Auflage des Staatslexikons den Artikel Adresse, Adressenwesen, politische Demonstrationen schrieb. Er verteidigte „öffentliche Handlungen wie etwa Serenaden und die Anreden an die öffentlich Gefeierten und deren öffentliche Antworten“ als für die politische Meinungsbildung unerlässlich. In der „Huldigung für die Freiheit und für freigesinnte Männer“ komme „die Liebe zur Freiheit bei an sich unbedeutenden Veranlassungen wie ein Lauffeuer … zum Vorschein“.[57]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Wild: Karl Theodor Welcker. Ein Vorkämpfer des älteren Liberalismus. Winter, Heidelberg 1913 (vor allem die beiden Abschnitte „Reise nach Norddeutschland“ und „In Berlin“, S. 190).
  • Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42 (online)
  • Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. Fink, München 1988, ISBN 3-7705-2434-9.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42.
  2. Lars Lambrecht: „… Mit der Heftigkeit der französischen Revolutionäre von 1792 …“? Zur Rezeption der französischen Revolution und der Philosophie Fichtes durch den Junghegelianer A. Rutenberg. In: Domenico Losurdo (Hrsg.): Rivoluzione Francese e filosofia classica tedesca. QuattroVenti, Urbino 1993, ISBN 88-392-0229-3, S. 147–168, hier S. 159.
  3. Friedrich von WeechWelcker, Karl Theodor. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 660–665.
  4. Franz Schnabel: Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert, Bd. 2: Monarchie und Volkssouveränität. Herder, Freiburg im Breisgau 1933, S. 178.
  5. Bruno Bauer: Geschichte der constitutionellen und revolutionären Bewegungen im südlichen Deutschland in den Jahren 1831–1834. Verlag Egbert Bauer, Charlottenburg 1845, Bd. 3, S. 198.
  6. Velhagen & Klasings Monatshefte, Jg. 17 (1903), S. 922.
  7. abcd Karl Wild: Karl Theodor Welcker. Ein Vorkämpfer des älteren Liberalismus. Winter, Heidelberg 1913, S. 190.
  8. Zeitung für die elegante Welt vom 12. November 1841, S. 887.
  9. Zeitung für die elegante Welt vom 18. September 1841, S. 732.
  10. Augsburger Allgemeine Zeitung vom 5. Oktober 1841, zitiert nach Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. Fink, München 1988, ISBN 3-7705-2434-9, S. 206.
  11. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 339.
  12. Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen vom 1. Oktober 1841.
  13. Regensburger Zeitung vom 16. Oktober 1841.
  14. Dieter Hertz-Eichenrode: Der Junghegelianer Bruno Bauer im Vormärz. Freie Universität, Berlin., 1959, S. 82.
  15. Johannes Wenzel: Jakob Burckhardt in der Krise seiner Zeit. Deutscher Verlag der Wissenschaft, Berlin 1967, S. 17.
  16. Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. Fink, München 1988, S. 75.
  17. Zu seiner Beteiligung an der Welcker-Serenade siehe Johann Jacoby: Briefwechsel 1816–1849. Herausgegeben von Edmund Silberner. Fackelträger-Verlag, Hannover 1974, ISBN 3-7716-1362-0, S. 157–158.
  18. Zu seiner Beteiligung an der Welcker-Serenade siehe Art. Köppen, Karl Friedrich. In: Killy Literaturlexikon, Bd. 6: Huh – Kräf. 2., vollständig überarbeitete Auflage. de Gruyter, Berlin 2009, S. 566–568, hier S. 567.
  19. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 340.
  20. Karl Wild: Karl Theodor Welcker. Ein Vorkämpfer des älteren Liberalismus. Winter, Heidelberg 1913, S. 190, Fußnote 2.
  21. Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Mein Leben. Aufzeichnungen und Erinnerungen. Rümpler, Hannover 1868, Bd. 3, S. 222.
  22. Peter Rühmkorf: „Das Lied der Deutschen“. Wallstein-Verlag, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-463-3, S. 8.
  23. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 355.
  24. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 32.
  25. ab Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 31.
  26. Boris Iwanowitsch Nikolajewski, Otto Mänchen-Helfen: Karl Marx. Eine Biographie. Dietz, Berlin 1963, S. 46.
  27. Friedrich Wilhelm Benicken: Chronik des neunzehnten Jahrhunderts, Neue Folge, Band 2: 1841. Expedition der Thüringischen Chronik, Erfurt 1842, S. 100.
  28. So sah es Wilhelm Klutentreter: Die Rheinische Zeitung von 1842/1843 in der politischen und geistigen Bewegung des Vormärz. Ruhfus, Dortmund 1966, Bd. 1, S. 67: „… die sogenannte Welcker-Serenade in Berlin hatte zwar die Gemüter erregt, sie trug aber noch den Charakter einer Studentendemonstration“.
  29. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 357.
  30. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 358.
  31. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 39–41.
  32. Helmut Hirsch: Karl Friedrich Köppen. Der intimste Berlin Freund Marxens. In: Ders.: Denker und Kämpfer. Gesammelte Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1955, S. 19–81, hier S. 49.
  33. Ernst Dronke: Berlin. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1846, Bd. 1, S. 213.
  34. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 38.
  35. Wolfgang Bunzel: „Die vollkommenste Einigung der Wissenschaft mit dem Leben“. Briefe von Eduard Meyen an Arnold Ruge (1838–1841). In: Ders. (Hrsg.): Schnittpunkt Romantik. Text- und Quellenstudien zur Literatur des 19. Jahrhunderts. Niemeyer, Tübingen 1997, S. 143–204, hier S. 150.
  36. Eberhard Quadflieg: Dokumente zum Werden von Constantin Frantz. In: Historisches Jahrbuch, Jg. 53 (1933), S. 320–357, hier S. 323.
  37. Julius Lasker, Friedrich Gerhard: Des deutschen Volkes Erhebung im Jahre 1848, sein Kampf um freie Institutionen und sein Siegesjubel. Ein Volks- und Erinnerungsbuch für die Mit- und Nachwelt. Friedrich Gerhard, Danzig 1848, S. 166 (Digitalisat) der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.
  38. Die Vier ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms IV. oder Materialien zur Regierungsgeschichte Friedrich Wilhelms IV. Bd. 1: Vom 7. Juni 1840 bis zum 26. Juli 1844. Voigt, Königsberg 1842, S. 44.
  39. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 376.
  40. Gustav Mayer: Die Anfänge des politischen Radikalismus im vormärzlichen Preußen. In: Ders.: Radikalismus, Sozialismus und bürgerliche Demokratie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969, S. 7–107, hier S. 54.
  41. Joseph Hansen (Hrsg.): Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830–1850, Bd. 1: 1830–1845. Baedeker, Essen 1919, S. 318.
  42. Zum Beispiel: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 5. Oktober 1841, Regensburger Zeitung vom 8. Oktober 1841 und vom 26. Oktober 1841, Augsburger Postzeitung vom 9. November 1841.
  43. Zu der unterschiedlichen Darstellungen zum Verlauf der Welcker-Serenade und den unterschiedlichen Bewertungen siehe die Regensburger Zeitung vom 16. Oktober 1841.
  44. Zeitung für die elegante Welt vom 4. November 1841, S. 864.
  45. Zeitung für den deutschen Adel vom 6. November 1841, S. 354.
  46. Ernst Dronke: Berlin. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1846, Bd. 1, S. 212.
  47. Neue Würzburger Zeitung vom 17. November 1841.
  48. Zu dem „freiheitlichen Luftzug“ im ersten Regierungsjahr von Friedrich Wilhelm IV. siehe Otto Vossler: Die Revolution von 1848 in Deutschland. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967, S. 52.
  49. Die Vier ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms IV. oder Materialien zur Regierungsgeschichte Friedrich Wilhelms IV. Teil 1: Vom 7. Juni 1840 bis zum 26. Juli 1844. Voigt, Königsberg 1842, S. 39.
  50. Friedrich Arnold Steinmann: Geschichte der Revolution in Preußen. Friedrich Gerhard, Berlin 1849, S. 44.
  51. Eduard Burckhardt: Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit. Bd. 5: Geschichte der Jahre 1840–1846. C.B. Lorck, Leipzig 1850, S. 38.
  52. Johann Georg August Wirth, Wilhelm Zimmermann: Die Geschichte der deutschen Staaten von der Auflösung des Reiches bis auf unsere Tage, Bd. 3. Kunstverlag, Karlsruhe 1850, S. 694.
  53. Heinrich von Treitschke: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Bd. 5: Bis zur März-Revolution. Hirzel, Leipzig 1894, S. 274.
  54. Veit Valentin: Geschichte der deutschen Revolution von 1848-49, Bd. 2: Bis zum Ende der Volksbewegung von 1849. Ullstein, Berlin 1931, S. 49.
  55. Friedrich Engels: Werke und Schriften bis Anfang 1844 nebst Briefen und Dokumenten. Marx-Engels-Verlag, Berlin 1930, S. LXIII (textgleich mit Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 41). Siehe zu Welckers Berlin-Besuch 1841 auch: Friedrich Engels: Werke, Artikel, Entwürfe bis August 1844 (= Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), Abt. 1, Bd. 3), Dietz, Berlin 1985, ISBN 3-05-003353-3, S. 971 und 1252.
  56. ab Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 42.
  57. Carl Friedrich Welcker: Art. Adresse, Adressenwesen, politische Demonstrationen. In: Staats-Lexikon, 2. Aufl. Bd. 1, S. 144–148, Zitate S. 145.

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Die Welcker-Serenade (auch Welcker-Kundgebung[1] oder Welcker-Demonstration[2]) war eine Feierstunde demokratisch gesonnener Bürger am Abend des 28. September 1841 in Berlin zu Ehren des badischen Liberalen Carl Theodor Welcker. Die preußische Obrigkeit wertete die Zusammenkunft als eine ungehörige Demonstration. Sowohl das Ereignis als auch die anschließenden Maßregelungen von Beteiligten durch die Behörden fanden große Aufmerksamkeit in der politisch interessierten Öffentlichkeit.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Preußen gab es im Vormärz keine Versammlungsfreiheit. Eine Möglichkeit, seine politische Überzeugung kundzutun, waren öffentliche Ehrungen und Freundschaftsbezeugungen gegenüber solchen Persönlichkeiten, die für dieselben Auffassungen bekannt waren. Das konnte durch ein Festessen geschehen, durch einen Fackelzug zum Haus des Geehrten oder durch eine „Serenade“, ein abendliches Ständchen vor seinem Haus. Diese Formen des Sympathieerweises nutzen alle politischen Lager, vor allem aber die Liberalen und Demokraten, die infolge der Karlsbader Beschlüsse und der Demagogenverfolgungen nicht damit rechnen konnten, dass ihnen die Behörden eine andere Möglichkeit der „Demonstration“ (womit im damaligen Sprachgebrauch jeder öffentliche Ausdruck politischer Forderungen gemeint war) genehmigt hätten.

Einer der Verfechter einer „constitutionellen Monarchie im liberalen und oppositionellen Sinne“ war Carl Theodor Welcker.[3] Welcker war vor allem in Süddeutschland weitbekannt.[4] Als ihm 1833 eine Gefängnisstrafe wegen der vermeintlichen Beleidigung des Großherzogs drohte, planten seine Anhänger in Mannheim eine Serenade mit Fackelzug zu seiner Unterstützung. Doch die Serenade für Welcker wurde von dem Behörden unterbunden.[5]

Die Ereignisse am 28. und am 29. September 1841[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September und Oktober 1841 unternahm Welcker, zeitweise begleitet von Johann Adam von Itzstein,[6] eine Reise durch Sachsen und Preußen,[7] die auf Beobachter wie eine „Triumphreise“ wirkte.[8] In Jena wurde er gefeiert, in Leipzig boten Studenten ihm ein „Lebehoch“ dar,[9] in Dresden wurde ihm eine „Nachtmusik“ zuteil. Als bekannt wurde, dass Welcker nach Berlin kommen werde, trat dort „ein Verein wissenschaftlich gebildeter Männer, vorzüglich Literaten“ zusammen und beschloss, ihn ebenfalls zu ehren.[10]

In Berlin angekommen, war er zunächst bei Bettina von Arnim zu Gast.[7] Am 28. September 1841 abends um 10 Uhr versammelte sich eine stetig wachsende Menge vor dem Hotel zum Kronprinzen in der Königsstraße, in dem Welcker logierte. Das Musikkorps der Gardeartillerie spielte die Ouvertüre der die Freiheitsliebe verherrlichenden Oper La muette de Portici von Daniel-François-Esprit Auber. Adolf Friedrich Rutenberg brachte ein „Vivat!“ auf den „kühnen, unermüdlichen Vorfechter für deutsche Volksrechte“ aus. Anschließend hielt Welcker vom Fenster „eine freie, kühne Rede an die Versammelten“.[11] Unter den Zuhörern traten besonders die Studenten in Erscheinung.[12] Insgesamt sollen „Tausende“ zugegen gewesen sein.[13] Die Menge sang Lieder wie „Was ist des Deutschen Vaterland?“ und „Freiheit, die ich meine“ und zerstreute sich erst gegen Mitternacht.[7] Die Initiatoren und Welcker feierten in einer Weinstube weiter.[14] Eine weitere Kundgebung für Welcker folgte am nächsten Tag.[7]

Bekannte Teilnehmer der Welcker-Serenade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den Organisatoren der Serenade finden sich einige bekannte Namen, damals meist jüngeren Alters:

Die Reaktion der Obrigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tags darauf, am 30. September, sah Welcker sich genötigt, Berlin zu verlassen.[19] Denn ihm drohte die Ausweisung aus Berlin.[20] Er reiste weiter nach Hamburg, wo ihm am 5. Oktober wiederum „bei Fackelschein“ ein „Ständchen“ gegeben wurde.[21] Bei dieser Gelegenheit erklang erstmals „Das Lied der Deutschen“.[22]

In Berlin gingen die Behörden derweil gegen die Urheber der Welcker-Serenade vor. Wegen die Veranstaltung an sich hatten sie keine Handhabe. Denn die erforderliche behördliche Genehmigung vorab hatten die Veranstalter erhalten,[23] und zwar durch einen „echt vormärzlichen Husarenstreich“.[24] Dem zuständigen Beamten hatten sie weisgemacht, man wolle dem Wirt des „Kronprinzen“ ein Ständchen bringen. Gleichwohl wollte das Polizeiministerium nach Welckers Abreise den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen. Denn eines war offenkundig. Es war „mehr als eine bloße Serenade“.[25] „Die Festbankette und Serenaden galten, wie die Regierung sehr wohl wusste, nicht der Person Welckers, sondern der Sache, die er vertrat.“[26] Die Regierung war beunruhigt, weil es nicht bei einer Feier im kleinen Kreis geblieben war, sondern „einiger Pöbel mitgejauchzt“ hatte.[27]Offenbar war es mehr als nur eine „Studentendemonstration“.[28] Die Regierung war zudem beunruhigt, weil unter den Teilnehmern auch Personen waren, von denen sie es nicht erwartet hatte: Wentzel als Mitarbeiter der staatstragenden Staatszeitung, der Sohn eines Oberpräsidenten, gar die Militärmusiker.

Das preußische Polizeiministerium führte eine Untersuchung über die Vorfälle. Wohl auch um nicht weitere Aufmerksamkeit auf die Welcker-Serenade zu lenken, empfahl das Polizeiministerium in seinem Bericht an König Friedrich Wilhelm IV., „daß denn doch kein Anlaß zu weiteren gerichtlichen oder polizeilichen Verfahren sei“.[29] Der König jedoch wollte die Welcker-Serenade nicht auf sich beruhen lassen. Er erließ eine Kabinettsorder, der zufolge die Staatsbediensteten unter den Teilnehmern einen strengen Verweis erhielten.[30] Bruno Bauer, seit 1839 Privatdozent an der Universität Bonn, sei aus seinem Lehramte zu entfernen. Weitere Maßnahmen folgten:

  • Rudolf Wentzel verlor seine Stelle.[25] In einer Eingabe verwanden sich Eichler, Köppen, Meyen, Mügge, Rutenberg und Zabel für ihn.[31]
  • Karl Friedrich Köppen wurde verwarnt und eine dreimonatige polizeiliche Überwachung über ihn verhängt.[32] Insgesamt wurden drei Teilnehmer der Welcker-Serenade „unter polizeiliche Aufsicht“ gestellt.[33]
  • Wilhelm Cornelius musste Berlin verlassen.[34]
  • Karl Riedel wurde wegen seiner Teilnahme an der Welcker-Serenade ebenfalls ausgewiesen.[35] Die Konzession zur Herausgabe des „Athenäums“ wurde ihm und Meyen wegen ihrer Teilnahme an der Serenade für Welcker entzogen.[36]

Am 7. November 1841 wurden die Initiatoren der Welcker-Serenade im Polizeipräsidium vernommen.[37] Sie mussten einen Revers unterschreiben, dass sie „weder einen politischen Zweck, noch die Beleidigung des Königs im Sinne gehabt“ hatten, sondern lediglich Welcker eine Ehre erweisen wollten.[38] Dennoch ließ Polizeipräsident von Puttkammer bald darauf noch einmal „sieben Welcker-Freunde“ vorladen und warnte sie, „an öffentlichen Orten nicht lose Reden zu führen“.[39]

Für einige der prominenten Teilnehmer der Welcker-Serenade wogen die mittelbaren Folgen schwerer als die unmittelbaren Folgen. Denn wer von ihnen zuvor noch nicht von der Polizei beäugt worden war, geriet durch seine Teilnahme in deren Visier.[40] Für diejenigen, die schon zuvor als „verdächtige Elemente“ gegolten hatten, verlängerte / verschärfte sich der Beobachtungsdruck, so etwa für Adolf Friedrich Rutenberg. Als er am 2. Februar 1842 auf Vorschlag von Karl Marx leitender Redakteur der Rheinischen Zeitung wurde, brachte er den „Makel“ der Welcker-Serenade und das „Verdächtigsein“ gewissermaßen mit, wie die preußischen Zensurakten bezüglich der Rheinischen Zeitung bezeugen.[41]

Die öffentliche Anteilnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Welcker-Serenade und – mehr noch – die folgenden Repressionen gegen die Initiatoren fanden weite Beachtung in der politische Öffentlichkeit und in der zeitgenössischen Publizistik,[42] zum Teil durchaus kontrovers.[43] Die Zeitgenossen hoben hervor, dass die öffentlichen Kundgebungen für bürgerliche Freiheiten nun auch Berlin erreicht hätten. Dort habe man zuvor „nur Malern und Gelehrten Serenaden und Fackelzüge gebracht, einem freisinnigen deutschen Volksabgeordneten geschieht diese Ehre zum ersten Male“.[44] Die von Friedrich de la Motte-Fouqué herausgegebene Zeitung für den deutschen Adel, die das Ereignis der Welcker-Serenade und dessen Urheber negativ schilderte, nahm es immerhin als einen „Beweis“ dafür, dass die Redefreiheit „in Preußen sogar auf den Straßen grünt und blüht“.[45]Ernst Dronke schilderte in seinem Panorama des damaligen Berlin die Welcker-Serenade auch deshalb, weil er darin ein Beispiel dafür sah, dass sich Anfang der 1840er Jahre „in der Öffentlichkeit des bürgerlichen Lebens ein vorwärts strebender Geist immer mehr kund[machte]“.[46]

Es fehlte nicht an Sympathiebezeugungen mit den Gemaßregelten. So lud der Intendant des Potsdamer Theaters die Teilnehmer der Welcker-Serenade zu einer Aufführung der Antigone des Sophokles ein, jenes zeitlosen Vorbilds für ein moralisch gerechtfertigtes Aufbegehren gegen staatliche Ordnung.[47]

Das Vorgehen des Königs war ein Dämpfer für manche Hoffnungen, die sich vor dessen Regierungsantritt auf Friedrich Wilhelm IV. gerichtet hatten.[48] Gleichwohl wurde die Welcker-Serenade für wert befunden, in die offiziöse Chronik der seiner Regierung aufgenommen zu werden.[49]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch bedeutsam ist die Welcker-Serenade, weil sie zeigt, dass es im Jahrzehnt vor der Revolution von 1848 nur eines kleinen Anlasses wie der Durchreise eines bekannten Liberalen bedurfte, damit sowohl der Verdruss eines Gutteils des Bürgertums über die politischen Verhältnisse im Vormärz, insbesondere über die Verweigerung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, als auch dessen Bereitschaft, dagegen aufzubegehren, öffentlich wurden. So wird sie in zahlreichen Darstellungen zur deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert, insbesondere zur Vorgeschichte der Revolution 1848, erwähnt.[50][51][52][53][54] In der marxistischen Interpretation steht die Episode der Welcker-Serenade für das fortschrittliche politisch-gesellschaftliche Bewusstsein der Junghegelianer „gegenüber dem zurückgebliebenen, abgelebten süddeutschen Liberalismus“.[55]Helmut Hirsch zieht den Schluss, dass die Ereignisse bei und nach der Welcker-Serenade „auf die geschichtlich wichtigsten Figuren aus dem ganzen Kreis, Marx und Engels, radikalisierend gewirkt“ haben.[56] „Weil die herrschenden Schichten Deutschlands keine radikalen Dozenten wollten, schenkten sie der Welt Dozenten des Radikalismus.“[56]

Ein persönliches Resümee besonderer Art zog Carl Friedrich Welcker, als er für die zweite Auflage des Staatslexikons den Artikel Adresse, Adressenwesen, politische Demonstrationen schrieb. Er verteidigte „öffentliche Handlungen wie etwa Serenaden und die Anreden an die öffentlich Gefeierten und deren öffentliche Antworten“ als für die politische Meinungsbildung unerlässlich. In der „Huldigung für die Freiheit und für freigesinnte Männer“ komme „die Liebe zur Freiheit bei an sich unbedeutenden Veranlassungen wie ein Lauffeuer … zum Vorschein“.[57]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Wild: Karl Theodor Welcker. Ein Vorkämpfer des älteren Liberalismus. Winter, Heidelberg 1913 (vor allem die beiden Abschnitte „Reise nach Norddeutschland“ und „In Berlin“, S. 190).
  • Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42 (online)
  • Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. Fink, München 1988, ISBN 3-7705-2434-9.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42.
  2. Lars Lambrecht: „… Mit der Heftigkeit der französischen Revolutionäre von 1792 …“? Zur Rezeption der französischen Revolution und der Philosophie Fichtes durch den Junghegelianer A. Rutenberg. In: Domenico Losurdo (Hrsg.): Rivoluzione Francese e filosofia classica tedesca. QuattroVenti, Urbino 1993, ISBN 88-392-0229-3, S. 147–168, hier S. 159.
  3. Friedrich von WeechWelcker, Karl Theodor. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 660–665.
  4. Franz Schnabel: Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert, Bd. 2: Monarchie und Volkssouveränität. Herder, Freiburg im Breisgau 1933, S. 178.
  5. Bruno Bauer: Geschichte der constitutionellen und revolutionären Bewegungen im südlichen Deutschland in den Jahren 1831–1834. Verlag Egbert Bauer, Charlottenburg 1845, Bd. 3, S. 198.
  6. Velhagen & Klasings Monatshefte, Jg. 17 (1903), S. 922.
  7. abcd Karl Wild: Karl Theodor Welcker. Ein Vorkämpfer des älteren Liberalismus. Winter, Heidelberg 1913, S. 190.
  8. Zeitung für die elegante Welt vom 12. November 1841, S. 887.
  9. Zeitung für die elegante Welt vom 18. September 1841, S. 732.
  10. Augsburger Allgemeine Zeitung vom 5. Oktober 1841, zitiert nach Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. Fink, München 1988, ISBN 3-7705-2434-9, S. 206.
  11. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 339.
  12. Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen vom 1. Oktober 1841.
  13. Regensburger Zeitung vom 16. Oktober 1841.
  14. Dieter Hertz-Eichenrode: Der Junghegelianer Bruno Bauer im Vormärz. Freie Universität, Berlin., 1959, S. 82.
  15. Johannes Wenzel: Jakob Burckhardt in der Krise seiner Zeit. Deutscher Verlag der Wissenschaft, Berlin 1967, S. 17.
  16. Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. Fink, München 1988, S. 75.
  17. Zu seiner Beteiligung an der Welcker-Serenade siehe Johann Jacoby: Briefwechsel 1816–1849. Herausgegeben von Edmund Silberner. Fackelträger-Verlag, Hannover 1974, ISBN 3-7716-1362-0, S. 157–158.
  18. Zu seiner Beteiligung an der Welcker-Serenade siehe Art. Köppen, Karl Friedrich. In: Killy Literaturlexikon, Bd. 6: Huh – Kräf. 2., vollständig überarbeitete Auflage. de Gruyter, Berlin 2009, S. 566–568, hier S. 567.
  19. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 340.
  20. Karl Wild: Karl Theodor Welcker. Ein Vorkämpfer des älteren Liberalismus. Winter, Heidelberg 1913, S. 190, Fußnote 2.
  21. Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Mein Leben. Aufzeichnungen und Erinnerungen. Rümpler, Hannover 1868, Bd. 3, S. 222.
  22. Peter Rühmkorf: „Das Lied der Deutschen“. Wallstein-Verlag, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-463-3, S. 8.
  23. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 355.
  24. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 32.
  25. ab Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 31.
  26. Boris Iwanowitsch Nikolajewski, Otto Mänchen-Helfen: Karl Marx. Eine Biographie. Dietz, Berlin 1963, S. 46.
  27. Friedrich Wilhelm Benicken: Chronik des neunzehnten Jahrhunderts, Neue Folge, Band 2: 1841. Expedition der Thüringischen Chronik, Erfurt 1842, S. 100.
  28. So sah es Wilhelm Klutentreter: Die Rheinische Zeitung von 1842/1843 in der politischen und geistigen Bewegung des Vormärz. Ruhfus, Dortmund 1966, Bd. 1, S. 67: „… die sogenannte Welcker-Serenade in Berlin hatte zwar die Gemüter erregt, sie trug aber noch den Charakter einer Studentendemonstration“.
  29. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 357.
  30. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 358.
  31. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 39–41.
  32. Helmut Hirsch: Karl Friedrich Köppen. Der intimste Berlin Freund Marxens. In: Ders.: Denker und Kämpfer. Gesammelte Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1955, S. 19–81, hier S. 49.
  33. Ernst Dronke: Berlin. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1846, Bd. 1, S. 213.
  34. Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 38.
  35. Wolfgang Bunzel: „Die vollkommenste Einigung der Wissenschaft mit dem Leben“. Briefe von Eduard Meyen an Arnold Ruge (1838–1841). In: Ders. (Hrsg.): Schnittpunkt Romantik. Text- und Quellenstudien zur Literatur des 19. Jahrhunderts. Niemeyer, Tübingen 1997, S. 143–204, hier S. 150.
  36. Eberhard Quadflieg: Dokumente zum Werden von Constantin Frantz. In: Historisches Jahrbuch, Jg. 53 (1933), S. 320–357, hier S. 323.
  37. Julius Lasker, Friedrich Gerhard: Des deutschen Volkes Erhebung im Jahre 1848, sein Kampf um freie Institutionen und sein Siegesjubel. Ein Volks- und Erinnerungsbuch für die Mit- und Nachwelt. Friedrich Gerhard, Danzig 1848, S. 166 (Digitalisat) der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.
  38. Die Vier ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms IV. oder Materialien zur Regierungsgeschichte Friedrich Wilhelms IV. Bd. 1: Vom 7. Juni 1840 bis zum 26. Juli 1844. Voigt, Königsberg 1842, S. 44.
  39. Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Brockhaus, Leipzig 1861, Bd. 1, S. 376.
  40. Gustav Mayer: Die Anfänge des politischen Radikalismus im vormärzlichen Preußen. In: Ders.: Radikalismus, Sozialismus und bürgerliche Demokratie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969, S. 7–107, hier S. 54.
  41. Joseph Hansen (Hrsg.): Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830–1850, Bd. 1: 1830–1845. Baedeker, Essen 1919, S. 318.
  42. Zum Beispiel: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 5. Oktober 1841, Regensburger Zeitung vom 8. Oktober 1841 und vom 26. Oktober 1841, Augsburger Postzeitung vom 9. November 1841.
  43. Zu der unterschiedlichen Darstellungen zum Verlauf der Welcker-Serenade und den unterschiedlichen Bewertungen siehe die Regensburger Zeitung vom 16. Oktober 1841.
  44. Zeitung für die elegante Welt vom 4. November 1841, S. 864.
  45. Zeitung für den deutschen Adel vom 6. November 1841, S. 354.
  46. Ernst Dronke: Berlin. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1846, Bd. 1, S. 212.
  47. Neue Würzburger Zeitung vom 17. November 1841.
  48. Zu dem „freiheitlichen Luftzug“ im ersten Regierungsjahr von Friedrich Wilhelm IV. siehe Otto Vossler: Die Revolution von 1848 in Deutschland. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967, S. 52.
  49. Die Vier ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms IV. oder Materialien zur Regierungsgeschichte Friedrich Wilhelms IV. Teil 1: Vom 7. Juni 1840 bis zum 26. Juli 1844. Voigt, Königsberg 1842, S. 39.
  50. Friedrich Arnold Steinmann: Geschichte der Revolution in Preußen. Friedrich Gerhard, Berlin 1849, S. 44.
  51. Eduard Burckhardt: Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit. Bd. 5: Geschichte der Jahre 1840–1846. C.B. Lorck, Leipzig 1850, S. 38.
  52. Johann Georg August Wirth, Wilhelm Zimmermann: Die Geschichte der deutschen Staaten von der Auflösung des Reiches bis auf unsere Tage, Bd. 3. Kunstverlag, Karlsruhe 1850, S. 694.
  53. Heinrich von Treitschke: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Bd. 5: Bis zur März-Revolution. Hirzel, Leipzig 1894, S. 274.
  54. Veit Valentin: Geschichte der deutschen Revolution von 1848-49, Bd. 2: Bis zum Ende der Volksbewegung von 1849. Ullstein, Berlin 1931, S. 49.
  55. Friedrich Engels: Werke und Schriften bis Anfang 1844 nebst Briefen und Dokumenten. Marx-Engels-Verlag, Berlin 1930, S. LXIII (textgleich mit Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 41). Siehe zu Welckers Berlin-Besuch 1841 auch: Friedrich Engels: Werke, Artikel, Entwürfe bis August 1844 (= Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), Abt. 1, Bd. 3), Dietz, Berlin 1985, ISBN 3-05-003353-3, S. 971 und 1252.
  56. ab Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Kundgebung. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 1 (1961), S. 27–42, hier S. 42.
  57. Carl Friedrich Welcker: Art. Adresse, Adressenwesen, politische Demonstrationen. In: Staats-Lexikon, 2. Aufl. Bd. 1, S. 144–148, Zitate S. 145.

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